Weibliche Führungskräfte stehen häufig unter besonderem Druck, wenn es darum geht, sich in einem männlich dominierten Umfeld zu etablieren. Sie unterschätzen in vielen Fällen die optischer Wirkung ihres Auftretens im Business-Kontext. Zeit für einen Corporate Presence Checkup, sagt Vera Cavus, Gründerin der CAVUS STUDIOS. Meine Fragen zum Thema beantwortet sie im klassischen Startup-Interview.
Was bietet CAVUS STUDIOS?
Hallo Vera, magst Du Dich und CAVUS STUDIOS bitte kurz vorstellen?
Sehr gern. Ich bin Vera Cavus, Gründerin von CAVUS STUDIOS und Business Stylistin mit Fokus auf den Corporate Kontext. Ich begleite Frauen in Führungsrollen und auf dem Weg dorthin dabei, ihre visuelle Präsenz strategisch zu nutzen. In den vergangenen Jahren habe ich über 200 Frauen in ihre sichtbare Positionierung geführt und dabei sehr deutlich gesehen, wie stark optische Wirkung Karrieren beeinflusst.
CAVUS STUDIOS steht für Visual Leadership. Also für die bewusste Gestaltung der äußeren Erscheinung im Einklang mit Rolle, Verantwortung und Karriereziel.
In Unternehmen wird viel in Präsentationstechniken, Stimmschulungen und Medientrainings investiert. Das ist auch total wichtig. Gleichzeitig bleibt ein zentraler Faktor oft unbeachtet: das, was bereits wirkt, bevor gesprochen wird: unsere Erscheinung.
Kleidung, Farben, Silhouetten und Details senden kontinuierlich Signale, die für- oder gegen unsere Botschaft sprechen. Diesen bislang wenig beachteten Bereich integriere ich systematisch in moderne Personalentwicklung.
Aufmerksamkeitsökonomie
Wir leben in einer Aufmerksamkeitsökonomie mit sehr klaren Regeln. Warum gilt das nicht nur für digitale Plattformen und Algorithmen, sondern auch für zwischenmenschliche Begegnungen?
Weil wir Menschen genauso funktionieren wie ein Algorithmus. Wir scannen unser gegenüber sofort, in Millisekunden nehmen wir wahr. Noch bevor jemand spricht, haben wir ein Bild. Wir ordnen ein. Rolle, Status, Kompetenz, Zugehörigkeit.
Im Business Kontext stellen sich doch alle früher oder später genau diese Fragen: Bin ich zu overdressed? Wirke ich zu leger? Werde ich so ernst genommen?
Diese Unsicherheit kostet Energie und wertvolle Zeit. Wer sicher in seinem Auftreten ist, ist auch sicher in seinen Botschaften.
Den eigenen Auftritt im Blick
Worauf kommt es an, wenn Führungskräfte ihr eigenes Auftreten optimieren möchten?
Zuerst braucht es eine strategische Entscheidung. Wofür stehe ich eigentlich?
Ich erlebe oft eine Wort-Bild-Schere. Da spricht ein CEO über Modernisierung, Innovation und Zukunftsfähigkeit und steht selbst optisch für das komplette Gegenteil. Das catcht uns nicht. Unser Gehirn glaubt dem Bild mehr als dem Wort.
Nehmen wir das Thema Bühne: Die große Präsentation. Wochenlange Vorbereitung der Inhalte. Aufwendige Technikchecks. Und am Tag des Auftritts gibt es morgens einen Nervenzusammenbruch, weil wir unsicher sind, wie wir uns kleiden.
Szenario Geschäftsreise: Der Koffer wird hektisch gepackt. Zu viel, zu wenig, nicht durchdacht. Hektik, Stress, Kapazitätsbindung. Wer eine strategische Garderobe besitzt, packt auch wie ein Stratege.
Es geht nicht um mehr Kleidung. Es geht um bewusstere Entscheidungen.
Kombination aus Haltung und Aussehen
Inwiefern ist es notwendig sowohl an der eigenen inneren Haltung zu arbeiten als auch am „Aussehen“?
Das ist so spannend – mein Lieblingsaspekt.
Wir machen ein Experiment: Menschen schauen sich durchschnittlich 40 Mal am Tag selbst an. Im Spiegel, der Handykamera, in Onlinemeetings. Wer 40 Mal am Tag kritisch mit sich spricht, zum Beispiel „Ich habe Augenringe“, „Meine Haut sich alt & müde aus“ oder ähnlich, sendet seinem Gehirn 40 Mal pro Tag einen negativen Impuls über sich selbst. Das verfängt und verfestigt sich.
Jetzt umgekehrt: diese 40 Male pro Tage bist Du total fein mit Dir. Fühlst Dich wohl, weißt sicher, dass Du Kleidung trägst, die Dich unterstützt. Diese Gelassenheit & Coolness strahlst Du auch aus. Dein Umfeld nimmt dich positiv wahr. Du ziehst Menschen an, die Dir gern folgen. Menschen, die in deinem Team arbeiten oder etwas bei Dir kaufen wollen.
Klasse, oder? Das Visuelle ist alles andere als oberflächlich. Es ist pure Persönlichkeitsentwicklung.
Impact durch Microhabits
Inwiefern spielen in diesem Zusammenhang sogenannte „Microhabits“ eine wichtige Rolle?
Eine enorme Rolle. Es sind nicht die großen einmaligen Auftritte, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Es sind die täglichen kleinen Entscheidungen. Wer im Büroalltag casual-cool mit Jeans & Blouson unterwegs ist, wirkt im Kostüm auf der Bühne verkleidet. Ein Imageschaden entsteht.
Verlangt die Rolle Klarheit und Führung, sollte sich nicht in grau und schwarz versteckt werden. Oder nutze ich bewusst Farben, um in einem Verkaufsgespräch Vertrauen oder Durchsetzungskraft zu signalisieren?
Das sind Microhabits: kleine Stellschrauben, die unser Image prägen.
Personalentwicklung intensiv
Beratung und Coaching rund um Persönlichkeit sowie Auftreten und Aussehen, werden von einigen Menschen als recht „invasiv“ empfunden, v.a. wenn sie vom Arbeitgeber veranlasst werden. Wie baust Du das notwendige Vertrauen auf?
Indem ich sofort zeige: Ich bin eine von Euch! Über 15 Jahre war ich angestellte Vertrieblerin im Softwareumfeld mit Führungsverantwortung. Als ich (viel zu spät) gelernt habe, wie ich zum Visual Leader werde, war sofort klar: mein Wissen muss ich weitergeben. Dorthin, wo ich es selbst gern als PE-Angebot in Anspruch genommen hätte.
Meine Kunden spiegeln mir, dass sie sich niemals von mir bewertet fühlen. Im Gegenteil: Empowerment und Wissenvermittlung werden als Geschenk angenommen. Das vielleicht schönste Zitat stammt von einer Kundin (CPO, Verantwortung für 500 Menschen): „Ich fühle mich dank dir einfach schön!“
Ein anderes Beispiel: Eine Führungskraft wünscht sich von einem Teammitglied angepasstere Kleidung. Wer sagt´s ihm? Die Führungskraft? Der Konflikt ist vorprogrammiert. Einer neutralen Person diese Aufgabe zu überlassen ist die richtige Entscheidung.
Ich stelle die Sichtbarkeit von Kompetenz nach vorne. Bewertungen sind für mich gänzlich ausgeschlossen. Dadurch entsteht Vertrauen zwischen meinen Kund:innen und mir.
Weiterentwicklung von CAVUS STUDIOS
Wie sehen Deine mittel- und langfristigen Ziele aus – wohin geht Deine Reise?
Ich möchte, dass Visual Leadership in Unternehmen selbstverständlich wird. Mein Ziel ist es, die visuelle Entwicklung in Personalstrategien integrieren. Besonders für weibliche Führungskräfte und Talente, die oft über Kompetenz verfügen, aber nicht die Sichtbarkeit haben, die ihnen zusteht. Das VISUAL LEADER Programm ist genau für diese Zielgruppe entwickelt worden. Mit echten, sichtbaren Ergebnissen.
Vielleicht ist das meine Mission auf diesem Planeten: Menschen in ihre Power bringen!?
Vielen Dank für Deine Antworten, Vera. Für Dich und CAVUS STUDIOS wünsche ich weiterhin viel Erfolg.
Über die Interviewte
Vera Cavus ist Gründerin von CAVUS STUDIOS und arbeitet als Business Stylistin mit einem klaren Fokus auf den Corporate Kontext.
Aus ihrer beruflichen Erfahrung heraus hat sie sich auf das Thema Visual Leadership spezialisiert. Heute begleitet sie vor allem Frauen in Führungsrollen dabei, ihre Kompetenz auch visuell klar und strategisch zu positionieren.
Ihr Anliegen ist es, Professionalität sichtbar zu machen, ohne Menschen zu verbiegen.
>> LinkedIn-Profil von Vera Cavus


Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und Top HR-Influencer betreibe ich diese Website und das gleichnamige 






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