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Die neue Ökonomie der Präsenzarbeit

Steigende Kraftstoffpreise verteuern derzeit für viele Beschäftigte vor allem eines: den Weg zur Arbeit. Die Internationale Energieagentur (IEA) empfiehlt in ihrem Maßnahmenpaket zur kurzfristigen Senkung des Ölverbrauchs deshalb unter anderem mehr Homeoffice. Vor dem Hintergrund anhaltender Return-to-Office-Debatten rückt damit zunehmend auch die wirtschaftliche Dimension in den Fokus: Was kostet ein Bürotag eigentlich?

Antworten darauf liefert der jährliche „State of Hybrid Work“-Report von Owl Labs. Das Tech-Unternehmen untersucht seit fast zehn Jahren, wie Beschäftigte in Deutschland, den USA und weiteren Märkten hybrid, remote und im Büro arbeiten – und welche finanziellen, organisatorischen und kulturellen Folgen damit verbunden sind.

Präsenzarbeit hat ihren Preis

Wie stark sich Präsenzarbeit finanziell auswirkt, zeigt vor allem die kontinuierliche Diskrepanz zwischen Büro und Homeoffice: Ein Bürotag kostet befragte Beschäftigte im Jahr 2025 durchschnittlich rund 30 Euro, ein Homeoffice-Tag dagegen nur etwa 10 Euro. Auch in den Vorjahren lag das Kostenniveau im Büro deutlich höher. 2024 beliefen sich die Ausgaben auf 29 gegenüber neun Euro, 2023 auf 24 gegenüber acht Euro. Ein Bürotag ist damit durchgängig rund dreimal so teuer wie ein Arbeitstag zu Hause.

Besonders ins Gewicht fällt dabei der tägliche Weg zur Arbeitsstelle. Im Jahr 2025 beliefen sich die durchschnittlichen Pendelkosten pro Bürotag auf rund zehn Euro. Bei zwei bis drei Präsenztagen pro Woche summiert sich der zusätzliche finanzielle Aufwand damit schnell auf 40 bis 60 Euro pro Woche beziehungsweise rund 170 bis 260 Euro im Monat. Präsenzarbeit verursacht nicht nur organisatorischen, sondern auch vermehrt als finanziellen Aufwand. .

Büroarbeit braucht einen klaren Gegenwert

Die Return-to-Office-Debatte fokussierte sich bislang vor allem auf die Anforderungen der Unternehmen gegenüber ihren Beschäftigten. Zunehmend gewinnt die Perspektive der Beschäftigten an Bedeutung. Laut „State of Hybrid Work“-Report 2025 betrachten Mitarbeitende Präsenzarbeit heute deutlich bewusster. Viele Beschäftigte messen einen Bürotag daran, ob er einen konkreten finanziellen, organisatorischen oder sozialen Mehrwert bietet.

Rund 42% der befragten Beschäftigten nennen eine höhere Vergütung als wichtigsten Anreiz für mehr Präsenzarbeit, nach 40% im Jahr 2024. Der Wunsch nach finanzieller Kompensation bleibt damit auf hohem Niveau stabil. Etwa 33% wünschen sich kostenloses oder subventioniertes Essen und Getränke, verglichen mit 26% im Vorjahr. Auch Zuschüsse zur Kinderbetreuung gewinnen an Bedeutung und steigen von 10 auf rund 14%.

Darüber hinaus spielen soziale Faktoren eine wichtige Rolle, allerdings anders als oft angenommen. Der Wunsch nach echten zwischenmenschlichen Beziehungen im Arbeitsalltag, also nach „Workfriends“, steigt deutlich von 14% in 2024 auf rund 20 Prozent im Jahr 2025. Klassische Onsite-Events hingegen gewinnen mit 12% kaum an Bedeutung. Beschäftigte erwarten damit keine symbolischen Maßnahmen, sondern konkrete Entlastung und eine Arbeitsumgebung, die im Alltag tatsächlich einen Mehrwert bietet.

Flexibilität wird zum Standard

Der Maßstab für attraktive Arbeit verändert sich damit spürbar. Flexibilität wird von der Mehrheit der befragten Beschäftigten nicht mehr als Zusatzangebot wahrgenommen, sondern als zentraler Bestandteil eines zeitgemäßen Arbeitsmodells. Rund 82% der befragten Beschäftigten halten flexible Arbeitszeiten für wichtig, auch ein flexibler Arbeitsort hat für rund 76% einen hohen Stellenwert. Wird diese Flexibilität eingeschränkt, bleibt das nicht ohne Folgen für Zufriedenheit, Bindung und die Erwartungen an Arbeitgeber.

Die Daten von Owl Labs verdeutlichen, wie sensibel Beschäftigte auf den Wegfall von Remote- oder Hybridarbeit reagieren würden. 22% der Befragten würden in diesem Fall aktiv nach einem neuen Job suchen. 17% geben an, sie wären unzufriedener, 15% würden eine Gehaltserhöhung erwarten und 8% wären weniger engagiert. Gerade in einer Phase, in der viele Unternehmen wieder stärker auf Präsenz setzen, unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von Flexibilität für Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeitendenbindung.

Return-to-Office wird zur Preisfrage

Die Ergebnisse des „State of Hybrid Work“-Reports geben der Return-to-Office-Debatte eine neue Richtung: Die Frage ist nicht mehr nur, ob Arbeit im Büro stattfindet, sondern unter welchen Bedingungen Beschäftigte sie als sinnvoll bewerten. Präsenz wird immer mehr an konkreten Kosten und einem klar erkennbaren Mehrwert gemessen.

Return-to-Office greift heute als reine Präsenzforderung zu kurz. Beschäftigte erwarten nachvollziehbare Gründe, echte Qualität im Büroalltag und einen fairen Gegenwert für weniger Flexibilität. Auch dass rund 25% der Befragten hybride Arbeit über informelle Absprachen mit ihren Vorgesetzten organisieren, zeigt außerdem, wie groß die Lücke zwischen offizieller Präsenzpolitik und der tatsächlichen Arbeitsrealität in vielen Unternehmen noch ist. Wer diese Realität ignoriert, riskiert nicht nur Frust, sondern auch Vertrauen und Bindung.

Quelle: Pressemitteilung von Owl Labs

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Stefan Scheller

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