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Deutsche Arbeitgeber planen größere Gehaltserhöhungen für 2022

Für das kommende Jahr planen deutsche Unternehmen, ihren Mitarbeitern größere Gehaltserhöhungen zu gewähren, da sie sich einerseits von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholen und andererseits zunehmenden Herausforderungen bei der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern stellen müssen. Leistungsträger werden weiterhin mit deutlich höheren Gehaltserhöhungen anerkannt als durchschnittlich bewerteten Mitarbeiter. Ihre Geschäftsaussichten schätzen mehr als die Hälfte der Unternehmen als sehr gut ein. Ein Drittel plant Neueinstellungen, wie der „Salary Budget Planning Report“ der Unternehmensberatung Willis Towers Watson zeigt, der Gehaltsplanungsdaten von fast 600 Unternehmen in Deutschland erfasst.

Gehaltserhöhungen fast auf Vor-Pandemie-Niveau

Unternehmen befinden sich bei der Vergütungsplanung in einer Zwickmühle. Einerseits müssen sie weiterhin ihre Fixkosten begrenzen. Andererseits sehen sie, dass sie die eher mageren Jahre 2020 und 2021 ausgleichen müssen: Nicht nur durch größere Gehaltserhöhungsbudgets, sondern auch durch unterjährige Gehaltserhöhungen, Prämien für besondere Leistungen, Fähigkeiten oder lange Unternehmenszugehörigkeit. Sie werden all diese Möglichkeiten nutzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auch nach der Corona-Krise zu sichern.

Tatsächlich werden die Gehaltserhöhungen fast wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen. Der Umfrage zufolge prognostizieren Unternehmen für das Jahr 2022 eine durchschnittliche Gehaltssteigerung von 2,7% für Führungskräfte (2021: 2,0%) und 2,8% für Fachangestellte sowie Supportkräfte (2021: 2,3%). Die Beschäftigten in der Produktion werden im nächsten Jahr durchschnittlich 2,7% mehr Gehalt bekommen (Gehaltssteigerung 2021: 2,2%). Nur sehr wenige Unternehmen (0,9%) planen keine Gehaltserhöhungen für 2022, ein signifikanter Rückgang gegenüber dem Vorjahr, in dem 8,4% der Unternehmen die Gehälter durch Nullrunden eingefroren haben.

Die Gehaltserhöhungen bewegten sich in den letzten zehn Jahren bei etwa 3,0%, bis die Pandemie die Unternehmen zwang, ihre Budgets zu kürzen. Die größeren Gehaltserhöhungen korrelieren mit einem Anstieg der Nachfrage nach – und einem Mangel an – Fachkräften sowie Mitarbeitern mit aktuell besonders gefragten Fähigkeiten. Die Folge: Sogenannte Hot Jobs, die aufgrund der sich verändernden Situation mehr Handlungsbedarf in der Vergütung mit sich bringen. Dies sind zum Beispiel in der Automobilbranche zunehmend Hochspannungstechniker, im High-Tech-Bereich Anwendungsentwickler für künstliche Intelligenz oder in der immer stärker regulierten Finanzbranche die Jobs im Bereich Legal & Compliance.

Größte Gehaltserhöhungen im Bau- und Ingenieurwesen 

Unter den großen Industriekonzernen prognostizieren Bauwesen, Immobilien und Ingenieurwesen die größten Zuwächse (3,9%), gefolgt von Medien- und Fintech-Unternehmen (3,5% bzw. 3,3%). Banken sowie Unternehmen im Versorgungssektor planen deutlich geringere Gehaltserhöhungen für ihre Mitarbeiter (2,0% bzw. 2,1%). Die Unternehmen der Automobilbranche rechnen für das nächste Jahr mit durchschnittlichen Erhöhungen von 2,3%.

Top-Performer erhalten weiterhin größere Gehaltserhöhungen

Darüber hinaus zeigt die Umfrage, dass Unternehmen ihre High-Performer (Leistungsträger) weiterhin mit deutlich höheren Gehaltserhöhungen belohnen als durchschnittliche Mitarbeiter. Für Mitarbeiter mit der höchstmöglichen Leistungsbewertung stellen Unternehmen für 2022 durchschnittlich 2,55 Mal so viel Gehaltserhöhungsbudget wie bei durchschnittlichen Mitarbeitern zur Verfügung. So können Unternehmen ihren wertvollsten Mitarbeitern substanzielle Gehaltserhöhungen anbieten und ihre Personalausgaben für jene Jobs priorisieren, die maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen.

Gute Geschäftsaussichten, Neueinstellungen geplant

Unternehmen zeigen sich für 2022 deutlich optimistisch. Über die Hälfte (53%) der in Deutschland tätigen Unternehmen gaben an, dass ihre Geschäftsaussichten ihre Erwartungen „übertreffen“ oder „bei weitem übertreffen“, während nur 4,2% sagten, dass sie unter den Erwartungen liegen. Fast ein Drittel (30%) planen, in den kommenden zwölf Monaten mehr Mitarbeiter einzustellen. Lediglich 8% erwarten einen Personalabbau. Mehr als die Hälfte (56%) der Unternehmen planen, Positionen im Vertrieb zu besetzen, aber auch Ingenieurwesen (49%) und technische Berufe (43%) sind Hotspots. Die am wenigsten aktiven Rekrutierungsbereiche befinden sich im Personalwesen (3%), Finanzen (6%), und Marketing (15%).

Die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern bleibt eine große Herausforderung für Arbeitgeber. Der Optimismus, den wir bei den Arbeitgebern sehen, kann sich auch als Aufbruchstimmung bei den Arbeitnehmern zeigen. Unternehmen müssen ihren Angestellten ein solides Leistungsversprechen liefern, das durch umfassende Vergütungsprogramme unterstützt wird.

Neben einer wettbewerbsfähigen Vergütung und den üblichen Zusatzleistungen wie etwa der betrieblichen Altersversorgung empfiehlt er, dass Unternehmen auch nicht-monetäre Zusatzleistungen anbieten, um das Engagement der Mitarbeiter zu fördern. Hierzu zählt beispielsweise mehr Flexibilität für Remote Working, oder bei einer Rückkehr in die Büros neue, zukunftsgerichtete Mobilitätskonzepte.

Größere Gehaltssteigerungen auch in Westeuropa

Ein Blick auf die anderen Länder in Westeuropa zeigt ein ähnliches Bild. Die Erholung in Deutschland spiegelt sich in den Nachbarländern, wo die meisten Unternehmen für 2022 ebenfalls höhere Lohnerhöhungen erwarten als in diesem Jahr. Die größten Zuwächse werden in Großbritannien (2,9%) und den Niederlanden (2,8%) erwartet, gefolgt von Italien, Frankreich und Spanien (2,5%).

Gehaltserhöhungen in Westeuropa (Durchschnitt inkl. Nullrunden)
Land 2021 (gewährt) 2022 (geplant)

  • Großbritannien  2,4        2,9
  • Deutschland      2,4        2,8
  • Niederlande      2,4        2,8
  • Frankreich        2,1        2,5
  • Italien              2,1        2,5
  • Spanien            2,2        2,5

Außerhalb Europas zeigen sich nur bei den beiden größten Ländern (nach Bevölkerung) Indien (+ 8,8% geplanter Gehaltszuwachs für 2022) und China (+5,9% geplant) Ausreißer nach oben, die aber mit Blick auf die zurückliegenden Jahre nicht ungewöhnlich erscheinen. So hatten beide Länder für 2018 noch 10,4% (Indien) bzw. 6,8% (China) prognostiziert.

Gehaltserhöhungen weltweit (Durchschnitt inkl. Nullrunden)
Land 2021 (gewährt) 2022 (geplant)

  • Indien   7,4                  8,8
  • China    5,0                  5,9
  • USA      2,7                 3,0
  • Kanada  2,4                 2,8
  • Japan    2,0                  2,4

Quelle: Willis Towers Watson 

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Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

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