IMMER die passenden Bewerber. Das Ende des Fachkräftemangels.

Wir schreiben das Jahr 2015. Auf einschlägigen HR-Veranstaltungen wie dem HR-BarCamp, das diese Woche in Berlin startet, wird noch immer über den Fachkräftemangel diskutiert. Ob es ihn nun gibt oder er nur ein Mythos ist, solange Unternehmen ihre Bewerber schlecht behandeln. Stichwort: Candidate Experience. Zur gleichen Zeit läuft das von Jo Diercks ausgerufene „Jahr der Kandidaten“ mit Beiträgen auf zahlreichen einschlägigen Blogs. Doch eigentlich sind all diese Aktionen und Maßnahmen komplett überflüssig, mit dem, was mir in dieser Woche im Netz über den Weg gelaufen ist. Eine Anwendung, die alle aktuell diskutierten Recruiting-Probleme mit einem Schlag löst. Sie glauben das nicht? – Dann lesen Sie mal weiter.

Was ist für Sie als Personalverantwortlicher aktuell das größte Problem im Recruiting? Ist es die Anzahl der eingehenden Bewerbungen? Oder die Qualität der Bewerber, also das, was diese hinsichtlich fachlicher Qualifikation und kultureller Passung für den Job mitbringen? Oder ist es der technische Aufwand, den die Recruiter mit den Stellenbesetzungen haben? Ist es das Matching zwischen Anforderungsprofil der Fachabteilungen und Bewerberprofil oder eher das Thema demografische Entwicklung? Ist Ihre Cost of Hire zu hoch?

Egal was es ist. Hier ist die Lösung: Und sie scheint von XING zu kommen…

Die Bombe ist schon geplatzt auf der Karriereseite der METRO AG. Wenn man sich nach vielen Klicks mal auf deren Stellenbörse durchgehangelt hat, findet man bei den Stellenanzeigen folgende (scheinbar) bekannte Schaltfläche:

XING One-Klick-Bewerbung
Screenshot: Karriereseite METRO Bewerbung via XING

Sieht aus wie eine One-Klick-Bewerbung – das Eingangstor zur mobilen Bewerbung.

Was METRO allerdings hier tatsächlich hinterlegt hat, offenbart sich nur, wenn man sich in XING einloggt und tatsächlich einmal klickt. Regelmäßige Leser wissen, dass ich ab und zu sehr testfreudig bin, was nicht immer allen gefällt, wie die Kommentare auf den eben verlinkten Beitrag zeigen.

Aber wer nicht testet, der findet nicht. Und diese Entdeckung war es allemal wert. Eingeblendet wurde mir nämlich der folgende Infotext, der zeigt, was die App, der ich jetzt Rechte verleihen soll, alles kann bzw. in meinem Namen darf:

One-Click-Bewerbung bei METRO
Screenshot: Rechtefreigabe für die Bewerbung via XING-Profil auf der Metro-Karriereseite

Wo hier der Clue ist? Na, schauen Sie doch mal genau hin!

Die passenden Bewerber selbst erstellen

„Ausbildungsdetails auf Ihrem XING-Profil bearbeiten“ oder „Berufserfahrung auf Ihrem XING-Profil bearbeiten“! Das heißt doch nichts anderes, als dass ich bei nicht passender Qualifikation als Unternehmen die Daten des Bewerbers mit dieser App einfach anpasse und schwupps kann ich der einstellenden Fachabteilung die perfekten Kandidaten präsentieren.

Und wenn die Geschäftsleitung aufgrund der demografischen Entwicklung die nach AGG recht zweifelhafte Vorgabe gegeben hat, für eine Verjüngung der Belegschaft zu sorgen. Kein Problem mit dieser neuen App: „Geburtsdatum aktualisieren“ ist auch ein übertragenes Recht. Genial, oder?!

Sogar neue Profilbilder kann man hochladen. Dann hat sich die Frage ein für alle Mal erledigt, ob auch ein Selfie als Bewerbungsfoto erlaubt ist Einfach das Wunschfoto der Recruiter selbst hochladen.

Bewerbungsfoto Business
Jetzt können Recruiter den Look ihrer Bewerber selbst bestimmen.

Rekrutierung von Markenbotschaftern via App

Ja, Bewerber können sogar sofort als Markenbotschafter eingespannt werden. Immerhin kann man über die App auch „Statusmeldungen senden“ oder die Bewerber „Gruppen beitreten, verwalten, verlassen“ lassen.

Das könnte dann so lauten: „Liebe XING-Kontakte, eben habe ich meinen Traumjob mit einer einfachen One-Klick-Bewerbung erhalten. Gleichzeitig wurde ich von einer App erfolgreich nachqualifiziert. Jetzt habe ich Auslandserfahrung, kann vier Sprachen und besitze Praxiseinblicke aus 10 Praktika. Versucht es doch auch mal!“

Best Candidate Experience ever!

Aber auch für die Bewerber stellt diese neue App einen wahren Glücksmoment dar. Denn egal wie schlecht und unpassend sie auf den ersten Blick geeignet scheinen, jeglicher Mangel wird sofort bereinigt. Eine Einladung und vor allem Einstellung ist garantiert.

Wahrscheinlich könnte man sogar das Thema Arbeitslosigkeit damit ad acta legen. Jobs für alle! OK, jetzt geht die Phantasie mit mir durch, sorry! Soweit wird es dann doch nicht kommen. Immerhin es gibt ja noch jene, die sich weigern ein XING-Profil anzulegen. Oder diejenigen, die wie ein Teil meiner Facebook-Kontakte aus dem HR-Influencer-Bereich in den letzten Wochen lautstark ihre Abkehr von XING via Statuspost verkündet haben. Verknüpft mit der Ankündigung zum Mitbewerber LinkedIn zu wechseln, weil XING nicht mehr in Funktionen für Nutzer investiert, sondern nur noch in die Monetarisierung der vorhandenen Daten über Recruiter und Personaldienstleister.

Dabei hat XING doch erst sein neues Produkt ProJobs auf den Markt gebracht. Derzeit wird sogar die 65%- bzw. 50%-Rabattierung von XING ProJobs immer weiter verlängert. Wahrscheinlich wegen des übergroßen Erfolgs …

ProJobs könnte mit der massenhaften Verbreitung der neuen Metro-App allerdings eh gleich wieder eingestellt werden. Denn Bewerber müssen damit nie mehr auf sich aufmerksam machen.

Fassen wir also nochmal zusammen:

Mehr als nur eine Lösung für HR

Unternehmen lösen mit der neuen App ab sofort das Grundproblem im Recruiting: Passende Bewerber finden. Quasi Wunschkandidaten Marke Eigenbau. – Und die App löst die Debatte um die demografische Entwicklung auf. Unternehmen und Mitarbeiter können also endlich wieder in Ruhe das tun, wofür sie bezahlt werden: Arbeiten.

Und positive Candidate Experience muss nicht mehr erzielt werden – sie ist von Grund auf vorhanden. Damit spielt sie ab sofort wohl auch keine Rolle mehr. Alles wird gut.

Positive Erfahrungen der Bewerber - immer passende Bewerber
Positive Candidate Experience for ever!

Preisverdächtig

Kein Wunder also, dass Metro bereits ausgezeichnet wurde mit dem Arbeitgebersiegel Career´s best Recruiters.

Was mich allerdings irritiert: Warum hat XING diese revolutionäre App noch nicht für den Produktiveinsatz freigegeben?? Denn wenn man mich fragt, sollte Metro für den mutigen Ersteinsatz diese ultimative Problemlösung einen weiteren Preis erhalten: Den HR Excellence Award. – Ach halt, nein! Der heißt anders. Moment, gleich fällt es mir ein…
Stimmt: die Goldene Runkelrübe!!


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Stefan Scheller

Autor und Speaker Persoblogger Stefan Scheller

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0 Antworten

  1. Klasse Recherche Stefan. Und die getroffenen Hunde namens XING und METRO bellen. Eigentlich sollten solche neuen Funktionen ausserhalb des öffentlich zugänglichen Webs getestet werden. Aber weil ja IT-Fachkräftemangel ist kann man solche Short-Cuts ja machen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte schlummert noch vor sich hin und das LinkedIn Team in München klopft sich auf die Schenkel angesichts dieses Eigentors aus dem Kapitel „Reputational Damage“. Weiter so, Stefan!

  2. Hallo Herr Scheller,

    vielen Dank für den Hinweis in diesem Post. Wir haben uns dies einmal angesehen und festgestellt, dass es sich um eine Anwendung handelt, die über unsere öffentliche Schnittstelle auf XING zugreift und von Metro gebaut wurde (Hintergrundinfos finden Sie im Blogbeitrag zur XING-API: https://blog.xing.com/2012/12/die-offene-xing-api-jetzt-live/).

    Allerdings handelt es sich um eine vorläufige Version der Anwendung, die Metro leider versehentlich öffentlich zugänglich gemacht hat. Wichtig in dem Zusammenhang: Die von Ihnen im Blog-Beitrag beschriebene Version entspricht nicht den Berechtigungen der finalen Anwendung. Die einzige Berechtigung, die für die Anwendung derzeit vorliegt – und auch funktioniert – ist „Zugriff auf öffentlich einsehbare Daten des XING-Profils“. Alle anderen Angaben sind Platzhalter und übertragen keinerlei Informationen.

    Wichtig für Sie zu wissen: Unser API-Team überprüft sämtliche Anwendungen von Dritten, so auch die angeforderten Berechtigungen – einen derart umfangreichen Zugriff auf Informationen würden wir nicht gestatten.

    Da es sich um eine Version handelt, die sich im Produktionsstatus befindet, haben wir diese Version jetzt vorübergehend deaktiviert. Unser Team nimmt Kontakt zu Metro auf, um sie auf diesen Umstand hinzuweisen und gemeinsam Einzelheiten zu klären, bevor die App in ihrer finalen Form live geschaltet wird.

    Also noch einmal: Besten Dank für den Hinweis. Wir geben gern noch einmal Feedback, sobald die finale Version der App zur Verfügung steht und dann können Sie – dann mit dem ursprünglich gedachten Funktionsumfang – ausgiebig testen!

    Heike Siemer, XING Team

    1. Guten Tag Frau Siemer,
      das hatte ich mir schon gedacht, bzw. es gehofft.
      Aber solche „Vorfälle“ zeigen auch sehr schön, was alles schief gehen kann bei einer an sich sehr gut gemeinten Aktion.
      Danke für Ihre offizielle Stellungnahme dazu.
      Viele Grüße zurück an das XING-Team,
      Persoblogger Stefan Scheller

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