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Der Hype um die Feelgood-Manager

Das neue Berufsbild des Feelgood-Managers – Hype oder Zukunftsmodell?

Schon mal was vom Feelgood-Manager (Wohlfühlmanager) gehört? – Dabei handelt es sich weder um einen mit Managerboni top-versorgten Banker noch um einen Betriebsarzt, der für die körperliche Gesundheit der Arbeitnehmer eines Unternehmens sorgt. Wobei letzteres dann gar nicht soo weit entfernt ist.

In Zeiten des „War for Talents“ bzw. des Fachkräftemangels sind die Employer Branding Strategen in den USA (wo sonst?) sehr findig, was das Ausarbeiten von Alleinstellungs- und Attraktivitätsmerkmalen von Unternehmen angeht. Dabei schwappt seit einiger Zeit das Berufsbild des Feelgood Managers auch auf Deutschland über. So rühmen sich unter anderem die Firmen Jimdo, Spreadshirt, billiger-mietwagen.de und Researchgate damit, eine solche Person zu beschäftigen.

Was es mit dem Feelgood-Manager auf sich hat

Stefanie Häußler von Spreadshirt, einem Onlinehändler für kreative individuelle T-Shirts, leitet in einem Interview auf dem Recruitainment-Blog die Beschreibung ihres Verantwortungsbereichs mit folgenden Worten ein: „Ich kümmere mich um das Wohlbefinden der Mitarbeiter.“. – Ah ja. Weiter führt sie aus, dass das konkret bedeute, sie organisiere passende Mittagsverpflegung, interessante Abendveranstaltungen oder auch Serviceangebote zur Unterstützung der Mitarbeiter bei Problemen des Alltags, zum Beispiel bei der Wohnungssuche. Klingt ein wenig nach Tausendsassa – Eventmanagement, Prozessoptimierer, Personalberater und Kummerkasten in einem. Ziel dabei sei, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen.

In der Wirtschaftswoche geht die geschäftsführende Gesellschafterin einer Organisationsberatung noch weiter: „Viele Arbeitnehmer beklagen allerdings, dass sie von ihren Vorgesetzten zu selten gelobt, ihre Leistungen zu selten anerkannt würden. Um dem entgegen zu wirken, setzen Unternehmen immer häufiger auf sogenanntes Feelgood-Management“ – Hat also der Feelgood Manager den Auftrag, einen Mangel in der unternehmenseigenen Führungskultur zu beheben?

Der Feelgood Manager im Kampf gegen Depression und Ausfallzeiten

Noch obskurer wird das Berufsbild für mich, wenn die Beraterin ergänzt: Den Erfolg ihrer Beratungen messe sie nicht allein anhand der üblichen Faktoren wie Krankheitstage. „Wir schauen auch darauf, wie oft ein Mitarbeiter am Tag lacht.“ – Dann übernimmt der Feelgood Manager also zusätzlich noch Aufgaben im betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Ich frage mich sogleich, was „wir schauen darauf“ konkret im Alltag bedeutet. Werden die Mitarbeiter via Webcam auf dem PC-Bildschirm überwacht und auf dem Server läuft ein Programm mit, das die Anzahl der positiv nach oben gebogenen Lippenbewegungen mitprotokolliert? Oder ist der Feelgood Manager sogar gefordert, sich um die privaten Probleme der Arbeitnehmer zu kümmern. Immerhin ist recht wenig mit „feel good“, wenn der Partner den Arbeitnehmer gestern vor die Tür gesetzt hat, der Streit mit dem Nachbarn eskaliert und die Steuernachzahlung das Bankkonto tief in den Dispo reißt.

Feelgood-Management strebt ganzheitliche Bedeutung an

Und tatsächlich scheint der Aufgabenbereich des Feelgood Managers stark eine ganzheitliche Bedeutung in jenen Unternehmen einnehmen zu wollen. In der Welt dreht Gesundheits- und Wirtschaftspsychologin Julia Scharnhorst ein noch größeres Rad: „In Zeiten einer hohen Zahl an Fehltagen durch psychische Erkrankungen – laut Bundespsychotherapeutenkammer ist das der Grund für 12,5 Prozent aller betrieblichen Ausfallzeiten – ist eine Feel-good-Managerin ein gutes Zeichen“.

Immerhin macht sie nicht die Feelgood Manager in den Unternehmen alleine dafür verantwortlich, das Ruder herum zu reißen: „… um vor Burn-out und Co. gewappnet zu sein, reicht gute Arbeitsatmosphäre allein nicht aus. Wenn Arbeitsprozesse ungünstig organisiert sind und deswegen Stress aufkommt, dann hilft es mir wenig, wenn ich anschließend mit der Belegschaft Grillen gehe.“, so Scharnhorst weiter.

Die Aufgabenbereiche – neu oder nur umverlagert?

Um die Analyse etwas zu systematisieren, fasse ich die in den Veröffentlichungen bisher genannten Aufgabenbereiche der Feelgood Manager kurz zusammen und stelle sie in einen Zusammenhang mit klassischerweise in großen Unternehmen zuständigen Abteilungen bzw. Bereichen:

• Veranstaltungen organisieren –> Eventmanagement / Veranstaltungs-, bzw. Messeabteilung
• Prozesse optimieren –> internes Consulting, Führungskräfte, betriebliches Vorschlagswesen
• Unterstützung bei Alltagsthemen –> Assistenten, Sekretariate, Supportabteilungen
• Kummerkasten –> Personalservices, Coaches, Mentoren, Betriebsräte
• Gesundheitsvorsorge –> betriebliches Gesundheitsmanagement, Personalbereich

Wenn aber in Unternehmen die oben beispielhaft genannten fachlichen Zuständigkeiten tatsächlich vorhanden sind und auch entsprechend mit inhaltlicher Dichte gelebt werden, warum konstatiert das IT-Portal t3n in seiner Artikelüberschrift provokant: „…warum Konzerne einen Trend verschlafen“?

Verschlafen Konzerne tatsächlich den Trend Feelgood-Manager?

Im weiteren Verlauf des Interview-Artikels mit der Karriere-Expertin und Bloggerin Svenja Hofert zeigt sich dann aber das etwas nüchternere Bild: Die Feelgood-Manager werden vor allem in Startups eingesetzt, also Unternehmen, die keine der oben genannten Fachbereiche haben. Sympathisch wird mir Frau Hofert schließlich an der Stelle, als sie meint, dass sie glaube, man brauche die Feelgood Manager eigentlich überhaupt nicht. Unternehmen sollten vielmehr unmittelbar in Bereiche wie optimierte Prozesse, gesundes Arbeiten und eine ausbalancierte Unternehmenskultur investieren. Ganz meiner Meinung, danke!

Insofern wird auf der Website der Community Goodplace in einem Beitrag der Feelgood Manager auch als Unternehmenskulturbeauftragter bezeichnet. Das klingt zwar etwas hölzerner und mit weniger Marketing-Charme, trifft es aber sicher ganz gut. Es ist tatsächlich oft sinnhaft, wenn man Personen explizit damit beauftragt, die Kultur des Unternehmens zu analysieren, im Auge zu behalten und mit nachhaltigen Maßnahmen Veränderungen zu initiieren. – Klassischerweise ist diese Tätigkeit im Bereich Personal oder einer anderen Stabsstelle verankert.

Feel-Good-Manager sind gut für den Umsatz (von Beratern)

Trotzdem wird mit dem wohlklingenden Namen Feelgood Manager schon bald Geld verdient. Denn eine „Akademie aus Stuttgart plant bereits eine Weiterbildung zum Feel-Good-Manager. Zu den Qualifikationen, die in Stellenanzeigen verlangt werden, gehören Gespür im Umgang mit anderen Menschen, Kreativität und manchmal sogar gute Kenntnisse der örtlichen Kneipenlandschaft.“, wie einem Beitrag in der Zeit zu entnehmen ist.

Das ist legitim – immerhin gibt es einen grundsätzlichen Trend, unternehmensweite Themen spezialisierten Experten anzuvertrauen, die als Sachwalter für das Aufgabenfeld einstehen. Ich sage nur Datenschutzbeauftragte oder sogenannte Diversitybeauftragte.

Passives Kuscheln statt aktives Gestalten

Aber tief in meinem Herzen regt sich noch eine andere Seite seit ich mich mit dem Thema Feelgood Manager beschäftige. Insbesondere, wenn ich Synonyme für diesen Begriff höre, die lauten: „Director of Happiness“, „Director of Freshness“ oder „Happy Moment Beauftragter“.

Ich frage mich allen Ernstes, wie weit wir Menschen die Verantwortung für unser eigenes Wohlfühlen noch an Dritte outsourcen wollen? Was ist passiert, dass ich für einen glücklichen Moment (happy moment) plötzlich eine eigene Stellenbeschreibung brauche? Spiegelt sich da nicht gerade wieder die typische Opferhaltung vieler Arbeitnehmer wieder, die glauben, ihr Wohl liege komplett in den Händen des Arbeitgebers und er alleine sei dafür verantwortlich, dass es ihm als Arbeitnehmer gut gehe?

Wie weit geht die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers?

Selbstverständlich sind Arbeitgeber zur systematischen Fürsorge gegenüber ihren Arbeitnehmern verpflichtet, angefangen von einem ergonomischen Arbeitsplatz, der im Minimum den gesetzlichen Anforderungen an Arbeitsschutz entspricht. Über Arbeitszeitregelungen, die die gesetzlichen Vorgaben einhalten, Vergütungen, die sozial sind. Bis hin zu zahlreichen weiteren Standards im Bereich Weiterbildung, Gesundheitsfürsorge und vieles mehr.

Aber ist nicht auch jeder einzelne Arbeitnehmer zunehmend gefordert, aus seiner Starre zu erwachen und selbst an der Kultur des Unternehmens mit zu arbeiten? Schließlich kann eine Kultur nicht von außen vorgegeben werden – sie wird täglich von allen gelebt und entsteht im Kleinen.

DATEV kommt ohne Feelgood-Manager aus

Insofern hat es bisher bei uns in der DATEV noch keiner Feelgood Manager bedurft. Die Kollegen und Kolleginnen haben ein vitales Eigeninteresse daran, mit den Teammitgliedern eigenverantwortlich Kneipenabende, Volleyballturniere oder sonstige Events zu organisieren. Und auch sonst kommen wir auf so einige Ideen, für die es vielleicht anderswo Feelgood Manager braucht.

Andererseits fühle ich mich selbst in meiner Rolle am Arbeitsplatz in gewisser Weise als so ein Feelgood Manager. Die Begeisterung für den eigenen Arbeitgeber spürbar werden zu lassen, andere anzustecken und Maßnahmen zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit mit auf den Weg zu bringen. Genau mein Ding …

Mein Fazit zum Feelgood-Manager

Der Trubel um die Feelgood Manager hat insoweit sein Gutes, als dass die Diskussion über das Thema Unternehmenskultur (oder auch Arbeitgebermarke) weiter im Gange bleibt. Und dass den Personalmarketingverantwortlichen ein weiteres Buzzword zugespielt wurde, das sie in ihren immer einheitlicher werdenden Kommunikationen zum Employer Branding verwenden können.

Aber schon Albert Schweitzer wusste: „Das Heil der Welt liegt nicht in neuen Maßnahmen, sondern in einer anderen Gesinnung.“. – Ergänzend von mir dazu: Und es beginnt wie immer bei uns selbst!

 

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Stefan Scheller

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0 Antworten

  1. Wer negativ über das Feel Good Management schreibt, dem fehlt das Verständnis für ganzheitliches Denken und Arbeiten. Er stört sich einzig und alleine am Begriff/Titel und versucht stur und verbissen nicht zu verstehen, was ein Feel Good Manager alles in/für eine/r Firma tun kann. Ein Feel Good Manager kümmert sich um Mitarbeiter, Chefs, Unternehmenskultur, Employer Branding, Unternehmensstrukturen und Abläufe und vieles mehr. Er sieht und fühlt Dinge, die anderen Menschen in der Firma meist verborgen bleiben und arbeitet auch an ganz kleinen Dingen, welche eine massive Auswirkung auf das große Ganze der Firma haben.

    1. Dann fühle ich mich in dieser Hinsicht falsch verstanden. Ich finde die Aufgaben eines FGM sehr bedeutend und absolut wichtig. Allerdings gibt es bereits heute zahlreiche Verantwortlichkeiten, die derartige Aufgabenbereiche haben (z.B. HR). Daher zeugt ein nötiger FGM eher von einem Mangel der Aufgabenerfüllung dieser Verantwortlichen. Darüber hinaus glaube ich an eine starke eigenverantwortliche Steuerung in „gesunden“ Unternehmen mit sehr positivem Arbeitsklima. Dort braucht es eine eigenen FGM nicht zwangsläufig. Insofern spreche ich mich nicht komplett gegen Feelgood Management aus, beleuchte nur kritisch die Rahmenbedingungen.

    2. Dem stimme ich voll und ganz zu. Man sollte den Begriff nicht zu eng sehen. Sicherlich gibt es schon Unternehmen und Unternehmensbereiche die FGM in anderer Art tw. bereits umsetzen, leider wird ein zufriedener Mitarbeiter oftmals unterschätzt. Eine „starke eigenverantwortliche Steuerung in „gesunden“ Unternehmen“ gibt es leider viel zu selten.

  2. Die Unternehmenskultur entscheidet über den Erfolg eines Unternehmens zunehmend. Fühlen sich Mitarbeiter wertgeschätzt und finden ein gesundes Arbeitsumfeld vor, das Beruf und Leben je nach Lebensphase gestalten lässt, sind sie überdurchschnittlich treu. Feelgood Manager werden aus diesen Gründen schon selbstverständlicher werden.
    Eine Übersicht welche Unternehmen schon Feelgood Manager einsetzen, finden Sie auf http://www.goodplace.org

    1. Danke für Ihren Kommentar, Frau Kraus-Wildegger. Das Portal goodplace ist mir bekannt und gefällt mir richtig gut. Es ist sehr ansprechend und freundlich aufgemacht und versprüht viel Sympathie.
      Was die Feelgood-Manager angeht, so finde ich den grundsätzlichen Ansatz, dass Unternehmen ein höchst attraktives, lebendiges und gesundes Arbeitsumfeld schaffen, natürlich prima.
      Nur frage ich mich dabei immer, warum man so etwas anschieben muss und sich gewisse soziale Events nicht durch Mitarbeiterinitiative selbstständig entwickeln. Auch störe ich mich wahrscheinlich am meisten an der Bezeichnung, die suggeriert, dass ein anderer dafür verantwortlich ist und sogar dafür bezahlt wird, dass es mir gut geht. Das widerspricht meinem Bild von der Eigenverantwortung als Mitarbeiter. Da ist jeder gefordert, insbesondere derjenige, der jammert und unzufrieden ist, aktiv zu werden. Entweder er wird damit intrinsisch motiviert selbst zum „Feelgoodmanager“, indem er einfach eine Zusammenkunft außerhalb der Firma mit den Kollegen organisiert oder ähnlich. Oder aber er sucht eine berufliche Veränderung.
      Allerdings gehe ich wie Sie davon aus, dass dieses „Berufsbild“ weiter Verbreitung finden wird. Die Tendenz hin zu mehr Mensch im Berufsleben stimmt ja.

  3. Ja, ich bin auch ganz Deiner und Frau Hoferts Meinung Stefan. Man soll hauptsächlich an der Unternehmenskultur arbeiten. Dort wirkt das Change Management am meisten. Auch die Prozessdefinition- und optimierung helfen dabei, geordnetere und stressfreiere Unternehmensabläufe zu verschaffen. Weiterhin ist es sehr empfehlenswert und wirkungsvoll an dem Working-Balance System im Unternehmen zu arbeiten. Und dabei den Mitarbeitern richtige Unterstützung bei der Bewältigung des täglichen Lebens zu ermöglichen. So beispielsweise bindet man mit dem firmeneigenen Kindergarten viele wertvolle Mitarbeiter(innen) langfristig an das Unternehmen. Ohne Nachhaltigkeit, Konzept und Strategie kann man nur, wenn überhaupt, kurzfristige Erfolge erzielen!

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