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psychisch erkrankt durch die Arbeit

Psychisch krank durch die Arbeit – was tun?

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz betreffen mittlerweile mehr Beschäftigte denn je in den unterschiedlichsten Anstellungen. Der tägliche Wandel und immer schneller werdende Arbeitsweisen sowie neue Anforderungen im Job stellen Mitarbeitende, aber auch Führungskräfte vor neuartige Herausforderungen der modernen Ausübung von Tätigkeiten.

Ist erst einmal ein Stadium erreicht, in welchem Menschen psychisch unter ihrer Arbeit leiden, kann dies zu einer schwächeren Arbeitsleistung, aber auch zu langen Ausfällen führen. Aus diesem Grund wurde das Arbeitsschutzgesetz bereits im Jahr 2014 erweitert und die Pflicht zum Schutz der psychischen Gesundheit von Arbeitnehmenden ergänzt. Sinn dieser Erweiterung ist, eine Gefährdungsbeurteilung jedes vorhandenen Arbeitsplatzes vorzunehmen. Und zu überprüfen, ob Anzeichen für Gefährdungen vorhanden sind oder bereits Gefahren entstanden sind.

Warum dies in der Praxis oftmals schwer umgesetzt werden kann, wie Arbeitgeber richtig reagieren können und wie sich Mitarbeitende präventiv gegen psychische Krankheitssymptome schützen können, erklärt Nikolas Sakellariou, Fachanwalt für Arbeitsrecht, in einem Gastbeitrag.

Woraus entsteht eine psychische Erkrankung am Arbeitsplatz?

In der heutigen Zeit sind Beschäftigte ständig erreichbar. Dies verschuldet die Digitalisierung und mit ihr auch viele neue Berufsformen. Es stehen immer größere Datenmengen zur Verfügung, die zum Beispiel per E-Mail schnell übermittelt werden können und die dann entsprechend zur Kenntnis genommen werden müssen.

Hinzu kommt ein enger Terminplan, der gerade in der Vorbereitung manchmal sehr kurzfristig umgesetzt werden muss. Für einen Termin um 10:00 Uhr morgens wird die Agenda und letzte Unterlagen zur Überarbeitung am gleichen Tag erst um 08:00 Uhr zur Verfügung gestellt. Durch die Erwartung des Gesprächspartners, dass diese Unterlagen vorher noch gesichtet werden, entsteht Stress, welcher auf Dauer gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann.

Durch diese Situationen entstehen eine große Belastung und hoher Zeitdruck. Gleichzeitig hebt sich die Grenze zwischen Freizeit und Beruf auf, sodass keine klare Linie entstehen kann.

Welche Symptome treten bei einer psychischen Krankheit am Arbeitsplatz auf?

Oftmals wollen Betroffene die Anzeichen für eine beginnende psychische Krankheit nicht annehmen und ignorieren diese. Erste Anzeichen werden für vorübergehend gehalten. Ist das Projekt erst einmal erledigt oder der Antrag gestellt, dann wird alles wieder in Ordnung sein. Auch nach einem anschließenden Urlaub sind Symptome wie Dauermüdigkeit, Erschöpfung, ein drastischer Leistungsabfall durch fehlende Konzentrationsfähigkeit oder auch der soziale Rückzug immer noch vorhanden.

Warnzeichen in diesem Bereich sollten auf keinen Fall ignoriert, sondern zeitnah angegangen werden. Da psychische Krankheiten wie Burnout, verschiedene Phasen aufzeigen, schleichen sich diese in den Alltag ein. Betroffene merken diese Anzeichen oft erst, wenn sie bereits mitten in einer Verhaltensveränderung angekommen sind.

Die Phasen von Burnout

Weitestgehend ist zu verzeichnen, dass erste Anzeichen einer angehenden Burnout-Erkrankung das zwanghafte Verhalten spiegeln, sich selbst zu beweisen, eine Tätigkeit zu erledigen. Dies äußert sich durch den verstärkten Einsatz in Projekten und langen Arbeitstagen, welche allerdings oftmals weniger strukturiert und damit nicht effizient sind.

Auf dieses Verhalten folgt häufig die Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse, was zu einer späteren Verdrängung dieser führt. Beschäftigte, die dieses Stadium der angehenden psychischen Erkrankung erreichen, fangen an, auftretende Probleme wie Schlafstörungen und fehlende Konzentration zu verleugnen und diese nicht wahrzunehmen.

Projekte, die in Stunden abgearbeitet werden könnten, benötigen dann eventuell mehrere Tage.

Durch die hier entstehende Frustration ziehen sich sehr viele Betroffene sozial zurück. Von außen können dann starke Verhaltensveränderungen beobachtet werden, welche auch einem Gefühl des Verlusts der eigenen Persönlichkeit gleichgestellt werden können. Die hier entstehende innere Leere führt zu einer anhaltenden Depression, welche die volle Burnout-Erschöpfung als Auswirkung hat.

Welche Möglichkeiten der Vorbeugung gibt es?

Es ist sehr wichtig, diese ersten Anzeichen einer durch eine Beschäftigung angehenden, psychischen Erkrankung LINK zu erkennen. Es ist sogar die Pflicht von Beschäftigten, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um ihrer psychischen Gesundheit gerecht zu werden.

Dies wurde ebenfalls 2014 im Arbeitsschutzgesetz definiert. Viele Betroffene ignorieren jedoch die Anzeichen und verfallen dann in einen Kreislauf, aus welchem sie sehr schwer wieder herauskommen.

Wirksame Burnout-Prävention – fünf Tipps

Im Folgenden erhalten Sie fünf Praxistipps, um eine wirksame Prävention zu schaffen:

Erholen Sie sich täglich

So einfach sich dieser Punkt auch lesen mag, ist die Umsetzung oftmals schwierig. Sorgen Sie in Ihrer Freizeit gezielt für einen Ausgleich zum Stress. Achten Sie dabei genau darauf, was Sie zur Erholung benötigen. An einem Tag kann Ihnen Ruhe und Entspannung guttun und an einem anderen sehnen Sie sich vielmehr nach einem Treffen unter Freunden oder einer sportlichen Betätigung.

Legen Sie Perfektionismus ab

Dauerhafte Höchstleistung kann von niemanden erzwungen werden. Versuchen Sie also nicht ständig perfekt zu sein, was außerdem gar nicht nötig ist. Fehler gehören immer dazu und sind auch völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass Sie mit sich selbst nicht zu sehr ins Gericht gehen, sollte einmal ein Fehler passieren.

Lernen Sie „Nein“ zu sagen

Wer keine Grenzen ziehen kann, zahlt hierfür womöglich einen hohen Preis. Hierzu spielt es keine Rolle, ob die Situation eine Beziehung oder den beruflichen Alltag darstellt. Aus einer ständigen Zustimmung für Arbeiten oder Tätigkeiten resultiert eine tiefgehende Unzufriedenheit und das Gefühl, dass andere mehr über die eigene Energie und Zeit verfügen als man selbst. Lernen Sie sich zu schützen und sagen Sie auch einmal „Nein“.

Trennen Sie Arbeit und Privat

Schnell noch vor dem Abendessen einen Blick aufs Handy werfen. Kam wieder eine Mail? Hat mich noch ein Kunde angerufen, den ich schnell zurückrufen kann? Wer sein privates und berufliches Leben nicht trennt, erhält zu seiner Arbeit keine Distanz und ist somit gedanklich immer mit seinem Beruf verbunden. Dies führt auf Dauer zu einer hohen Unzufriedenheit und dem Gefühl, zu viel zu arbeiten. Trennen Sie gerade bei Tätigkeiten, für die Sie Ihre Zeit frei einteilen können, klare Linien zwischen Beruf und Freizeit. Am besten Sie lassen Ihr Geschäftstelefon beim gemeinsamen Familienausflug einfach zu Hause.

Lernen Sie Entspannungstechniken

Es schade nicht, sich auch einmal von den beruflichen Gedanken zu lösen. Gerade wem das schwerfällt, sollte sich damit beschäftigen, verschiedene Entspannungstechniken zu erlernen, um diesem Kreislauf zu entfliehen. Hierbei haben sich autogenes Training, Yoga, Meditation oder auch Tai-Chi gesellschaftlich erfolgreich etabliert.

Welche Rechte habe ich als Arbeitnehmer?

Arbeitgeber sind verpflichtet, zum Schutz der psychischen Gesundheit ihrer Beschäftigten beizutragen. Da eine vorausschauende Prüfung in diesem Bereich sehr schwierig ist, muss diese dauerhaft umgesetzt werden und auch analysiert werden, ob bereits psychische Schäden an Mitarbeitenden entstanden sind.

Ebenfalls gilt diese Fürsorgepflicht im Kollegium, da sich Handlungen oder Unterlassungen auf das kollegiale Umfeld ausstrahlen und somit auch Mitarbeitende psychisch belasten können. Da diese gesetzliche Vorschrift die Anweisung des Arbeitgebers ersetzt, obliegt allen Beschäftigten eine Schutzpflicht gegenüber den Kolleginnen und Kollegen, mit denen diese zusammenarbeiten.

Ein Verstoß gegen diese rechtlichen Pflichten kann mit einem Schadensersatzanspruch geahnt werden. Zumindest soweit der Arbeitgeber schuldhaft bezüglich seiner fehlenden Vorsorgepflicht dafür verantwortlich ist.

Zusammengefasst sind Arbeitgeber, aber auch Mitarbeitende gemeinsam für ihre psychische Gesundheit verantwortlich. Während Vorgesetzte darauf achten müssen, einen Arbeitsplatz zu schaffen, welcher der psychischen Belastung Ihrer Beschäftigten angepasst ist, obliegt es auch dem einzelnen Mitarbeitenden entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, welche zum eigenen, aber auch gemeinsamen Wohlbefinden beitragen.

Hierbei spielen Auszeiten, aber auch ein gutes Miteinander eine entscheidende Rolle. Vorab können Unternehmen sowie deren Betriebsräte verschiedene Möglichkeiten ausschöpfen, um eine psychische Erkrankung der Belegschaft zu minimieren. Eine ständige Prüfung der Arbeitsweise und die Annahme von Beschwerden zu vorliegenden Missständen müssen immer dazu führen, dass eine erneute Analyse der Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird.

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Nikolaos Sakellariou

Rechtsanwalt Nikolaos Sakellariou

 

Nikolaos Sakellariou ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und täglich mit verschiedenen Situationen konfrontiert, in welchen er Mandanten vertritt, die aufgrund Ihrer Arbeitsumgebung an einer psychischen Krankheit leiden. Er verweist auf eine stärkere Prävention zum Schutz der Belegschaft in Unternehmen und setzt sich für eine offene Kommunikation in Betrieben ein. Mitarbeitende, welche Missstände melden wollen, müssen hier auch Gehör finden.

>> zum LinkedIn-Profil von Nikolaos Sakellariou

>> zur Website von Nikolaos Sakellariou

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