Jederzeit im laufenden Monat auf bereits verdiente Vergütungsbestandteile zugreifen? Das HR-Startup paygood bietet mit seiner App einen solchen Service für Mitarbeitende von Unternehmen. Wird damit die Entgeltabrechnung neu gedacht oder nur modern strukturiert? Mitgründer Kurt Beckers gibt mir Einblicke im Startup-Interview.
Was bietet paygood?
Hallo Kurt, magst Du Dich und paygood bitte kurz vorstellen?
Ich bin Kurt Beckers, Mitgründer von paygood. paygood ist aus langjähriger Erfahrung im HR- und Payroll-Umfeld entstanden und unterstützt Unternehmen dabei, leistungs- und zulagenbasierte Vergütungsbestandteile transparent abzubilden und zeitnah verfügbar zu machen.
paygood richtet sich an Unternehmen mit operativen Mitarbeitenden, bei denen variable Vergütung, Zuschläge oder Zulagen eine relevante Rolle spielen. Unser Fokus liegt auf einer sauberen Integration in bestehende HR- und Abrechnungsprozesse sowie auf der nachvollziehbaren Darstellung bereits erarbeiteter Ansprüche.
Echtzeit Entgelteinblicke
Gehaltsempfänger wissen in der Regel sehr gut Bescheid über ihre Einnahmesituation. Für wen bringt paygood einen Mehrwert?
paygood schafft vor allem dort Mehrwert, wo Vergütung im Arbeitsalltag aus mehreren variablen Bestandteilen besteht und für Mitarbeitende nur eingeschränkt nachvollziehbar ist. In vielen Unternehmen setzen sich Teile des Einkommens aus variablen Komponenten wie Zuschlägen, Boni, Spesen oder Zulagen zusammen, die erst zeitverzögert bzw. mit dem monatlichen Gehaltszettel sichtbar werden.
Die paygood App macht diese bereits erarbeiteten Vergütungsbestandteile laufend transparent. Das ist insbesondere für Mitarbeitende mit wechselnden Arbeitszeiten, projektbezogener Arbeit oder leistungsabhängigen Entgeltbestandteilen relevant. Unternehmen profitieren davon, weil Rückfragen zur Abrechnung reduziert und Entgeltbestandteile klar nachvollziehbar dargestellt werden.
Prozessanpassung in der Entgeltabrechnung
Im Regelfall gibt es im Unternehmen einen Zeitpunkt, zu dem die im jeweiligen Monat erbrachten Leistungen abgerechnet werden. Inwiefern sind für paygood Anpassungen an den Abrechnungsprozessen im HR erforderlich?
Grundsätzlich bleibt die monatliche Entgeltabrechnung unverändert bestehen. paygood greift nicht in den Abrechnungslauf ein, sondern bildet vorab bereits entstandene Vergütungsansprüche ab.
Erforderlich ist eine saubere Definition, welche Entgeltbestandteile für eine frühere Sichtbarkeit oder Verfügbarkeit geeignet sind und zu welchem Zeitpunkt sie als „verdient“ gelten. Diese Logik wird einmalig festgelegt und technisch abgebildet. HR- und Payroll-Prozesse müssen dafür nicht neu aufgebaut, sondern klar strukturiert und abgestimmt werden.
Vorteile für Mitarbeitende und Unternehmen
Dass Mitarbeitende von den Leistungen einer solchen App profitieren, leuchtet schnell ein. Welche Vorteile hat das Unternehmen bzw. die HR-Abteilung?
paygood schafft Transparenz und Planbarkeit in der Entlohnung und reduziert gleichzeitig operative Reibung in HR- und Payroll-Prozessen. Mitarbeitende sehen, wie sich ihre Vergütung zusammensetzt und wann welche Bestandteile entstehen. Das reduziert Rückfragen, Missverständnisse und manuelle Klärungen.
HR-Abteilungen gewinnen eine zusätzliche Möglichkeit, variable Vergütung strukturiert darzustellen, ohne Sonderprozesse in der Abrechnung zu schaffen. Gleichzeitig kann paygood ein unterstützendes Instrument zur Mitarbeiterbindung sein, insbesondere in operativen Bereichen mit hoher Fluktuation. paygood adressiert damit Faktoren, die in operativen Organisationen nachweislich Einfluss auf Fluktuation, Fehlzeiten und die Verlässlichkeit von Einsatzmodellen haben.
Reduzierte Kündigungsneigung
Unzufriedenheit entsteht in vielen operativen Rollen weniger durch die Höhe der Vergütung als durch fehlende Transparenz und zeitverzögerte Anerkennung von Leistung. Die laufende Sichtbarkeit bereits erarbeiteter Vergütungsbestandteile sowie ein klar geregelter Vorabzugriff können diese Reibung reduzieren und zur Stabilisierung von Beschäftigungsverhältnissen beitragen.
Geringere Fehlzeiten und höhere Einsatztreue
Finanzielle Engpässe sind ein häufiger, aber oft unterschätzter Faktor für kurzfristige Abwesenheiten oder reduzierte Einsatzbereitschaft. Transparente Verfügbarkeit verdienten Entgelts kann den Druck auf Mitarbeitende verringern, informelle oder kurzfristige Lösungen zu suchen. paygood wirkt dabei nicht als Anreizsystem, sondern als strukturierende Vergütungsinfrastruktur.
Stabilere operative Planung
In Arbeitsmodellen mit Schichtarbeit, projektbezogenen Einsätzen oder variabler Vergütung unterstützt eine nachvollziehbare Vergütungslogik eine verlässlichere Einsatzplanung und reduziert kurzfristige Ausfälle.
Für Mitarbeitende bedeutet paygood mehr Transparenz über variable und leistungsabhängige Vergütungsbestandteile zu gewinnen, die im Alltag häufig erst verzögert sichtbar sind. Bereits erarbeitete Ansprüche werden nachvollziehbar dargestellt und klar von noch nicht verdienten Bestandteilen abgegrenzt.
Ergänzend bietet paygood mit KnowGood kontextbezogene Informationen zu finanziellen Fragestellungen rund um Lohn, Auszahlung und Nutzung. Ziel ist es, Mitarbeitenden eine bessere Einordnung zu ermöglichen, ohne individuelle Beratung zu ersetzen.
Der optionale frühere Zugriff auf definierte Vergütungsbestandteile ermöglicht es zudem, kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken, ohne auf Vorschüsse, Kredite oder informelle Absprachen angewiesen zu sein.
Schnittstellen
Welche Schnittstellen benötigt paygood und welche Auswirkungen hat der Einsatz Eurer App auf das eingesetzte Entgeltabrechnungssystem?
paygood wird an bestehende Zeit-, Leistungs- oder HR-Systeme angebunden, aus denen die relevanten Vergütungsdaten stammen. Dazu zählen beispielsweise Zeiterfassungssysteme oder Systeme zur Leistungsbewertung.
Das Entgeltabrechnungssystem selbst bleibt führend und unverändert. paygood übernimmt keine Abrechnung, sondern stellt vorab Informationen bereit. Die finale Lohn- und Gehaltsabrechnung erfolgt weiterhin im bestehenden System. Dadurch bleibt die Systemlandschaft stabil und revisionssicher.
Vorabzugriff auf verdiente Vergütung
Mit paygood können Mitarbeitende auch vor dem klassischen Auszahlungszeitpunkt auf verdiente Vergütungsbestandteile zugreifen. Welche Herausforderungen bringt das mit sich, z.B. unter den Stichworten Fehler, Korrekturen oder auch Transaktionskosten für häufigere Überweisungen?
Ein früherer Zugriff erfordert klare Regeln. Nicht alle Entgeltbestandteile eignen sich gleichermaßen, etwa wenn nachträgliche Korrekturen möglich sind. Deshalb wird im Vorfeld definiert, welche Bestandteile freigegeben werden und wie mit möglichen Abweichungen umzugehen ist.
Korrekturen werden transparent dokumentiert und im regulären Abrechnungslauf berücksichtigt. Transaktionskosten und Überweisungslogiken werden so gestaltet, dass sie für Unternehmen kalkulierbar bleiben. Ziel ist es, zusätzliche Komplexität zu vermeiden und bestehende Prozesse nicht zu belasten.
Weiterentwicklung von paygood
Wie sehen Eure mittel- und langfristigen Ziele mit der App aus?
Kurz- bis mittelfristig liegt der Fokus von paygood auf der weiteren Standardisierung und Skalierung von Vergütungslogiken sowie dem Ausbau von Schnittstellen zu Zeit-, Leistungs- und Abrechnungssystemen.
Langfristig entwickeln wir paygood schrittweise zu einem zentralen Einstiegspunkt für Mitarbeitende, wenn es um den Umgang mit verdientem Einkommen geht. Ausgangspunkt bleibt stets die Vergütung im Unternehmenskontext.
Geplante Erweiterungen umfassen unter anderem:
- den Ausbau von KnowGood zur finanziellen Informations- und Orientierungshilfe
- automatisierte Sparfunktionen, bei denen Mitarbeitende Ziele definieren und Teile ihres verdienten Einkommens strukturiert zurücklegen können,
- sowie zusätzliche Zahlungs- und Nutzungsmöglichkeiten auf Basis vorhandener Guthaben.
paygood versteht sich als strukturierende Schicht zwischen Vergütung, Nutzung und finanzieller Orientierung – mit dem Anspruch, Vergütung für Mitarbeitende verständlicher und für Unternehmen besser steuerbar zu machen.
Ausgangspunkt bleibt dabei stets die Vergütung im Unternehmenskontext. Unser Anspruch ist es, Vergütung nicht nur korrekt abzubilden, sondern für Mitarbeitende verständlicher und für Unternehmen besser steuerbar zu machen.
Vielen Dank für Deine Antworten, Kurt. Für Euer Startup paygood wünsche ich weiterhin viel Erfolg.
Über den Interviewten

Kurt Beckers ist Mitgründer von paygood und beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit digitalen Vergütungsmodellen und HR-Prozessen. Sein Fokus liegt auf der Verbindung von operativer Realität, Payroll-Anforderungen und technischer Umsetzbarkeit.
Zuvor war er in verschiedenen Rollen im Bereich HR-naher Softwarelösungen tätig.
>> LinkedIn-Profil von Kurt Beckers

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und Top HR-Influencer betreibe ich diese Website und das gleichnamige 




Newsletter