Allbright Bericht 2023 - Gender Equality

Mehr Frauen an die Spitze: Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten

Was den Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten angeht, so herrscht noch deutlicher Aufholbedarf. Der aktuelle Allbright Bericht gibt sich generell positiv, zeigt aber auch Rückschritte auf. Tobias Ganz, PERSOBLOGGER.DE, gibt Einblicke in die Erhebung unter dem Stichwort: „Jetzt gilt es am Ball zu bleiben!“.

Aktueller Allbright Bericht zum Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten

Der Allbright Bericht aus dem September 2023 zeichnet ein klares Bild: Der Frauenanteil in Vorständen deutscher Unternehmen hat seit September 2022 um mehr als 3 Prozentpunkte zugenommen. Vor dem Hintergrund der Stagnation im Vorjahr eine positive Entwicklung. Es gibt nun weniger rein männliche Vorstände als gemischte.

Dennoch ist es bedenklich, dass die Unternehmen nur eine Frau im Vorstand haben. Im Bericht wird betont, dass ein substanzieller Frauenanteil erforderlich ist, um anderen Frauen den Weg nach oben zu ebnen. Die deutschen Unternehmen sind auf dem richtigen Weg, jedoch: Es heißt am Ball bleiben!

Die Frauenquote wächst: Ein Blick auf die Zahlen

In den Vorständen von 160 im DAX, MDAX und SDAX notierten Unternehmen waren zum 1. September 2023 574 Männer und 121 Frauen vertreten, das sind 22 Frauen mehr als im Vorjahr.

Allerdings sind immer noch fast 83% der Vorstandsmitglieder Männer. Der Frauenanteil stieg in allen DAX-Indizes, insbesondere bei MDAX-Unternehmen, die ihren Frauenanteil um 5,3 Prozentpunkte erhöhten.

Anteil Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen - Infografik
Quelle: Allbright

Es gibt erstmals mehr Unternehmen mit Frauen im Vorstand (94) als ohne Frauen (66), aber viele Unternehmen haben nur eine Frau im Vorstand. Im DAX40 gibt es nur noch zwei Unternehmen ohne Frauen im Vorstand.

In den Aufsichtsräten der 160 Unternehmen gibt es insgesamt 631 Frauen und 1.119 Männer, was einem Frauenanteil von 36,1 Prozent entspricht. Die Aufsichtsräte der 40 DAX-Unternehmen nähern sich einem ausgewogenen Verhältnis von Männern und Frauen mit einem Frauenanteil von 39%. Mehr Unternehmen haben einen Frauenanteil von 40% oder mehr im Aufsichtsrat, sodass über ein Drittel der Unternehmen ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis im Aufsichtsrat aufweisen.

Starke Fluktuation: Chance zur ausgewogeneren Neubesetzung

Die Fluktuation in den Vorständen deutscher Unternehmen war im letzten Jahr überdurchschnittlich hoch, mit 19% der Frauen und 18% der Männer, die aus verschiedenen Gründen ihre Vorstandspositionen verlassen haben. Dies bietet ausreichend Gelegenheit, den Frauenanteil in den Vorständen zu erhöhen.

Im Laufe des Jahres wurden insgesamt 121 neue Vorstandsmitglieder ernannt, darunter 45 Frauen, was einem Anteil von 37% entspricht. Dies hat die Gesamtzahl der Vorstandsfrauen um 22 erhöht. Es ist jedoch festzustellen, dass Frauen häufiger von extern rekrutiert werden, während Männer tendenziell intern befördert werden. Männer machen überwiegend Karriere in ihren eigenen Unternehmen, während Frauen häufiger den Vorstand wechseln und dabei auf Headhunter angewiesen sind.

Mit einer gezielten Nachfolgeplanung und gezielten Nachbesetzungen mit Frauen könnte ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den Vorständen schneller erreicht werden.

18 Jahre bis zur Gender Equality in Vorständen und Aufsichtsräten
Quelle: Allbright

Verteilung der Machtpositionen in deutschen Unternehmen

Die Karrierewege männlicher und weiblicher Vorstandsmitglieder unterscheiden sich immer noch deutlich. Frauen werden häufiger von außen rekrutiert, übernehmen öfter das Personalressort, aber selten den Vorstandsvorsitz.

Die höchsten Machtpositionen in Unternehmen, wie Vorstandsvorsitz und Aufsichtsratsvorsitz, sind fast ausschließlich mit Männern besetzt, und die Anzahl der Frauen in diesen Positionen ist im letzten Jahr gesunken. Insgesamt herrscht ein starkes Ungleichgewicht bei der Verteilung von Machtpositionen in Unternehmen.

Verteilung der Macht in Unternehmen
Quelle: Allbright

Die Verantwortung für diese Personalentscheidungen liegt beim Aufsichtsrat. Es wird betont, dass informierte Aufsichtsratsvorsitzende Entscheidungen basierend auf Qualifikation und Potential treffen sollten, anstatt einem traditionellen Muster zu folgen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass mehr Frauen in den Ausschüssen benötigt werden, die für die Auswahl von Aufsichtsräten und Vorständen verantwortlich sind.

Deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich

In den letzten zwei Jahren ist Deutschland hinsichtlich des Frauenanteils in den Vorständen der 40 größten Unternehmen Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Polens, Schwedens und der USA auf dem vorletzten Platz geblieben; die Vorstände der 40 DAX-Unternehmen haben im internationalen Vergleich bereits einen höheren Frauenanteil als kleinere Börsenunternehmen.

Der Frauenanteil in den Vorständen ist zwar höher, aber der Männeranteil liegt in Deutschland immer noch bei knapp 77%. Nur in Polen ist der Frauenanteil noch geringer.

Gender-Verteilung Allbright Bericht international
Quelle: Allbright

Best Practices: Beiersdorf und die Allianz gehen voran

Beiersdorf betrachtet DE&I (Diversity, Equity & Inclusion) als grundlegend für ihren langfristigen Erfolg und setzt sich besonders für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis ein. Sie haben 50/50-Geschlechterparität im Vorstand und globalen Führungspositionen erreicht, 18 Monate früher als geplant. Ihr Ziel ist anhaltende Chancengleichheit und die Spiegelung der Weltbevölkerung in Führungsebenen, da sie glauben, dass Talent überall vorhanden ist, Chancen aber nicht immer gleich verteilt werden.

Die Allianz geht ebenfalls mit gutem Beispiel voran: Sie hat seit 2015 in den Aufbau einer wertschätzenden Unternehmenskultur investiert, in der Mitarbeitende unabhängig von ihrem Hintergrund erfolgreich sein können. Die Stärkung von Vielfalt und die gezielte Aktivierung von Nachfolgeplänen sind entscheidende Faktoren. Die Förderung von Talenten steht im Fokus, da vielfältige Teams zu geschäftlichen Vorteilen führen, wie verbesserte Kreativität, Problemlösung und höhere Leistung. Zudem erkennt die Allianz, dass eine höhere Präsenz von Frauen im Top Management das Unternehmen attraktiver für weibliche und vielfältige Talente macht.

Kein Alleingang: Auch die Politik ist gefragt

Nicht nur die Unternehmen müssen handeln. Auch die Politik muss bessere Rahmenbedingungen schaffen, um die Vereinbarkeit von Management und Familie zu verbessern. Dazu gehören der zügige Ausbau von Kinderkrippen und Ganztagsschulen, die Abschaffung von Fehlanreizen wie dem Ehegattensplitting und die gleichmäßige Verteilung des Elternurlaubs.

Der Schwerpunkt liegt auf einer konsequenteren Politik zur Förderung von Fortschritt und Gleichstellung.

Tobias Ganz

Tobias Ganz, Sonepar und PERSOBLOGGER.DE

 

Tobias Ganz ist Personaler aus Leidenschaft unterstützt seit über 14 Jahren Unternehmen sowohl in ihrer operativen als auch strategischen Personalarbeit.

In seiner aktuellen HR-Position bei der KOSTAL Group, welches elektronische und mechatronische Produkte entwickelt und produziert, berät er als HR Business Partner die F&E und den Vertrieb im Unternehmen.

Darüber hinaus ist er Teil des Redaktionsteams von PERSOBLOGGER.DE.

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