Deutsche Unternehmen sind in Zeiten der Polykrise aufs Äußerste gefordert. Durch gute Organisation wären sie dem gewachsen. Doch unsere Studie „Organizational Performance Report 2026“ zeigt: sie tun sich erstaunlich schwer damit. Woran das liegt und wie die Lage zu verbessern wäre, beschreibe ich in diesem Beitrag.
Wie gute Organisation Unternehmen leistungsfähiger macht
Die schlechte Nachricht zuerst: Der Druck auf Unternehmen wird so schnell nicht nachlassen. Disruptionen, geopolitische Verwerfungen und Umbrüche in der Arbeitswelt wirken gleichzeitig auf sie ein. Viele Unternehmen reagieren darauf mit neuen Strategien, Sparprogrammen, Führungsinitiativen oder KI-Projekten. Das ist nachvollziehbar. Aber es greift zu kurz, wenn der Rahmen, in dem das alles passiert, nicht stimmt.
Denn Menschen arbeiten nicht im luftleeren Raum. Technologien stiften keinen Wert von allein. Und auch die beste Strategie bleibt Theorie, wenn sie von den Beteiligten nicht umgesetzt werden kann. Genau deshalb lohnt es sich, den Blick auf einen Hebel zu richten, den Unternehmen in der eigenen Hand haben: ihre Organisation.

Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit Prof. Dr. Stephan Fischer, Direktor am Institut für Personalforschung der Hochschule Pforzheim, den „Organizational Performance Report 2026“ auf den Weg gebracht. Wir wollten fundiert und praxisnah die Frage beantworten: Was leistet gute Organisation konkret für den Unternehmenserfolg? Und warum tun sich manche Unternehmen damit deutlich leichter als andere?
Grundlage war eine Online-Befragung von 1.226 Berufstätigen in Deutschland und den USA, die in Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten arbeiten. Darunter waren 621 Befragte in Deutschland und 605 in den USA, einschließlich Führungskräften mehrerer Hierarchiestufen. Erhoben wurden die Daten im Januar und Februar 2026.
Der Organizational Performance Report 2026
Im Report haben wir organisationale Leistungsfähigkeit („organizational performance“) deshalb messbar gemacht. Wir stützen uns dabei auf ein Modell, das im Rahmen der Forschung zu „High Performance Work Systems“ schon existiert. Es besagt: Ein Unternehmen ist dann leistungsfähig, wenn es a) effizient, b) zielorientiert, c) anpassungsfähig und d) innovationsförderlich organisiert ist. Genau dadurch setzen sich die einen von den anderen ab.
Unsere Studie zeigt nun: Um alle diese Dimensionen ist es in deutschen Firmen nicht gut bestellt, zumindest im Vergleich mit den USA. US-Unternehmen schöpfen laut unseren Berechnungen rund 70% ihres organisationalen Leistungspotenzials aus, deutsche Unternehmen dagegen nur etwa 60%. Auf einer Skala von -100 bis +100 liegt der Performance-Wert der USA bei 40, Deutschland kommt auf 21. Das wirkt harmlos, ist es aber nicht. Es markiert eine strukturelle Lücke, die sich in vielen Details der Befragung widerspiegelt.
Diese Lücke erklärt sich im Lichte der Befragung unter anderem dadurch, dass wir in Deutschland
- weniger Augenmerk auf die Organisationsthematik per se legen
- schlechter reorganisieren und Change managen sowie
- datenbasierten Methoden der Visualisierung, Analyse und Gestaltung von Organisationsaspekten unzureichend nutzen.
Organisation: Wo es klemmt und was das für Folgen hat
Hier ein paar Zahlen, die für sich sprechen:
- 55,8% der US-Befragten, aber nur 32,7% der befragten Deutschen bejahen deutlich die Frage „Über den Unternehmenserfolg der nächsten Jahre wird entscheiden, welche Organisationsstruktur wir haben und wie wir diese gestalten.“
- 46,6% der Befragten in den USA, aber nur 25,7% in Deutschland sehen ihre Führungskräfte gut aufgestellt, Veränderungsprozesse erfolgreich zu steuern.
- 48,1% der Deutschen, aber nur 33% der US-Beschäftigten stimmen zu, Reorganisationen seien mühsam, zäh und aufreibend.
- Nur alarmierende 16,6% der Befragten in Deutschland erlebten Reorganisationen als erfolgreich, während das immerhin für 41% der Befragten in den USA gilt.
- 51% der US-Befragten, aber nur 30,5% der befragten Deutschen geben an: „Bei uns findet man sich sehr gut zurecht, wer was verantwortet.“
- Annähernd jeder Dritte in beiden Ländern gibt an: „Über die richtigen Daten für Entscheidungen im Unternehmen zu verfügen, ist trotz aller Digitalisierung sehr aufwändig.“
Als Anbieter von Org Charting, Org Analytics und Org Design Tools blicken wir zudem natürlich auch auf den Umgang mit Analyse- und Visualisierungstools. Und auch hier zeigt sich, dass die US-Befragten – und hier vor allem die Führungskräfte – diese Tools intensiver, häufiger und vor allem auch stärker mit Blick auf Gestaltungs- und Veränderungsanliegen nutzen als ihre deutschen Kollegen. Hier lohnt es sich noch etwas tiefer zu bohren.
Unzureichende Nutzung von Daten und Visualisierungen
Wir erkennen darin zwei unterschiedliche Logiken, mit denen Deutsche und Amerikaner an die Nutzung ihrer Daten herangehen. Deutsche verwenden ihre Daten tendenziell eher dafür, die Gegenwart zu verwalten. Sie zählen, dokumentieren, planen und sichern ab. Wir nennen das eine „Exploitationslogik“. Seltener nutzen sie Daten, um Zukunft zu gestalten: zu simulieren, vorauszudenken, umzusteuern, Strukturfragen fundiert zu beantworten. Genau darin liegt aber der eigentliche Mehrwert von Analytics. Und mit Blick auf eine solche „Transformationslogik“ scheinen die US-Befragten ein Stück weiter zu sein.
Hinzu kommt: Während in den USA rund jede zweite Person sagt, dass visuelle Darstellungen helfen, Kompetenzen und Befugnisse besser zu erkennen, sagt das in Deutschland noch nicht einmal jede dritte Person – konkret 27,1%. Gleichzeitig bejahen in den USA 46,9% die Aussage, dass Entscheidungen im Unternehmen auf Basis fundierter Daten getroffen werden. In Deutschland tun das nur 37,7%. Rund jede dritte Person empfindet den Umgang mit Daten zudem als zu aufwendig. In Sachen Visualisierung und Datenauswertung besteht in Deutschland also noch deutlich Luft nach oben.
Gute Organisation bringt Businesserfolg – und macht zuversichtlich
Unsere Erkenntnisse sollten als Weckruf dienen, sich stärker mit Organisation und ihrer datenbasierten Steuerung und Gestaltung zu befassen. Auch und besonders in HR. Zumal sich noch ein spannender Zusammenhang in der Analyse auftat: Organisation wirkt nicht nur auf Produktivität und Geschäftserfolg. Sie wirkt auch auf die Stimmung im Unternehmen. Wo die organisationale Leistungsfähigkeit hoch ist, sind Beschäftigte zufriedener und blicken optimistischer nach vorn.
Im Report liegen Zufriedenheit und Optimismus in den USA bei 69 von 100 Punkten, in Deutschland bei 60.
Zeit, zu handeln!
Was Sie jetzt tun sollten
Für Personalverantwortliche ergeben sich aus den Befunden der Studie vor allem fünf Handlungsempfehlungen.
Erstens: Betrachten Sie Organisation strategisch.
Sehen Sie sie nicht als Kulisse, sondern als Hebel, um Leistung, Produktivität, Innovation und sogar die Stimmung im Unternehmen zu heben. Wer gut organisiert, dem geht’s besser.
Zweitens: Denken Sie Workforce und Organisation zusammen.
Skills, Nachfolge, Kapazität und Struktur gehören zusammen – und damit auch zusammen geplant. Ihre Belegschaft leistet nur dann, wenn sie den richtigen Rahmen geboten bekommt.
Drittens: Übersetzen Sie Daten in Führung.
Daten müssen sichtbar, verständlich und handlungsrelevant werden. Sonst bleiben sie Verwaltungsstoff. Dafür brauchen Sie Führungskräfte, die mit Daten managen können.
Viertens: Professionalisieren Sie Reorganisation.
Umbauten werden zum neuen Normal. Reorganisationen müssen daher stringenter, kleinteiliger und wirksamer vorgenommen werden. Sonst überfordern sie Mensch und Organisation.
Fünftens: Erhöhen Sie Klarheit radikal.
Bei Zielen, Zuständigkeiten, Zusammenhängen und Verantwortlichkeiten darf es keine Unschärfe geben. Genau dort entstehen Tempo und Verbindlichkeit.
Fazit: Anpacken statt Durchhängen!
Die wichtigste Erkenntnis unseres Reports ist daher nicht, dass deutsche Unternehmen grundsätzlich schlecht organisiert wären oder Daten unzureichend nutzen. Oder wenig erfolgreich reorganisieren würden. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass all das besser ginge. Anders ausgedrückt: dass sie ihr Potenzial an organisationaler Leistungsfähigkeit nicht ausschöpfen. Doch das lässt sich ändern. Ungenutztes Potenziale kann man heben! Und genau darum geht es.
Indem wir besser organisieren, besser reorganisieren und unsere Daten sinnvoll nutzen, können wir uns Wettbewerbsvorteile hier und heute erarbeiten. Wer den nächsten Produktivitätsschub, die nächste Innovationsreserve und den nächsten Optimismusgewinn sucht, sollte deshalb nicht nur auf Technologie, Kosten oder Kultur schauen. Sie oder er sollte die Organisation ins Visier nehmen.
Kurzum: Don’t panic. Organize.








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