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kritische Selbstreflexion von Stefanie Puckett

Kritische Selbstreflexion: Warum nicht zum eigenen Fan werden?

Die Fähigkeit zur Selbstreflexion und dem Lernen aus Erfahrung bildet den Kern vieler Führungspotenzialmodelle. Unternehmen investieren in Trainings, Assessmenttools und Coachings, um diese Fähigkeiten zu fördern. Beherrschen wir Selbstreflexion und fokussieren wir darauf, aus Erfahrung zu lernen, werden wir besser. Häufig jedoch auch zu unserem größten Kritiker. Was hält uns davon ab, zu unserem größten Fan zu werden?

Buchautorin Dr. Stefanie Puckett zeigt, wie wir unsere eigene Leistung häufig übersehen und was wir tun können, um uns stärkenbasiert zu entwickeln.

Das Problem mit dem Vergleichen

Dank der sozialen Medien sind wir ständig mit Erfolgsgeschichten anderer Menschen konfrontiert. Die einen leiten mit Anfang 30 Abteilungen, die anderen hamstern Auszeichnungen, gründen erfolgreich, verdienen Millionen, bevor sie überhaupt von zu Hause ausgezogen sind, genießen die Anerkennung als Expertin. Polierte, glänzende Profile, Erfolgsmeldungen – und daneben wir.

Doch da hört es nicht auf. Als Mitarbeitende haben wir alle schon etwas gehört wie „Kollege X macht das sehr gut, schau ihm doch mal über die Schulter!“ oder „Kollegin Y ist hierfür besser geeignet.“ Oder „Kollege Z hat hier mehr erreicht.“. Oder mal unabhängig von unserer eigenen Leistung der respektvolle und etwas neidische Blick auf die Nachbarabteilung, das Konkurrenzunternehmen oder gleich ins Silicon Valley. Äpfel mit Birnen vergleichen. Einen Ast mit einem Baum.

Und so passiert es, dass wir im Vergleich eigentlich immer schlechter abschneiden. Denn das haben wir bisher nicht erreicht, das können wir nicht, oder nicht so gut, darüber wissen wir wohl weniger. Das was wir erreicht haben, auch wo wir mehr erreicht haben, das was wir können, auch besser können, das was wir wissen, auch besser wissen, nehmen wir in den Vergleich nicht auf.

Wir vergleichen uns mit den Stärken und Erfolgen der anderen und nehmen diese als Maßstab für uns. Legen wir den Maßstab zu hoch an? Wahrscheinlich. Wie viel Misserfolg ging dem sichtbaren Erfolg einer Person voraus? Wie viele Themen beherrscht die Expertin nicht?

Sicher aber legen wir den Maßstab an der falschen Stelle an: an unseren Schwächen. Und im Übrigen verwenden wir ziemlich sicher auch überhaupt den falschen Maßstab – den eines anderen.

Warum wir unsere eigenen Leistungen leicht übersehen

Sind wir damit beschäftigt, uns mit anderen zu vergleichen oder sind Vorgesetzte damit beschäftigt, Mitarbeitende anhand vorgegebener Kompetenzkriterien oder Zielerreichungen zu bewerten, fehlt der Blick auf die einzigartigen Beiträge, die individuellen Stärken. Beiträge, die das Team entscheidend weiterbringen. Einsätze, die den Erfolg anderer erst ermöglichen. Risiken, die Dank der Handlung oder Ideen einzelner vermieden wurden.

Fragen, die einen entscheidenden Perspektivwechsel ermöglichten, dies sind Leistungen einzelner. Leistungen, in denen sich einzigartige Stärkenprofile und Eigenschaften spiegeln. Weil diese aber schwer messbar oder beobachtbar sind oder sich schwer vergleichen lassen, werden diese Leistungen nur selten hervorgehoben. Im Umkehrschluss sind sich die entsprechenden Personen ihrer Leistung – dem, was sie beitragen, dem, was sie an Fähigkeiten mitbringen und ihrer positiven Wirkung oft nicht bewusst.

An dieser Stelle verbirgt sich ein Hebel für die Selbstentwicklung: eigene Stärken und deren Wirkung auf andere und auf Problemlösung erkennen und in der Folge bewusster und effektiver einsetzen zu lernen. So werden wir nämlich auch besser – ohne Energie für das Ausmerzen von Schwächen und Schließen von Kompetenzgaps einzusetzen.

Sich seiner Stärken bewusstwerden und erkennen, wie und wo wir mit unseren Fähigkeiten und Eigenschaften eine positive Wirkung auf andere oder das Geschehen haben, kann nicht nur unser Selbstvertrauen enorm stärken, sondern auch unsere Leistung entscheidend verbessern.

Wie können wir Leistungen und individuelle Fähigkeiten sichtbarer machen?

Ein Weg, individuelle Leistung und Stärken sichtbar zu machen, ist, sie individuell zu erfragen. Das heißt, über offene Fragen Feedback gezielt einzuholen.

Stärken-Feedback im Team

Über eine einfache Methode aus dem Buch „Moderne Führung und Selbstorganisation“, die zu einer Routine in Teams werden kann:

Wann?

Die Methode kann als ein eigenständiger zwei-stündiger Team-Workshop angeboten werden oder auch in Teambesprechungen integriert werden. Zum Beispiel als Teil einer Retrospektive, nach Auflösen eines Projektteams oder als Teil einer Weihnachtsfeier.

Wie?

Jedes Teammitglied beantwortet für jedes andere Mitglied die folgenden zwei Fragen:

  1. Durch welche Stärken, Fähigkeiten, Eigenschaften oder Verhaltensweisen zeichnet sich Person x aus?
  2. An welche ein oder zwei Gegebenheiten wurden diese positiven Eigenschaften besonders sichtbar oder haben Dich persönlich positiv beeinflusst?

Alternativ kann man auch Zettel mit den Namen vorbereiten und die einzelnen Mitglieder aussuchen lassen, wem sie ein Feedback geben wollen. Gegebenenfalls kann man in einer zweiten Runde die Möglichkeit geben, die anderen Zettel zu ergänzen.

Möchte man seine eigenen Stärken besser kennenlernen, kann man diese Methode – auch reduziert auf das Stellen der beiden Fragen – in möglichst unterschiedlichen Kontexten anwenden. So entdeckt man vielleicht Stärken, die bisher nur selten zum Einsatz kommen und bekommt auch ein Gefühl für die situationsabhängige Wirkung des eigenen Verhaltens.

Ein solches Feedback bewahrt man sich am besten gut auf, um immer mal wieder darauf zu schauen, wenn man Bestärkung braucht oder wenn man für sich prüfen möchte, ob man von seinen Stärken maximal Gebrauch macht.

Den eigenen Blick schärfen

Jede von uns kann gleichzeitig individuelle Stärken sichtbarer machen, indem wir unseren Blick schärfen. Unsere Kolleginnen und Kollegen und das Geschehen beobachten und nach – oft kleinen – Dingen scannen, die einen Unterschied machen. Beobachten wir, wie jemand positiv auf andere oder die Situation wirkt, teilen wir derjenigen unsere Beobachtungen mit. Mit der Zeit schult man so auch seinen Blick für Stärken – eine wesentliche Fähigkeit für die Arbeit als Führungskraft oder Coach, beispielsweise.

Verlosung Buch „Moderne Führung und Selbstorganisation“

 

Ein Exemplar des neuen Buchs von Stefanie Puckett haben wir an dieser Stelle verlost.

Die Verlosung ist abgeschlossen. Der Gewinner ist bereits informiert und erhält sein Exemplar in Kürze.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmenden!

 

 

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Stefanie Puckett

Gastautorin Dr. Stefanie Puckett

 

Dr. Stefanie Puckett ist promovierte Diplom Psychologin und seit fast 15 Jahren international unterwegs Führung und Organisationen zukunftsfähiger zu machen – als Beraterin, Coach und im HR Management. Als zertifizierte Executive Coach, Agile Practitioner und Agile Coach gründete sie Psychology4Agility und hilft Unternehmen, ihre Agilität zu entwickeln. Sie ist Autor zahlreicher Fach- und Sachbücher, unter anderem von „Der Code agiler Organisationen“.

>> zur Website von Stefanie Puckett

5 Antworten

  1. Gerade (natürlich nicht nur) introvertierte und schüchterne Menschen kann man durch die im Text geschilderte Übung potentiell mehr dazu bringen, die eigenen Beiträge zum Teamerfolg deutlicher zu erkennen und vielleicht in Zukunft sogar auch mal proaktiver zu kommunizieren. Macht definitiv Lust aufs Buch! 🙂

  2. Für uns Menschen scheint es immer einfacher zu sein, dass Negative hervorzuheben anstatt das Positive. Daher sprechen wir auch von einer Fehlerkultur anstatt einer Vertrauenskultur. Hierfür muss ein Shift im Mindset stattfinden. Und die schaffen wir nur, wenn wir darüber reden und offen dafür sind. Nur wenn wir unsere Stärken stärken wachsen wir über uns hinaus 🙂

  3. Ich finde das Beispiel der Methode aus dem Buch sehr gut. Mein Ansatz ist schon immer „Stärken stärken und Schwächen soweit minimieren dass sie meine Stärken nicht schwächen können“, ich nutze dies auch oft als Motivation in den jährlichen Mitarbeiterfeedbackgesprächen.
    Ich würde mich über das Buch sehr freuen um daraus weitere Tipps für die Praxis mitzunehmen.

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