Der Gallup Engagement Index veröffentlicht die aktuellen Ergebnisse für das Jahr 2025. Die im Vorjahr erstmals in den einstelligen Bereich gefallene hohe emotionale Bindung der Beschäftigten in Deutschland an ihren Arbeitgeber (10%; 2024: 9%, 2023: 14%) ist nicht weiter gesunken, bleibt jedoch auf einem der niedrigsten Werte seit Beginn der Langzeitstudie Gallup Engagement Index Deutschland im Jahr 2001.
Gallup Ergebnisse 2025
Mit 77% (2024: 78%, 2023: 67%) haben weiterhin so viele Personen wie nie zuvor nur eine geringe emotionale Bindung. Auch wenn das Vertrauen der Beschäftigten in die finanzielle Zukunft des Arbeitgebers wieder leicht gestiegen ist (37%, 2024: 34%), zeigen die Befragten weiterhin nur verhaltene Zuversicht in ihre Geschäftsführungen.
Der Gallup Engagement Index gehört zu den bekanntesten Indikatoren für die Führungskultur und das Arbeitsumfeld in Deutschland.
Gallup Engagement Index im Zeitverlauf 2001-2025

Bedeutung von Führung ungebrochen
Für viele Beschäftigte ist die direkte Führungskraft das Gesicht des Unternehmens. Wer gute Führung erlebt, überträgt dieses Vertrauen auf den Arbeitgeber insgesamt. Die Qualität der Führung im Alltag entscheidet daher maßgeblich darüber, wie leistungsfähig und glaubwürdig ein Unternehmen wahrgenommen wird.

Die Daten zeigen, dass die Beschäftigten in Deutschland ihrer Arbeit gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt sind. Es fehlt nicht an Leistungsbereitschaft, sondern an Führung, die Potenzial freisetzt. Menschen können es nur dann voll entfalten, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Stärken einzusetzen, sie sowohl bestätigendes als auch konstruktives Feedback erhalten und ihr innerer Mut aktiviert wird. Das versetzt sie in die Lage, Herausforderungen zu meistern. Es geht um das Gefühl: „Ich bewege etwas!“
Wunsch nach Stabilität: Beschäftigte wollen länger im Unternehmen bleiben
Trendumkehr bei der Bleibeabsicht: Nachdem im vergangenen Jahr nur die Hälfte der Befragten
(50%) uneingeschränkt vorhatte, auch ein Jahr später noch bei ihrem Arbeitgeber tätig zu sein,
ist ihr Anteil inzwischen wieder auf 56% gestiegen. Dennoch bleibt die Bereitschaft, weiter
beim derzeitigen Unternehmen zu arbeiten, deutlich unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit
(2018: 78%).
Auch mittelfristig zeigt sich eine leichte Erholung: 40% möchten auch in drei
Jahren noch bei ihrem derzeitigen Unternehmen beschäftigt sein (2024: 34%; 2018: 65%). Ein
durch gute Führung geprägtes Arbeitsumfeld, das in einer hohen emotionalen Bindung resultiert,
wirkt sich dabei deutlich auf die geplante Bleibedauer aus: Von Mitarbeitenden mit hoher
emotionaler Bindung wollen 80% dem Unternehmen mindestens noch ein weiteres Jahr
treu bleiben, 57% sogar noch drei Jahre.
Kosteneinsparungen durch Mitarbeiterbindung
Unternehmen können durch hohe Bindung konkret Kosten einsparen, denn das Nachbesetzen
einer Stelle verursacht in der Regel Fluktuationskosten in Höhe eines Jahresgehalts, bedingt durch Ausschreibung, Recruiting, Produktivitätsverlust und Einarbeitung. Eine Wechselabsicht ist nicht mit einem tatsächlichen Wechsel gleichzusetzen, jedoch ein guter Indikator dafür, wie viele Beschäftigte sich grundsätzlich vorstellen können, ihren Arbeitgeber zu verlassen.
Entscheidend ist, ob aus dieser Absicht konkretes Handeln wird. Unsere Daten zeigen: Von denen, die aktiv auf Jobsuche sind oder sich nach Alternativen umsehen, hat knapp die Hälfte allein in den vergangenen drei Monaten für sie interessante Stellenangebote gefunden. Der Arbeitsmarkt bietet ihnen also weiterhin Optionen.
Aktuell sind zwölf Prozent der Beschäftigten aktiv auf Jobsuche, weitere 25% halten Ausschau. Hier kann emotionale Bindung gegenwirken, denn 77% der Beschäftigten mit hoher emotionaler Bindung sind derzeit nicht auf der Suche nach einem neuen Job.
Bei den inneren Kündigern kehrt sich das Verhältnis nahezu um: 39 Prozent von ihnen suchen aktiv, während weitere 25% sich nach Alternativen umschauen. Oft scheitern Unternehmen gleich zu Beginn des Arbeitsverhältnisses daran, Beschäftigte für sich zu begeistern. Von denjenigen, die erst weniger als zwölf Monate dabei sind, sucht jeder fünfte Mitarbeitende (21 %) schon wieder aktiv, 15% sind offen für Neues. Dazu kann beitragen, dass nur 21 Prozent der Neuzugänge ihren Onboardingprozess als ausgezeichnet bewerten.
Hohe Bindung sorgt für weniger Krankenstand
Von hoher Bindung profitieren Unternehmen und Beschäftigte auch in anderer Hinsicht, denn
eine hohe emotionale Bindung wirkt sich positiv auf krankheitsbedingte Fehlzeiten aus. Beschäftigte, die sich emotional bereits von ihrem Arbeitgeber verabschiedet haben, waren 2025 im Schnitt 9,7 Tage krank.
Bei emotional hoch gebundenen Mitarbeitenden fiel die Fehlzeit mit 5,7 Tagen deutlich niedriger aus (geringe Bindung: 7,6 Tage). Und das summiert sich, denn jeder Fehltag kostet den Arbeitgeber im Schnitt 347,20 Euro.
Würde ein Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitenden die durchschnittliche Fehlzeit auf das Niveau von Beschäftigten mit hoher emotionaler Bindung senken, entspräche dies einer Kostenentlastung von mehr als 1,4 Millionen Euro.
Auch auf Stress, der zu Fehlzeiten führen kann, hat hohe emotionale Bindung einen positiven Einfluss. Jeder fünfte Arbeitnehmende (19%) fühlt sich „immer“ oder „häufig“ gestresst, bei denen mit hoher emotionaler Bindung sind es nur rund die Hälfte (9%; geringe emotionale Bindung: 17%, ohne emotionale Bindung: 41%).
Steigende Sorge vor KI
Zu aktuellen Themen, die den Arbeitsalltag prägen, gehören auch künstliche Intelligenz und die Frage nach der eigenen Zukunft im Unternehmen. Genau die Hälfte der Beschäftigten hält es für „überhaupt nicht wahrscheinlich“, dass künstliche Intelligenz innerhalb von fünf Jahren ihren Job gefährdet; 2018 waren es noch 72%.
Der Anteil derjenigen, die es für „(sehr) wahrscheinlich“ halten, liegt aktuell bei 16%. Damit ist er seit der letzten Befragung 2023 um fünf Prozentpunkte gestiegen und hat sich seit der ersten Erhebung zum Thema 2018 mehr als verdoppelt (7%). Zwei Drittel (64%) geben an, dass KI in ihrem Unternehmen bereits eingesetzt wird, und 48% nutzen sie täglich oder mehrmals die Woche; 2023 waren es nur 14%.
Das Thema ist auch längst kein Tabu mehr: Nur zwölf Prozent vermeiden es, im Team zu erzählen, dass sie für ihre Arbeit KI nutzen. Uneingeschränktes Vertrauen in die Technologie hat allerdings nur eine Minderheit: 55% sagen, dass sie von der KI gelieferte Inhalte jedes Mal kritisch gegenprüfen.
Nur 21% stimmen jedoch vollständig zu, dass ihre Führungskraft den Einsatz aktiv unterstützt.
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Meine fortwährende Kritik an der Gallup-Auswertung und Interpretation zur emotionalen Bindung an Arbeitgeber finden Sie in mehreren Artikel, zuletzt hier aus 2025.
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Quelle: Pressemitteilung von Gallup
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Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und Top HR-Influencer betreibe ich diese Website und das gleichnamige 






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