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XING Produkt ProJobs Launch im Praxistest

XING ProJobs – das neue Produkt für Stellensuchende

Nachdem XING bereits im September sein Produkt „Der neue XING Stellenmarkt“ gelauncht hat, legt die Plattform heute noch einmal mit XING ProJobs nach. Der Titel soll sicherlich bereits die Absichten von XING CEO Thomas Vollmoeller suggerieren, dass XING sich für die Jobsuche der Mitglieder einsetzt (XING pro Jobs). Und so in etwa lautet das neue Versprechen „Machen Sie einfach Karriere“.

Was genau hinter XING ProJobs steckt und ob Karriere-Machen Dank XING ab sofort tatsächlich so einfach geht, beschreibe ich nachfolgend. Wie gewohnt, unterziehe ich die Features dabei ebenfalls einer kritischen Würdigung.

Die Optionen der Stellensuche mit dem neuen XING ProJobs

XING erweitert die Möglichkeiten zum Ausbau des persönlichen Profils durch die Optionen ProJobs erheblich.

Top: Es wurden Möglichkeiten geschaffen, um zusätzliche Informationen in das Profil aufzunehmen, die insbesondere für die zugreifenden Recruiter von Interesse sein dürften. Damit kann der Nutzer von XING ProJobs nahezu seinen kompletten Lebenslauf online auf der Plattform abbilden. Möglich sind jetzt ergänzende Angaben, zum Beispiel über bisherige Budgetverantwortung, Führungserfahrung oder ähnlich. Zusätzlich lassen sich Dokumente wie Arbeitszeugnisse oder Referenzen mit bis zu 5 MB Einzelgröße hochladen.

Das ist für die sogenannten „Top-Recruiter“ – eine unerwartete Adelung der Nutzer eines XING Talentmanagers – durchaus von Vorteil. Damit lassen sich sogar Argumente der Personaler contra One-Klick-Bewerbungen via XING entkräften, die es gab, weil auf einem XING-Profil bislang nur rudimentär bewerbungsrelevante Informationen abbildbar waren. Wobei natürlich der clevere Premium-XING-Profil-Inhaber bisher bereits durch geschickte Nutzung des Reiters „Portfolio“ entsprechende Informationen (zumindest oberflächlich) bereitstellen konnte.

Darüber hinaus kann der Jobsucher jetzt Wünsche äußern, hinsichtlich seiner bevorzugten Unternehmen, Arbeitspräferenzen oder Reisetätigkeiten.

Das Datenschutzkonzept von XING ProJobs

Die Informationen lassen sich datenschutztechnisch mit einem entsprechenden Rechtekonzept bzw. Zugriffskonzept schützen.

Erweiterte Datenschutz Einstellungen Sichtbarkeit XING Profildaten Premium
Erweiterte Datenschutz Einstellungen Sichtbarkeit XING Profildaten Premium

Dabei lassen sich drei Zielgruppen unterscheiden:

  • Top-Recruiter
  • Eigene XING-Kontakte
  • Alle XING-Nutzer

Fragwürdig: Diese Funktion hat aus meiner Sicht die Nutzung von XING für die verdeckte Ansprache durch Recruitern bislang stark behindert. Suchte ein Premiummitglied einen neuen Job und wollte weitestgehend unerkannt bleiben, dann konnte XING dem zahlenden Mitglied dies bisher nicht gewähren. Denn die Recruiter des eigenen Unternehmens konnten über den XING-Talentmanager bei entsprechender Filterung auch die vermeintlich geheim gestartete Jobsuche der eigenen Mitarbeiter einsehen. Das löst XING jetzt mit den neuen Möglichkeiten. Allerdings zwingt XING die Nutzer dafür in die kostenpflichtige Nutzung von ProJobs. Diese macht aber für latent Suchende eher weniger Sinn.

Datenschutzeinstellung XING Premium Standard
Eingeschränkter Datenschutz bei Sichtbarkeiteinstellungen Premium XING Mitglied

Oder auf den Punkt gebracht:

Warum muss ich als Premium-Nutzer trotz technischem Vorhandensein dieser Funktion auf entsprechenden Datenschutz weiter verzichten?

Maximale Profil-Sichtbarkeit in der Suche von über 3.000 Top-Recruitern

So lautet eines der weiteren Nutzenargumente von XING ProJobs. Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass die Profile von XING ProJobs-Nutzern angeblich im Talentmanager bevorzugt bzw. hervorgehoben angezeigt werden.

Fragwürdig: Genau das hat gerade noch gefehlt! (Ich hoffe Sie erkennen die Ironie in meiner Formulierung). Aus Sicht des Nutzers von XING ProJobs ein sicherlich tolles Feature für das Geld. Allerdings aus Sicht der Personaler im Unternehmen höchst fragwürdig. Wenn zukünftig nicht mehr die Profile angezeigt werden, die am besten passen, sondern erstmal die derjenigen Nutzer, die für diese Sichtbarkeit an XING bezahlt haben, dann halte ich davon soviel wie von nanobeschichtetem Toilettenpapier im Format 1:7.

Die Unternehmen zahlen an XING für die maximale Sichtbarkeit beim Bewerber mit Employer Branding Profilen und die Bewerber zahlen an XING für die maximale Sichtbarkeit bei Unternehmen mit XING ProJobs. Und was wird für ein perfekteres Matching, also für mehr Qualität in der XING-Stellensuche getan? Ab sofort hat also vor allem jeder, der Geld in die Hand nimmt, bessere Chance einen Job oder einen Mitarbeiter zu finden?!

„Schöne“ neue Welt…

Zugriff auf Headhunter via XING ProJobs

Fragwürdig: In Kürze soll es weitere Features für Nutzer von XING ProJobs geben. Laut XING „… erhält der Nutzer exklusiven Zugriff auf Stellen mit einem Jahresgehalt von mindestens 50.000 Euro, die von Headhuntern ausschließlich für Nutzer von XING ProJobs ausgeschrieben werden.“.

Im Ernst? Es gibt Personalberater, die exklusiv für eine noch komplett ungewisse Anzahl und Qualität von ProJobs-Nutzern Stellen anbieten? Das halte ich entweder für ein gewagtes Versprechen der Hamburger oder ein gewagtes Vorgehen der damit gemeinten Headhunter. Sollte sich tatsächlich ein Headhunter finden, der von einem Unternehmen das „go“ hat, Jobs nur der eingeschränkten Menge an Kandidaten auf XING ProJobs anzubieten, darf er sich gerne bei mir melden.

Oder aber es handelt sich nur eine sehr breite Auslegung des Wortes „exklusiv“. Immerhin mag der eine oder andere durchschnittliche XING-Nutzer das Produkt preislich für recht exklusiv halten. Insofern erhielte er dann passend auch einen exklusiven Zugriff.

Böse Zungen der Szene (hier erfolgt bewusst keine Verlinkung) unterstellen bereits, dass es sich bei diesen Stellen um die oftmals von Headhuntern zum Schein ausgeschriebenen (Standard)Stellen handelt. Ziel: An interessante Profile für spätere (echte) Aufträge zu kommen. Wie XING die Qualität dieser Stelleninformationen hochhalten will, bzw. ob XING hierauf überhaupt Einfluss nehmen kann und will, bleibt an dieser Stelle offen.

Lebenslauf-Check durch den XING-Partner CV Coach

Nützlich: Darüber hinaus will XING den ProJobs Nutzern Leistungen des Dienstleisters CV Coach anbieten. Entsprechend der Unternehmensbezeichnung bietet CV Coach an, innerhalb weniger Tage ausführlich Rückmeldung zu den vom Bewerber zur Prüfung eingesandten Bewerbungsunterlagen zu geben.

Eine solche Prüfung wird angeblich von „Karriereexperten“ durchgeführt. Dieser nicht geschützte Begriff wird in meinen Augen mittlerweile sehr inflationär verwendet. Ich kann nur hoffen, dass die Dienstleistung dort nicht am Ende doch von Praktikanten oder ähnlichen angelernten Personen erbracht wird. Auch wenn der Anbieter auf seiner Website von Personen spricht, „…die in verschiedenen Branchen und Funktionen im Bereich Human Resources tätig waren oder sind.“.

Recruiting (oder besser Personalauswahl) ist eine Disziplin für Experten . Die Praxis wird es zeigen, ob erfahrene Recruiter diese Dienstleistung erbringen. Solche, die wissen, worauf es den rekrutiernden Personaler-Kollegen in den Unternehmen wirklich ankommt.

Die Preise für das neue XING ProJobs

Je nachdem, wie lange die Jobsuche des Nutzers voraussichtlich dauern wird, kann er sich dreimonatsweise ein entsprechendes Paket kaufen. Rabattierung inklusive. Zusätzlich pusht XING das neue Produkt mit Einführungsrabatten und Zusatzrabatten für Premiummitglieder massiv.

Die Preise und Rabatte für die XING ProJobs Mitgliedschaft Premium
Die Preise und Rabatte für die XING ProJobs Mitgliedschaft Premium

Fazit

XING baut sein Portfolio im Bereich Jobsuche weiter aus. Die Ausgangssituation als Business Social Network Nummer eins im DACH-Raum ist dafür sehr gut. Die Daten in den XING-Profilen sind bereits heute zum großen Teil vorhanden und werden zukünftig noch weiter wachsen. Insofern ist der eingeschlagene Weg durchaus verständlich, die Informationen weiter zu monetarisieren.

Mit der Festlegung auf ein Mindestjahresgehalt von 50.000 Euro betritt XING nunmehr den bisherigen Hoheitsbereich von Anbietern wie zum Beispiel Experteer. Gleichzeitig nimmt XING die klassischen Stellenbörsen wie Stepstone, Monster, Jobware und Co ins Visier.

Die Zukunft wird zeigen, wie sich der Markt entwickelt. Einen weiteren Impuls erfährt dieser durch das neue XING ProJobs auf jeden Fall.

 

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Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

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8 Antworten

  1. Hallo, ich habe Projobs genutzt und bis auf den Lebenslauf-Check keinerlei signifikanten Mehrwert gegenüber dem normalen kostenlosen Xing-Account festgestellt. Meine Empfehlung: Einfach den großen Headhuntern euren Lebenslauf schicken oder bei monster.de die Firmen direkt anschreiben. Spart euch die 20 Euro monatlich, mit denen Ihr auch noch in ein Abo gelockt werdet und geht mit der Familie schön essen 🙂

  2. Mir wird das 12 Monatspaket gerade für 9,40€ angeboten (zzgl. Premium, was bei mir auch etwas weniger als bei Ihnen ist 😉 )

    Scheint also weiterhin noch nicht genug Nachfrage zu geben.

    Vielen Dank für den Artikel, denke für einen „Normalo“ auf Jobsuche und ohne Job dürfte sich der Nutzen in Grenzen halten. Daher spar ich mir das Geld lieber 😉

    Grüße
    MB

    1. Die Entscheidung zur Nutzung eines solchen Produkts muss jeder für sich selbst treffen. Wahrscheinlich hängt diese am Ende weniger am Preis, als am erwarteten Nutzen des Jobsuchenden. Verspreche ich mir viel von der Produktnutzung, werde ich sehr gerne bereit sein zu investieren. Immerhin geht es ja um einen neuen Job (den man nicht jeden Tag neu sucht).

  3. Ich finde Ihren Artikel sehr Interessant. Bin aber immer noch am überlegen, ob sich die Kosten rentieren. Sie vergleichen mit Experteer, nur da hat sich die Investition nicht gelohnt (veraltete Angebote, oder überhaupt nicht (Profil-) passend.
    Gibt es hier Erfahrungen von Nutzern von Xing Pro Job?

    1. Vielen Dank für den Kommentar und die Nachfrage. Ob sich die Investition lohnt, kann ich nicht beurteilen. Zumindest scheinen sich die Nutzerzahlen (auf meine Nachfrage bei XING) noch in Grenzen zu halten. Auch das weiter bestehende Rabatt-Angebot deutet in diese Richtung. Ich denke, dass es hierzu noch weitere Monate braucht, um auch die andere Seite abschätzen zu können: Ob nämlich Unternehmen die ProJobs-Nutzer tatsächlich häufiger kontaktieren bzw. einladen als die anderen. Aber dieser Nachweis wird schwierig werden mangels passender Vergleichsgruppen (es geht ja immer um sehr individuelle Profile mit mehr oder minder guter Passung).

      Auch wenn Ihnen meine Antwort wahrscheinlich bei Ihrer Entscheidung nicht wirklich überragend weiter hilft, so würde ich dennoch sagen: Wenn Ihnen die Chance auf einen Job den entsprechenden Betrag Wert sind, dann probieren Sie es einfach aus. Gerne freue ich mich über Ihre Erfahrungen. Kommen Sie einfach auf mich zu! – Einen guten Rutsch und viel Erfolg bei der Jobfindung!

  4. Nabend,

    ich honoriere sicherlich auch die Möglichkeiten das XING-Geschäftsmodell weiter auszubauen und das Netzwerk wurde auch nicht zum Selbstzweck gegründet – oder besser gesagt, verkauft.

    Dieses Feature empfinde ich aber als Premium-Mitglied und bis vor kurzem selbst auch Jobsuchender als nicht optimal. Ich folge dabei deiner Argumentation mit dem Stichwort „nanobeschichtetes Toilettenpapier.“

    Aber vielleicht wird das Tool ja noch passend weiterentwickelt und den Bedürfnissen der jeweiligen Zielnutzer angepasst. Sollte doch im Vertrieb eine Grundeinstellung sein. Erfolg und Umsätze kommen dann aufgrund der positiven Resonanz ganz von selbst. ;-))

    Aber vermutlich steigt dort auch der Rendite-Gedanke oder die Zielvorgaben wurden zu hoch gesteckt. Aber das sind natürlich nur reine Vermutungen. Mich hat da ja keiner als arbeitsuchender Senior Recruiter vorher zu befragt. ;-))

    Vielen Dank für die gute Darstellung und Bewertung in dem Artikel.

    Mit freundlichen Grüßen
    Marc Mertens

    1. Ob das neue Produkt ein Erfolg wird, werden wir sehen. Krititische Stimmen dazu haben mich gestern auch via Twitter erreicht.
      Ich glaube zwar nicht, dass ProJobs grundsätzlich zu teuer ist, wenn die Jobsuche ernsthaft betrieben wird. Allerdings stellt es doch etwas die bisherigen Möglichkeiten des Talentmanagers in Frage, wenn es ein kostenpflichtiges Zusatzfeature braucht, damit die Recruiter auf die Stellensuchenden via XING aufmerksam werden.

      Aber ob XING bewusst war, dass es Personaldienstleister gleichen Namens gibt (sowohl ProJob als auch ProJobs)? Vielleicht dürfen sich die Hamburger ja sogar auf einen Rechtsstreit einstellen. Wer weiß …

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