Einstellung Jobs on Facebook steht bevor

Facebook Jobs wird eingestellt! Warum sich Meta vom Jobmarkt zurückzieht

Dass Facebook Jobs, auch Jobs on Facebook, außerhalb der USA und Kanada zum 22.02.22 eingestellt wird, ist bislang eher unter dem Radar geblieben. Weshalb verlässt der große Player Meta den lukrativen europäischen Jobmarkt? Wieso wurde die Social Media Stellenbörse kein Erfolg? Eine Analyse.

Das Ende von Facebook Jobs kommt am 22.02.2022.

Was für ein Datum für die Einstellung des Services Facebook Jobs: 22.02.2022 Witzigerweise war es ebenfalls der 22., allerdings Mai, als ich 2018 erstmals über Facebooks eigene Jobbörse geschrieben hatte.

Erstaunlicherweise war bereits damals der Service in aller Stille eingeführt worden. Nicht zu vergleichen mit dem Hype bei der Einführung von Google for Jobs.

Und jetzt steht also das -gefühlt ebenso unspektakuläre- Ende von Jobs auf Facebook bevor. Naja, zumindest was die EU angeht – Arbeitgeber in den USA oder Kanada können den Service über die App weiterhin kostenfrei nutzen.

Was war nochmal Jobs on Facebook?

Arbeitgeber hatten die Möglichkeit, über Facebook Jobs eine Stellenanzeige über ihre Unternehmensseite zu erstellen und kostenfrei in die Datenbank der Plattform zu stellen. Im Grunde eine faszinierende Sache, wenngleich die Kostenfreiheit Facebook-typisch eher ein theoretisches Konstrukt war. Denn ohne die Investition eines kleinen Budgets blieb diese Anzeige lediglich ein Datensatz, tief in einem Untermenü des sozialen Netzwerks verborgen.

Zusammen mit Facebook Jobs entstand schnell ein kleines Ökosystem von Gruppen, die sich ebenfalls der Jobsuche widmeten und aus meiner Sicht sogar einige Zeit eine Art „Geheimtipp“ waren. Bis vor einigen Monaten hatte Facebook sogar bei Postings, die in der Begriffswelt „Arbeitgeber“, „Stellenanzeige“ oder „Job“ zu finden waren, angeboten, daraus automatisch eine Jobanzeige zu machen.

Und nunmehr die Einstellung im Februar 2022.

Was passiert mit Stellenanzeigen auf Facebook nach dem 22.02.22?

Die Plattform selbst äußert sich nur rudimentär im Rahmen eines sogenannten „Produktupdates“.  Danach können nach der Einstellung von Jobs auf Facebook

  • Keine kostenfreien Jobanzeigen über die Partnerintegration mit der Facebook Jobs API veröffentlicht werden
  • Das Feature Jobs auf Facebook ist nicht länger in der Facebook Lite-App bzw. der mobilen Website der Plattform verfügbar. Weder für Jobsuchende noch für Stellen ausschreibende Arbeitgeber.
  • Der Browser für Jobs auf Facebook wird nicht mehr bereitgestellt.
  • Gruppen mit der Gruppenart „Jobs“ werden zu allgemeinen Facebook-Gruppen
  • Und damit einhergehend der komplette Service Jobs auf Facebook außerhalb der USA und Kanada eingestellt.

Um die eigenen Stellenanzeigen aus der Datenbank „zu befreien“, kann der allgemeine Facebook Download-Service dafür noch bis zum 27.03.22 in Anspruch genommen werden.

Warum wird Jobs auf Facebook eingestellt?

Die spannende Frage, die sich viele von Ihnen jetzt vermutlich stellen, ist „Warum stellt Facebook seinen Stellenanzeigen-Service ein?“.

Und die Antwort kann lediglich eine Vermutung sein, denn es liegt kein offizielles Statement zu den Gründen vor. Meine persönlichen Vermutungen sind folgende:

Jobs auf Facebook waren nie ein „Killerfeature“

Auch wenn sicherlich eine Reihe von KMU bei der Stellenbesetzung sehr gut mit dem Service gefahren sind, hatte das Feature nie eine zentrale Bedeutung erlangt. So leise wie die Einführung erfolgte, war auch die vergleichsweise versteckte Einbindung in die Menü-Navigation.

Der Bewerbungsprozess in den USA ist weit weniger formal und basierend auf einem Lebenslauf und Anschreiben wie dies beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Eine klassisches Social Media Bewerbung ist Stand heute noch immer eher ein Exot.

Das Facebook Stellenanzeigen Feature wurde nie Geschäftsmodell

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass auch das Monetarisierungsinteresse von Facebook nie den Stellenmarkt an sich erreicht hat. Wobei Arbeitgeber ja schon bisher -und auch weiterhin- Stellenanzeigen als Werbeanzeigen in die Feeds oder in den erweiterten Sichtbarkeitsbereich der User spielen können. Deshalb war die Job-Listung-Funktion als zusätzlicher Case bislang nicht relevant.

Datenschutz-Problematiken

Auch wenn die Ankündigung zur Einstellung von Jobs auf Facebook bereits kurz vor Weihnachten 2021 erfolgte und damit ein direkter Zusammenhang mit den aktuellen Urteilen rund um die Datenschutz-Problematik im Zusammenhang mit dem Übertragen von persönlichen Daten in die USA unwahrscheinlich ist. Die DSGVO sowie das besondere Schutzbedürfnis von Bewerbungsunterlagen treiben Facebook schon eine ganze Weile um.

So hatte das Unternehmen die Pflicht zur Nutzung des Facebook-Messengers für das Bewerbungsverfahren zwischenzeitlich fallen lassen und auch die E-Mail-Bewerbung erlaubt. Dennoch haderten vermutlich nicht wenige Unternehmen in der EU, Facebook vertrauliche Bewerbungsdaten anzuvertrauen.

Wichtigere Themen, Fokussierung auf das Metaverse

Wie bei vielen der datengetriebenen Silicon Valley Konzerne kommen und gehen Projekte und Themen. Oftmals sind sie Randerscheinungen und werden jahrelang verprobt – und schließlich fallen gelassen. Mit der durch die Umbenennung des Facebook-Konzerns auf „Meta“ wird die neue Ausrichtung -oder besser: Fokussierung- deutlich. Es geht mit voller Kraft in das Metaverse.

Wenig zielführende Themen, die keinen besonderen monetären Zugewinn darstellen, werden daher vermutlich stärker auf den Prüfstand gestellt als bisher. Auch der Aktionärswille könnte dabei eine Rolle spielen, nicht kommerzialisierte Dienste nach und nach abzuschaffen, wenn sie nicht unmittelbar auf die neue stark VR-getriebene Vision einzahlen.

Der Facebook-Blick auf Application Experience

Einen weiteren, ähnlich gelagerten Grund mag ich hier noch ins Feld führen: Alle Plattformen haben ein Interesse daran, den Nutzerinnen und Nutzern eine durchgängig hohe positive Application Experience AUF der Seite selbst zu bieten. Alle abgehenden Verlinkungen und Services, die zu einem Verlassen der Plattform auffordern, liegen damit außerhalb der eigenen Steuerungsmöglichkeiten. So hat Facebook zwar den Bewerbungsprozess getriggert, die Abwicklung erfolgte jedoch häufig über ein unternehmenseigenes ATS, das mit seinen Eigenheiten bekanntermaßen eher für eine mäßig gute Candidate Experience sorgt. Facebook will aber für durchgängig durch den Konzern beeinflussbare Prozesse stehen.  – Natürlich auch, um innerhalb der gesamten Prozesskette Daten abgreifen, auswerten und verwenden zu können.

Aktivitäten außerhalb der Plattform steigern nicht das User Engagement AUF der Plattform. Der Service Jobs on Facebook ist und war kein Engagement-Treiber.

Droht auch Google for Jobs die Einstellung?

Auch rund um Google for Jobs gab es in den letzten Monaten immer mehr Gerüchte und Vermutung, dass eine Einstellung, ja gar ein EU-weites Verbot drohe.

Hintergrund sind die EU-weiten Bestrebungen im Rahmen des Digital Market Acts, die Ausnutzung der eigenen Marktgröße und Marktmacht stärker einzuschränken. Wir erinnern uns zudem daran, dass schon 2019 der Markteintritt von Google for Jobs eine Beschwerde von Stellenbörsen bei der EU nach sich zog.

Interessanterweise haben sich StepStone und Indeed Europe nach jahrelangem Boykott nunmehr doch an den Service angeschlossen. Ob damit der Google Service bessere Chancen auf ein Überleben in der EU hat, muss sich aber noch zeigen.

Fazit zur Einstellung von Jobs auf Facebook

Mit dem Ende von Facebook Jobs am 22.02.22 geht ein spannendes Kapitel im Bereich Social Media Stellenanzeige zu Ende. Jedoch zeigt die Tatsache, dass über die Einstellung seit der Ankündigung durch Meta so wenig geschrieben und gesprochen wurde, dass die Entscheidung des Konzerns nicht die Relevanz und Auswirkung auf den Markt haben wird, die man eigentlich vermuten könnte.

In meinem persönlichen Fall sorgt die Einstellung von Jobs auf Facebook zumindest für einen Anpassungsbedarf bei einigen Präsentationen sowie im Skript meines derzeit in der Redaktion befindlichen Fachbuches „Praxisleitfaden Personalgewinnung für KMU“. Passt irgendwie zur immer wieder beschworenen veränderungsdynamischen VUCA-Welt, oder?

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Stefan Scheller

Autor und Speaker Persoblogger Stefan Scheller

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DANKE!

6 Antworten

  1. Interessante Analyse, Stefan. Vermutlich ist auch LinkedIn für Stellenanzeigen auch immer dominanter. Durch die geplante Integration mit MS Teams wird es dann auch immer einfacher und nahtloser für Unternehmern die Brücke nach außen zu schlagen und Stellenanzeigen zu schalten und dann gleich mit Teams das Gespräch zu führen

    1. Hallo Robert,
      LinkedIn erlebe ich tatsächlich noch nicht wirklich stark beim Thema Stellenanzeigen. Aber die Pläne sind sicherlich da und der Weg für einen integrierteren Bewerbungsprozess wohl bereitet. Das fing ja schon recht früh an nach der Übernahme durch Microsoft, siehe: https://persoblogger.de/2018/02/26/wie-algorithmisch-optimierte-standardbewerbungen-ihren-recruitingprozess-sprengen-werden
      Im Fokus scheint der Jobmarkt aber auch hier (noch) nicht zu stehen.
      Viele Grüße
      Stefan

  2. „Interessanterweise haben sich StepStone und Indeed Europe nach jahrelangem Boykott nunmehr doch an den Service angeschlossen“

    Die ablehnende Haltung der genannten Plattformen ggü. G4J hat sich meiner Meinung nach nicht geändert. Ich vermute, dass man sich eher widerwillig angeschlossen hat, um den rückläufigen Traffic zu kompensieren.

    Nur zur Klarstellung: dies ist natürlich eine Annahme und basiert rein auf Indizien und Beobachtungen.

    Beispiel StepStone:

    Seit 05/2021 werden die StepStone zahlen nicht mehr bei IVW ausgewiesen. Der INFOnline Tracker auf steptone.de ist zwar im Hintergrund noch aktiv, die Zahlen werden allerdings nicht mehr bei den offiziellen Nutzungsdaten auf IVW ausgewiesen. Das stellt sich natürlich die Frage: warum ist das so?

    Die zertifizierte Reichweite bei der IVW war über Jahre hinweg die „harte Währung“ auf die man sich bei StepStone berufen hat. Seitens StepStone hat man sich in der Vergangenheit gebrüstet mit IVW-Reichweitenerfolgen und diese über Pressemitteilungen geteilt.

    Mit Blick auf die letzten veröffentlichten Nutzungszahlen wird unter Umständen deutlich, warum das so ist. Denn die Zahlen waren allem Anschein nach eher rückläufig und nicht mehr als „Verkaufsargument“ verwendbar.

    Similar Web wirft für Januar auch nur noch 10,1 Mio. Besuche aus für stepstone.de .

    Ich kann die Gatekeeper Diskussion um google und das Beschwerdeverfahren der Jobbörsen nachvollziehen. Auf der anderen Seite entscheidet der Markt bzw die Nutzer und ein Großteil der User startet online und die Jobsuche mit google. Auch wenn das Verbot des „self-preferencing“ kommen wird, wird G4J nicht vom Tisch sein. Dann wird es eine anderen Lösung geben.

    Es geht – zur Zeit – nur mit google bzw G4J und nicht ohne.

    Wie gesagt, nur eine Theorie und meine Beobachtungen. Vielleicht bin ich auch völlig auf dem Holzweg.

    Danke lieber Persoblogger für die unermüdliche Berichterstattung und Dein Portal. Bietet einen tollen Mehrwert! Kritisch, aber nicht destruktiv. Visionär mit dem nötigen Praxisbezug.

    Happy Recruiting!

    1. Hallo Tanja,
      danke für Ihre Nachricht. Ich habe eben nochmal meine Desktop-Version geöffnet – der Menüpunkt Jobs ist nicht mehr enthalten.
      Möglicherweise dauert der Ausbau aus der App bis zum nächsten Update. Außerdem könnte Facebook stufenweise vorgehen, dass zuerst keine neuen Jobs mehr eingestellt werden können und erst dann. komplett eingestellt wird. Es gibt ja auch die im Artikel beschriebene Frist zum Download der eigenen Daten.
      Soweit meine Erfahrung / Vermutung.
      Viele Grüße und ein erholsames Wochenende
      Stefan

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