Hohe Lernlast im Studium mit der Aussicht auf lange Nachtschichten, unzählige Überstunden und täglich überbordende Aktenberge, die bearbeitet werden müssen. Der Juristenberuf ist geprägt von einem extrem hohen Zeit- und Leistungsdruck. Das belastet nicht nur viele Jurastudierende, es beeinflusst sie auch maßgeblich bei der späteren Berufswahl. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Lernplattform Jurafuchs, bei der angehende Juristen zu aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen sowie zu ihren Zukunftsvorstellungen und eigenen Prinzipien befragt wurden.
Jurastudium für jeden Vierten intensiver als ein Vollzeitjob
Ein Nebenjob parallel zum Jurastudium ist für die meisten Studierenden gar nicht machbar: Jeder zweite Befragte wendet mindestens 30 Stunden pro Woche für das Studium auf. Davon lernen 16,4% sogar zwischen 40 und 50 Stunden und 5,6% mehr als 50 Stunden pro Woche. Das spiegelt sich auch im Leistungsdruck wider, mit dem knapp ein Drittel (32,2%) schlecht klarkommt. Demgegenüber kommen nur 24,6% gut bzw. sehr gut mit den Anforderungen des Studiums zurecht, 43,2% stufen den Leistungsdruck als durchschnittlich ein.
Entsprechend groß ist auch die Sorge unter den Studierenden, dass das hohe Arbeitspensum nach dem Studium nicht abnimmt: 42,8% haben im Hinblick auf die eigene berufliche Zukunft vor allem Angst vor der fehlenden Work-Life-Balance im Juristenberuf.
Neben der Arbeitslast gehören auch moralische Bedenken zu den Sorgen unter den Studierenden: 38,5% nennen die Spannung zwischen Gesetz und gefühlter Gerechtigkeit als zentrale berufliche Herausforderung. Zweitrangig ist hingegen die emotionale Belastung durch bestimmte Fälle sowie der Konflikt zwischen Geld und Mandantenwohl, den 10,6 bzw. 8,2% als Herausforderung sehen.
Fast niemand möchte Pflichtverteidiger werden – Richter zweitbeliebtester Berufswunsch
Bei der Frage, in welchem Bereich die angehenden Juristen später mal arbeiten möchten, beeinflusst die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben ebenfalls die Berufswahl. Der Arbeit in einer Großkanzlei etwa, die den Ruf hat, besonders zeitintensiv zu sein, möchten nur 10,7% nachgehen. Am beliebtesten ist hingegen ein Arbeitsplatz in einer mittelständischen Kanzlei, den sich 14,8% wünschen.
Ein öffentliches Amt als Richter bzw. als Staatsanwalt möchten immerhin 14,3 bzw. 11,1% bekleiden, weitere 11,3% sehen sich perspektivisch im Staatsdienst in der Verwaltung oder in Ministerien. Damit ist das Richteramt der zweitbeliebteste Berufswunsch unter den Studierenden.
Die Nachbesetzung in Deutschlands Staatsanwaltschaften und von Berufsrichtern ist besonders relevant: Bereits jetzt ziehen sich Verfahren aufgrund der langen Bearbeitungsdauer in die Länge, ein Problem, das mit dem anhaltenden Personalmangel nicht kleiner wird. Verschwindend gering ist hingegen der Anteil an Befragten, die später in der Pflichtverteidigung arbeiten möchten: Nur 2,9% können sich zukünftig die Arbeit in diesem Feld vorstellen.
Jeder dritte Befragte sieht keinen Mehrwert im Einsatz von KI im Rechtsbereich
Der Einsatz von KI-Modellen wird zukünftig die Arbeit im Rechtsbereich maßgeblich prägen, was die Mehrheit der Befragten als Bereicherung empfindet. 60,1% sehen das Potenzial, dass KI-Tools bei der Bearbeitung von Routineaufgaben unterstützen können.
Nicht alle Studierenden denken jedoch, dass der Einsatz von KI vorteilhaft ist. 27,9% aller Befragten sind der Meinung, dass KI bei der Bearbeitung wiederkehrender Aufgaben nicht gut unterstützen kann, weitere 12% können es nicht beurteilen. Zudem machen sich 32,5% aufgrund der Entwicklung von KI Sorgen um den eigenen Job. Unter denen, die in der Nutzung von KI bei Routineaufgaben keinen Mehrwert sehen, liegt der Anteil sogar bei 70%.
Das zeigt, dass die Skepsis gegenüber dem Nutzen von KI mit deutlich höheren Jobängsten einhergeht.
Quelle: Pressemitteilung von Jurafuchs
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