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Wirtschaftsreport: Schieflage meist Managementfehler

Wenn Unternehmen in Schieflage geraten, liegt das in der Regel weniger an ungünstigen politischen Rahmenbedingungen als vielmehr an gravierenden Fehlern in der Führungsetage. Dies geht aus dem Wirtschaftsreport 2026 der Management-Community United Interim hervor. Die Studie wurde von 15 erfahrenen Spezialisten für Interim Management erstellt.

Mangelnde Anpassung an den Markt, zu spätes Reagieren

Der Report basiert auf einer Umfrage unter 550 dieser Führungskräfte auf Zeit, die aufgrund der Vielzahl sowie der Art und Weise ihrer Einsätze in der Regel viel besser als Linienmanager wissen, woran es liegt, wenn Firmen ins Trudeln geraten. Die häufigsten Gründe für den Abstieg sind demnach (Mehr­fach­nennungen waren erwünscht):

  • mangelnde Anpassung an Marktveränderungen (87%)
  • zu späte Kenntnisnahme der dramatischen Lage (86%)
  • ineffiziente Unternehmensführung (81%)
  • Beratungsresistenz im Topmanagement (79%)
  • zu wenig Ausrichtung am tatsächlichen Kundenbedarf (74%)
  • fehlende Innovationsbereitschaft (71%)
  • Vernachlässigung von Vertrieb und Marketing (62%) und
  • eine schlechte finanzielle Steuerung (60%).

Haarsträubende Managementfehler

Gelegent­lich sind die Managementfehler wirklich haarsträubend. In vielen Fällen wäre es angebracht gewesen, man hätte die Interims Manager ein oder wenigstens ein halbes Jahr früher zu Hilfe gerufen. Unternehmen sind so beschäftigt, Feuer zu löschen, dass sie keine Zeit haben, die Brandursachen zu beseitigen.

Die Umfrage hat weitere Gründe zutage gefördert, warum Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben:

  • unzureichendes Risikomanagement (57%)
  • schlechte Personalpolitik und Verlust von Leistungsträgern (55%)
  • fehlende Kommunikation zwischen Geschäftsleitung und anderen Stakeholdern (Beschäftigte, Inhaber, Aktionäre; 54%)
  • Eingehen zu hoher Klumpen­risiken (54%)
  • ausschließliche Kostenfokussierung (52%)
  • Versäumnisse bei der Anpassung an neue Regularien (51%)
  • zu wenig Fokussierung auf das Kerngeschäft (51%) und
  • mangelnde Kostenkontrolle (47%).

Datenmüll, Klumpenrisiken, kein Kundenfokus, keine KI

Viele Unternehmen vernachlässigen ihre Stammdaten über viele Jahre: Fehlende Pflege und Struktur kosten Effizienz in Prozessen, verhindern Auswertbarkeit und hemmen Standardisierungen. Der Datenmüll erfordert mehr Controller – der Kurs in die Krise ist im Grunde vorprogrammiert. Viele Automobil-Zulieferer sind von der Autokrise deshalb so schwer betroffen, weil sie sich nur auf diese Branche fokussiert haben, was ein klassisches Klumpenrisiko darstellt.

Spätestens seit dem massiven Eingriff der Politik bei der Frage Elektro versus Verbrenner war das Risiko sichtbar, wurde aber allzu häufig verdrängt. Ebenso häufig ist die Vernachlässigung der Kunden zu beachten. Die Firmen unternehmen alles Mögliche, von Kosten­senkungsmaßnahmen über Management-Revirements bis zur Restrukturierung, aber in den seltensten Fällen geht es dabei um die Kernfrage, wie der Kundenbedarf stärker in den Mittelpunkt gestellt werden kann. Viele Unternehmen stecken derart tief im Krisenmodus, dass sie nicht die Kraft finden, die Potenziale neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz für sich zu heben.

Fehlbesetzungen und kaum Führungskräfteentwicklung

Fehlbesetzungen, mangelnde Führungskräfteentwicklung und fehlende Anpassung an neue Arbeitswelten führen dazu, dass die Leistungsträger eine Firma verlassen und nur noch die Verwalter übrigbleiben. In der Regel bedarf es des Austauschs der ersten Führungsebene sowie mindestens fünfzig Prozent der zweiten Führungsebene, die häufig DIE ‚Lähmschicht‘ für Veränderungen ist.

Um ein Unternehmen in Schieflage wieder auf Kurs zu bringen, braucht es in der Praxis eine gezielte Neuausrichtung der Personal­strategie.

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland ist 2025 deutlich weniger gestiegen als im Vorjahr. Das zeigen aktuelle Zahlen von Creditreform, wonach im letzten Jahr rund 285.000 Beschäftigte von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen waren – 6.000 weniger als 2024. Neben den unmittelbaren Schäden durch Arbeitslosigkeit mit entsprechender Belastung der Sozialsysteme und Forderungsausfällen, die wie Wellen durch die Wirtschaft wabern und weitere Betriebe in den Strudel reißen, gehen langfristig Know-how, Innovationskraft und industrielle Fähigkeiten verloren.

Vertrauen, Entscheidungsstärke, Veränderungsmanagement

Wie gelingt es schlingernde Unternehmen wieder flott zu machen, war eine der entscheidenden Fragestellungen im United Interim Wirtschaftsreport 2026. Die 550 befragten Interim Manager berichten, was am wichtigsten ist, wenn sie das Ruder bei einer Schieflage übernehmen (Mehrfach­nennungen waren erwünscht):

  • die Herstellung von Vertrauen in das Management und seine Ent­scheidungsstärke (89%)
  • ein situationsgerechtes Veränderungsmanagement (88%) und
  • Krisenerfahrung (84%).

Turnaround-Management ist vor allem Führungsstärke gepaart mit Erfahrung, zügigem Handeln und klarer Kommunikation mit allen Stakeholdern. Führungskompetenz mit Teamplayer-Mentalität sind über zwei Drittel (68%) der kontaktierten Interim Manager.

Was ist noch wichtig? Die Antworten der Praxismanager: analytische Fähigkeiten (70%), strategische Planung (69%), hohe Belastbarkeit sowie Verhandlungs- und Kommunikations­geschick (64%). Ebenfalls von Bedeutung sind eine belastbare Geschäfts- und Liquiditäts­planung (58%) sowie insbesondere unmittelbar nach dem Antritt einer Position als Interim Manager im Krisenfall die Fokussierung auf die Beseitigung von Insolvenzgründen (49%).

Lessons learned – Erkenntnisse der Überlebenden

Was lernen Unternehmen, denen es gelingt, das Tal der Tränen zu durchschreiten und wieder auf Erfolgskurs zu segeln, hat der United Interim Wirtschaftsreport 2026 ebenfalls untersucht. Die Antworten der Interim Manager:

  • transparente Kommunikation pflegen (84%)
  • näher am Markt agieren (83%)
  • stärkeren Fokus auf den Kunden richten (79%)
  • Prozesse verschlanken und die Bereitschaft zu schnellen Veränderungen (75%)
  • Fokussierung auf Cashflow statt Umsatzfixierung (61%)
  • Verbesserung der Firmenkultur (58%)
  • finanzielle Disziplin üben (57%)
  • Bereinigung des Portfolios und Fokussierung auf das Kerngeschäft (55%)
  • präziseres Berichtswesen (52%)
  • Erhöhung der Digitalisierungsquote (49%) und
  • stärkere Betonung des Business Development (48%), um neue Kunden zu überzeugen.

Eine Restrukturierung ist oftmals nur mit einem Managementwechsel möglich, um diese Erkenntnisse umzusetzen. Viele Unternehmen lernen erst im Rahmen einer Restrukturierung, sich wieder auf ihre Kunden und deren Bedarf zu fokussieren.

Es ist wichtig, dass bei allen teilweise auch gravierenden Managementschwächen die Verschlechterungen der politischen Rahmenbedingungen über viele Jahre hinweg zur heutigen Schieflage des ganzen Wirtschaftsstandorts beigetragen haben. Gute Manager bringen ihr Unternehmen auch durch schlechte Zeiten.

Quelle: Pressemitteilung von unitedinterim

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Stefan Scheller

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