Conversational AI Recruiting Plattform

Conversational AI Recruiting: StepStone will Recruiting mit KI automatisieren

Am heutigen Tag gibt StepStone den Kauf einer sogenannten Conversational AI Recruiting Technologie namens Mya bekannt. Damit soll die Personalgewinnung zukünftig mittels KI optimiert werden. Basis dafür ist die systematische Auswertung der Kommunikation zwischen Kandidaten und der neuen Jobplattform Autonomous Matching ™.

Was es damit auf sich hat und wie das Verfahren die Recruiting-Welt verbessern soll, erfahren Sie in einem brandaktuellen ersten Vorab-Bericht.

Conversational AI Recruiting Platform Technologie Mya

StepStone hat wie alle Stellenbörsen und Jobplattformen die besondere Herausforderung, vergleichsweise wenig über die Jobsuchenden am anderen Ende der Internet-Leitung zu wissen. Anders als Social Media Plattformen wie XING oder LinkedIn oder auch Google mit seinem Google for Jobs, sind umfassende Profile von Nutzern oft nicht vorhanden. Ein Matching zwischen den Wünschen der Jobsuchenden und Anforderungen von Arbeitgebern, wird allerdings dann einfacher, wenn die Datenbasis dahinter größer ist.

Dies soll nunmehr über die Nutzung der Mya-Technologie, einer sogenannten Conversational AI Recruiting Platform besser werden. Das im US-amerikanischen San Francisco beheimatete Tech-Unternehmen nutzt dabei laut eigener Aussage eine der fortschrittlichsten Konversationstechnologien im Recruitingmarkt schon seit Jahren. StepStone hat den Anbieter von HR-Technologie übernommen und startet seine Autonomous Matching ™ Plattform.

Über automatisiertes beziehungsweise autonomes Matching soll die künstliche Intelligenz auf Basis von dialogbasierten digitalen Gesprächen (z.B. Chats) Profile erstellen, bestehende StepStone-User Profile ergänzen und verfeinern sowie mit passenden Jobangeboten zusammenführen. Damit wäre die Grundlage geschaffen, stärker auf Präferenzen und Fähigkeiten von Jobsuchenden reagieren zu können.

Was bedeutet Conversational AI mit Blick auf Recruiting?

Conversational AI beschreibt eine Form künstlicher Intelligenz, die in der Lage ist, automatisiert natürlichsprachliche Dialoge zu führen, beispielsweise via Chatbot oder Sprachassistenz.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz ist Vielen derzeit vor allem aus dem Bereich Chatbot bekannt. Allerdings nutzen Chatbots häufig gar keine „echte“ künstliche Intelligenz. Vielmehr liegen deren tatsächliche Möglichkeiten oft auf der Stufe von Level basiertem oder auch keywordbasiertem beziehungsweise semantischem Matching.

Wer sich zu den Unterschieden von KI-Einsatz bei der Analyse von Hard Skills und Softskills im Recruiting näher informieren mag, dem empfehle ich meinen Beitrag dazu von 2017.

Im Recruiting macht der Einsatz von Conversational AI insbesondere Sinn, wenn das System es schafft, aus einem Text-Dialog (Chat) oder Sprach-Dialog (Spracherkennung) automatisch in kurzer Zeit eine sinnvolle Antwort zu formen und diese in natürlicher Sprache zurückzusenden. Mit Blick auf die Kommunikation auf Karrierewebsites dürfte hier einiges Potential für die Zukunft schlummern.

Natural Language Understanding (NLU) als Vorstufe von Conversational AI

Wichtigste Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz von Conversational AI ist es, dass die User-Eingaben -egal ob Text oder Sprache- korrekt verstanden, sprich von der künstlichen Intelligenz korrekt verarbeitet wird. Damit steht und fällt auch die Qualität des Gesamt-Ergebnisses.

Mir persönlich sind bislang noch keine wirklich überzeugenden Conversational AI Lösungen im deutschen Recruiting-Markt begegnet. Insofern dürfte es sehr spannend sein, die StepStone-Lösung rund um Mya zu beobachten und zu testen.

Von der Jobtitel-Suche hin zu Präferenzen und Skills

Die Aussagen von StepStone CEO Dr. Sebastian Dettmers lassen auf einen großen Wurf hoffen, wenn er sagt: „Unser Ziel ist es, dass Menschen ihre Möglichkeiten in der Welt der Arbeit auf völlig neue Art und Weise entdecken.“. Allerdings haben wir in den letzten Jahren schon häufig von „Revolutionen“ im Bereich Stellenanzeigen, Recruiting und Co gelesen, so dass ich tendenziell erst einmal eine gesunde Portion Skepsis walten lasse.

Prinzipiell wäre es selbstverständlich hochgradig spannend, wenn Menschen zukünftig nicht bereits einen standardisierten Jobtitel im Kopf haben müssten, wenn sie auf Jobsuche gehen. Stellen wir uns nur mal vor, wir könnten uns natürlichsprachlich unterhalten, Wünsche und Bedürfnisse äußern, Kompetenzen und Skills erwähnen … und würden am Ende zum Traumjob gelotst.

Aktivierung von passiven Kandidaten mit pro-aktiven Jobvorschlägen

Einer der Gründe für das Engagement StepStones beim Thema Conversational AI ist wohl auch die Aktivierung von passiven KandidatInnen. In Zeiten von Fachkräftemangel und einem Übergang zum Arbeitnehmermarkt bei sogenannten Engpasszielgruppen, zum Beispiel SoftwareentwicklerInnen, sind Unternehmen zunehmend darauf angewiesen, auf den latent oder passiv suchenden Kandidatenmarkt zuzugreifen.

Hier könnten automatisiert erstellte Profile vermutlich als Basis dafür dienen, um die richtigen Menschen auf die passenden Jobs anzusprechen. Quasi wie eine Erweiterung der bereits bekannten Candidate Persona. Während Letztere eine Pauschalierung und Verallgemeinerung darstellen, sich mithin nicht auf konkrete Individuen beziehen, könnte Conversational AI individualisierte Original-Daten aus digitalen Gesprächen liefern.

Würden diese aus Dialogen extrahierten Daten und Profile seitens StepStone zur Ansprache von passiven KandidatInnen genutzt, könnten Arbeitgeber damit sinnvoll unterstützt werden.

Zum Thema Datenschutz und Tracking

Entscheidend für den Erfolg der StepStone Conversational AI Recruiting Technologien rund um Mya dürfte auch sein, wie die Daten erhoben, gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Davon ausgehend, dass die Regelungen rund um das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) sowie der DSGVO selbstredend eingehalten werden, stellt sich die Frage, wie NutzerInnen eines solchen Services mit der Datenerhebung und Extraktion durch die Conversational AI umgehen werden.

Personen, die konkret auf Jobsuche sind und daher bewusst Daten liefern möchten, damit sie bessere Job-Vorschläge erhalten, dürften meiner Meinung nach deutlich offener sein als Menschen, die maximal passiv suchend sind.

Mein Fazit zu StepStones Conversational AI Recruiting Akquisition

StepStone hatte sich schon in den letzten Jahren stark dafür eingesetzt, aus einer reinen Stellenbörse einen ganzheitlich aufgestellten Anbieter für Recruiting-Lösungen zu machen. Neben der Beschwerde bei der EU-Kommission aufgrund des Launches von Google for Jobs in Deutschland, ist auch die Einführung der Persönlichkeitstest-App GOOD&Co in 2017 zu nennen.

Auch damals ging es darum, den „best match“ zu finden auf Basis von massenhaft spielerisch erhobenen Daten. Den großen Durchbruch von psychometrischen Testverfahren habe ich in der Folgezeit aber nicht feststellen können.

Inwieweit der deutsche Markt positiv auf die Conversational AI Recruiting Pläne reagiert, bleibt abzuwarten. Ich gehe davon aus, dass in Kürze die Tech-affinen Blogger Kolleginnen und Kollegen hier intensiver ins Thema einsteigen werden. Zumindest insofern Mya und Co tatsächlich das Potential zu einem spürbaren Impact auf die Recruiting-Welt im DACH-Raum haben werden.

Es bleibt wie immer spannend …

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Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

 

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Eine Antwort

  1. Solange es nicht einmal richtig funktioniert nach Jobtiteln und PLZ zu suchen – würde ich den
    KI-Ball etwas flacher spielen und Henne-Ei-Problem nicht vergessen 🙂

    Basics!!!

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