Lernnetzwerke - Gastartikel von Lernexpertin Melanie Popp

Lernnetzwerke: Warum Unternehmen und Lernende davon profitieren

Unser Lernen verändert sich permanent. Lernnetzwerke leisten uns wichtige Dienste, wenn wir sie richtig verstehen und anzuwenden wissen. Melanie Popp, Expertin für Lernkonzepte gibt Einblicke, was Lernnetzwerke sind, wie wir sie aufbauen und sinnvoll für lebenslanges Lernen nutzen.

Lernen ist uns Menschen angeboren

Lernen ist etwas, das wir von Geburt an tun. Während wir als Baby und Kleinkind automatisch, weil vorprogrammiert, alles das erfahren und kennenlernen, was für unser Dasein essenziell wichtig ist, verändert sich der Fokus im Schul- und Erwachsenenalter in eine andere Richtung. Es geht dann vor allem um das bewusste Erlernen von Themen, die uns weiterentwickeln, fortbilden und auch unser praktisches Wissen in bestimmten Feldern erweitern.

Nach und nach entwickelt jeder Mensch im Laufe seines Lebens eigene Strategien, um Informationen zu beschaffen und Wissen aufzunehmen. Wir stellen fest, welche Art am besten geeignet ist, um unsere Ziele zu erreichen. Das ist abhängig von unseren Interessen, Problemen, Bedürfnissen sowie dem persönlichen Umfeld. Und der Situation, in der wir uns gerade befinden.

Eine weitere Rolle spielt der Lernstoff selbst. Geht es zum Beispiel um das sture Auswendiglernen von Zahlen, Daten und Fakten, wählen wir mit großer Wahrscheinlichkeit eine andere Strategie als bei den Themen, deren Inhalt wir verstehen wollen und das Gelernte auch selbst in der Praxis anwenden möchten.

Damit steuern wir ganz eigenständig und aktiv unser Lernverhalten und treffen so die wesentlichen Entscheidungen:

  • Was lerne ich?
  • Wozu lerne ich?
  • Wann und wo lerne ich?
  • Wie lerne ich?

Unsere Lernaktivität verändert sich permanent

In den letzten Jahrzehnten haben sich zudem unsere Möglichkeiten, Informationen zu beschaffen, grundlegend verändert. Als ich in den 90er Jahren meine Facharbeit in Biologie über ein mir unbekanntes Thema, das „Bauverhalten der Honigbiene“, geschrieben habe, besorgte ich mir den Stoff dazu mittels Fachliteratur in Büchern und entsprechenden Zeitschriften. Ich suchte Imker auf, die ich durch die Vereinsarbeit meines Vaters kannte, und musste mir mühsam Grafiken aus den Büchern abscannen. Das Internet war in Deutschland noch neu und kaum jemand nutzte es.

Heute wäre es undenkbar für mich, nicht im World Wide Web zu recherchieren. Die dicken Bücher sind für mich nach wie vor noch interessante Nachschlagewerke. Aber den Löwenanteil an Informationen besorge ich mir heute online auf Fachseiten, Homepages, YouTube oder ähnlich. Und natürlich nutze sowohl meine persönlichen Kontakte als auch meine Verbindungen in LinkedIn, Twitter, Facebook usw.

Das heißt, mein eigenes Lernnetzwerk umfasst dabei zum einen Kontakte, die im realen Kontext bestehen. Also zu Menschen, die mir persönlich bekannt sind, wie Freunde, Familie, Kolleginnen und Kollegen. Zum anderen sind es virtuelle Verbindungen über Social Media und diverse Communitys.

Auch die Beziehungen zwischen mir und materiellen Dingen (zum Beispiel Laptop, Literatur, Mobiltelefon) gehören im Sinne der Akteur-Netzwerk-Theorie von Bruno Latour dazu. All das zusammen bildet mein persönliches, egozentriertes Netzwerk. Die einzelnen Verbindungen werden mit unterschiedlicher Wichtigkeit, die sich aus der Kontakthäufigkeit und Intimität der Beziehung ergibt, für meine Lernaktivitäten genutzt.

Besonders bedeutsame, starke Beziehungen befinden sich dabei meistens in unserem nahen Umfeld und die schwächeren Beziehungen in der virtuellen Umgebung. Positive und auch negative Lernerfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens zu Lernstrategien, Lernquellen und Kontakten sammeln, gehen nicht verloren, sondern werden nach Bedeutsamkeit und Nützlichkeit geordnet und abgespeichert.

Lernnetzwerke: gebündelte Erfahrungen und wichtiges Element des lebenslangen Lernprozesses

Es gibt jedoch nicht das eine, starre Netzwerk. Die Verbindungen sind heterogen, individuell und gestalten sich dynamisch und flexibel. Je nach Lernanforderung gehen wir ständig auch wieder neue, für uns vorteilhafte Kontakte ein. Ebenfalls ergeben sich auch aus den neuen Technologien immer wieder andere Möglichkeiten, um Kontakte einzugehen und Informationsquellen zu erschließen. Wir gehen mit dem Trend.

Das bedeutet nicht immer nur jemanden zu fragen, der „sich damit auskennt“, also eine Fachperson. Gemeinsam zu erarbeiten oder sich aus verschiedenen Blickrichtungen einem Thema zu nähern, kann sehr effektiv sein. Durch diese Flexibilität stellen wir uns selbst einen Blumenstrauß an unzähligen Möglichkeiten zusammen. So sind wir immer in der Lage, die passenden und zielführenden Informationen zu erhalten und gegebenenfalls zu vertiefen. Wenn wir all diese Möglichkeiten optimal nutzen, können wir schließlich unseren größten Lernerfolg erzielen.

Man kann also ein Lernnetzwerk als gesammelten Erfahrungsschatz einer Person in Bezug auf Lernmittel und Kontakte definieren.

Jedes Lernnetzwerk bietet Potenziale

Das Lernnetzwerk dient zum einen als umfangreiche Informationsquelle für neues, theoretisches und praktisches Wissen und bietet gleichzeitig Unterstützung in fachlicher und auch in emotionaler Hinsicht. Wir stehen gemeinsam vor einer Herausforderung, haben das gleiche Problem oder erkennen miteinander gute Lösungsansätze. Eine entscheidende Rolle spielt der (persönliche) Austausch beim Networking. Um Hilfe zu erhalten, Ideen zu entwickeln oder zusammenzuführen und sich inspirieren zu lassen.

Gemeinsames Lernen fördert das Selbstvertrauen und ermutigt, Dinge auszuprobieren. Alle profitieren von den guten und selbstverständlich auch negativen Erfahrungen anderer. Es können zusammen neue Wege gedacht werden, die uns dem guten Ergebnis ein Stück näher bringen. Wir sind gleichzeitig Lernende und Lehrende.

Die Konstruktion und Pflege eines persönlichen Netzwerkes bestehen vereinfacht dargestellt aus drei Tätigkeiten:

  • Zusammentragen und Verarbeiten von Informationen
  • Erzeugen und Verbreiten von Inhalten
  • Zusammenarbeit und Austausch von Lernenden

Wie eingangs schon erwähnt, starten wir mit unserer Lernreise und dem Aufbau unseres eigenen Lernnetzwerkes bereits ab unserer Geburt. Freilich besteht dieses zunächst vor allem aus den persönlichen Kontakten zu den anderen Familienmitgliedern oder zu weiteren Kindern aus der Krabbelgruppe oder Nachbarschaft. Wir lernen sehr viel und mit großer Geschwindigkeit durch Beobachten, Probieren, Zuhören und Nachahmen. Ein Gegenstand oder Bilderbuch kann dabei der erste materielle Netzwerkpartner sein. Damit startet die Erfolgsgeschichte unseres Lernens, Netzwerkens und der Gestaltung unseres persönlichen Lernnetzwerkes.

Networking ist ein wichtiger Teil des selbständigen Lernens

Unsere Aktivität in Lernnetzwerken ist ein wichtiger Baustein des selbständigen Lernens, weil wir uns unsere Quellen, Beziehungen und Lerngelegenheiten dabei selbst aussuchen. Wir bestimmen, wann wir welche Verbindung aktivieren, wie intensiv wir sie nutzen und wo sie zum Einsatz kommt.

Wenn wir uns also darüber im Klaren sind, wie unser eigenes Lernnetzwerk aussieht und welche Chancen es bietet, können wir aus dem Vollen schöpfen. So gestalten wir unsere persönliche Lernkultur frei und flexibel. Und ein besonders schöner Effekt ist, dass wir beim Networking andere Menschen, Arbeitsweisen, Sichten und Ansätze kennenlernen. Und unseren Horizont damit permanent erweitern.

Was will man mehr?

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Melanie Popp

Melanie Popp als Gastautorin auf PERSOBLOGGER.DE

 

Melanie Popp ist als Expertin für Lernkonzepte Teil des Teams von HR Learning – Business & Learnability in der DATEV eG.

Sie entwirft und etabliert Bildungsmaßnahmen für spezielle fachliche Themenfelder. Zudem verantwortet, gestaltet und moderiert sie aktuell vor allem digitale Formate. Den Spaß, den sie selbst am Lernen hat, möchte sie bei ihren Aufgaben vermitteln und den Austausch von Wissen und Expertise im Unternehmen weiter fördern.

>> zum LinkedIn-Profil von Melanie Popp

Eine Antwort

  1. Sehr schön geschrieben! Schon allein das Wort „Lernen“ hat ja für viele Menschen einen negativen Beigeschmack. Es wird assoziiert mit Mühen, Plagerei, Langeweile u. ä. Das dem nicht so sein muss, zeigt dieser Artikel. Er macht richtig Lust aufs Lernen und rückt dessen Bedeutung wieder ins rechte Licht. Und er zeigt nicht nur, dass Lernen Spaß machen kann (allein und auch zusammen mit anderen), sondern dass es extrem wichtig für das Leben, ja sogar elementarer Bestandteil des Lebens selbst ist. Ohne Lernen gäbe es keinen Fortschritt. Und ohne Lernen wäre das Leben fad und leer.

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