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Zwei Drittel der Führungskräfte in Europa sind nicht bereit für KI

Eine neue internationale Studie zeigt: Viele Unternehmen investieren massiv in Künstliche Intelligenz, doch an der Umsetzung hapert es. 63% der Führungskräfte in Großbritannien, Frankreich und Deutschland fühlen sich nicht ausreichend vorbereitet, um in einer KI-geprägten Arbeitswelt wirksam zu führen.

Aktuelle Untersuchungsergebnisse

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Non-Profit-Organisationen Catalyst und Coqual, für die 2.891 Führungskräfte und Beschäftigte befragt wurden.

  • Großbritannien liegt bei KI-Kompetenz vorn: 49% der Führungskräfte bezeichnen sich als KI-geschult – deutlich mehr als in Frankreich (26%) und Deutschland (19%). Doch technisches Wissen allein zahlt sich noch nicht in besserer Unternehmensleistung aus.
  • Führung entscheidet über den wirtschaftlichen Nutzen von KI: Die Studie zeigt, dass nicht die Investition in Technologie, sondern die Qualität der Führung darüber bestimmt, ob KI-Initiativen tatsächlich erfolgreich sind und Wettbewerbsvorteile schaffen.
  • Viele Beschäftigte sind verunsichert: Rund ein Drittel der Mitarbeitenden in den drei Ländern fürchtet, durch Automatisierung ersetzt zu werden. Im Zuge der KI-Einführung berichten sie von Angst, Misstrauen und dem Gefühl, nicht ausreichend einbezogen zu sein.
  • Wachstum vor Fairness: Die Daten legen nahe, dass Unternehmen derzeit stärker auf KI-getriebenes Wachstum setzen als auf eine bewusst faire und inklusive Einführung der neuen Technologien.

Viele Unternehmen investieren in KI-Tools und Weiterbildung. Aber deutlich weniger Führungskräfte verfügen über die Einstellung und das Verhalten, das notwendig ist, um das Engagement der Menschen zu gewinnen und damit nachhaltiges Wachstum mit KI überhaupt erst ermöglicht.

Wir stehen an einem Wendepunkt. Erfolgreiche Führung bedeutet heute nicht nur technologische Kompetenz, sondern auch Verantwortung, Verlässlichkeit und die Stärkung der Menschen im Unternehmen. Ohne Vertrauen und Wohlbefinden gibt es keine nachhaltige Innovation.

KI-Know-how allein bringt noch keinen Geschäftserfolg

Zwar schätzen sich Führungskräfte in Großbritannien deutlich häufiger als KI-kompetent ein (49%) als ihre Kolleginnen und Kollegen in Frankreich (23%) oder Deutschland (17%). Doch die Studie zeigt klar: Technische Kenntnisse allein verbessern die Unternehmensleistung nicht.

Entscheidend ist, ob Führungskräfte ihre Teams durch Veränderungsprozesse begleiten, einbinden und motivieren können. Mit anderen Worten: Nicht nur was an Technologie eingeführt wird, sondern wie geführt wird, bestimmt den Erfolg.

Das Erfolgsprofil: „Verbindende Führung“

Die Studie beschreibt ein Führungsprofil, das KI-Investitionen besonders erfolgreich macht – im Original „Convergent Leader“, hier treffender als verbindende Führung bezeichnet. Gemeint sind Führungspersönlichkeiten, die drei Kompetenzen zusammenbringen:

  • fundiertes Verständnis von KI,
  • inklusives Führungsverhalten, das Vertrauen und Fairness stärkt,
  • ein flexibles Mindset im Umgang mit Unsicherheit und Wandel (siehe Infobox).

37% der befragten Führungskräfte entsprechen diesem Profil. Am häufigsten sind sie in Großbritannien zu finden (55%), gefolgt von Deutschland (25%) und Frankreich (20%).

Organisationen mit verbindender Führung berichten deutlich häufiger von positiven Geschäftsergebnissen. Im Vergleich zu anderen Unternehmen verzeichnen sie:

  • höhere Teamproduktivität (93% vs. 34%),
  • steigenden Umsatz oder bessere Margen (53% vs. 26%),
  • stärkere Kundenzufriedenheit und Loyalität (58% vs. 22%),
  • mehr Effizienz und geringere Kosten (54% vs. 30%),
  • größere Innovationskraft (45% vs. 18%),
  • mehr Marktanteile oder neue Märkte (41% vs. 17%),
  • bessere Mitarbeiterbindung (27% vs. 18%).

Die Schlussfolgerung: Führungsqualität ist der zentrale Hebel, damit KI wirtschaftlichen Mehrwert schafft.

Führungskräfte lassen die Menschen außer Acht: Beschäftigte sind verunsichert

Gleichzeitig zeigt die Studie eine wachsende Kluft zwischen technologischem Fortschritt und menschlicher Begleitung:

  • 34% der Beschäftigten befürchten, durch Automatisierung ersetzt zu werden.
  • Nur 35% sagen, ihr Unternehmen unterstütze sie beim Aufbau von KI-Kompetenzen, die für ihre konkrete Tätigkeit relevant sind.
  • Lediglich 28% der Führungskräfte und 29% der Beschäftigten sehen eine strategische Planung für die langfristigen Auswirkungen neuer Technologien. In Deutschland liegt dieser Wert bei Führungskräften bei 22%, in Frankreich bei 20% (Großbritannien: 38%).

Hinzu kommt ein erhebliches Transparenzdefizit: 95% der Führungskräfte geben an, dass ihre Organisation die Auswirkungen von KI nicht systematisch misst. Wo Kennzahlen erhoben werden, stehen Innovationsziele (52%) deutlich stärker im Fokus als Mitarbeiterengagement (38%) oder Mitarbeiterbindung (31%).

Responsible AI bleibt häufig Theorie

Obwohl 61% der Unternehmen angeben, über eine Richtlinie für verantwortungsvolle KI zu verfügen, sehen nur 21% der Führungskräfte konkrete Maßnahmen, die negative Auswirkungen auf Beschäftigte gezielt minimieren.

Weniger als die Hälfte der Richtlinien adressiert ausdrücklich Fragen von Gleichberechtigung (49%) oder Inklusion (48%). 78% der Beschäftigten sind zudem nicht der Ansicht, dass ihre Unternehmensführung aktiv an einer inklusiveren Kultur arbeitet.

Warum Gleichstellungsrisiken bestehen bleiben

Auch wenn die Studie keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim aktuellen Zugang zu oder der Nutzung von KI festgestellt hat, bedeutet das keineswegs, dass Geschlechtergerechtigkeit bereits erreicht ist. Vielmehr verweisen die Ergebnisse auf eine grundsätzliche organisatorische Lücke: Die meisten Unternehmen ergreifen bislang keine gezielten Maßnahmen, um KI bewusst verantwortungsvoll und inklusiv in der gesamten Belegschaft einzuführen.

Derzeit konzentrieren sich viele Organisationen deutlich stärker darauf, mit KI Wachstum zu generieren, als darauf, wie diese Technologien verantwortungsvoll gesteuert und gerecht implementiert werden. Das ist problematisch. Wenn Fairness nicht von Anfang an in die KI-Einführung integriert wird, verschwinden Unterschiede beim Zugang, bei Kompetenzen und bei der Nutzung nicht. Sie vergrößern sich im Laufe der Zeit, zwischen Geschlechtern und anderen Identitätsgruppen.

Zwar geben 61% der Unternehmen an, über eine Richtlinie für verantwortungsvolle KI zu verfügen. Doch nur 21% der Führungskräfte sagen, dass ihre Organisation KI-Lösungen einführt, die negative Auswirkungen auf Beschäftigte aktiv minimieren. Weniger als die Hälfte berichtet, dass die eigene Richtlinie Gleichstellung (49%) oder Inklusion (48%) ausdrücklich adressiert.

Zugleich stimmen 78% der Beschäftigten nicht der Aussage zu, dass ihre Führung aktiv an einer inklusiveren Unternehmenskultur arbeitet.

Nicht Technologie, sondern Führung entscheidet über den KI-Erfolg

Die Ergebnisse legen nahe, dass viele Unternehmen zwar in KI-Tools und Weiterbildungsprogramme investieren, aber deutlich weniger Führungskräfte über die nötige Haltung, die Kompetenzen und das Verhalten verfügen, um das menschliche Engagement zu mobilisieren, das für nachhaltiges Wachstum durch KI erforderlich ist.

Dass nahezu zwei Drittel der Führungskräfte noch immer nicht ausreichend auf KI vorbereitet sind, zeigt, wie dringlich die Herausforderung geworden ist. Konvergente Führungskräfte zeichnen sich nicht nur durch ihr Wissen aus, sondern vor allem durch ihre Lernbereitschaft und ihren Umgang mit Unsicherheit. Erfolgreich wird sein, wer KI so in Teams und Arbeitsprozesse integriert, dass Fairness, Inklusion und Vertrauen im Mittelpunkt stehen und Beschäftigte Technologie als Chance statt als Bedrohung wahrnehmen.

Wir stehen an einem Wendepunkt der KI-Entwicklung. Führungskräfte und Organisationen müssen jetzt grundlegende Entscheidungen treffen, wenn sie Wachstum durch diese Transformation sichern wollen. Die erfolgreichsten Führungspersönlichkeiten priorisieren nicht nur KI-Kompetenzen, sondern ebenso Verantwortung, Rechenschaft und jene menschlichen Qualitäten, die Technologie nicht ersetzen kann.

Unternehmen müssen das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden wieder stärker in den Mittelpunkt stellen und ihre Sorgen ernst nehmen, um die Voraussetzungen für Innovation zu schaffen. Nur wenn die Menschen, die die Arbeit leisten, gestärkt werden, lässt sich das Potenzial von KI zur Erweiterung menschlicher Kreativität wirklich entfalten.

Quelle: Pressemitteilung von catalyst

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Stefan Scheller

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