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Sprachbarrieren verschärfen den Fachkräftemangel

Sprachkenntnisse entscheiden darüber, ob Migrant:innen in Deutschland Zugang zum Arbeitsmarkt finden oder nicht. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter 658 internationalen Jobsuchenden, die bereits in Deutschland leben, durchgeführt von der Jobplattform für internationale und geflüchtete Talente Workeer in Zusammenarbeit mit der Sprachlernplattform Babbel.

Sprache ist größte Hürde für internationale Fachkräfte:

77% der Befragten würden trotz Sprachlücke sofort starten, doch deutscher Arbeitsmarkt macht es schwer. Diese Umfrage hat unter anderem ergeben: Sprachlevel bleiben die größte Hürde im Bewerbungsprozess. Für viele internationale Bewerber:innen sind Sprachanforderungen die größte Hürde: Rund ein Drittel bewirbt sich nicht, wenn sie glauben, das geforderte Deutsch-Level nicht zu erfüllen.

Auch viele Befragte mit B1/B2 – also dem Level, das viele Arbeitgeber offiziell verlangen – fühlen sich sprachlich nicht gewappnet für den Arbeitsmarkt. Das zeigt: Der Eintritt in den Arbeitsmarkt scheitert schon vor dem Bewerbungsprozess, noch bevor alle Qualifikationen überhaupt berücksichtigt werden. Die Befragten stammen überwiegend aus der Ukraine, gefolgt von der Türkei sowie Indien und Syrien.

Hohe Arbeitsbereitschaft trotz Sprachlücke – wenn digitale Unterstützung vorhanden ist

Gleichzeitig zeigt die Studie eine bemerkenswerte Motivation: 77% der Befragten würden einen Job sofort antreten, auch wenn ihre Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen. Vorausgesetzt, Arbeitgeber stellen digitale Übersetzungstools oder Sprachassistenten bereit.
Diese Bereitschaft zieht sich durch alle Sprachlevel. Selbst unter den Personen mit Grundkenntnissen (Level A1–A2) verfügen knapp 56% bereits über ein offizielles Sprachzertifikat, dennoch schrecken sie vor deutschen Stellenanzeigen zurück.
Die Daten zeigen zugleich: Wer gut Deutsch spricht, stößt auf neue Hürden. Befragte mit sehr guten Deutschkenntnissen berichten deutlich häufiger von fehlenden Informationen zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse sowie mangelnder Unterstützung durch Arbeitgeber (jeweils bis zu 19%).
Das verdeutlicht, dass Sprachkompetenz allein nicht ausreicht. Strukturelle Barrieren wie Anerkennungsverfahren und fehlende Orientierung bleiben selbst für gut integrierte Talente bestehen.

Transparenz schafft Orientierung und senkt Unsicherheit im Bewerbungsprozess

Die Angabe des Sprachniveaus in Stellenanzeigen beeinflusst das Bewerbungsverhalten deutlich:

  • Mehr als die Hälfte der Befragten bewirbt sich nur, wenn sie das geforderte Niveau erfüllen.
  • Nur jede vierte Person bewirbt sich auch, wenn das geforderte Niveau leicht über den eigenen Fähigkeiten liegt.

Das zeigt: Transparente und realistische Sprachanforderungen sind entscheidend. Gleichzeitig gibt jeder sechste Befragte an, sich nicht zu bewerben, wenn die Stellenanzeige oder Unternehmenswebsite nicht das Gefühl vermitteln, dass internationale Mitarbeitende willkommen sind, etwa weil die Stellenanzeige nur auf Deutsch verfasst ist. Arbeitgeber können internationale Talente schneller integrieren, wenn sie klare Sprachanforderungen kommunizieren, mehrsprachige Informationen bereitstellen und strukturierte Sprachförderung parallel zum Berufseinstieg anbieten. Sprache wird so nicht nur zur individuellen Lernaufgabe, sondern zu einem gemeinsamen Erfolgsfaktor für Unternehmen, Beschäftigte und den Arbeitsmarkt.

Digitale Lernangebote schlagen Präsenz – besonders bei jüngeren Menschen

Digitale Lernangebote werden von großen Mehrheiten bevorzugt, weil sie sich besser in den Alltag integrieren lassen und interaktive Formate ermöglichen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Online-Formate Herausforderungen bergen, insbesondere für Lernende mit geringen Deutschkenntnissen. Blended Learning, also die Kombination aus Präsenzunterricht und digitalen Lernapps, wird als besonders hilfreich bewertet.

  • 78 % bevorzugen digitale Lernangebote, bei den unter 40-Jährigen sind es 81 %.
  • Jüngere Lernende favorisieren häufiger interaktive Formate.
  • 83 % bewerten Blended Learning als hilfreich.

Sprachförderung wird zum entscheidenden Recruiting-Faktor

Auch beim Thema Weiterbildung senden die Befragten ein klares Signal an Unternehmen: Für 78% ist ein vom Arbeitgeber finanzierter Sprachkurs „sehr“ oder „relativ“ wichtig und damit ein entscheidender Faktor bei der Jobwahl.

Fazit: Riesiges ungenutztes Potenzial für den deutschen Arbeitsmarkt

Die Umfrage verdeutlicht eine wachsende Diskrepanz: Während viele Unternehmen Sprachkompetenz bereits vor Jobbeginn voraussetzen, sind internationale Talente bereit, sofort einzusteigen, wenn Lernangebote und technische Unterstützung vorhanden sind.
Mehrsprachige oder in einfacher Sprache aufbereitete Stellenanzeigen und Jobplattformen, die niedrigschwellige Bewerbungsmöglichkeiten anbieten, der Einsatz von Übersetzungstechnologien sowie strukturierte Sprachprogramme könnten kurzfristig Tausenden qualifizierten Bewerbenden den Einstieg erleichtern – und Unternehmen helfen, dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen.

Stefan Scheller

Stefan Scheller - Buchautor, Keynote Speaker, HR-Influencer auf PERSOBLOGGER.DEMein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und Top HR-Influencer betreibe ich diese Website und das gleichnamige HR Praxisportal. Vielen Dank für das Lesen meiner Beiträge und Hören meines Podcasts Klartext HR!

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