Mini-Kita - neue Chancen für Arbeitgeber

Für mehr Mini-Kitas: Arbeitgeber Kita-Offensive unentbeHRlich

Mini-Kitas, unterstützt und betrieben von Unternehmen, sind das Mittel der Wahl gegen den drohenden Kita-Kollaps in Deutschland. Während andere nur jammern, setzt sich Autorin Rebecca Albat aktiv ein und unterstützt u.a. die Kita-Offensive unentbeHRlich.

Mangelnde Kinderbetreuung betrifft auch Unternehmen

Wenn Kinderbetreuung nicht gewährleistet ist, trifft es nicht nur Eltern, sondern auch Unternehmen. Versäumnisse der Politik werden vor allem zu Lasten von Kindern, wie auch auf dem Rücken von Erzieher:innen, berufstätigen Frauen und Männern sowie von Arbeitgebern ausgetragen.

Familienzeit und Pflegezeit sind essentielle Lebensphasen! Hier sind die Unternehmen erfolgreich, welche Chancengleichheit und Vereinbarkeit in Form von familienorientierter Personalpolitik leben.

Jetzt stehen Unternehmen mehr denn je in der Verantwortung, Nachlässigkeiten der Politik auszubessern, sofern sie Mitarbeitende gewinnen und binden möchten.

Fehlende Kinderbetreuungsplätze haben neben schwerwiegenden persönlichen und finanziellen Schicksälen von Familien, gravierende wirtschaftliche Folgen:

  • Ausbleiben der frühkindlichen Bildung
  • Diskriminierung von Eltern
  • Insbesondere die Schlechterstellung von Frauen
  • Verstärkung des Fachkräftemangels in allen Bereichen
  • Verlorene Wirtschaftskraft von berufstätigen Eltern für Arbeitgeber

Fakten-Check

Lassen Sie uns einen Blick auf die Fakten werfen:

  • Seit dem 1.08.2013 haben Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr (und Eltern) nach §§ 24 Abs. 2 und 3 8. Buch SGB VIII einen Anspruch frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung – sprich einen Krippen- und Kindergartenplatz.
  • In 2023 fehlen Deutschland laut Bertelsmann-Studie 384.000 Kita-Plätze
  • die Erwerbstätigenquote von Eltern mit Kindern unter 6 Jahren liegt im Jahr 2021 laut statistischem Bundesamt bei 66,5% und die Erwerbstätigenquote von Eltern mit Kindern über 6 Jahren liegt bei 81,2%.
  • 2023 haben wir den absehbaren Kita-Kollaps und die Bemühungen der Bundes- und Länderpolitik reichen nicht aus.
  • Fun Fact“: Ab dem 01.08.2026 wird stufenweise bundesweit ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter eingeführt – zunächst für Erstklässler im Schuljahr 2026/2027.

Bemühungen der Politik, die Rahmenbedingungen zu verbessern, um den Beruf der Erzieher:innen attraktiver zu gestalten und Strukturverbesserungen zu erwirken, greifen viel zu langsam. Deutschland ist vorhersehbar in einen Kita-Kollaps manövriert mit schwerwiegenden unternehmerischen und wirtschaftlichen Folgen.

Chance & Verantwortung von Arbeitgebern für betriebliche Mini-Kitas

Echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Chancengleichheit gibt es nur, wenn die Kinderbetreuung gewährleistet ist.

Best Practice Beispiele für Mini-Kitas

Bereits zweimal durfte ich die Planung und erfolgreiche Inbetriebnahme von betrieblichen Mini-Kitas in Kooperation mit der sira Kinderbetreuung gGmbH, einem professionellen Anbieter für betriebliche Kinderbetreuung in München, begleiten. Aktuell sind wir gemeinsam mit einem dritten Arbeitgeber im Landkreis Starnberg bei München in der Immobilienauswahl und konkreten Konzeption.

Mini-Kita im IT-Mittelstand

Der erste wirklich familienfreundliche Arbeitgeber, ein Unternehmen der IT-Branche mit 1.000 Mitarbeitenden mitten in München, schob das Projekt bereits seit 10 Jahren vor sich her, da sie an den Bestimmungen einer „Brandschutztür“ scheiterten. Die Hürden bei Verwaltungen und Behörden wie dem Jugendamt wirken häufig abschreckend und ersticken eine betriebliche Mini-Kita als HR-Projekt oft im Keim. Durch die Erfahrung in der Abstimmung mit Behörden, Projektmanagement wie auch in der Finanzplanung, können wir mit der betrieblichen Mini-Kita zielorientiert u.a. zu einer schnelleren Rückkehr der Mitarbeitenden aus der Elternzeit beitragen. Parallel arbeitet das Unternehmen stetig an der familienfreundlichen Unternehmenskultur, so dass wir hier als Vereinbarkeits-Experten u.a. auch ein BarCamp zum Thema „Väterfreundlichkeit“ durchgeführt haben.

Mini-Kita in der Gesundheitsbranche im öffentlichen Dienst

Der zweite Arbeitgeber, ein Unternehmen der Gesundheitsbranche im öffentlichen Dienst, ermöglichte bereits ein Kinderbetreuungsangebot über Belegrechte, Kontingentscheine und Kooperationen mit diversen Kitas. Diese sind aber in München im Jahr 2023 auch nicht mehr ausreichend. Das Projekt dauerte von dem Erstkontakt, über die Planung, Abstimmung mit dem Betriebsrat zum Beispiel zu den Vergabekriterien der Plätze sowie Umbau, Ausstattung, Personalgewinnung von Erzieher:innen, Inbetriebnahme, Trägerschaft bis hin zur Eingewöhnung der ersten Kinder nur 6 Monate!

Die Entscheidung der Geschäftsführung war schnell getroffen, da die Gesundheitsbranche ebenso vom Fachkräftemangel betroffen ist, wie die Kita-Branche und viele andere auch. Mit Vertragsunterschrift wurde entschieden, dass nach der Eröffnung der ersten eigenen betrieblichen Mini-Kita mindestens drei weitere folgen sollen. Und dies an jedem Standort des Arbeitgebers und zentral in München, so dass alle Mitarbeitenden von der arbeitsplatznahen Kinderbetreuung profitieren sollen.

Kurze Wege reduzieren die Stressbelastung, den Krankenstand und die Fluktuation. Eltern haben mehr Flexibilität. Dadurch erhöht sich die Produktivität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsplatz.

Sie denken, Ihr Unternehmen sei zu klein für eine eigene Kinderbetreuung?

Nein! Die Großtagespflege und Mini-Kitas rentieren sich schon mit neun bis zwölf Kindern,

haben deshalb eine höhere Auslastungswahrscheinlichkeit, sind kostengünstiger in Aufbau und Betrieb, unterliegen niedrigeren behördlichen Auflagen, brauchen nur eine Fläche von 100 bis 150 qm und lassen sich auch in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen realisieren.

Das bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales hat im August 2022 sogar eine „Experimentierklausel“ am Modellversuch „Mini-Kita“ bis August 2024 ausgerufen. Hier wird die Betreuung von mehr Kindern – 15 statt bisher 12 – ermöglicht und der verpflichtende Fachkräfteanteil – 33 statt bisher 50 Prozent – gesenkt.

Trotz einiger berechtigter Kritikpunkte kann die Qualität der Betreuung mit einem professionellen Kooperationspartner durchaus aufrechterhalten werden. Diese Chance sollten Kommunen, Träger und Arbeitgeber nutzen – zum Wohle unserer Kinder, zur Entlastung von berufstätigen Eltern, zur Chancengleichheit und für die Wirtschaftskraft.

Die Vorteile betrieblicher Mini-Kitas im Überblick:

Die Vorteile von betrieblichen Mini-Kitas lesen sich sehr gut:

  • Bedarfsgerechte, arbeitsplatznahe Betreuungsplätze für Eltern – Elternbeiträge auf dem Niveau kommunaler Angebote vor Ort
  • Zwischen 9 und 12 Kindern von 0-3 Jahren und 2-3 pädagogische Fachkräfte in einer Gruppe familienähnliche, individuelle Betreuung
  • Beteiligung der Arbeitgeber durch Übernahme von Infrastrukturkosten
    Investitionskostenbeteiligung ca. 18.000 € / Platz (Umbau, Ausstattung, Projektmanagement) Platzpauschale monatlich ca. 450 € / Platz
  • Qualitativ hochwertige Pädagogik und guter Betreuungsschlüssel
  • Schnelle Umsetzung, weniger Auflagen als bei klassischen Kitas, Umsetzungsdauer ca. 6-9 Monate nach Festlegung des Standortes

Ein weiterer Vorteil: Arbeitgeber können die Kosten für das Angebot betrieblicher Kinderbetreuung steuerlich geltend machen, die Bezuschussung ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Natürlich muss dies in jedem Einzelfall vom eigenen Steuerberater vorab nochmals genau geprüft werden.

Fazit zum Thema Mini-Kita

Betriebliche Mini-Kitas sind kein „nice-to-have“. Sie sind nicht nur ein Corporate Benefit oder ein stilistisches Mittel im Personalmarketing und Employer Branding. Betriebliche Kinderbetreuung ist einer der Erfolgsfaktoren zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – essentiell für die Mitarbeitergewinnung und -bindung.

Die Investitionen in eine betriebliche Mini-Kita oder Großtagespflege in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen und professionellen Projektmanagement-Anbieter und Träger sind überschaubar und haben sich schnell amortisiert.

Eltern müssen ihr Recht auf Kinderbetreuungsplätze (und zukünftig auch Ganztagsbetreuung für Schulkinder) deutlich lauter auf bundespolitischer Ebene einfordern, damit hier die strukturellen Rahmenbedingungen und Finanzierungen zur Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Erzieher:innen (und Lehrer:innen) priorisiert werden.

Suchen Sie als berufstätige Mutter oder Vater den Dialog mit Ihrem Arbeitgeber zu den Möglichkeiten der betrieblichen Mini-Kita, so sind weiterführende Informationen sind über mich erhältlich.

Und Sie als Arbeitgeber müssen sich entscheiden, ob sie es sich unternehmerisch leisten können, nicht in betriebliche Kinderbetreuung zu investieren.

Gemeinsam für eine Kita-Offensive!

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Rebecca Albat

Rebecca Albat als Gastautorin auf PERSOBLOGGER.DE

 

Rebecca Albat ist selbständige Unternehmensberaterin und hat 2013 in ihrer ersten Elternzeit die ALBATrosse HR-Beratung gegründet. Schon damals hat sie der mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Chancengleichheit aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen, einen Schwerpunkt in der werteorientierten Organisations- und Personalberatung der ALBATrosse gelegt.

 

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