Hobby zum Beruf machen - Patrick Löffler

Das Hobby zum Beruf machen – wirklich eine gute Idee?

Menschen wollen in ihrem Beruf aufgehen, einen tieferen Sinn (neudeutsch: Purpose) finden. Aber ist es tatsächlich eine so gute Idee, das geliebte Hobby zum Beruf zu machen? Gastautor Patrick Löffler, CEO givve, weiß, dass es nicht immer so erfüllend ist, sein Hobby dauerhaft zur Profession zu machen, wie es im ersten Moment erscheint.

Eine Frage der Hingabe

Die oft besprochene Idee, das eigene, geliebte Hobby zum Beruf machen zu können, fasziniert viele von uns. Als Fitnesstrainerin, Musiker oder Shop-Besitzer mit eigener, selbstgenähter Kollektion könnten Sie sich jeden Tag mit dem beschäftigen, was Sie lieben und müssten „nie wieder arbeiten”. Doch steckt hinter dieser romantischen Vorstellung auch die tatsächliche Selbstverwirklichung, von der so viele Menschen träumen?

Und was würden Sie dafür aufgeben – ein Leben in finanzieller Sicherheit beispielsweise?

Ein Drahtseilakt aus Pflicht und Pflichtgefühl

In meiner Zeit vor der Gründung von givve war ich lange Jahre professioneller Snowboarder und leidenschaftlicher Surfer und habe ein eigenes Surf-Magazin herausgegeben – und es später wieder verkauft. Diese Zeiten haben mich einiges gelehrt, wie es sich anfühlt Hobby und Beruf zu vereinen.

Es ist eine Gratwanderung zwischen Begeisterung und intrinsischer Motivation auf der einen Seite und Druck sowie Pflichtgefühlen auf der anderen. Denn aus der einstigen ausgleichenden Passion wird auf einmal eine Tätigkeit, mit der der Lebensunterhalt gesichert werden muss – Stress und Druck inklusive.

Wenn es Ihnen gelingt, mit Ihrem Hobby das eigene Leben komplett zu finanzieren, ist das zunächst ein großer Erfolg. Doch stellt sich die Frage: Wo finden Sie im Alltag noch Ihren Ausgleich, wenn das, was vorher der Ausgleich war, nun zur täglichen Arbeit wird?

Gleichgewicht kann ein Schlüssel sein: Wenn Sie beschließen, Ihr Hobby in einen Vollzeitberuf zu verwandeln, ist es essentiell, einen Ausgleich zu finden. Dies könnte bedeuten, ein neues Hobby für sich zu entdecken oder bewusst Zeiten der Ruhe und Entspannung einzuplanen. Durch die Schaffung eines Gleichgewichts zwischen Arbeit und Erholung gewährleisten Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Passion nicht so schnell zur Erschöpfung führt.

Andernfalls könnte es passieren, dass das überaus geliebte Hobby Gefahr läuft, zur Verpflichtung zu werden, anstatt weiterhin nur Freude und Bereicherung zu sein. Studien zeigen sogar, dass es negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann, wenn das Hobby dem Beruf zu ähnlich wird, da die Anforderungen sich nicht unterscheiden und ein Ausgleich fehlt. Diesen Effekt sollten Sie nicht unterschätzen.

Halbwertszeit eines Hobbies: Eintönigkeit macht unzufrieden

Eine weitere große Herausforderung, wenn es darum geht, ein Hobby zum Beruf zu machen, ist oftmals die Halbwertszeit, die ein spezifisches Hobby mit sich bringt. Denn häufig bedeutet das Hobby zum Beruf machen ja, dass Sie nahezu immer das Gleiche tun – ob beruflich oder privat, ob werktags oder am Wochenende. Und zu viel vom Gleichen hat oftmals eins zur Folge: Eintönigkeit macht sich breit.

Diese Erfahrung hat auch in meinem Fall dazu geführt, dass das einst zum Beruf avancierte Hobby nach einer gewissen Zeit wieder zur ausschließlichen Freizeitbeschäftigung geworden ist. Und sodann auch wieder mehr Schwung ins Leben gebracht hat.

Denken Sie Ihr Hobby mehrdimensional

Wer seine Passion mehrdimensional denkt, der findet gegebenenfalls Chancen, in diesem speziellen Feld tätig zu bleiben, ohne dass es langweilig wird. Ein:e Fussballer:in beispielsweise hat neben dem Spielen noch viele weitere Möglichkeiten, innerhalb der Branche tätig zu sein: sei es, eine Mannschaft zu trainieren, sei es, einen Verein zu managen, sei es, eine eigene Sport-Marke aufzubauen.

Bedenken Sie jedoch: Die Steigerung des persönlichen Wohlbefindens und das Anheben der eigenen Leistungen sind positive Effekte, die ein Hobby nur so lange mit sich bringt, wie es tatsächlich auch ein Hobby bleibt. Das zeigen ebenfalls einschlägige Studien.

Erfolg mit dem Hobby? Skin in the game statt Sicherheitsnetz

Entschließen Sie sich nun, Ihre liebste Freizeitbeschäftigung zum Beruf zu machen, gibt es eines, was Sie dabei definitiv beherzigen sollten: Gehen Sie All-In. Wenn Sie wirklich davon überzeugt sind, dass das, was sie hobbymäßig tun, Ihre Leidenschaft ist und zum Beruf werden soll, dann genügt es nicht, sich nebenbei und nur ein bisschen darauf zu konzentrieren.

Oder haben Sie schon einmal von eine:r Profi-Fussballer:in gehört, die oder der hauptberuflich als Unternehmensberater:in arbeitet? Eben. Die Antwort dürfte klar sein und das ist auch kaum verwunderlich. Um es mit drastischen Worten zu sagen: Sie sollten bereit sein, alles aufzugeben und das Risiko einzugehen, zeitweise eventuell mit sehr wenig Geld auszukommen.

Letztlich jedoch ist alles eine Frage der Hingabe. Wie sehr sind Sie bereit, sich für das, was Sie lieben, hinzugeben? Wenn Sie diese Frage für sich eindeutig beantworten können, dann wissen Sie, welchen Weg Sie einschlagen sollten.

„Das Leben zum Beruf machen”

Für die Einen mag es die Erfüllung eines Traums sein, der sich auch in der Realität als solcher anfühlt. Für die Anderen stellt sich nach einer gewissen Zeit heraus, dass ein Hobby einfach Hobby und damit Ausgleich zum Berufsalltag bleiben sollte. Hier gibt es kein pauschales Richtig oder Falsch.

Und vielleicht hilft Ihnen ja auch dieser Tipp: Überlegen Sie sich, was Ihnen sonst noch liegt oder besonders Spaß macht und verbinden Sie diese Neigungen und Talente mit Ihrem Job. Wer zum Beispiel gern Dinge organisiert, mit Menschen arbeitet und Aufgaben delegiert, der kann sich in einer Führungsposition prima ausleben, mit seinen Stärken glänzen und hat bei alledem sogar einen sehr abwechslungsreichen Job. Davon profitiert die gesamte Belegschaft, inklusive Sie.

Letztlich gilt es doch, sich seinen Arbeitsplatz so zu gestalten, dass Sie dort grundsätzlich gern hingehen. Und dass Sie sich – egal, in welcher Stimmung Sie sich befinden – wohlfühlen und Sie selbst sein können. Wenn dann quasi das Leben zum Beruf wird, haben Sie gewonnen.

Und können Ihrem geliebten Hobby vergnügt und unbeschwert in Ihrer Freizeit nachgehen.

Patrick Löffler

Patrick Löffler, CEO und Co-Founder von givve zum Thema Lob und Komplimente im Job

Patrick Löffler ist CEO und Mitgründer von givve, einem Unternehmen, das Produkte für den steuerfreien Sachbezug entwickelt und vertreibt. Mit den digitalen Lösungen Givve Card und Givve Lunch will Löffler seinen Teil zur Gesundheit der Mitarbeitenden und der Bindung neuer Talente an Unternehmen beitragen.

Er selbst achtet auf eine ausgewogene und regelmäßige Ernährung, ehrliche und bedürfnisorientierte Kommunikation und darüber hinaus findet Löffler Ausgleich beim Sport und Meditieren.

>> LinkedIn-Profil von Patrick Löffler

>> Website von up givve

Credits Titelbild: Christoph Sahner/@lookclosely62

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