Väterorientierung im Employer Branding für Fachkräfte nutzen

Happy DAD or DEAD: Väterorientierung als TOP-Differenzierungsfaktor im Employer Branding

Gerade erst ist der Familienreport 2024 des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erschienen. Immer noch übernimmt in zwei von drei Familien, die Mutter den Großteil der Kinderbetreuung oder die gesamte Hausarbeit. Fast jedes dritte Elternpaar hat nach der Geburt des ersten Kindes eine Konstellation aus Vollzeitarbeit des Vaters und einer kürzeren Teilzeit der Mutter (15 bis 25 Stunden). Zeit für mehr Väterorientierung, meint Gastautor Andreas Seltmann.

Vereinbarkeit für Väter

Dem gegenüber steht, dass jeder zweite Vater für eine bessere Vereinbarkeit den Arbeitgeber bereits schon einmal gewechselt hat, oder darüber nachdenkt es zu tun. (Prognos AG, Väterbefragung 2022). Das waren im Jahr 2022 immerhin 450.000 Väter.

Ergänzt man, dass in Zukunft 96% der Männer mit Kinderwunsch zwischen 2 und 12 Monaten Elternzeit in Anspruch nehmen wollen, spricht das eine klare Sprache. (Forsa & Conpadres, 2021, Trendstudie Vereinbarkeit). Vereinbarkeit ist erstens in der Mitte der Gesellschaft angekommen und zweitens: Unternehmen sollten die Zielgruppe Väter unbedingt stärker in den Fokus rücken, wenn Sie diese binden und gewinnen wollen.

Väter sollten eine Ihrer TOP-Zielgruppen sein

Höchste Zeit, die wichtige Zielgruppe der Väter, für die Mitarbeitergewinnung und Bindung ins Visier zu nehmen. Um so dringender, da in technologisch getriebenen Unternehmen und Branchen, Ingenieursberufe immer noch einen Männeranteil von 66,6% aufweisen. (Quelle VDI, 2021, Ingenieurinnen gesucht).

Wer diese 2/3 seiner Innovationskraft und Zukunftssicherung nicht aktivieren, binden und neue Menschen erreichen kann, wird wirtschaftlich ins Abseits driften.  Wer es allerdings erreicht, als väterfreundlicher Arbeitgeber bekannt zu sein und dieses Thema in seinem Employer Branding verankert, ist auf der Gewinnerstraße.

Dass sich dieses Engagement auch wirklich lohnt, hat das Bundesfamilienministerium bereits vor Jahren festgestellt: „Firmen sind betriebswirtschaftlich erfolgreicher, wenn sie ihre personalpolitischen Maßnahmen auch auf die Väter ausrichten. Höhere Mitarbeiter-zufriedenheit und geringere Fehlzeiten sowie eine höhere Produktivität sind die Folge“.

Um jedoch die gewünschte partnerschaftliche Vereinbarkeit im Familien- und Berufsalltag leben zu können, sind berufstätige Eltern auf Arbeitsbedingungen angewiesen, die ihnen ausreichend Flexibilität bieten. Das kann eine verkürzte Wochenarbeitszeit von 80 Prozent sein, intensive Phasen in Vollzeit, die sich mit Teilzeit abwechseln, familienfreundliche Schichtdienstpläne, eine Viertagewoche, mobiles Arbeiten etc. (Quelle: Familienreport 2024).

Kultur, Führungskräfte – Zwei wesentliche Erfolgsfaktoren

Entscheidend ist jedoch vor allem eine familien- und väterorientierte Kultur im Unternehmen. Unternehmen sollten die Haltung entwickeln, dass die familiäre Verantwortung als etwas Selbstverständliches betrachtet und dafür verschiedene Angebote bereitgestellt werden. Zu empfehlen ist es, dass Sie das Thema in Ihrer Unternehmens- und Employer Branding Strategie verankern.

Auch die Führungskräfte spielen eine bedeutende Rolle. Von ihnen hängt es ab, ob und wie Väter ihren familiäre Bedürfnissen verwirklichen können. Dementsprechend gelingt 79% der Väter eine gute Vereinbarkeit, wenn der Vorgesetzte mit gutem Beispiel vorangeht und diese fördert – sonst gelingt es nur 17%. Das Ziel muss also sein, Führungskräfte zu animieren Vorbilder zu sein und eine väterfreundliche Führungs- und Unternehmenskultur zu leben.

Eine bessere Vereinbarkeit für Väter fördert, dass Mütter wieder früher in den Beruf zurückkehren

Wenn sie bis hierher gelesen haben und denken: „Auch das noch, jetzt sind auch noch die Väter auf dem Egotrip“, dann sollten Sie wissen: Die Rückkehr von Müttern an den Arbeitsplatz hängt essenziell von den Möglichkeiten zur Familienbetreuung durch den Vater ab. (Ankerkopf GmbH, 2023, Yellow Paper zur Väterstudie in der IT).

Indem Unternehmen eine bessere Vereinbarkeit auch für Väter ermöglichen, wird sich auch die Vereinbarkeit für Mütter positiv verändern.

Laut einer aktuellen Studie der Beratung Prognos arbeiten heute in Deutschland etwa 2,5 Millionen Mütter in Teilzeit bis zu 28 Stunden pro Woche. Würden diese durch eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie jeweils nur eine Stunde mehr arbeiten, entspräche dies etwa 70.000 neu geschaffenen Vollzeitstellen.

Personalverantwortliche in jedem zweiten Unternehmen sind fest davon überzeugt, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Väter in den kommenden Jahren noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Besonders für die jüngeren Generationen von Männern werden berufliche Auszeiten für die Familie zunehmend zur Selbstverständlichkeit.

Karriere oder Familie war gestern – oder doch nicht?

Familiäre Verpflichtungen sollten keine Karrierenachteile oder negativen beruflichen Konsequenzen zur Folge haben. Was viele Mütter bereits schmerzhaft erfahren haben, erfahren immer mehr auch die familienorientierten Väter. Laut der Familienstudie „Mehr Aufbegehren. Mehr Vereinbarkeit“ von A.T. Kearney geht fast jeder Vierte davon aus, dass Familienpflichten zu schlechteren Chancen im Beruf führen. 80% aller Männer fürchten finanzielle Einbußen oder Karriereknicke und nehmen meist deswegen nicht mehr als die klassischen 2 Monate Elternzeit – hätten sich aber 6 Monate gewünscht (Ankerkopf GmbH, 2023, Yellow Paper zur Väterstudie in der IT).

Unternehmen, die weiterhin diese Haltung, Kultur und Praxis an den Tag legen, rate ich dringend diese zu verändern. Denn wie zuvor ausgeführt, sollten – in Zeiten des Fachkräftemangels – die Nutzung aller Chancen und Potentiale im Fokus stehen. Dabei dürfen Sie die Zielgruppe der Väter und Mütter nicht außer Acht lassen.

Vorbildliche Unternehmen kennen die Bedeutung von Väterfreundlichkeit und haben bereits gehandelt

Weitsichtige Arbeitgeber haben den Zusammenhang zwischen Familienfreundlichkeit und Fachkräftesicherung für sich längst erkannt und gehandelt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für diese Unternehmen ein zentrales Element ihrer Fachkräftesicherungs-strategie geworden. So bietet SANOFI allen seinen Angestellten weltweit 14 Wochen bezahlte Familienzeit an – auch bei Adoptionen. Sanofi hat u.a. ein Väternetzwerk im Unternehmen gegründet, veranstaltet Informationsveranstaltungen und Workshops und tritt aktiv in den Austausch mit seinen Mitarbeitenden.

Auch für Henkel ist Familienfreundlichkeit sehr wichtig. Henkel bietet acht Wochen Elternzeit bei vollem Gehalt. Hinzu kommt ein eigener Sozialdienst, der sich um private Belange der Mitarbeiter kümmert.

Klassiker bei vielen Unternehmen sind: betriebseigene Kitas, Ferienprogramme für Kinder von Mitarbeitern und Wiedereinstiegsseminare nach der Elternzeit.

Auf sehr große Nachfrage stoßen Plattformen wie z.B. Vaterwelten. Hier werden neben der Vernetzung der Väter im Unternehmen auch Vätercoachings, eigene Spaces für Väter, Seminare für Führungskräfte und sogar digitale Lagerfeuer angeboten. Immer im Fokus: Dem Fachkräftemangel durch väterorientierte Maßnahmen entgegenzutreten.

Väter- und Familienorientierung im Employer Branding verankern und im Personalmarketing nutzen

Um das Thema Väterorientierung nachhaltig in Ihrem Employer Branding zu verankern, sollten Sie das Thema in Ihrer Employer Branding Strategie integrieren und beginnen entsprechende kulturstärkende Maßnahmen zu ergreifen. Dies kann wie erwähnt die Einführung einer Väterplattform, wie Vaterwelten sein, oder auch die Gründung eines Väternetzwerks im Unternehmen. Infotage, Impulsvorträge, Thematisierung bei Führungskräftekonferenzen und auch Diskussionsrunden mit dem TOP-Management etc. sind hilfreich dem Thema eine Sichtbarkeit zu geben.

Meine Empfehlung: Erst nach innen verankern, kommunizieren und etablieren, dann nach außen vermarkten.

Wenn Sie die Grundlagen für ihre Familien- und Väterorientierung geschaffen haben, gilt es diese auch im Personalmarketing zu nutzen. Hierzu sollten Sie das Thema in ihrer Kommunikation, in der Außen- und Innendarstellung regelmäßig sichtbar machen. Auf Ihrer Homepage und in Ihren Stellenanzeigen sollten sie klar und deutlich ihre Haltung und Benefits kommunizieren, ohne das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) außer Acht zu lassen. Benennen sie Punkte wie: Flexible Arbeitszeiten, Teilzeitangebote, Jobsharing, Sabbaticals, Coaching- und Beratungsangebote, Krippen- und Kitaplätze oder auch Notfall- und Ferienbetreuung.

Vereinbarkeit auch im Stellentitel verankern

Kommunizieren Sie Vereinbarkeit bereits im Stellentitel! z.B. über die Nennung von: Teilzeit, der Wochenarbeitszeit oder dass Homeoffice möglich ist. Denken Sie aus der Sicht der Zielgruppen – also Outside-In, im Sinne von: Was suchen die Bewerber:innen.

Ihre Kommunikation könnte dann auch Elemente enthalten wie: Meetings nur vormittags, Weiterbildungen während der Arbeitszeit, Jährliches Sommerfest mit der Familie oder auch: „Wir haben hier fast alle Kinder. – Das ist normal!

Zusammenfassend ist Väterorientierung für Unternehmen heute wichtiger denn je, da sie nicht nur die Attraktivität als Arbeitgeber steigert, sondern auch auf den gesellschaftlichen Wandel im Rollenverständnis von Vätern und Müttern reagiert. Dies führt zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit, besserer Produktivität und einer stärkeren Bindung der Fachkräfte an das Unternehmen.

Zudem fördert eine väterfreundliche Personalpolitik Vielfalt und Inklusion, was langfristig den Unternehmenserfolg unterstützt und zur Wettbewerbsfähigkeit beiträgt. Über die Verbesserung der Vereinbarkeit auch für Väter ist  eine besondere, sinnvolle und sichtbare Differenzierung der Arbeitgebermarke erreichbar.

Sie ist damit ein wesentlicher Bestandteil eines modernen, zukunftsorientierten Employer Brandings und einer nachhaltigen Personalpolitik.

Andreas Seltmann

Andreas Seltmann wurde 1968 am Bodensee geboren, studierte Energie- und Automatisierungstechnik und besitzt weitere Abschlüsse als Betriebsökonom und Businessmoderator.

Seit 2020 widmet sich der leidenschaftliche Vater und Buchautor, als freiberuflicher Berater dem Employer Branding und Personalmarketing. Er begleitet Firmen auf ihrem Weg ein Top-Arbeitgeber zu werden, baut Väternetzwerke in Unternehmen auf und ist als Auditor bei berufundfamilie tätig.

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