Google for Jobs Suche nach Stellenanzeigen

Warum sich durch Google for Jobs für Recruiter nichts ändern wird #Google4jobs

Seit Monaten warten Recruiter darauf, dass Google for Jobs auch in Deutschland live geht. Der als Next Big Thing angekündigte Einstieg des Suchmaschinenriesen in ein vertikales Geschäftsmodell rund um Stellenausschreibungen, beschäftigt die Fachpresse enorm. Recruiting-Verantwortliche sollen demnach ihre Systeme technisch anpassen, um den Service von Anfang an erfolgreich nutzen zu können. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Im Grunde ändert sich durch #Google4jobs für Recruiter … nichts.

Google for Jobs lässt in Deutschland auf sich warten

Auch ich habe in den letzten Wochen und Monaten insbesondere in Vorträgen über den anstehenden Eintritt von Google in den Markt für Personalgewinnung berichtet. Dabei kann das amerikanische Unternehmen mit dem geplanten Service erst einmal aus dem Vollen schöpfen. Die Beschaffungssituation auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist sehr angespannt. Insbesondere in den Segmenten Pflege, IT, Ingenieurswesen sowie Handwerk beklagen zahlreiche Unternehmen einen Mangel an Bewerbern.

Hinzu kommt, dass viele Arbeitnehmer nur unter ganz besonderen Bedingungen bereit sind, ihren Arbeitgeber für eine neue Anstellung zu wechseln. Insbesondere, wenn dieser einen Umzug bedingt.

Wechselbereitschaft Arbeitnehmer
Quelle: Mobilitätsreport 2018 von StepStone – Studie downloadbar auf dem HR-Studien Download Portal Kategorie Arbeitsmarkt und Beschäftigung

Google for Jobs als vertikales Geschäftsmodell

Google möchte mit Google for Jobs aktiv in den Markt für Stellenanzeigen eingreifen und den Stellenbörsen wertvolle Marktanteile abjagen. Statt lediglich einen horizontalen Markt zu bedienen und Traffic an Stellenbörsen und andere HR-Dienstleister weiterzugeben, steuert Google zukünftig Jobsuchende auf das eigene Angebot.

Dazu implementiert Google unterhalb der Werbeanzeigen am oberen Rand der Ergebnisliste einen weiteren optisch abgehobenen Bereich, den sogenannten Link Tipp Container. Dieser blendet sich bei Jobsuchen zukünftig noch vor den Ergebnissen der organischen Suche ein und verdrängt Letztere in der Wahrnehmung des Suchenden weiter nach hinten.

Strukturierte Daten als Erfolgsmodell – schema.org

Aktuell gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, um Stellenanzeigen technisch aufzubereiten und darzustellen. Damit soll nach dem Willen von Google mit dem Going-Live des neuen Service #Google4jobs Schluss sein. Strukturierten Daten, die einer einheitlichen Darstellung und Auswertung deutlich einfacher zugänglich sind, gehört die Zukunft.

Der dafür von Google zusammen mit Partnern festgelegte erweiterte HTML-Standard soll Schema.org werden. Gerade bei Stellenanzeigen ist die bisherige technische Vorgehensweise des Datenabgriffs von der Website durch Google nicht praktikabel genug. Der Grund: Stellenanzeigen müssen nach Schaltung sehr schnell in den Google Index überführt werden und haben zudem eine fest definierte Haltbarkeit. Die Ende Juni offiziell veröffentlichte Google Indexing API soll dazu beitragen, dass Stellenanzeigen nahezu in Echtzeit in den Google-Suchindex aufgenommen werden.

Veraltete Stellenanzeigen werden von Google abgestraft

Google möchte mit seinem Angebot vor allem die Qualität der angezeigten Anzeigen erhöhen. Dies wird zur Folge haben, dass Websites mit nicht mehr aktuellen Stellenanzeigen von Google abgestraft werden. Ob das nur die jeweilige veraltete Anzeige betrifft oder gar alle Stellenanzeigen auf der Karriereseite, bleibt bisher unbeantwortet.

Diese Vorgehensweise dürfte meiner Meinung nach auch einen deutlichen Einschlag auf die von Employer Branding Verantwortlichen häufig kritisierte Vorgehensweise haben, dass Plattformen Stellenanzeigen von Karriereseite abgreifen und diese nur selten aktualisieren, so dass dort veraltete Stellenanzeigen dargestellt werden. Ich hatte im Rahmen meines Beitrags zu XINGs Stellenmarkt der Zukunft bereits über diesen ärgerlichen Sachverhalt berichtet.

Für Sie als Stellen ausschreibendes Unternehmen sollte sich dadurch allerdings ebenfalls nichts ändern. Denn hoffentlich pflegen Sie schon heute Ihre Karriereseite tagaktuell. Falls nicht, laufen Sie längst Gefahr Ihre potenziellen Bewerber zu verärgern.

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Technische Anforderungen an die Aufbereitung von Stellenanzeigen steigen

Stellenanzeigen, die in den großen Pool von Google for Jobs aufgenommen werden sollen, müssen strengen technischen Anforderungen genügen.

Anbieter technischer Systeme wittern Morgenluft und erzeugen bei Personalern das Gefühl, dass Ihnen ohne eine Anpassung an den neuen Standard zukünftig komplett die Bewerber ausbleiben werden. Aber stimmt das?

Eigene Stellenanzeigen bei Google – eher die Ausnahme

Schon heute wird Ihnen in Newslettern und anderen Werbemaßnahmen die Frage gestellt, wie gut Ihre Stellenanzeigen in Google und Co auffindbar sind. Eine gemeine Frage, da die Antwort in weit über 90% aller Fälle die gleiche sein wird: Gar nicht – oder nur sehr weit hinten. Der Versuch, die eigenen Anzeigen so optimiert für Suchmaschinen aufzubereiten, dass diese auf der ersten Seite der Ergebnisliste erscheinen, scheitert meist kläglich.

Die vordersten Ergebnisplätze belegen die Stellenbörsen. Dies liegt insbesondere daran, dass bei gleichzeitigem Posten der Stellenanzeigen auf einer großen Stellenbörse die Anzeige dort eine höhere Relevanz für den Google-Suchalgorithmus aufweist als auf der Karriereseite des Unternehmens. Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Daran ändert sich mit Google for Jobs erstmal … nichts. Denn auch diese wenigen Anzeigeplätze innerhalb der Google-Suche werden nach Relevanz-Kriterien vergeben werden. Wobei diese Relevanz möglicherweise mit finanziellen Mitteln beeinflussbar sein wird. Will heißen: Wer zahlt, könnte eine Top-Platzierung innerhalb von Google for Jobs erhalten. So meine sicher nicht ganz unbegründete Vermutung.

Stellenbörsen bereiten sich auf Google for Jobs vor

Natürlich haben Sie als Unternehmen die Möglichkeit, Ihre Stellen bereits unmittelbar für eine Platzierung in Google for Jobs aufzubereiten und den technischen Standard schema.org zu unterstützen. Sie sind dann im Pool mit dabei. Ebenso wie Ihre Anzeige, die über die großen Stellenbörsen den gleichen Weg über die Google-API-Schnittstelle beschreitet.

Wer testen möchte, ob das eigene Bewerbermanagement-Tool schon fit für Google for Jobs ist, kann das Google-eigene Stuctured Data Testing Tool dafür verwenden.

Allerdings wollen nicht alle Stellenbörsen dabei als Datenlieferant für das neue Geschäftsmodell von Google dienen. Insbesondere Indeed hat sich auf dem amerikanischen Markt bislang einer Kooperation verweigert. Glassdoor, Monster, LinkedIn, Facebook und weitere Anbieter schlossen sich hingegen der Google-for-Jobs-Initiative an.

Es bleibt abzuwarten, wie die großen Stellenbörsen im DACH-Raum auf Google for Jobs reagieren werden. Meine Vermutung: Sie werden die Schnittstelle bedienen und sich damit weiter aktiv im Rennen halten. Ansonsten wäre mit Google einer der bedeutenden Traffic-Lieferanten von Suchmaschinen von heute auf morgen deutlich reduziert.

Transparenz über die eigene Arbeitgebermarke

Google for Jobs wird den vorhandenen Trend in Richtung Transparenz von Arbeitgebermarken weiter verstärken. In den USA und anderen Ländern, in denen der Service bereits angeboten wird, prangen schon heute die Sterne der größeren Arbeitgeberbewertungsplattformen auf den angezeigten Stellenanzeigen. Das bedeutet, dass die Attraktivität angebotener Stellen maßgeblich vom Image auf diesen Plattformen beeinflusst werden kann.

Wenn Sie an Ihr eigenes Kaufverhalten auf Onlineplattformen wie Amazon denken, werden Sie feststellen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, sich am Ende für dasjenige Produkt zu entscheiden, das die beste Bewertung aufweist. Zumindest wenn die Produkte qualitativ vergleichbar sind und ähnlich viel kosten. Diese psychologische Beeinflussung trifft Arbeitgeber zukünftig ohne ihr Zutun noch konsequenter als bisher.

Aber: Google for Jobs ist für diesen Trend nicht der Auslöser. Schon heute wird die Wahrnehmung Ihrer Arbeitgebermarke stark durch entsprechende öffentlich zugängliche Bewertungen beeinflusst. Neben kununu und glassdoor bieten mittlerweile übrigens auch Indeed und StepStone Arbeitgeberbewertungen an. Meine Stammleser sind längst darüber informiert. Seit 16.07. können Sie diese Bewertungen sogar als Arbeitgeber kommentieren.

Arbeitgeberbewertung auf StepStone
Screenshot: Arbeitgeberbewertung der DATEV eG auf StepStone (Beispiel)

Wissen Sie eigentlich, was Sie auf den einzelnen Plattformen über Sie geschrieben steht? Falls nicht, wäre dieser Beitrag ein guter Anlass das nachzuholen. Bestenfalls finden Sie sogar einen Prozess, der ein dauerhaftes systematisches Monitoring sicherstellt.

Relevanz durch profilierte Daten

Dass Google über seine Nutzer massenhaft Informationen einholt, dürfte niemanden wirklicher mehr überraschen, oder? Obwohl, im Rahmen der #deletefacebook-Debatte hatte ich öfters den Eindruck, dass sich noch nicht Jeder wirklich im Klaren darüber ist, wie viele Daten tatsächlich erhoben, gespeichert und ausgewertet werden. Wer ein Google-Profil hat, kann seine Aktivitäten via Suchmaschine, Youtube, Google-Office-Programmen, Google+, Google Maps und vieles mehr unter folgendem Link einsehen: https://myaccount.google.com/activitycontrols

Datenprofilierung via Google als Input für Google for Jobs

Wer dabei den Regler bei Web- und App-Aktivitäten auf „pausiert“ setzt, hinterlässt ab sofort deutlich weniger Spuren im Netz. Allerdings nimmt er sich damit auch die Chance, dass Google all diese Daten dazu nutzt, im Rahmen von Google for Jobs relevantere Jobergebnisse einzublenden.

So können bei Verfügbarkeit des Wohnorts sowie favorisierter Fortbewegungsmittel in Google for Jobs zugleich der Fahrtweg nebst Fahrzeit sowie die nächstgelegenen Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel eingeblendet werden. Google nimmt damit deutlich Einfluss auf die Attraktivität von Stellen. Ein schönes Beispiel für die sinnvolle Verwendung von Profildaten der Nutzer.

Textwüste statt Corporate Design

Google for Jobs bietet auf Smartphones einen gestaffelten Einstieg in die neue Jobanzeigen-Welt. In der ersten Anzeige-Stufe werden die Ergebnisse recht eng untereinander dargestellt. Details gibt es dann in der zweiten Anzeige-Stufe. Erst in der dritten Anzeige-Stufe werden Inhalte der Stellenanzeige sichtbar.

mobile Anzeige Google for Jobs
Quelle: Google

Aber: Es handelt sich dabei nicht um die Originalanzeige im Corporate Design des Unternehmens. Vielmehr werden die Texte recht schmucklos und ohne größere grafische Elemente dargestellt. Die Inhalte bei Google for Jobs werden nicht gecrawlt, also vom Google Spider zusammengesucht. Sie werden via schema.org strukturiert übermittelt, Trotzdem dürfte die optische Wirkung mit der von Anzeigen auf glassdoor vergleichbar sein. Auch Indeed hat sich vor einiger Zeit für eine entsprechend schmucklose Darstellung entschieden. Die Employer Branding- und Markendesign-Verantwortlichen werden sich nur bedingt darüber freuen.

Fazit

Google for Jobs wird den Jobmarkt vermutlich spürbar verändern. Jobsuchende werden von den neuen Möglichkeiten profitieren. Wenngleich der bereits bekannte Filterblaseneffekt dadurch weiter gestärkt wird. Denn Stellenanzeigen, die hochrelevant sind, werden dennoch auf die hinteren Plätze verwiesen. Zumindest solange sie den oben beschriebenen technischen Vorgaben von Google nicht entsprechen. Damit wird der Markt möglicherweise sogar verzerrt. Das könnte einer der Gründe sein, warum Google for Jobs bislang nicht in Deutschland verfügbar ist.

Für Personaler dürften die bereits bestehenden Herausforderungen

  • an das Aktuell-Halten von Stellenanzeigen
  • das Beobachten von Arbeitgeberbewertungsportalen
  • das inhaltsvolle Formulieren von Stellenanezigen
  • sowie die Zusammenarbeit mit den richtigen Stellenbörsen

noch deutlicher zum Tragen kommen. Und so ist auch die Überschrift dieses Beitrags zu verstehen. Google for Jobs wird garantiert spürbar werden. Allerdings eher als Wirkverstärker denn als Ursache.

Alternatives Fazit

Vielleicht nimmt sich Google allerdings vor, die Stellenbörsen aus seinem Geschäftsmodell komplett heraus zu nehmen und zukünftig Stellenanzeigen direkt auf den Unternehmenswebsites denen auf Stellenbörsen vorzuziehen. Dann würde der gesamte Markt ordentlich ins Rollen geraten. Und entgegen meiner obigen Aussage, wäre durchaus Handlungsbedarf bei Unternehmen gegeben. Ansonsten müssten sie sich entscheiden, ob Sie bei der Personalgewinnung eher auf Stellenbörsen oder auf Google for Jobs setzen.

Warten wir mal ab, wann und in welcher Form Google for Jobs am Ende bei uns startet. Stammleser von Persoblogger.de erfahren natürlich mehr.

Und wer sich noch einmal ansehen möchte, wie Google for Jobs seinerzeit angekündigt wurde:

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****** UPDATE vom 22.05.2019 ******

Nach einer Testphase im März 2019 wurde Google for Jobs nunmehr in Deutschland freigegeben. Meinen ersten Praxistest des neuen Services finden Sie hier.

******* UPDATE vom 02.06.2020 ******

Lesen Sie auch meine kritische Bestandsaufnahme zu Google for Jobs nach 12 Monaten in Deutschland!

 

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Stefan Scheller

Autor und Speaker Persoblogger Stefan SchellerMein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und Top HR-Influencer (Personalmagazin 05/22) betreibe ich diese Website und das gleichnamige HR Praxisportal. Vielen Dank für das Lesen meiner Beiträge und Hören meines Podcasts Klartext HR!

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