Job Marketing versus Employer Branding

Job Marketing vs. Employer Branding: Richtig Socializen im Recruiting

Mit Blick auf die veränderten Methoden der Personalgewinnung erklärt Gastautorin Alexandra Bergs wichtige Begriffe wie Job Marketing und setzt sie ins Verhältnis zum Employer Branding. Und was war nochmal Social Recruiting? Hier erfahren Sie es.

Dynamischer Wandel in der Personalgewinnung

Die Personalbeschaffung bzw. das Recruiting deutscher Unternehmen steht besonders in den letzten Jahren für einen stetigen und dynamischen Wandel. Dieses Phänomen ist auf Markttrends, den Fachkräftemangel und die technische Entwicklung unserer Arbeitswelt zurückzuführen.

Als Konsequenz passen Recruiter ihren Arbeitsalltag, ihre Recruiting-Kanäle und die Kandidatenansprache fortwährend an. Das allgemeine Nutzungsverhalten von Kandidaten zwingt Unternehmen regelrecht dazu, nicht nur klassische Jobbörsen oder die eigene Karriereseite zu bespielen, sondern auch soziale Netzwerke aktiv in ihre Recruiting-Prozesse zu integrieren.

Social Recruiting ist nunmehr ein fest etablierter Bestandteil des Arbeitsalltags. Allerdings stellt sich oft die Frage: Wie nutze ich Social Recruiting eigentlich richtig?

Employer Branding versus Job Marketing – Was ist das?

Employer Branding und Job Marketing. Diese Termini finden im Recruiting-Jargon ihren Platz. Sie werden oft losgelöst voneinander betrachtet und Unternehmen entwickeln einzelne Strategien, um das eine oder das andere umzusetzen. Im Social Recruiting ist dieses Silo-Denken jedoch fehl am Platz. Alle Komponenten sind idealerweise Teil einer übergreifenden, erfolgreichen Social Recruiting-Strategie. Aber warum ist das so?

Employer Branding: Talentansprache auf der Candidate Journey

Unternehmen wollen Talente an unterschiedlichen Punkten ihrer Candidate Journey ansprechen. Das heißt, dass Employer Branding gezielt eingesetzt wird, um die Marktposition zu stärken, Aufmerksamkeit für das Unternehmen zu generieren und reale Einblicke in den Arbeitsalltag zu schaffen.

Employer Branding versus Job Marketing
Quelle: VONQ

Job Marketing: Streuung der Stellenanzeigen

Job Marketing hingegen umfasst die Streuung der Stellenanzeigen auf unterschiedlichen Kanälen zur optimalen Bewerbung der Stelle auf der eigenen Karriereseite. Das heißt, ein aktiv suchender Kandidat, der das Unternehmen vielleicht schon kennt, entwickelt ein echtes Interesse am Unternehmen und der Stelle. Das wiederum bedeutet, der Recruiter muss erst einmal Aufmerksamkeit erregen, um dann ein Interesse zu entfachen.

Werden diese zwei Bereiche losgelöst behandelt, kostet das im Zweifel nicht nur unheimlich viel Zeit, sondern auch Geld und führt nicht zu den erhofften positiven Ergebnissen. Transparenz, Einheitlichkeit und Kommunikation sind Kernelemente von Social Media und logischerweise nur umsetzbar, wenn sie konsequent für alle Belange durchgesetzt werden.

Alles eine Frage der Zielgruppe im Recruiting

Unternehmen sind sich idealerweise darüber klar, welche Talente sie ansprechen und überzeugen wollen. Wenn dieser solide strategische und vor allem detaillierte Plan steht, kann der Recruiter oder das Team darüber nachdenken, welche Mittel sich für die Ansprache und Kommunikation mit der Zielgruppe optimal eignen.

  • Ziehe ich Mitarbeiter aus der Fachabteilung hinzu, um echte Testimonials für mein Employer Branding Video zu gewinnen?
  • Welche Bedürfnisse haben Mitarbeiter aus diesem Bereich?
  • Wie und über welche Kanäle kommuniziere ich regelmäßig mit meiner Zielgruppe?
  • Wie muss dann meine Stellenanzeige aufgebaut werden?
  • Welche Benefits überzeugen und welche Fähigkeiten sind wirklich erforderlich?
  • Und wie kann ich all das nutzen, um die Direktansprache von Kandidaten einzuleiten?
  • Kann ich mein Employer Branding Video verknüpfen?
  • Passt die Stellenanzeige in mein Branding?
  • Was kann ich wie mitschicken?

Wenn Unternehmen all diese Fragen beantworten können, haben sie einen soliden Plan, um Social Recruiting richtig anzugehen.

Unterschiedliche Kanäle, verschiedene Ziele und die richtige Ansprache

Was heißt Social Media?

Das Fundament ist eigentlich immer gleich: Die Mitglieder haben die Möglichkeit, sich miteinander zu vernetzen, Beiträge, Fotos und Eindrücke zu teilen, sich über Themen auszutauschen, zu informieren und zu kommunizieren und die eigenen Interessen zu verfolgen. Als Mitglied bauen sie ein virtuelles Netzwerk aus echten Kontakten, Interessensträgern und Multiplikatoren auf, um ihre eigenen Ziele so gut wie möglich zu verfolgen.

Berufliche und private Social Media Netzwerke

Heutzutage haben sich verschiedene Arten von Netzwerken mit unterschiedlichen Zielen etabliert. Grob zusammengefasst sprechen wir von beruflichen, privaten und Spezialisten-Netzwerken.

Netzwerken als Privatperson

Meldet sich jemand bei Facebook, Twitter, Instagram und Co. an, tut er das in der Regel als Privatperson und folgt seinen privaten Interessen. Hier möchte ich mit Freunden und Bekannten aus aller Welt in Kontakt bleiben, Neuigkeiten verfolgen, Privates teilen oder meinen Hobbys nachgehen.

Berufliches Netzwerken

Wenn jemand hingegen Profile bei LinkedIn oder XING hat, ist davon auszugehen, dass er dies hauptsächlich aus beruflichen Gründen tut. Ich vernetze mich mit Kollegen, Ansprechpartnern, Mitgliedern mit ähnlichen Interessen, trete Diskussionsforen bei, verfolge branchen- oder berufsspezifische Nachrichten und halte mich über den Jobmarkt auf dem Laufenden.

Spezialisten-Netzwerke

Eine weitere Gruppe bilden die Spezialisten-Netzwerke, die sich ganz spezifisch an Spezialisten einer bestimmten Branche richten und hauptsächlich dem Austausch über die neuesten Entwicklungen und Trends, Herausforderungen dienen. Damit bieten sie ein Forum, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Social Media Kanäle, Netzwerke und Plattformen
Quelle: VONQ

Welche Kanäle gehören zu einer erfolgreichen Social Recruiting Strategie?

Zuerst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass ein einziger Ansatz für alle Kanäle niemals zielführend sein kann. Und nicht jeder Kanal eignet sich für jede Zielgruppe. Der Social Recruiting Plan sollte grundlegend festhalten, welche Zielgruppe angesprochen werden soll, um darauf aufbauend definieren zu können, welches Netzwerk sich wann am Besten eignet.

Wird beispielsweise ein Software-Entwickler gesucht, empfiehlt es sich allgemeine berufliche Netzwerke berücksichtigen, genauso wie Experten-Foren wie beispielsweise Reddit zu nutzen. Die jeweiligen Inhalte orientieren sich dabei idealerweise am Umgangston des jeweiligen Netzwerks, um einen größtmöglichen Einfluss zu erzeugen.

Hier stellen sich also grundsätzlich folgende Fragen:

  • Wen suche ich?
  • Welche Netzwerke nutzt meine Zielgruppe?
  • Worüber redet meine Zielgruppe?
  • Gibt es Experten-Netzwerke?
  • Wie muss ich mich positionieren, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden?

Kandidatennähe: Transparenz, Kommunikation und Reaktion

Neben der Vielfalt an Kanälen steht Social Media vor allem für eine offene, schnelle und transparente Kommunikation miteinander. Für Recruiter und Unternehmen bedeutet dies, dass zuerst darüber nachgedacht werden muss, welcher Inhalt zu welchem Netzwerk passt, dass regelmäßig mit dem Netzwerk kommuniziert und vor allem, dass auf jeden Kommentar und auf jede Interaktion zeitnah und individuell reagiert wird.

Social Media steht für Echtzeit-Kommunikation. Verstreicht zu viel Zeit bei der Beantwortung von Kommentaren oder Fragen, hat dies negative Folgen. Nicht nur für die Wahrnehmung der Employer Brand, sondern auch für die erfolgreiche Besetzung offener Positionen. Eben diese Schnelligkeit und Transparenz kann viel mehr positiven Einfluss nehmen und sich bei Talenten herumsprechen und positive Assoziationen und Glaubwürdigkeit schaffen.

Neben einem soliden Social Media Plan, der die strategische Kanalauswahl beschreibt, die Zielgruppe und das eigentliche Ziel bestimmt, müssen Recruiter und ihre Teams die genauen Zuständigkeiten vor Start der Social Recruiting Aktivitäten klären:

  • Wer beobachtet welchen Kanal?
  • Welche zeitlichen Richtlinien zur Beantwortung von Kommentaren werden festgelegt?
  • Wie ist der Umgangston?
  • Gibt es Verhaltensrichtlinien für die Unternehmensseite?
  • Wie wird positives und negatives Feedback gehandhabt?

Ready to Go?

Der Erfolg Ihrer Social Recruiting Aktivitäten hängt von vielen Faktoren ab. Aber wenn Sie die unterschiedlichen Schritte zur Entwicklung einer echten Social Recruiting Strategie befolgen und Sie die richtigen Fragen stellen, verhindern Sie von Anfang an den unnötigen Einsatz Ihrer Ressourcen.

Wichtig bleibt, dass Ihre Strategie ein Startpunkt ist und je nach Entwicklung Ihre Aktivitäten angepasst werden müssen. Und je nachdem wie sich die Performance entwickelt. Bleiben Sie auf jeden Fall flexibel und stehen Sie hinter den Werten Ihres Unternehmens.

Wir haben Ihr Interesse geweckt?
Hier gibt es noch mehr spannende Insights zum Thema Talentakquise durch Social Media.

 

Alexandra Bergs

Gastautorin Alexandra Bergs von VONQ auf Persoblogger.de

 

Alexandra Bergs ist Marketing Campaign Managerin bei VONQ.

Sie ist schon lange Teil der Recruiting-Welt und bringt mehrere Jahre Erfahrung im Marketing beim Personalberater Robert Walters und dem HR-Software Anbieter Saba (ehemals Lumesse) mit.

Ihr Fokus liegt auf der Entwicklung und Steuerung zielgruppengerechter Kampagnen für Social Media und alle anderen digitalen und analogen Kanäle.

Sie ist Expertin für Job Marketing, klare Kommunikation, einen starken Online-Auftritt und das „Social“ in Social Media.

Eine Antwort

  1. Darf ich mir noch einen Kanal wünschen? Früher hingen an den Werkstoren Schilder: „Wir stellen ein: Schlosser, Elektriker, Sekretärin“. So etwas fehlt mir heute sehr. Stellenangebote im Internet sind immer irgendwie glatt und raumlos. Wo genau sitzt die Firma? Welchen Eindruck macht sie? Wie lange dauert der Arbeitsweg? Wie weit ist die nächste Haltestelle entfernt, und wie oft fährt da was? Gibt es im Umfeld Lokale, wo man die Mittagspause verbringen kann? Wie sind die Leute drauf, die hier ein- und ausgehen? Würde ich hier gern einen wesentlichen Teil meines Lebens verbringen? Solche Fragen bleiben offen oder sind umständlich zu klären. Wenn man am Rand einer Großstadt wohnt, kann der Arbeitsweg zum anderen Ende der Stadt schon mal eineinhalb Stunden dauern…

    Wie praktisch wäre es, wenn man einfach durch die Straßen oder das benachbarte Gewerbegebiet gehen und sofort sehen könnte, wo Stellen frei sind. Und sich dort gleich ganz unkompliziert als Mensch zeigen könnte. Entdecken wir doch das Einfache wieder!

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