Wird Employer Branding noch gebraucht?

Employer Branding: kann das weg oder brauchen wir das noch?

Die Wirtschaft schwächelt und kommt nicht so richtig in Fahrt. Es gilt, die Umsätze zu sichern, in neue Produkte zu investieren und den Vertrieb zu stärken. Denn, so höre ich oft, dort kommt das Geld her, das die Jobs bezahlt. Klar ist, dass es die Kunden sind, die uns bezahlen. Aber in der Regel sind es die Menschen, die die Produkte und Dienstleistungen erbringen, entwickeln, verkaufen, vermarkten und den Service dazu leisten. Die Menschen, die unsere Unternehmen auch in Zukunft brauchen, wurden vor 15 Jahren nicht in Deutschland geboren und sind geografisch gesehen oft nicht dort verfügbar, wo sie gebraucht werden, sagt Andreas Seltmann in seinem Advertorial.

Der demografische Wandel ist längst da

Hinzu kommt, dass der demografische Wandel bereits bei uns angekommen ist. Und die Welle baut sich gerade erst auf. Derzeit sind 6,7 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte 55 Jahre oder älter. Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird fast jeder vierte Beschäftigte den Arbeitsmarkt altersbedingt verlassen.  Wie stark sind Sie vom demografischen Wandel betroffen? Welche Schlüsselpositionen, Führungskräfte oder Leistungsträger werden in den kommenden Jahren altersbedingt Ihr Unternehmen verlassen?

Meiner Meinung nach ist es höchste Zeit, sich hier richtig aufzustellen, um am Arbeitsmarkt als höchst attraktiver Arbeitgeber in den Köpfen der Menschen verankert zu sein. Das gilt besonders für die Mitarbeitenden, die heute schon an Bord sind. Denn genau diese gilt es in diesen turbulenten und herausfordernden Zeiten besonders in den Fokus zu nehmen.

Bitte schaffen sie dabei auch gute Angebote und Arbeitsbedingungen für Menschen mit 55-plus, damit Mitarbeitende in dieser Berufsphase sich unternehmenswirksam einbringen können.

Employer Branding trotz Wirtschaftsflaute – oder gerade deshalb?

Laut einer aktuellen Studie der Bundesagentur für Arbeit haben wir im Gesundheitswesen eine Fachkräftelücke von ca. 46.000, im Baugewerbe eine von 41.000 und in der öffentlichen Verwaltung von fast 38.000 Menschen.

Betrachtet man die zuvor genannten Fakten objektiv, kommt man zu dem Schluss, dass Employer Branding weiterhin ein Muss ist, wenn man am Arbeitsmarkt gesehen, empfohlen und als attraktiv wahrgenommen werden möchte. Es ist nicht zuletzt höchst relevant, dass Sie Ihre Leistungsträger, Schlüsselfunktionen und Talente binden, um nicht nur den Laden am Laufen zu halten, sondern auch, um neue Produkte, Geschäftsmodelle und Innovationen hervorzubringen.

Infografik iwd

Was muss Ihr Employer Branding in schwierigen Zeiten leisten?

Gerade in turbulenten Zeiten sind es die Leistungsträger und Talente, die als Erstes gehen. Denn Top-Talente suchen nicht nur nach einem Job, sondern nach einem verlässlichen Partner. Unternehmen, die ihre Kultur und Werte auch in stürmischen Zeiten leben, werden für diese wertvollen Mitarbeiter besonders attraktiv.

Eine starke Arbeitgebermarke muss dabei wie ein innerer Stabilitätsanker wirken. Sie muss Loyalität fördern, Fluktuation reduzieren und somit in unsteten Zeiten für Planbarkeit und Kontinuität sorgen. Employer Branding ist dabei Ihr „weit sichtbarer Leuchtturm bei einer Sturmflut“. Er muss Orientierung und Sicherheit geben und alles vermitteln, wofür Ihr Unternehmen als Arbeitgeber steht. Das gilt um so mehr in schwierigen Zeiten.

Mehr Kommunikation, um Ängste abzubauen

Das bedeutet auch, dass Sie mehr, konkreter und häufiger kommunizieren sollten als in ruhigen Zeiten. Wenn Ihre Mitarbeitenden wissen, woran sie sind, wie sicher ihre Arbeitsplätze sind und welche Zulagen, Leistungen und Benefits es auch im nächsten Jahr noch gibt, gibt ihnen das Orientierung und Planungssicherheit. Nutzen Sie dazu alle ihre Kanäle und Plattformen. Aber auch die oberste Leitung muss in diesen Phasen „Farbe bekennen“ und glaubhaft kommunizieren, um das Employer Branding zu unterstützen.

Fokus auf die wichtigsten Zielgruppen und ihre Bedürfnisse

Fokussieren Sie sich auf ihre wichtigsten Zielgruppen und deren aktuellen Bedürfnisse. Verzetteln sie sich nicht in zu vielen Projekten. Das bedeutet, dass sie ihren Kontakt zu Ihren Zielgruppen intensivieren sollten, um wirklich den Puls zu spüren. Es gilt noch mehr wahrzunehmen, was Menschen wirklich bindet und welche Bedürfnisse gerade erfüllt werden sollten.

Nehmen Sie dabei unbedingt das Thema Vereinbarkeit in den Fokus. Denn immer mehr Menschen pflegen pflegebedürftige Angehörige, haben immense Herausforderungen Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen und sind in schwierigen Zeiten zusätzlich belastet.

Ihre Kultur – ihr Halt – ihr Loyalitätsfaktor

Die größte Stärke eines starken Employer Brandings in turbulenten Zeiten liegt im Unsichtbaren: einer stabilen Kultur, die Halt gibt und die Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellt. Unternehmen, die ihre Werte auch in schwierigen Zeiten konsequent leben, schaffen etwas, das kein Gehaltsscheck der Welt ersetzen kann: Vertrauen und psychologische Sicherheit.

Diese Employee Experience entwickelt eine hohe Strahlkraft und hat echten Leuchtturmcharakter! Sie zieht Talente an und hält wertvolle Mitarbeiter im Unternehmen. In Krisen zeigt sich der wahre Charakter einer Organisation. Als ein Familienunternehmen aus Ostwestfalen im Jahr 2023 Kurzarbeit anmelden musste, setzte es auf radikale Transparenz und führte monatliche Townhalls sowie offene Budgetgespräche ein. Das Ergebnis war eine Fluktuation von nur 3%, während der Branchenstandard bei 18% lag. Diese kulturelle Resilienz ist ein direkter Wettbewerbsvorteil.

Wertschätzende Trennungskultur

Sollte es dennoch zu Personalabbau kommen, dann sollte das Employer Branding nicht mit der Kündigung enden. Jeder Kontakt wird in Zukunft wertvoll sein, besonders der zu Ehemaligen. Eine wertschätzende Trennungskultur, kombiniert mit einer klugen Rückkehrer-Strategie, dient nicht nur der Kosteneinsparung. Sie ist ein Sicherheitsnetz: Rückkehrer kennen das Unternehmen bereits, benötigen weniger Einarbeitung und werden oft zu loyalen Markenbotschaftern. Ein mittelständischer Logistiker schloss so in drei Jahren 20% seiner Fachkräftelücken durch ein strukturiertes Ehemaligen-Programm.

Fazit. Employer Branding brauchen wir noch – gerade jetzt!

Wer jetzt in seine Arbeitgebermarke investiert, handelt überaus klug und strategisch. Dabei geht es nicht um große Budgets, sondern um Haltung und authentische Kommunikation. Gerade der Mittelstand kann mit gelebter Wertschätzung, unkonventionellen Ansätzen wie direkter Kontakt zur Geschäftsführung, kurze Wege oder einem Arbeitsplatz in der Region punkten. Es sind diese vermeintlichen Nischen, die ein echtes „Wir-Gefühl“ und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bieten – und genau das ist für viele Mitarbeitende entscheidend.

Wer hier mutig vorangeht, gewinnt nicht nur Fachkräfte, sondern baut eine resiliente Unternehmenskultur auf, die langfristig trägt. Zeigen Sie auch in unsteten Zeiten, dass Employer Branding kein Schönwetter-Thema ist, sondern gerade dann seine ganze Kraft entfaltet, wenn es stürmisch wird.

Kleine Employer Branding Checkliste für unsichere Zeiten (und kleine Budgets)

Ο Wertschätzung und Respekt (braucht kein Budget – hat große Wirkung!)

Ο offene, transparente und häufigere Kommunikation (nach innen zuerst)

Ο Fokussieren auf die wichtigsten Zielgruppen und deren aktuellen Bedürfnisse

Ο Projekte auf den Prüfstand stellen. Darauf fokussieren, was die Mitarbeitenden wirklich entlastet

Ο Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sicherstellen

Ο Führungskräfte stärken, sichern und in die Kommunikation mit einbinden

Ο Recruitingkosten senken, indem Sie Mitarbeiterempfehlungen pushen

Ο Nutzung aller Kommunikationsplattformen durch das Management

Andreas Seltmann

Andreas Seltmann wurde 1968 am Bodensee geboren, studierte Energie- und Automatisierungstechnik und besitzt weitere Abschlüsse als Betriebsökonom und Businessmoderator.

Seit 2020 widmet sich der leidenschaftliche Vater und Buchautor, als freiberuflicher Berater dem Employer Branding und Personalmarketing.

Er begleitet Firmen auf ihrem Weg ein Top-Arbeitgeber zu werden, baut Väternetzwerke in Unternehmen auf und ist als Auditor bei berufundfamilie tätig.

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