Ruhestandsvorbereitung ist etwas, das viele HR-Verantwortliche oder Führungskräfte auf die lange Bank schieben. Das HR-Startup WorkDone.Works will das ändern. Mit systematischen Prozessen sollen Mitarbeitende auf die neue Lebensphase vorbereitet werden, u.a. mit dem Ziel länger motiviert zu bleiben oder auch das Employer Branding zu stärken. Dass dieser besondere Benefit wirkt, davon ist Gründer und Geschäftsführer Daniel Budnik fest überzeugt, wie er mir im Startup-Interview erzählt.
Was bietet WorkDone.Works?
Hallo Daniel, magst Du Dich und WorkDone.Works bitte kurz vorstellen?
Hallo Stefan, danke für die Möglichkeit, mich und mein Unternehmen vorstellen zu dürfen. Ich bin Daniel Budnik, Gründer und Geschäftsführer von WorkDone.Works. Wir helfen Unternehmen und ihren Mitarbeitenden dabei, den Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand bewusst und gut vorbereitet zu gestalten.
Was mich dabei antreibt ist, dass dieser Lebensabschnitt für viele Menschen einer der bedeutsamsten und gleichzeitig einer der am wenigsten begleiteten ist. Das möchte ich ändern.
Zum Thema gekommen bin ich auf eine sehr persönliche Weise, auch wenn ich mit 36 Jahren noch etwas vom Ruhestand entfernt bin. In einem Buch stieß ich auf eine Übung: Man soll sich seinen perfekten Tag im Ruhestand vorstellen. Ich fragte mich: Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich heute in Rente gehen würde? Was würde sich verändern und was würde gleich bleiben? Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen.
Ich reise leidenschaftlich und viel, habe mich weltweit mit Menschen über das Thema Ruhestand ausgetauscht und dabei unglaublich viel gelernt. Was mich fasziniert: Es geht um die große Frage, was uns Arbeit wirklich gibt und wie wir ein Leben gestalten, das auch jenseits des Berufslebens erfüllt ist.
Genau das ist es, woran wir bei WorkDone.Works täglich arbeiten.
Ruhestandsvorbereitung
Weshalb ist Ruhestandsvorbereitung in Unternehmen so ein großes Thema?
Weil Ruhestand weit mehr bedeutet, als einfach aufzuhören zu arbeiten. Menschen verlieren mit dem Beruf einen großen Teil ihrer Identität, ihre tägliche Struktur, ihr soziales Netzwerk und oft sogar ihren Bewegungsrhythmus. Das sind massive Veränderungen, die psychisch und physisch nachwirken können. Wir reden hier nicht von kleinen Anpassungen, sondern von einem kompletten Lebensumbruch.
Auf Unternehmensseite sieht es nicht besser aus: Wissensverluste, Motivationslöcher in den letzten Berufsjahren und erhöhte Krankheitsausfälle sind die Folge. Alles Dinge, die sich direkt auf Produktivität und Kosten auswirken.
Ruhestandsvorbereitung ist also kein nettes Extra. Sie ist strategisch relevant. Wer das früh erkennt und entsprechend handelt, hat einen echten Wettbewerbsvorteil beim Employer Branding, bei der Mitarbeiterbindung und letztlich auch beim Wissenstransfer. Es geht nicht darum, Menschen zu verabschieden. Es geht darum, diesen Übergang gemeinsam gut zu gestalten.
Weiterarbeit im Unternehmen vs. kompletter Ruhestand
Immer mehr Menschen entscheiden sich trotz Erreichen des Rentenalters weiterzuarbeiten und nutzen Vorteile der sog. Aktivrente. Welche Veränderungen spürt Ihr im Markt in den letzten Jahren?
Dadurch dass die Babyboomer nun in den Ruhestand gehen, passiert natürlich auch einiges in der Politik und der Gesellschaft. Das Thema ist präsenter denn je und das spüren wir auch im Markt deutlich.
Der Übergang ist heute kein klares Entweder-oder mehr. Es gibt Gleitphasen, Teilzeitmodelle und neue Rollen. Das macht die Vorbereitung komplexer und gleichzeitig noch wichtiger. Denn wer nicht klar hat, was er mit seinem Leben anfangen will, trifft diese Entscheidung aus Unsicherheit statt aus Stärke. Genau das wollen wir verhindern. Wir helfen Menschen, diese Entscheidung bewusst und informiert zu treffen.
Dabei stellt sich auch eine sehr ehrliche Frage: Arbeitet man weiter, weil man es finanziell muss? Oder weil Arbeit Struktur und Sinn gibt? Beides sind nachvollziehbare Gründe. Aber die eigene Antwort darauf zu kennen und die damit verbundenen Herausforderungen aktiv anzugehen, das ist der erste Schritt zu einem selbstbestimmten Übergang. Und genau dabei begleiten wir die Menschen.
Ruhestandvorbereitung prozessual etablieren
Vermutlich haben sich viele Personalverantwortliche noch gar nicht intensiv genug Gedanken dazu gemacht und gestalten ihre Kommunikation bzw. Nicht-Kommunikation entsprechend. Was möchtest Du diesen Personalverantwortlichen mitteilen?
Ich glaube, viele Personalverantwortliche haben sich mit dem Thema Ruhestandsvorbereitung noch gar nicht wirklich auseinandergesetzt. Nicht weil es nicht relevant ist, sondern weil der Alltag sie einfach nicht dazu kommen lässt. Recruiting, Retention, Kulturthemen – die Liste ist lang. Aber Ruhestandsvorbereitung als Mitarbeiterbenefit ist kein Thema, das man sich für später aufheben sollte.
Mitarbeitende, die in den letzten Jahren vor dem Ruhestand keine Perspektive sehen, ziehen sich innerlich zurück. Das kostet Produktivität, Engagement und am Ende auch wertvolles Wissen. Das sind Verluste, die sich Unternehmen schlicht nicht leisten können.
Aufwand zur Unterstützung überschaubar
Wie viel Aufwand müssen Unternehmen denn investieren, wenn sie für ihre Mitarbeitenden etwas tun wollen?
Das Gute ist: Der Aufwand ist deutlich geringer als befürchtet. Wir haben die Prozesse und Materialien bereits entwickelt und begleiten Unternehmen Schritt für Schritt dabei. Ein strukturiertes Angebot lässt sich schnell und effizient einbetten.
Wir möchten erreichen, dass Älterwerden im Arbeitskontext nicht mehr als negative Eigenschaft gesehen wird. Erfahrung, Reife und Weitblick sind Stärken. Wer das als Personalverantwortlicher versteht und kommuniziert, gewinnt nicht nur das Vertrauen seiner älteren Mitarbeitenden, sondern sendet auch ein starkes Signal an das gesamte Team.
Denn auch wer noch weit von der Rente entfernt ist, sieht: Dieses Unternehmen kümmert sich um mich, nicht nur solange ich jung bin, sondern über die gesamte Karriere hinweg. Was wir oft selbst im Alltag vergessen: Auch wir selbst werden diesen Punkt eines Tages erreichen.
Vorteile für Unternehmen
Welche Vorteile haben Unternehmen, wenn sie Mitarbeitende in den Ruhestand begleiten bzw. für das „Leben danach“ fitmachen?
Ich erlebe es immer wieder, dass Unternehmen Ruhestandsvorbereitung als Kostenfaktor betrachten. Dabei ist es ein Investment, das sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig auszahlt.
Wer Mitarbeitende in diesem Übergang aktiv begleitet, stellt fest: Motivation und Produktivität bleiben bis zum letzten Arbeitstag stabil. Unvorbereitete Übergänge hingegen führen oft schon Jahre vor dem Austritt zu spürbaren Produktivitätsverlusten. Es ist nicht nur ein soziales Thema, es wirkt sich direkt auf die Unternehmensbilanz aus.
Hinzu kommen steigende Krankheitsausfälle. Ohne gezielte Begleitung nehmen die Fehlzeiten bei Mitarbeitenden kurz vor dem Ruhestand überdurchschnittlich zu. Älterwerden, Unsicherheit und fehlende Perspektiven belasten die Gesundheit und verursachen für Unternehmen erhebliche Kosten, insbesondere durch Entgeltfortzahlung.
Noch kritischer ist der Verlust von Wissen. Jahrzehntelange Erfahrung, gewachsene Kundenbeziehungen und internes Prozesswissen gehen verloren, wenn Übergänge unstrukturiert verlaufen. Wer diesen Prozess aktiv gestaltet, kann Wissenstransfer und Nachfolgeplanung gezielt steuern und damit einen der größten wirtschaftlichen Risikofaktoren wirksam reduzieren.
Und schließlich das Employer Branding. Der Umgang mit Mitarbeitenden am Ende ihrer Karriere sagt mehr über die gelebte Unternehmenskultur aus als jede Hochglanzbroschüre. Das nehmen sowohl die verbleibenden Mitarbeitenden wahr als auch die Talente von morgen.
Relevanz für den Nachhaltigkeitsbericht
Inwiefern ist aktive und systematische Begleitung in den Ruhestand auch relevant für den unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsbericht?
Ruhestandsvorbereitung ist ein klar definierbarer Bestandteil des sozialen Engagements eines Unternehmens und damit direkt relevant für den ESG-Bericht.
ESG steht für Environment, Social und Governance. Während viele Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit sofort an CO2-Emissionen oder Energieverbrauch denken, wird der soziale Bereich, das S in ESG, oft unterschätzt. Dabei ist er für Investoren, Geschäftspartner und Talente zunehmend entscheidend.
Konkret lassen sich folgende Punkte im ESG-Bericht dokumentieren: Maßnahmen zur Gesundheitsförderung älterer Mitarbeitender, strukturierte Wissensweitergabe durch Mentoring, flexible Übergangsmodelle wie Altersteilzeit sowie individuelle Beratungsangebote für den Lebensübergang. All das sind messbare, nachweisbare Beiträge zur sozialen Verantwortung eines Unternehmens.
Darüber hinaus adressiert Ruhestandsvorbereitung auch den Bereich Diversity & Inclusion. Wer ältere Mitarbeitende aktiv begleitet und wertschätzt, lebt Altersdiversität nicht nur als Schlagwort, sondern als gelebte Praxis.
Und das Entscheidende: Es ist kein Greenwashing. Es ist ein nachweisbarer, messbarer Beitrag zu einer nachhaltigen Unternehmenskultur. Wer das konsequent umsetzt, stärkt nicht nur seinen ESG-Bericht, sondern auch seine Reputation, seine Glaubwürdigkeit und seine Attraktivität als Arbeitgeber.
Weiterentwicklung von WorkDone.Works
Wie sehen Eure mittel- und langfristigen Ziele mit (Eurer Plattform) eurem Mitarbeiterbenefit aus?
Wir wollen Ruhestandsvorbereitung in Europa als festen Mitarbeiterbenefit etablieren, so selbstverständlich wie das Onboarding, und damit einen neuen Standard moderner Personalführung setzen. Mittelfristig erweitern wir unsere Dienstleistungen und unser Partnernetzwerk, entwickeln digitale Innovationen und bauen unsere Präsenz weiter aus, um immer mehr Unternehmen zu erreichen.
Langfristig geht es uns um einen gesellschaftlichen Wandel. Wir wollen die Wahrnehmung des Alters neu definieren, den Generationenkonflikt entschärfen und das Alter als Phase mit echtem Potenzial sichtbar machen. So schaffen wir persönlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert für Mitarbeitende, Unternehmen und die Gesellschaft gleichermaßen.
Vielen Dank für Deine Antworten, Daniel. Für WorkDone.Works wünsche ich weiterhin viel Erfolg.
Über den Interviewten
Daniel Budnik ist mit Wurzeln aus dem Schwarzwald heute auf La Palma auf den Kanarischen Inseln zu Hause. Vor der Gründung von WorkDone.Works sammelte er umfangreiche Erfahrung als Organisationsentwickler, Projektleiter und Interim Manager. Rollen, die sein Verständnis für Menschen und Unternehmen in Veränderungsprozessen geprägt haben. Heute widmet er sich mit vollem Einsatz der Mission, Ruhestandsvorbereitung als festen Bestandteil moderner Unternehmenskultur zu etablieren.
>> LinkedIn-Profil von Daniel Budnik

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und Top HR-Influencer betreibe ich diese Website und das gleichnamige 



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