HR-Professionals und KI

HR-Professionals und KI: Ambivalente Vorreiter in einem paradoxen Arbeitsmarkt

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich aktuell so paradox wie noch nie: Während in einigen Branchen händeringend nach Fachkräften gesucht wird, steigt die Zahl der Arbeitslosen. In diesem Spannungsfeld stehen HR-Fachkräfte vor neuen Herausforderungen, bei deren Bewältigung KI helfen kann. Zeit für einen Status Quo: Wie stehen deutsche HR-Professionals zu Künstlicher Intelligenz? Und wie nutzen sie KI im Arbeitsalltag? Individuelle Erfahrungen und Sichtweisen begegnen uns in diesem Kontext jeden Tag – aber wie sieht es insgesamt in der Branche aus? Antworten von Gastautor Marc Oliver Nissen, LinkedIn.

LinkedIn-Daten zum Arbeitsmarkt

Bei LinkedIn setzen wir auf Daten. Sie ermöglichen es uns, den Arbeitsmarkt zu verstehen, Trends in Echtzeit zu erkennen und Vorhersagen zu treffen. Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage haben wir vor kurzem untersucht, wie deutsche Arbeitnehmer:innen KI wahrnehmen und anwenden und haben jetzt speziell die HR-Branche unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: HR-Professionals stechen im Vergleich deutlich hervor. Sie zeigen sich KI-affiner, lernbereiter und optimistischer als andere Berufsgruppen, nutzen KI häufiger und experimentieren gerne. Gleichzeitig empfinden sie mehr Druck, mit dem rasanten Wandel Schritt zu halten und die steigenden Erwartungen zu erfüllen, sowohl in Bezug auf Produktivität als auch Karriereentwicklung. Man kann sagen: HR-Professionals sind ambivalente Vorreiter.

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Wie HR den Wandel mit KI gestaltet

Unsere Umfrage zeigt: Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz hat sich in der HR-Welt längst etabliert – und das mit wachsender Selbstverständlichkeit:

83% der HR-Mitarbeitenden setzen KI regelmäßig bis täglich ein. Das sind deutlich mehr als der Durchschnitt aller Berufsgruppen, der bei 66 Prozent liegt. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Einsatz nicht nur häufiger, sondern auch selbstbewusster geworden.

Dieser Trend geht mit einer positiven Grundhaltung einher:

  • Zwei Drittel der HR-Fachkräfte (66%) zeigen sich optimistisch, dass KI ihre tägliche Arbeit verbessert – ein Wert, der ebenfalls über dem Gesamtdurchschnitt (58%) liegt.
  • Auch die Freude am Lernen und Experimentieren ist ausgeprägt: 61% der HR-Mitarbeitenden geben an, Spaß daran zu haben, neue KI-Anwendungen auszuprobieren, verglichen mit 55% im Durchschnitt.

KI spielt dabei nicht nur in Bezug auf Effizienzgewinn eine zunehmend wichtige Rolle:

  • Mehr als die Hälfte der HR-Fachkräfte (54%) berichtet, dass KI ihnen hilft, sicherer Entscheidungen zu treffen.
  • 28% der HR-Mitarbeitenden geben an, durch KI mehr Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen zu haben.
  • 65% der Befragten glauben, dass KI die Karrieremöglichkeiten für Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen erweitert.

Wo HR-Fachkräfte an Grenzen stoßen

So groß die Chancen durch den Einsatz von KI sind, die Veränderungen bringen auch Herausforderungen mit sich, wie die Daten von LinkedIn zeigen:

Fast die Hälfte der HR-Mitarbeitenden (46%) fühlt sich durch die Geschwindigkeit des Wandels im Job überfordert. Damit liegt ihr Belastungsempfinden deutlich über dem Durchschnitt aller Berufsgruppen (40%).

Auch die Sorge, im Zuge der technologischen und strukturellen Veränderungen beruflich den Anschluss zu verlieren, ist weit verbreitet: 40% der HR-Fachkräfte teilen diese Befürchtung – verglichen mit 34% im Durchschnitt. Der Wandel wird nicht nur als rasant, sondern auch als potenziell ausgrenzend erlebt.

Hinzu kommt ein spürbarer Erwartungsdruck:

42% der Befragten geben an, dass sie KI bereits zur Produktivitätssteigerung einsetzen sollen, obwohl sie sich noch mitten im Lernprozess befinden. Dieser Druck ist höher als in anderen Berufsgruppen (36%) und zeigt, wie stark die Anforderungen an HR-Teams gestiegen sind.

Auch die Karriereperspektive ist zunehmend mit technologischer Kompetenz verknüpft:

43% der HR-Mitarbeitenden glauben, dass sie KI beherrschen müssen, um befördert zu werden oder sich erfolgreich zu bewerben. Damit liegt dieser Wert deutlich über dem Durchschnitt von 36%.

HR braucht gezielte Unterstützung

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: HR-Teams nehmen bei der Einführung und Adaption von KI eine zentrale Vorreiterrolle ein und treiben Innovationen im Unternehmen aktiv voran.

Gleichzeitig stehen sie vor der anspruchsvollen Aufgabe, mit der schnellen technologischen Entwicklung Schritt zu halten und den wachsenden Erwartungen an Produktivität und Kompetenz gerecht zu werden. Jetzt kommt es darauf an, dass Unternehmen ihre HR-Teams gezielt unterstützen durch klare Strukturen, kontinuierliche Weiterbildung und den offenen Austausch innerhalb der Belegschaft.

Denn angesichts des herausfordernden Arbeitsmarktes muss HR eine strategische Schlüsselrolle einnehmen, damit Unternehmen zukunftsfähig bleiben.

HR im Spannungsfeld zwischen Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit

Der deutsche Arbeitsmarkt ist zerrissen, man spricht vom “Arbeitsmarkt-Paradox”. Während in manchen Branchen immer noch dringend Fachkräfte gesucht werden, steigt die Zahl der Arbeitslosen. Das hat sowohl konjunkturelle als auch strukturelle Gründe: Die wirtschaftliche Zurückhaltung sorgt zumindest temporär für einen stärkeren Konkurrenzdruck unter Jobsuchenden, gleichzeitig prägen der demografische Wandel und die technologische Transformation den Arbeitsmarkt langfristig. Das alles macht die Arbeit von HR-Teams deutlich herausfordernder.

Eine LinkedIn-Umfrage aus dem Dezember 2024 zeigt: 77% der deutschen HR-Verantwortlichen sehen bei Talenten eine deutliche Lücke zwischen den vorhandenen und den künftig benötigten Fähigkeiten. Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der zunehmende Einsatz von KI in Arbeitsprozessen, wodurch sich Berufsbilder und Karrierewege grundlegend verändern. Unsere LinkedIn-Daten zeigen: Seit 2015 hat sich rund ein Viertel der für Jobs relevanten Skills gewandelt. Bis 2030 wird dieser Anteil voraussichtlich auf 70 Prozent steigen.

KI als Schlüssel für ein zukunftsfähiges Talentmanagement

Um dieser Entwicklung zu begegnen, muss HR in der Lage sein, das Potenzial von KI voll auszuschöpfen. Wie unsere aktuelle Umfrage zeigt: Motivation, Lernbereitschaft und Experimentierfreude sind da. Das sind die besten Voraussetzungen. KI revolutioniert HR-Prozesse, indem sie sie nicht nur schneller, sondern besser macht, besonders, wenn es darum geht, passende Talente zu finden und zu fördern.

Gerade in einer Zeit, in der sich Anforderungen und Jobrollen rasant verändern und Menschen nicht mehr mit einem fertigen Skill-Set ins Berufsleben starten, müssen in der HR-Arbeit das Erkennen und Entwickeln von Fähigkeiten in den Fokus rücken. KI kann hier wesentlich dazu beitragen, diesen Wandel zu meistern:

  • Skills-based Hiring: Unternehmen, die im Einstellungsprozess den Fokus auf Fähigkeiten statt Abschlüsse oder Jobtitel legen, vergrößern ihren Talentpool um das 6-fache, in der Generation Z sogar um das 6,7-fache, zeigen Daten von LinkedIn. Denn Kompetenzen, die auf den ersten Blick nicht ins Raster typischer Jobprofile fallen, aber für die Rolle entscheidend sein können, finden dadurch Beachtung. KI-gestützte Tools und Agenten unterstützen diesen Ansatz im Recruiting und helfen, Potenziale sichtbar zu machen, die in klassischen Auswahlprozessen bislang oft übersehen wurden.
  • Strategische Weiterbildung und interne Mobilität: “Nur” zu suchen, reicht angesichts des Fachkräftemangels und des rasanten Wandels der Anforderungen nicht mehr aus. Häufig schlummern die größten Potenziale bereits im eigenen Unternehmen. Sie nicht zu entdecken und nicht zu fördern, können sich Arbeitgeber heute nicht mehr leisten. Eine enge Zusammenarbeit zwischen HR und den operativen Geschäftsbereichen wird somit unerlässlich. KI-gestützte Lösungen können hier unterstützen, indem sie vorhandene und benötigte Kompetenzen datenbasiert analysieren und individuelle Entwicklungspfade aufzeigen.
  • Zeit fürs Wesentliche: Von der Optimierung von Stellenanzeigen über die Automatisierung administrativer Abläufe bis hin zur intelligenten Analyse von Lebensläufen – KI-gestützte Tools übernehmen zunehmend zeitintensive Routineaufgaben. Unternehmen berichten von einer durchschnittlichen Entlastung um fast einen Arbeitstag pro Woche. Das schafft Raum für die strategische Personalplanung und -entwicklung sowie für das, was den Kern von HR-Arbeit ausmacht: echte menschliche Interaktion.
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Marc Oliver Nissen

Marc Oliver Nissen

 

 

Marc Oliver Nissen ist Director bei LinkedIn Talent Solutions für die DACH-Region. Er begleitet Unternehmen bei der digitalen Transformation in Sachen Social Recruiting und Employer Branding mit Fokus auf ethische KI, Talententwicklung und nachhaltige Geschäftsstrategien.

>> LinkedIn-Profil von Marc Oliver Nissen

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