Schlüssel zur Fachkräftesicherung: Ausbildungsmarkt und Praxistipps für erfolgreiche Azubisuche

Angesichts eines immer spürbareren Fachkräftemangels und der dynamischen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt wird die berufliche Ausbildung zu einem entscheidenden Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg und die Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Mit über 1,2 Millionen offenen Stellen allein in Deutschland im Jahr 2023, davon ein erheblicher Teil im MINT-Bereich, stehen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor der Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu finden und langfristig im Unternehmen zu binden. Praxiseinblicke zur Azubisuche von Renate Wienkoop, meinestelle.de

Unternehmer in der Pflicht

In den kommenden Jahren wird die Gesamtbevölkerung in Deutschland kontinuierlich abnehmen. Besonders gravierend ist der rückläufige Trend der erwerbstätigen Bevölkerung, denn die  sogenannten Babyboomer* hinterlassen große Lücken auf dem Arbeitsmarkt. In der Berechnung des Statistischen Bundesamtes gehen Analysten davon aus, dass die Anzahl der Erwerbstätigen im schlechtesten Fall bereits im Jahr 2030 um fast vier Millionen schrumpfen könnte. Dies wird den Fachkräftemangel in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen.

Für Unternehmen ist es an der Zeit, eine aktive Rolle in der Ausbildung junger Menschen zu übernehmen. Die Investition in die duale Ausbildung ist nicht nur eine Investition in den einzelnen Jugendlichen, sondern eine Investition in die Zukunft des Unternehmens und der gesamten deutschen Wirtschaft.

Es ist eine strategische Entscheidung, die darauf abzielt, den Fachkräftebedarf langfristig sicherzustellen. Unternehmen, die sich dieser Verantwortung stellen, tragen dazu bei, das Fundament für eine starke, wettbewerbsfähige Wirtschaft zu legen. Jeder junge Mensch verdient die Chance, sein Potenzial voll auszuschöpfen, und Unternehmen spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Lage auf dem Ausbildungsmarkt

Nur sieht die Lage auf dem Ausbildungsmarkt nicht ganz so rosig aus und Unternehmen, besonders KMUs, stehen vor enormen Herausforderungen bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze. Eine Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) für das Jahr 2023 zeigt auf, dass etwa 30.000 Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. Trotz des leichten Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr unterstreicht dies die anhaltenden Probleme bei der Rekrutierung von Auszubildenden.

Das Angebot auf dem Ausbildungsmarkt ist weiterhin hoch, leider mangelt es an ausreichenden Bewerbern um die Ausbildungsstellen zu besetzen.

Die Zahl der Ausbildungsverträge ist weiterhin gesunken.

Eines der größten Probleme, mit denen Unternehmen konfrontiert sind, ist die Diskrepanz zwischen den Anforderungen der Arbeitswelt und den Fähigkeiten der Bewerber. Viele Jugendliche verlassen die Schule ohne die für eine Ausbildung notwendigen Grundkenntnisse in Mathematik und Deutsch. Etwa 6 % der Schüler verließen 2023 die Schule ohne Abschluss, was die Suche nach qualifizierten Auszubildenden erschwert.

Zudem zeigen Studien, dass die Berufsorientierung an Schulen oft nicht ausreichend ist, um Jugendliche effektiv auf die Anforderungen und Möglichkeiten des Ausbildungsmarktes vorzubereiten.

Ein weiteres Problem ist der zunehmende Trend zur Akademisierung. Viele junge Menschen entscheiden sich für ein Studium statt für eine Berufsausbildung, was teilweise auf das höhere Prestige akademischer Abschlüsse und unzureichende Informationen über die Karrieremöglichkeiten und Verdienstchancen nach einer Berufsausbildung zurückzuführen ist. Die Anzahl der Studierenden stieg seit 2021/22 kontinuierlich an, erst seit knapp zwei Jahren ist ein leichter Abwärtstrend zu spüren.

Maßnahmen für Unternehmen

Unternehmen haben bei der Rekrutierung von Auszubildenden zahlreiche Möglichkeiten, aktiv auf die Gestaltung des Ausbildungsmarktes einzuwirken. Durch gezielte Maßnahmen können sie nicht nur ihren eigenen Bedarf an Fachkräften decken, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Fachkräftepotenzials in Deutschland leisten.

  • Verbesserung der Berufsorientierung: Unternehmen können durch Partnerschaften mit Schulen, Praktikumsangebote und Werkstatttage dazu beitragen, Schülern realistische Einblicke in die Arbeitswelt zu geben und das Interesse an einer Ausbildung zu wecken.
  • Aktive Werbung für die Ausbildung: Durch gezielte Kampagnen, die die Vorteile und Karrieremöglichkeiten einer dualen Ausbildung hervorheben, können Unternehmen dazu beitragen, das Bild der Berufsausbildung zu verbessern.
  • Individuelle Förderung und Unterstützung: Um die Diskrepanz zwischen den Fähigkeiten der Bewerbenden und den Anforderungen der Ausbildungsberufe zu überbrücken, können Unternehmen individuelle Förderprogramme anbieten, die Defizite gezielt angehen.

Praxistipps für eine erfolgreiche Azubisuche

Um die besten Talente zu gewinnen und eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu gewährleisten, sollten Unternehmen folgende Schritte ergreifen:

  1. Partnerschaften mit Schulen aufbauen: Durch die Kooperation mit lokalen Schulen können Unternehmen frühzeitig Talente identifizieren und für sich gewinnen.
  2. Aktive Präsenz auf Berufsorientierungsmessen und Ausbildungsmessen: Ein guter Weg um direkt mit Jugendlichen in Kontakt zu treten und sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb präsentieren. Durch aktive Teilnahme an solchen Veranstaltungen können Unternehmen ihre Ausbildungsangebote wirkungsvoll präsentieren.
  3. Frühzeitiger Beginn der Suche: Um den passenden Auszubildenden zu finden, sollte die Suche idealerweise bereits ein Jahr vor Ausbildungsbeginn starten.
  4. Online-Jobbörsen und Ausbildungsportale: Plattformen wie LinkedIn, XING oder meinestelle.de mit azubistelle.de bieten nicht nur Stellenanzeigen, sondern auch die Möglichkeit, ein Arbeitgeberprofil zu erstellen und wichtige Informationen über die Ausbildungsmöglichkeiten zu teilen. Hier können Unternehmen ihre Ausbildungsplätze präsentieren und direkt mit interessierten Bewerbern kommunizieren.
  5. Social-Media Recruiting: Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. bieten Unternehmen die Möglichkeit, ihre Ausbildungsangebote zu bewerben und sich als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren. Durch gezielte Posts, Videos oder Werbeanzeigen können Unternehmen auf sich aufmerksam machen und den direkten Kontakt zu potenziellen Auszubildenden suchen.
  6. Transparente und attraktive Ausbildungsgestaltung: Mit einer klaren Ansprache und umfassenden Informationen kann das Interesse der Jugendlichen geweckt werden. Auch Zusatzangebote wie Weiterbildungsmöglichkeiten erhöhen die Attraktivität des Ausbildungsplatzes und zeigen den Jugendlichen, dass das Unternehmen in ihre berufliche Entwicklung investiert.

Wie attraktiv ist der duale Ausbildungsweg für Jugendliche

Die duale Ausbildung bietet Jugendlichen nicht nur eine praxisnahe Alternative zum Studium, sondern auch hervorragende Zukunftschancen. Die Ausbildung im Mittelstand bietet mit einer durchschnittlichen Übernahmequote von etwa 75% eine nahezu sichere Perspektive für eine anschließende Beschäftigung.

Die Möglichkeit, direkt in die Arbeitswelt einzusteigen, kombiniert mit der Chance auf ein eigenes Einkommen, bietet jungen Menschen eine attraktive Aussicht. Die Vergütung, die in den meisten Ausbildungen angeboten wird, ermöglicht vielen Jugendlichen finanzielle Unabhängigkeit und die Möglichkeit, frühzeitig für sich selbst zu sorgen. Außerdem eröffnet die erfolgreiche Absolvierung einer dualen Ausbildung gute berufliche Aussichten und weitere Karrieremöglichkeiten.

Sehr schade, dass die Ausbildung in den letzten Jahren an Attraktivität verloren hat, da es dem Jugendlichen einen praktischen Einstieg ins Berufsleben bietet.

Eine gemeinsame Verantwortung

Die duale Ausbildung ist ein bewährtes System in Deutschland, das sowohl für Unternehmen als auch für Auszubildende erhebliche Vorteile bietet. In einer Zeit, in der qualifizierte Fachkräfte immer schwerer zu finden sind, wird die Ausbildung junger Menschen zu einer gemeinsamen Verantwortung von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Unternehmen, die diese Herausforderung annehmen und in die Ausbildung investieren, leisten nicht nur einen Beitrag zur Fachkräftesicherung, sondern sichern auch ihre eigene Zukunftsfähigkeit.

Durch die aktive Gestaltung der Ausbildungslandschaft können Unternehmen dazu beitragen, eine starke und wettbewerbsfähige Wirtschaft für die kommenden Generationen zu sichern. Es ist an der Zeit, die Weichen für die Zukunft zu stellen und jedem jungen Menschen die Chance zu geben, sein volles Potenzial zu entfalten.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Stand August 2023, Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Bundesagentur für Arbeit – Statistisches Bundesamt (Destatis), 2024

Renate Wienkoop

Renate Wienkoop ist Online-Recruiting-Expertin für meinestelle.de und azubistelle.de. Aufgrund des demographischen Wandels und den Fachkräftemangel wurde das Stellenportal azubistelle.de ins Leben gerufen. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei, kleine und mittelständische Unternehmen im Online Recruiting Bereich zu positionieren, für die maßgeschneiderte Lösungen entwickelt wurden.

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