GenAI und CHRO im Unternehmen

GenAI gestalten: Der CHRO am Steuer der GenAI-Revolution

Die Rolle des Chief Human Resources Officer (CHRO) steht angesichts der rasanten Einführung von GenAI vor einer beispiellosen Wende. Endlich werden viele denken, die leidige Diskussion rund um strategische vs. operative Rolle ist beendet. Es stimmt. Die gesamte People Funktion kann aktuell zum Wegbereiter der neuen Arbeitswelt werden – wenn sie auch die eigene HR-Transformation richtig und zügig vollzieht. Was dafür notwendig ist, erfahren Sie in diesem Gastartikel von Christina Bösenberg

GenAI bedeutet mehr als nur Technologie

Der bevorstehende massive Strukturwandel durch GenAI ist nicht nur eine technologische Angelegenheit. Wir wissen: GenAI wird die Art der Arbeit und den gesamten Arbeitsmarkt verändern. Bis 2027 prognostiziert das World Economic Forum, dass 23% der aktuellen Arbeitsplätze einer Transformation unterliegen werden, wobei bestehende Rollen verschwinden und neue entstehen. Ebenfalls bis 2027 wird erwartet, dass sich 44% der grundlegenden Kompetenzen der Arbeitnehmer wandeln, getrieben durch eine Veränderung von Aufgaben und ganzen Job Profilen. Die Mitarbeitenden sind besorgt. Geschätzte 50% befürchten, dass GenAI ihre Jobs automatisieren könnte.

Studien sprechen davon, dass 40% der Personalkosten 2030 durch KI-Technologien eingespart werden können. Sind das gute News oder ein Alarmsignal für den Standort Deutschland und für die CHRO Funktion? In jedem Fall stehen wir vor einem Strukturwandel, vergleichbar mit der Revolution in der Energiewirtschaft – und unabhängig davon, ob wir, ggf. durch Demografie abgefangen, von 20%, 30% oder 40% sprechen.

Changemanagement als zentrale Aufgabe der CHRO

Demografie, Fachkräftemangel, Produktivität durch KI, Automatisierung ganzer Berufsgruppen oder neue Job Profile durch KI – all diese Verschiebungen machen pro-aktive Gestaltung der strategischen Agenda und Change-Management zu einer zentralen Aufgabe für CHROs. Die GenAI beeinflusst also direkt ein breites Spektrum der CHRO-Themen und bergen größere Herausforderungen, denn der CHRO muss sich auf eine zweifache Mission im Kontext von GenAI konzentrieren:

  1. Das Unternehmen durch die Transformation zu führen, gleichzeitig
  2. tiefgreifende Veränderungen innerhalb der HR-Funktion selbst zu steuern.

HR als strategisch wertschöpfende Rolle

GenAI ist ein Katalysator für den Wandel der HR-Funktion hin zu einer strategischeren, wertschöpfenden und erkenntnisorientierten Rolle. Die Nutzung von GenAI führt auch zur Verbesserung der Effektivität von HR-Funktionen selbst. Recruiting, HR-Admin, Compliance-Dokumentationen, Workforce-Planung, aber auch L&D können gut automatisiert werden. Hier werden bis zu ~45% Zeitersparnis prognostiziert. Es wird eine erhebliche Effizienzsteigerung in allen traditionellen HR-Prozessen ermöglicht, von der Einstellung bis zum Ausscheiden, und schafft ein umfassendes, datengestütztes Talent-Ökosystem zur Unterstützung von Personalentscheidungen

Der Produktivitätssprung durch KI könnte aber auch höher ausfallen. Nach nur 14 Monaten in der Ära von GenAI sind deutliche Produktivitätssteigerungen zu erkennen. Insbesondere die großen Technologieunternehmen liegen dabei vorne. Von IBM ist bekannt, dass, durch die KI-Automatisierung, etwa 80 % der administrativen HR-Aufgaben bereits ersetzt wurden. Nur kritische Funktionen wie die Beurteilung von Führungskräften, Change- und Kultur-Themen bleiben in menschlicher Hand. Eine bemerkenswerte Effizienz.

Angesichts des immensen Ausmaßes der Veränderungen, ist es wichtiger denn je, die Dimensionen Menschen und Kultur zu berücksichtigen.

Von HR zu GenAI: CHROs als Wegbereiter der neuen Arbeitswelt

Die Herausforderungen, die GenAI mit sich bringt, liegen in allen CHRO Bereichen und im gesamten Unternehmen. Sie und betonen die Wichtigkeit eines kulturorientierten und ganzheitlichen Change-Managements. Es sieht danach aus, als käme das moderne Selbstverständnis der „Ulrich HR-Rollen“ der 2. Generation (HR als Change Agent und Business Partner) nun doch noch in die Welt.

GenAI stellt einen technologischen Fortschritt der nächsten Generation dar. Er weist zwar Ähnlichkeiten mit der digitalen Transformation auf, unterscheidet sich aber auch signifikant.

Für den Menschen ist KI einflussreicher als die digitale Transformation, denn:

  • KI kann in die Entscheidungsfindung eingreifen und kommt in einigen Sektoren schon – sehr schnell – zu weit besseren Analysen als der Mensch, was die berufliche Identität beeinflusst.
  • KI führt repetitive Aufgaben effizienter aus, was die berufliche Anerkennung von Menschen herausfordert – und vor allem den Einsatz von Menschen generell.
  • Der Wechsel von Mensch-zu-Mensch- hin zu zu Mensch-KI-Interaktionen kann das Zugehörigkeitsgefühl beeinträchtigen.
  • Die ständige Analyse und Verbesserung durch KI kann das Autonomiegefühl einschränken.

CHROs als Gestalter des humanen Wandels in der Ära GenAI?

Umschulungen sind zwar strategischer Imperativ, aber diese sechs Faktoren zeigen, warum ein Kultur- und Changemanagement dringender erforderlich ist:

Rasante Technologieentwicklung

  1. die Technologie entwickelt sich schneller als Unternehmen sie implementieren und annehmen. Wir befinden uns derzeit in einer Phase der Hyperentwicklung. Die Technologie entwickelt sich schneller als die Rate der Verhaltensänderung und Anpassung. GenAI kann neue Fähigkeiten in Monaten, statt in Jahren entwickeln, was eine Herausforderung für Transformationsprojekte ist.

Kurzfristige Schulung der Mitarbeitenden zu GenAI

  1. alle Mitarbeitenden müssen sehr schnell im Umgang mit GenAI geschult werden und die Alltagsanwendung praktizieren. GenAI wird sich kurzfristig weitestgehend auf White Collar Jobs auswirken. Diese Rollen werden eine Neudefinition der Arbeitsweisen erfahren, entweder durch den Einsatz von Effizienztools oder durch die Neugestaltung von Funktionen oder des gesamten Angebots.

Neue Abläufe und Rollenprofile

  1. die Implementierung wird weitreichende Auswirkungen auf die bestehenden Arbeitsabläufe haben. Um das Potenzial von GenAI voll ausschöpfen zu können, werden auf allen Unternehmensebenen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Zusammenarbeit mit GenAI benötigt. Die Anforderungen an das Wissen und an die Fähigkeiten der Mitarbeitenden sind fundamental, denn es geht nicht nur um das Erlernen neuer Tech-Skills. Neue Arbeitsabläufe und Rollenprofile werden kommen.

GenAI demokratisiert Top-Technologie

  1. um das Wertpotenzial von GenAI voll ausschöpfen zu können, ist die Einbeziehung von Top-down- und Bottom-up-Input erforderlich GenAI demokratisiert Top-Technologie und macht transformierende Modelle für einen großen Teil der Organisationen zugänglich. Umso wichtiger ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Top-down- und Bottom-up-Input, wobei die Führungskräfte den Rahmen vorgeben müssen, die Teams aber ihre Prozesse neu definieren müssen.

Begeisterung und Skepsis gleichermaßen

  1. es gibt ein hohes Maß an Begeisterung für das Potenzial, aber auch große Skepsis und mangelndes Vertrauen, was zu einer Abneigung gegen GenAI führt. Es ergeben sich erhebliche Auswirkungen auf die berufliche Identität. Die Interaktionen können sich entweder als GenAI Aversion aufgrund einer allgemeinen Skepsis oder eines Mangels an Vertrauen oder als Begeisterung und Vorfreude manifestieren.

GenAI weit vom Endzustand entfernt

  1. GenAI hat seinen Endzustand noch nicht annähernd erreicht, die Zukunft ist offen. Der Endzustand von GenAI ist noch nicht absehbar (wir könnten noch Jahre davon entfernt sein, das volle Potenzial zu verstehen), was zu Unsicherheiten führt und die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt aufwirft: Ist es besser, abzuwarten und zu sehen, wo es landet, oder es zu nutzen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen und nicht zurückzufallen? Die Unternehmens-Antwort gestaltet das Vorgehen.

Das alte 70 – 20 – 10 neu gedacht

Ein neu gedachter Ansatz, der das alte Modell von 70-20-10 in Frage stellt, hebt hervor, dass zwar Daten und Technologie für die Umstellung von Bedeutung sind, die Menschen und Prozessänderungen jedoch entscheidend für den Erfolg sind. Dieses Modell betont, dass 10% auf GenAI-Modelle, 20% auf Technologie und IT und 70% auf People & Culture entfallen, einschließlich Change Management, Talent- und Kompetenzentwicklung, Arbeitsweise und Prozessdesign sowie Organisationsdesign. Daran sollten die CHRO-Teams sich orientieren.

Management und CHRO-Funktion am Schalthebel

Investitionen in Technologie und Prozessänderungen können nur erfolgreich sein, wenn die Mitarbeitenden im Fokus der Digitalisierungs- und KI-Strategie stehen. Dies darf kein Lippenbekenntnis, sondern muß eine Priorität sein, die das Projekt- und Programmmanagement von Digitalisierungsprojekten leiten sollte.

Was ist auf dieser Reise wesentlich?

  • Ein klares und gemeinsames Zielbild (hinter dem auch die Führungskräfte vereint stehen).
  • Ein exzellentes Narrativ, das für verschiedene Zielgruppen angepasst ist und jeweils Sinn macht.
  • Die emotionale Aktivierung der Organisation unter der Leitfrage: Warum machen wir das und was kommt für Euch dabei rum?
  • Die ehrliche Einbeziehung der Mitarbeitenden und Teams

Für den Erfolg in der GenAI-Transformation ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle Führungskräfte die agile Kultur des Experimentierens unterstützen und gleichzeitig Wert und Risiken abwägen.

CHRO: Ein technologischer Veränderungsagent?

Ein ganzheitlicher Ansatz für Kultur und Wandel, der auf GenAI zugeschnitten ist, könnte sich auf vier zentrale Elemente konzentrieren:

Empowerment von Führungskräften

Es ist von zentraler Bedeutung, eine kohärente und starke Ausrichtung des Führungsteams zu etablieren, die während der gesamten GenAI-Transformation präsent und sichtbar bleibt. Es ist essentiell, Führungsteams aller Ebenen zu stärken, damit sie die sich bietenden Chancen und potenziellen Risiken ausbalancieren und proaktiv Verhaltensänderungen im Unternehmen vorantreiben können.

Förderung einer zielgerichteten Kultur

Eine flexible und offene Denkweise, angeregt durch gezielte Impulse, ist der Schlüssel, um das volle Potenzial von GenAI auszuschöpfen. Eine ausgewogene Balance zwischen Produktivität, Leistung und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden im Kontext von New Work ist entscheidend.

Mitarbeiterengagement

Effektive Kommunikation, kollaboratives Design und ein profundes Verständnis der von GenAI betroffenen Rollen sind ausschlaggebend für das Erreichen strategischer Ziele mit GenAI. Kurz: Ohne das große Team, keine Implementierung. Eine tiefgreifende Einbindung der Mitarbeitenden in den Transformationsprozess ist also unverzichtbar.

Umsetzungssicherheit, Garantie der Implementierung auch durch neue Architekturen

Die Priorisierung von Werten, das Festlegen klarer Erfolgskriterien / KPIs und die interdisziplinäre Verwendung des Expertenwissens unterschiedlicher Teams sind für den Erfolg von GenAI unerlässlich.

Arbeitsabläufe und Strukturen innerhalb der Organisation müssen schnell an die realen Arbeitsbedingungen angepasst und in einem kontinuierlichen, iterativen Prozess überprüft und verfeinert werden.

Die CHRO-Rolle ist somit nicht nur ein technologischer Veränderungsagent, sondern ein strategischer Partner an der Spitze der Transformation, der darauf ausgerichtet ist, das volle Potenzial von GenAI zu erschließen und den Arbeitsmarkt von morgen zu gestalten.

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Christina Bösenberg

Christina Bösenberg als Gastautorin auf PERSOBLOGGER.DE

 

Christina Bösenberg ist Managing Director bei der Boston Consulting Group BrightHouse. Sie steht als Führungspersönlichkeit für die Arbeitswelt im Wandel, für Transformations-Expertise und für Female Leadership. Als Senior Managerin freut sie sich über eine int. Erfolgsbilanz bei der Durchführung großer Transformationen – mit dem People & Culture Faktor im Mittelpunkt.

Nach 20 Jahren Umsetzung gibt Christina ihre Erkenntnisse zu erfolgreicher Transformation, Zukunft der Arbeit, Wirtschaftspsychologie und Diversity gern weiter.

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