Veränderungen bewusst erleben - eine Reflexion

Veränderungen – und wie wir damit umgehen

Veränderungen passieren am laufenden Band. Viele kleine gehen nahezu spurlos an uns vorbei. Andere erwachsen zu einem großen Change. Beruflich werden wir Mitarbeitenden häufig mit solchen großen Anpassungen konfrontiert, die wir nur bedingt beeinflussen können. Aber wir können verstehen, wie wir damit umgehen. Sehr persönliche Praxiseinblicke als Impuls zur Selbstreflexion von Lern-Expertin Melanie Popp, DATEV eG.

Erfahrungen aus der Begleitung von Veränderungen

Ich hatte die Möglichkeit, in den letzten Jahren einige größere Veränderungen in verschiedenen Bereichen einer großen IT-Organisation mit über 8.000 Mitarbeitenden zu begleiten. Dazu gehörte zum Beispiel die flächendeckende Einführung einer neuen Software, die eine vollständige Anpassung der gewohnten Arbeitsprozesse mit sich zog.

Oder die neue Möglichkeit von dem sogenannten Activity Based Working. Der Kurs in eine ganz neue Arbeitswelt also. Ich möchte das persönliche Changemanagement nicht allzu wissenschaftlich betrachten. Sicherlich berichte ich auch nicht von bahnbrechenden neuen Erkenntnissen. Dieser Artikel spiegelt als Impuls vielmehr meine eigenen Eindrücke, Erfahrungen und Beobachtungen wider.

Damit möchte ich in meinen Worten deutlich machen, was – zum Teil vollkommen unbewusst – in uns allen vorgeht, wenn wir von Veränderungen erfahren. Und ich möchte allen Mut machen, einen eigenen Beitrag zu leisten. Ja, ich will Initiatorinnen und Initiatoren von Veränderungen dafür sensibilisieren, immer ein offenes Ohr zu haben.

Veränderungen sind ein steter Begleiter in unserem ganzen Leben

Unser Leben besteht von Anfang an aus Veränderungen. Genau genommen gibt es keinen Tag, an dem nicht etwas Neues passiert. Manches kommt völlig überraschend, anderes hingegen ist von langer Hand geplant. Kein Change ist wie der andere, aber sie lassen sich grob in folgende Arten unterteilen:

Dinge, die wir selbst initiieren

Bei ihnen können wir uns voll einbringen. Sie sind dadurch vollständig durch uns steuerbar. Das kann zum Beispiel der Kauf eines neuen Autos sein oder ein Umzug in eine schönere, größere Wohnung.

Ereignisse, die wir (meistens) nicht selbst beeinflussen können.

Die Entwicklung von neuen Technologien gehört hier unter anderem dazu – oder auch das Weltgeschehen.

Themen, die wir bedingt beeinflussen können

Das heißt, durch unseren Beitrag können wir sie in eine bestimmte Richtung lenken oder Denkanstöße geben. Im geschäftlichen Kontext begegnet uns wahrscheinlich am häufigsten diese Art von Veränderungen. Dazu zählen beispielsweise die eingangs erwähnten Ereignisse.

Bei Veränderungen durchleben wir verschiedene Phasen

Ich betrachte an der Stelle ganz bewusst nicht die Changes, die wir selbst initiieren und die uns direkt Freude und Erfüllung bringen. Mein Fokus liegt im Folgenden auf den bedingt beeinflussbaren Dingen.

Als Beispiel: Wir erfahren von einer Veränderung in unseren Prozessen, bei der Teamzusammenstellung, in den Aufgaben, dem Arbeitsort oder dergleichen mehr.

Unbehagen und Unsicherheit

Eine solche Information löst bei uns meistens zunächst Unbehagen und Unsicherheit aus, denn es wird sich etwas ändern. Obwohl doch alles vermeintlich ganz gut so ist, wie es gerade ist.

  • Warum brauchen wir diese Neuerung jetzt überhaupt?
  • Wer soll das alles umsetzen?
  • Jemand anderes entscheidet über mich hinweg, wie ich von nun an arbeiten soll?

Diese oder ähnliche Gedanken kommen uns zunächst in den Kopf, ehe wir beschließen, dass wir diese Veränderung definitiv nicht gut finden werden. Uns fallen sofort 1000 gute Gründe ein, die das Scheitern dieses Plans bedeuten.

Negative Überraschungen führen zu ablehnender Haltung

Alles, was uns aus unserer Komfortzone zu lösen droht und nicht von uns selbst initiiert oder sehnlichst erwartet ist, macht uns erst einmal stutzig. Vielleicht sogar sprach- oder hilflos. Damit befinden wir uns zuerst in einer Art negativem Überraschungszustand. Wir nehmen dann aller Wahrscheinlichkeit nach, ob bewusst oder unbewusst, eine ablehnende Haltung ein.

Information, Kommunikation und Akzeptanz

Geben wir uns eine Chance! Je mehr wir uns jetzt mit dem neuen Thema auseinandersetzen, darüber sprechen, Informationen einholen und uns austauschen mit anderen Betroffenen und den Menschen, die diese Veränderung initiiert haben, desto eher können wir uns irgendwie damit arrangieren. Es ist halt einfach so. Punkt. Und wir müssen das Beste daraus machen.

Wir können langsam akzeptieren, was auf uns zukommen wird. Manchmal ist es uns möglich, an dieser Stelle auch schon einen Nutzen für uns zu erkennen.

Ausprobieren und Erkenntnisse gewinnen

Nun wollen wir es aber einmal ausprobieren. Wir stellen uns selbst zum Beispiel folgende Fragen:

  • Wie kann diese neue Situation für mich sinnvoll und gewinnbringend sein?
  • Was muss ich machen, um meinen größten Nutzen herauszuholen?

Wir sind also neugierig und kommen damit auch an einen springenden Punkt. Entweder wir erkennen jetzt, welche positiven Seiten diese Veränderung für uns haben kann. Oder wir sehen leider (noch) keinen Gewinn in ihr. Das ist jeweils eine wertvolle Erkenntnis für uns.

Integration führt zu neuem Komfortbereich

Entdecken wir Freude oder positive Möglichkeiten an der Neuerung und können unsere letzten Bedenken widerlegt werden, dann werden wir die Veränderung auch gerne in unseren Alltag integrieren. Durch das Einfließen in die gewohnten Abläufe und durch stetige persönliche Optimierungen fühlen wir uns mit der Zeit wieder sicher. So kommen wir irgendwann wieder in einen neuen Komfortbereich.

Zweifel an Sinnhaftigkeit kann Ablehnung verstärken

Gelingt uns an der Stelle nicht, Vertrauen und Sicherheit zu erlangen, zweifeln wir weiter an der Sinnhaftigkeit der Veränderung. Damit gehen wir unter Umständen sogar wieder zurück bis in die Phase der Ablehnung.

Aber bitte an diesem Punkt nicht resignieren!

Hier bedarf es unbedingt noch einmal der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema durch Gespräche, in denen Fragen geklärt und Bedenken ernst genommen werden. Manchmal ist es nötig, mehrere Schleifen zu drehen.

Keine Trennschärfe der Stadien

Wir befinden uns nicht gleich lang in jeder Phase und es gibt auch keine scharfe Trennung der unterschiedlichen „Stadien“. Der Übergang ist fließend. Entscheidend für unsere individuelle Reise sind unsere Vorkenntnisse sowie grundlegenden Einstellungen. Und natürlich, wie stark wir von der Veränderung betroffen sind beziehungsweise in welchem Maße wir uns einbringen können. So ist es sehr wahrscheinlich, dass wir selbst noch hadern, während einige unserer Kolleginnen und Kollegen sich bereits auf das freuen, was kommen wird.

Reden ist Silber – Schweigen ist Gold?

Nein, nicht in diesem Fall! Es ist vielmehr wichtig, die Dinge bewusst aus den verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Lob ist wundervoll und schmeichelhaft. Kritische Fragen oder Anmerkungen aber helfen weiter, Bedürfnisse, Schwierigkeiten und Hindernisse aufzudecken. Bedenken und Einwände müssen erlaubt – nein, sogar gewünscht sein, um den Change so gut wie möglich zu gestalten. Und zwar im Rahmen des Möglichen gemeinsam mit allen, die von der Veränderung betroffen sind.

Wir dürfen nicht erwarten, dass neue Themen von vornherein perfekt für uns alle durchdacht und ganz rund konstruiert sind. Die Personen, die die Entscheidungen getroffen haben, sind nicht allwissend. Sie sind vielmehr angewiesen auf viele Rückmeldungen. Unsere Aufgabe besteht darin, mitzuteilen, was wir positiv finden. Aber eben auch, wo wir Sorgen haben und mögliche Stolpersteine erkennen.

Wir brauchen sehr viel Geduld und drehen manchmal ein paar zusätzliche Runden. Aber genau das ist der wichtigste Aspekt an einem Change. Wir sollten jede erdenkliche Möglichkeit nutzen, um immer weiter zu verbessern. Nur dann kann es im Lauf der Zeit für uns optimal werden.

Ein Perspektiven-Wechsel

In den von mir begleiteten Changes waren meistens Ängste, das Gewohnte aufgeben zu müssen und mit der neuen Situation nicht zurecht zu kommen, die Ursache für die Ablehnung. Es lohnt sich daher, den Betroffenen von Anfang an eine persönliche Möglichkeit zu geben, über ihre konkreten Nöte zu sprechen.

Vieles kann so bereits zu einem frühen Zeitpunkt geklärt werden.

Jede Veränderung ist eine Chance

Wenn wir den ersten Schreck einmal überwunden haben, kann jede Veränderung auch gleichzeitig eine Chance sein. Es bietet sich uns damit eine großartige Möglichkeit, Neues auszuprobieren und uns auf Unbekanntes einzulassen.

Lassen wir unsere unguten Gefühle und kritischen Fragen einfach zu und äußern sie an der richtigen Stelle. Wir sind deswegen keine Dauernörgler oder Quertreiber. Ganz im Gegenteil: Dadurch beschäftigen wir uns selbst intensiv mit der Neuerung und können Bedenken und Befürchtungen auflösen.

Und wer weiß, vielleicht ist es schon richtig, dass der Anstoß zur Veränderung regelmäßig von „außen“ kommt. Denn wer verlässt schon gerne freiwillig seinen Komfortbereich, wo doch immer eine große Portion Mut dazu gehört.

Aber wer schlussendlich dann mutig ist, der kann wie Robin Sharma sagen:

Veränderungen sind am Anfang hart, in der Mitte chaotisch und am Ende wunderbar.

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Melanie Popp

Melanie Popp als Gastautorin auf PERSOBLOGGER.DE

 

Melanie Popp ist als Expertin für Lernkonzepte Teil des Teams von HR Learning – Business & Learnability in der DATEV eG.

Sie entwirft und etabliert Bildungsmaßnahmen für spezielle fachliche Themenfelder. Zudem verantwortet, gestaltet und moderiert sie aktuell vor allem digitale Formate. Den Spaß, den sie selbst am Lernen hat, möchte sie bei ihren Aufgaben vermitteln und den Austausch von Wissen und Expertise im Unternehmen weiter fördern.

>> zum LinkedIn-Profil von Melanie Popp

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