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Wertschätzende Führung

Wertschätzende Führung – Selbstverständlichkeit oder Seltenheit?

Vielleicht kennen Sie den Spruch: „Nicht gemeckert ist genug gelobt“. Gastautor Thorsten Rabenbauer nennt das gerne das schwäbische Führungsprinzip. Heutzutage erwarten Mitarbeitende von Führungskräften aber deutlich mehr Resonanz. In diesem Artikel erfahren Sie, weshalb eine wertschätzende Führung wichtig ist. Und wie Sie als Führungskraft konkret im Führungsalltag agieren können, um Wertschätzung für Ihre Teammitglieder erlebbar zu machen.

Weshalb ist eine wertschätzende Führung wichtig?

Ein erster zentraler Aspekt ist, dass Menschen gesehen werden wollen. Sie wollen gesehen werden als Individuum, mit ihrem Engagement, mit ihren Kompetenzen und mit ihren Leistungen. Daher wünschen sie sich im Arbeitsalltag Respekt und Anerkennung, also persönliche Resonanz von ihrer Führungskraft.

Meiner Meinung nach sollte dies eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ich selbst habe es jedoch erlebt, dass wertschätzende Führung früher eher die Ausnahme war. Im Vordergrund stand mehr eine autoritäre Führung. Befehl und Gehorsam.

Heutzutage geht es mehr um partizipative, kooperative und transformationale Führung. Und das macht wertschätzende Führung immer bedeutender.

Wichtige menschliche Grundbedürfnisse

Außerdem haben alle Menschen wichtige Grundbedürfnisse. Echte authentische Wertschätzung durch die eigene Führungskraft stärkt diese Grundbedürfnisse.

Sicherheit

Das erste Grundbedürfnis ist Sicherheit. Menschen streben nach persönlicher und beruflicher Sicherheit. Gerade in unsicheren Zeiten (z.B. mit der Corona-Situation) wächst dieses Bedürfnis umso mehr.

Wertschätzende Führungskräfte geben den Teammitgliedern diese benötigte Sicherheit. Sie nehmen die Arbeitsweise und die Leistungen im Arbeitsalltag wahr und sorgen durch aktive Rückmeldungen und positives Feedback dafür, dass sich die Teammitglieder sicher fühlen und immer mehr Handlungssicherheit aufbauen.

Zugehörigkeit

Das zweite Grundbedürfnis ist Zugehörigkeit. Menschen sind soziale Wesen und die wenigsten wollen im Alltag Außenseiter sein. Menschen versuchen in der Regel Teil einer Gruppe zu sein oder Teil einer Gruppe zu werden. Und je erfolgreicher und attraktiver diese Gruppe erscheint, desto größer ist der Wunsch dazu zu gehören.

Wertschätzende Führungskräfte unterstreichen mit ehrlicher Anerkennung von erlebbarem Teamgeist, gegenseitiger Hilfsbereitschaft und persönlichem Einsatzwillen ihrer Teammitglieder, dass sie genau diesen Mehrwert für das Team darstellen und deshalb ein wichtiger Teil der Gruppe sind. LINK Das unterstützt das persönliche Zugehörigkeitsgefühl.

Selbstwert

Das dritte Grundbedürfnis ist Selbstwert. Menschen wollen wertvoll sein und auch als wertvoll erlebt werden. Nur wer sich wertvoll, kompetent und erfolgreich fühlt ist zu Topleistungen fähig.

Wertschätzende Führungskräfte wollen ihre Teammitglieder stärken und besser machen. Dazu ist es nötig die Stärken, Fähigkeiten und Talente der Teammitglieder zu erkennen und zu würdigen. So ermutigen sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Fähigkeiten und Stärken auch bei schwierigen Herausforderungen oder neuen Aufgaben zu nutzen.

Somit werden durch eine wertschätzende Führung eben diese drei Grundbedürfnisse Sicherheit, Zugehörigkeit und das Selbstwertgefühl positiv gestärkt.

Wertschätzung darf keine Worthülse sein!

Menschen haben ein gutes Gespür dafür, ob Wertschätzung ehrlich gemeint und authentisch geäußert wird. Und so geht es den Teammitgliedern im Arbeitsalltag auch. Wertschätzung und Anerkennung durch die Führungskraft hat nur dann die oben beschriebene Wirkung, wenn die geführten Personen das als echt wahrnehmen.

Daher kommt es in der Regel auf die erlebbare Haltung der Führungskraft an. Wenn eine Führungskraft tendenziell als arrogant, überheblich, herablassend und statusorientiert wirkt, nehmen die Teammitglieder Wertschätzung nicht so ernst.

Das bedeutet: Auf die Haltung kommt es an! Wenn Menschen spüren, dass die Führungskraft es grundsätzlich gut mit ihnen meint, ihnen auf Augenhöhe begegnen, echtes Interesse für die Person zeigen und authentische Wertschätzung geben, die von Herzen kommt, dann bleibt Wertschätzung eben keine Worthülse.

Welche konkreten Möglichkeiten haben Führungskräfte für erlebbare Wertschätzung?

Hier sind einige praxisnahe Tipps, wie Führungskräfte für mehr erlebbare Wertschätzung bei den Teammitgliedern sorgen können:

  • Seien Sie Vorbild – leben Sie Wertschätzung und Respekt vor
  • Gehen sie in echten Kontakt mit ihren Teammitgliedern (Stichwort Augenhöhe)
  • Zeigen sie Interesse an den Persönlichkeiten, die Sie führen
  • Erkunden Sie die Stärken, Fähigkeiten, Talente Ihrer Teammitglieder
  • Bestärken Sie Ihre Teammitglieder diese Stärken einzusetzen
  • Geben Sie immer wieder hilfreiche Orientierung und Unterstützung
  • Sorgen Sie durch zeitnahe und umfassende Information für Transparenz
  • Nehmen Sie sich Zeit für persönliche und berufliche Gespräche
  • Hören Sie aufmerksam und zugewandt hin, was Ihre Teammitglieder sagen
  • Merken Sie sich persönliche Hinweise (Familiensituation, Interessen, …)
  • Geben Sie einen angemessenen Vertrauensvorschuss
  • Übertragen Sie individuelle Verantwortung
  • Geben Sie ernsthafte und würdigende Resonanz
  • Sorgen Sie für eine angenehme und motivierende Arbeitsatmosphäre
  • Sagen Sie öfters mal DANKE

Achten sie auf das richtige Maß

Wertschätzung ist wird individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen und jeder Mensch benötigt unterschiedlich viel Wertschätzung. Es gibt Menschen, die permanent und für jede Kleinigkeit gelobt werden wollen. Gerade junge Leute sind in der Regel so sozialisiert, dass sie viel Wertschätzung und Resonanz für eigene Leistungen erhalten. Ältere Teammitglieder sind hingegen schon dankbar, wenn Führungskräfte ab und zu mal ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen.

Meine Empfehlung ist, zunächst einmal im Gespräch mit den eigenen Teammitgliedern in Erfahrung zu bringen, was genau jedes Teammitglied unter Wertschätzung versteht und in welcher Form und Regelmäßigkeit Anerkennung gewünscht wird.

Übertreiben sie es nicht mit dem Lob. Wenn es zu einer Lobhudelei kommt, ist ihre Wertschätzung nichts mehr wert. Dann kommt es zu einer Art Wertschätzungsinflation, die im Prinzip kontraproduktiv wirkt. Also Wertschätzen sie mit Augenmaß. Ein Trainerkollege von mir sagte mal: „Too much is Quatsch!“

Wertschätzende Führung ist nicht „Weicheierführung“!

Bitte beachten Sie, dass es bei einer wertschätzenden Führung nicht um eine „Weicheierführung“ geht. Als Führungskraft werden sie natürlich auch an Ergebnissen mit Ihrem Team gemessen. Deshalb sollten sie bei aller Wertschätzung durchaus auch konstruktiv für eine Weiterentwicklung ihrer Teammitglieder sorgen. Bringen sie klar und deutlich berechtigte Kritik zum Ausdruck. Aber achten sie als Führungskraft dabei auf eine respektvolle innere Haltung. Berechtigte Kritik ist ebenfalls ein wichtiges Führungsinstrument.

Menschen können mit berechtigter Kritik deutlich besser umgehen, wenn sie im Gegenzug auch regelmäßig persönliche Würdigung erfahren.

Mein Fazit und mein Motto

Bei der wertschätzenden Führung ist die innere Haltung von entscheidender Bedeutung. Nur wenn Wertschätzung ehrlich, echt authentisch ist, von Herzen kommt entfaltet sie ihre volle Wirkung. Mein persönliches Führungsmotto ist: „Menschen machen den Unterschied!“

Ich suche in meiner Arbeit mit Führungskräften und deren Teams nach den persönlichen Stärken, nach den individuellen Kompetenzen, nach dem, was diese Menschen einzigartig macht und womit sie den positiven Unterschied ausmachen können. Daher wünsche ich Ihnen, dass auch Sie den positiven Unterschied in Ihrer Führung durch das richtige Maß an persönlicher Wertschätzung ausmachen.

Viel Freude und Erfolg bei der wertschätzenden Führung in ihrem Führungsalltag!

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Thorsten Rabenbauer

Thorsten Rabenbauer - wertschätzende Führung

 

Thorsten Rabenbauer ist freiberuflicher Trainer und Coach.

Davor war er Geschäftsführer und Gesellschafter in einem Beratungsunternehmen. Sein Arbeitsmotto und seine Haltung lautet: „Menschen machen den Unterschied!“

Er begleitet seit über 30 Jahren in der Führungskräfte, Mitarbeitende und Teams verschiedenster Unternehmen. Seine thematischen Schwerpunktthemen sind Führung, Teamentwicklung, Konfliktmanagement und Persönlichkeitsentwicklung.

>> zur Webseite von Thorsten Rabenbauer

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