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Gläserne Decke, Stereotype & Karrierehürden: Frauen fehlen in IT- und Digitalberufen

Der Software-Entwickler, der Programmierer oder der Cloud-Engineer – das Klischee von der Männerdomäne IT hält sich hartnäckig: Auch im Jahr 2026 sind noch 43% der Unternehmen der Ansicht, Männer seien für IT- und Digitalberufe besser geeignet. In fast jedem zweiten Unternehmen (48%) herrscht die Meinung vor, IT- und Digitalberufe würden Frauen abschrecken.

Bitkom Befragung zu stereotypen IT-Rollenbildern

Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von mehr als 600 Unternehmen aller Branchen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom anlässlich des Weltfrauentags am 8. März. Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen verankert. Wenn IT-Berufe Frauen abschrecken oder ihnen zu wenig bekannt sind, ist das kein Naturgesetz. Es ist ein klarer Auftrag an Unternehmen, Bildung und Politik, Barrieren abzubauen und IT-Berufe für Frauen sichtbar und attraktiv zu machen.

Gleichstellung als Wettbewerbsfaktor für Unternehmen

Dabei bewerten deutsche Unternehmen Gleichstellung überwiegend positiv und sehen in ihr auch einen Faktor für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Mehr als drei Viertel (78%) der Unternehmen sagen, ohne Frauen verspiele die Wirtschaft ihre Zukunft. 65% sind der Auffassung, dass die Wirtschaft das IT-Fachkräfteproblem ohne Frauen nicht lösen kann. Zugleich wissen Unternehmen die Vorteile gemischter Teams zu schätzen. 9 von 10 Unternehmen (91%) sind der Auffassung, dass Teams aus Frauen und Männern das Betriebsklima verbessern und sich positiv auf die Unternehmenskultur auswirken. 8 von 10 (80%) sind überzeugt, dass gemischte Teams Produktivität und Kreativität im Unternehmen steigern.

Entsprechend wird Gleichstellung in vielen Unternehmen auch organisatorisch verankert: Mehr als ein Drittel (37%) verfügt über einen bzw. eine Gleichstellungs- bzw. Frauenbeauftragte, und fast ein Drittel (32%) hat einen oder eine Diversity-Verantwortliche. Insgesamt haben 42% mindestens eine dieser beiden Positionen eingerichtet, 27% sogar beide.

Frauenanteil in IT- und Digitalberufen weiterhin gering

In der beruflichen Praxis bleiben Frauen jedoch weiterhin unterrepräsentiert. In 58% der deutschen Unternehmen sind weniger als die Hälfte der Beschäftigten weiblich. Im Jahr 2025 waren es 64%. Ein Viertel der Unternehmen (25%) berichtet von einem annähernd ausgeglichenen Verhältnis von Frauen und Männern (2025: 19%). 13% beschäftigen mehr Frauen als Männer, im Vergleich zu 15% im Vorjahr.

Deutlich größer ist das Ungleichgewicht in IT- und Digitalfachbereichen. Bei diesen Tätigkeiten, wie der IT-Administration, Softwareentwicklung, aber auch in Abteilungen für digitale Transformation oder Künstliche Intelligenz beschäftigt keines der repräsentativ befragten Unternehmen (0%) mehr Frauen als Männer, so wie auch schon im Vorjahr. In 89% der Unternehmen sind weniger als die Hälfte der Stellen in IT- und Digitalfachbereichen mit Frauen besetzt. Im Vorjahr lag dieser Anteil mit 94% etwas höher. Lediglich 9% berichten hier von einem annähernd ausgeglichenen Geschlechterverhältnis (2025: knapp 4%).

Entsprechend kritisch fällt auch die internationale Einordnung aus: 67% der Unternehmen sehen die deutsche Wirtschaft beim Thema Gleichstellung in IT- und Digitalberufen unter den Nachzüglern, 17% meinen sogar, die deutsche Wirtschaft habe den Anschluss verpasst.

Wer digitale Transformation und KI erfolgreich gestalten will, kann es sich nicht leisten, auf die Hälfte der Talente zu verzichten. Gemischte Teams arbeiten produktiver und kreativer. Unternehmen, die Vielfalt fördern, verbessern deshalb nicht nur ihre Kultur, sondern stärken auch ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Was Frauen in IT- und Digitalberufen ausbremst

Aus Sicht der Wirtschaft sind die Gründe für den niedrigen Frauenanteil in IT- und Digitalberufen vielfältig und liegen häufig auch bei den Unternehmen selbst. Die Hälfte der Unternehmen (50%) sieht Hürden beim Wiedereinstieg, etwa fehlende Weiterbildungen während der Elternzeit, als zentralen Faktor. 48% nennen eine unzureichende Sensibilisierung von Führungskräften mit Personalverantwortung.

Zudem spielen Stereotype innerhalb der Unternehmen eine Rolle: 47% sehen männlich geprägte Rollenbilder als Hemmnis. 39% sprechen von einer „gläsernen Decke“, also einer strukturellen Benachteiligung von Frauen bei gleicher Qualifikation und Leistung. 35% geben an, Frauenförderung werde von Teilen der männlichen Belegschaft als ungerecht empfunden.

Auch politische Faktoren werden als Ursache genannt. Über die Hälfte der Unternehmen (55%) sieht Hürden beim Quereinstieg, 48% Defizite bei der Betreuungsinfrastruktur und 40% eine klischeebehaftete Berufsorientierung als Gründe für den geringen Frauenanteil.

Entscheidend ist, dass mehr Mädchen und junge Frauen früh mit IT in Berührung kommen. Dies kann geschehen durch bessere Berufsorientierung, praxisnahe Angebote und gezielte Qualifizierung. Aber auch neue Wege in der Rekrutierung weiblicher Fachkräfte und die Vereinfachung von Quereinstiegen können Unternehmen helfen, Frauen für IT-Berufe zu gewinnen.

Frauenanteil: 4 von 10 Unternehmen setzen sich Ziele

Grundsätzlich wünscht sich die deutsche Wirtschaft einen höheren Frauenanteil in IT- und Digitalfachbereichen. 4% der Unternehmen geben an, sich diesbezüglich interne Ziele gesteckt und diese schon erreicht zu haben. Fast jedes zehnte Unternehmen (9%) hat definierte Ziele mit Zeitplan. Ein Viertel der Unternehmen hat sich allgemeine Ziele gesteckt. 8% der Unternehmen planen Ziele, 15% diskutieren diese.

Allerdings gibt mehr als ein Drittel der Unternehmen (36%) an, keine Ziele zu haben und diese seien auch kein Thema. Diese Unternehmen haben nach eigenen Angaben nicht genügend qualifizierte Bewerberinnen (72%) oder sie setzen schlicht andere Prioritäten (57%).

Mehrheit nutzt Maßnahmen zum Recruiting von Frauen

Um tatsächlich mehr Frauen speziell für IT- und Digitalberufe zu gewinnen, setzt ein Großteil von 79% der Unternehmen mindestens eine Maßnahme zum gezielten Recruiting von Frauen ein. Am weitesten verbreitet sind demnach Kooperationen mit Hochschulen und Schulen, die 29% der Unternehmen bereits pflegen, um Frauen für IT- und Digitalberufe zu gewinnen. 25% bieten spezielle Einstiegsprogramme wie Traineeships an. 24% nutzen auf Frauen zugeschnittene Werbe- beziehungsweise Social-Media-Kampagnen, 23% sind auf frauenspezifischen Karriereevents oder -messen aktiv.

Frauenförderung allgemein in der Wirtschaft: Nicht alle ziehen mit

Über den IT-Bereich hinaus begegnet ein Teil der Unternehmen Frauenförderung weiterhin mit Vorbehalten – teils grundsätzlich, teils mit Blick auf die Umsetzung. So stimmen 20% der Befragten der Aussage zu, Frauenförderung belaste Unternehmen unnötig, 23% sagen, sie lohnt sich nicht. Mehr als ein Viertel (28%) hält Frauenförderung sogar für nicht mehr notwendig.

Überhaupt ist die Skepsis gegenüber der Frauenförderung weit verbreitet: 34% der Unternehmen sind der Auffassung, Frauenförderung wäre Männern gegenüber ungerecht, 35% sehen darin eine Ablenkung von wichtigeren Themen. Auch der Zweifel an der Glaubwürdigkeit vieler Initiativen fällt ins Gewicht: 38% sind der Ansicht, Frauenförderung werde häufig nur vorgeschoben – tatsächlich wollten viele Unternehmen in der Praxis nichts verändern.

Vor allem Vereinbarkeitsthemen im Fokus

Trotz dieser Vorbehalte bleibt Frauenförderung für viele Unternehmen ein relevantes Thema und die entsprechenden Maßnahmen werden weiter ausgebaut. Sowohl bei der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie als auch zur Unterstützung im Job nutzen Unternehmen aktiv Maßnahmen.

Am häufigsten setzen sie dabei auf mobiles Arbeiten: Aktuell geben 86% an, entsprechende Angebote umzusetzen oder zu planen, 2025 waren es 80%. Auch familienfreundlichere Arbeitsbedingungen legen zu und steigen von 66 auf 78%. Bei der direkten Karriereförderung bleibt Weiterbildung mit 72% auf hohem Niveau.

Besonders stark wächst Mentoring von 36 auf 51%. Frauenförderung darf nicht an Vorurteilen oder Symbolpolitik scheitern – sie muss im Alltag funktionieren. Die Zahlen zeigen: Viele Unternehmen werden aktiv, etwa bei flexiblen Arbeitsmodellen und Mentoring-Angeboten. Entscheidend ist jetzt, Maßnahmen konsequent umzusetzen und insbesondere dort nachzuschärfen, wo Strukturen Frauen noch ausbremsen.

Unternehmen sehen sich in der Verantwortung

Mehr als zwei Drittel der Unternehmen (68%) stimmen der Aussage zu, dass Unternehmen selbst dafür verantwortlich sind, den Frauenanteil in IT- und Digitalberufen zu erhöhen. Gleichzeitig ist auch die Politik aus Unternehmenssicht in der Pflicht: Keines der befragten Unternehmen sagt, es bedürfe keiner weiteren Maßnahmen der Politik, 2025 teilten noch 5% diese Meinung. Besonders häufig gefordert werden derzeit mehr Investitionen in Betreuungsinfrastruktur (71%) sowie Maßnahmen entlang der Bildungskette, etwa die Förderung des IT-Interesses von Mädchen und jungen Frauen (59%). Auch öffentliche Kampagnen bzw. Role-Model-Programme sehen 57% der Unternehmen als Maßnahme, die die Bundesregierung angehen sollte.

Frauenförderung ist nicht nur gut für die geförderten Frauen, sie ist mindestens ebenso gut für die fördernden Unternehmen. Unternehmen müssen Vielfalt selbst konsequent umsetzen, mit klaren Zuständigkeiten für Gleichstellung, mit Stellenausschreibungen, die Frauen gezielt ansprechen, mit besseren Quereinstiegswegen und sichtbaren Role Models.

Aber auch die Politik muss handeln

Gleichzeitig ist das ein Auftrag an die Politik: Dass kein einziges Unternehmen auf weitere politische Maßnahmen verzichten will, ist ein klares Signal. Vorrang muss der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur haben ebenso wie mehr Unterstützung entlang der Bildungskette, vom verpflichtenden Informatikunterricht bis zu gezielten Qualifizierungsprogrammen für Frauen.

Um Frauen für Karrieren in der digitalen Wirtschaft zu begeistern und Politik und Unternehmen bei der Förderung weiblicher Fach- und Führungskräfte zu unterstützen, engagiert sich der Bitkom in der Initiative #SheTransformsIT. Das interdisziplinäre Bündnis aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft setzt sich dafür ein, Mädchen und Frauen in der digitalen Welt zu stärken.

Viele Mädchen und Frauen entscheiden sich nicht gegen IT, weil sie es nicht können, sondern weil sie sich dort nicht sehen.

Quelle: Pressemitteilung von Bitkom

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Stefan Scheller

Stefan Scheller - Buchautor, Keynote Speaker, HR-Influencer auf PERSOBLOGGER.DEMein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und Top HR-Influencer betreibe ich diese Website und das gleichnamige HR Praxisportal. Vielen Dank für das Lesen meiner Beiträge und Hören meines Podcasts Klartext HR!

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