Skill Gap schließen und Fachkräftemangel begegnen durch Automatisierung im Fertigungsbetrieb

Skill Gap schließen: Fertigungsunternehmen müssen mehr automatisieren

Mitarbeitende in Fertigungsunternehmen haben zunehmend mit einem sog. Skill Gap zu kämpfen. Um den Mangel an Arbeitskräften zu kompensieren, kommt dabei auch das Thema Automatisierung ins Spiel. Einblicke von Mascha Tamarinof, Valtech.

Defizit an qualifizierten Arbeitskräften

Die deutsche Industrie hat nach wie vor ein Defizit an qualifizierten Arbeitskräften. Auch die Fertigungsindustrie hat Probleme, qualifiziertes Personal zu finden und so die Produktivität aufrechtzuerhalten.

Das wissen auch die Führungskräfte der Branche. Der Studie von Valtech The Voice of Digital Leaders in Manufacturing zufolge geben 38 Prozent der Befragten an, dass der Fachkräftemangel eine der größten externen Bedrohungen für Unternehmen ist – von der Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden bis hin zu deren Ausbildung. Der Arbeitskräftemangel steht an dritter Stelle der externen Bedrohungen und stellt den bedeutendsten langfristig wirkenden Effekt dar. Laut einer Studie von Gartner Peer Insights und Valtech über die digitale Transformation in der Fertigungsindustrie fehlt es mehr als einem Drittel der Führungskräfte in der Fertigungsindustrie an Personal oder speziell an Fachkräften.

Handlungsfeld: Qualifizierung von Arbeitskräften

Diese Ergebnisse zeigen, dass es für Fertigungsunternehmen noch viel zu tun gibt bei der Qualifikation von Arbeitskräften. Denn nur so bleibt die Branche wettbewerbsfähig. Angesichts der raschen Digitalisierung und des Technologiebooms nach der Pandemie, kommt es nun besonders auf ein schnelles Handeln an.

Reagieren Hersteller dagegen zu langsam, verlieren sie nicht nur an Expertise. Sie verlieren auch die Fähigkeit, Innovationen für ihre Kund:innen voranzutreiben – das betrifft sowohl die Produkte als auch die Customer Experience. Auf der anderen Seite ist es eine Herausforderung, die Zeit und Mittel für interne Schulungsprogramme zu finden.

Was können Unternehmen also tun, um ihre Mitarbeitenden trotz Herausforderungen und knapper Ressourcen weiterzubilden?

Ist Automatisierung die Antwort?

Automatisierung und künstliche Intelligenz sind in der Öffentlichkeit oft negativ besetzt. Das ist verständlich, denn Automatisierung kann in vielen Fällen auch Arbeitsplätze bedrohen. Wenn Automatisierung und Digitalisierung jedoch nicht als Ersatz für Arbeitskräfte, sondern zur Unterstützung von Arbeitskräften eingesetzt werden, können neue Technologien die Branche positiv verändern.

Derzeit verlassen sich Fertigungsunternehmen noch zu sehr darauf, dass Mitarbeitende repetitive Aufgaben ausführen und so ein reibungsloses Funktionieren der globalen Lieferketten gewährleisten. Die Implementierung von KI- und Digitalisierungstools dagegen kann die Produktivität am Arbeitsplatz steigern und dabei auch die Stabilität der Lieferketten verbessern. Beispielsweise kann die intelligente Dokumentenerkennung dazu beitragen, Arbeitsschritte zu rationalisieren und unstrukturierte, analoge Informationen in Echtzeitdaten umzuwandeln. Das befreit Mitarbeitende von repetitiven Aufgaben, wodurch sie mehr Zeit für Weiterbildungen haben.

Moderne Kundenportale und Self-Service-Optionen

Unternehmen haben mit modernen Kundenportalen zudem die Möglichkeit, Prozesse rund um den Vertrieb und die Bestellabwicklung effizienter zu gestalten – und gleichzeitig den Kund:innen mehr Self-Service-Optionen an die Hand zu geben. Durch engste Verbindungen von Back-Office- und Front-End-Prozessen entfallen Zwischenschritte bei der Bestellabwicklung und Pflege von Kundenkontakten.

Mit Hilfe dieser integrierten Portale können Unternehmen zeitaufwändige und repetitive Aufgaben für Vertriebsmitarbeitende reduzieren. Das führt zu weniger Fehlern und Mitarbeitende können sich auf werthaltigere Aufgaben wie Beratungsgespräche oder Strategie konzentrieren.

Qualifizierte Fachkräfte anwerben

Der Einsatz von digitalen Tools und mehr Automatisierung über Abteilungen hinweg könnte tatsächlich der Schlüssel zur Abschwächung des Fachkräftemangels sein. Richtig implementiert können sich qualifizierte Arbeitskräfte so auf Tätigkeiten konzentrieren, die einen echten Mehrwert schaffen und mittelfristig nicht durch Technologie ersetzt werden können.

Die gute Nachricht: Unternehmen sind bereit, langfristig zu denken. Das bestätigt der Trend zum „Labour Hoarding“. Das heißt sie behalten Fachkräfte auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten, um den Unternehmenserfolg langfristig abzusichern. Doch das allein ist nicht ausreichend.

Daher stellt sich die Frage: Wie genau kann Automatisierung zur Lösung des Skill Gap beitragen?

Gerade jüngere Mitarbeitende wünschen sich auch in der Fertigungsindustrie zunehmend hybride Arbeitsplatzmodelle. Damit die Branche für diese Generation attraktiv bleibt, muss sie jetzt in die Digitalisierung von Kernprozessen investieren, da dies die grundlegende Voraussetzung für effizientes Arbeiten im Home-Office ist.

Viele große Hersteller haben zudem mit dem Ausscheiden von Fachkräften zu kämpfen, die das Rentenalter erreichen. Um deren Erfahrungen an die jüngeren Arbeitskräfte weitergeben zu können, müssen Unternehmen daher jetzt schnell handeln und mehr Zeit für Trainings schaffen. Auch hierbei kann die Automatisierung helfen, um den wachsenden Skills Gap zu schließen.

Darüber hinaus investieren auch mittelständische Unternehmen zunehmend in die Entwicklung von Metaverse-basierten Schulungen. Durch die augmentierte Lernumgebung können Unternehmen und Mitarbeitende eine Verbesserung der Produktivität und Effizienz dieser Angebote erwarten.

Was die Zukunft bringt…

In Zeiten des Fachkräftemangels müssen Unternehmen sicherlich abwägen, welche Mitarbeitenden die Zeit haben, Schulungen zu besuchen. Die Automatisierung kann jedoch neue Ressourcen freilegen, indem über Abteilungen hinweg manuelle Aufgaben wegfallen. Dies verschafft den Mitarbeitenden letztendlich mehr Freiraum, sich ihrer beruflichen Entwicklung zu widmen.

Wie in der Valtech-Studie The Voice of Digital Leaders in Manufacturing zusammengefasst: „Die Digitalisierung ermöglicht es uns, die Produktivität zu steigern, ohne die Zahl der Mitarbeitenden zu erhöhen.“ Bei der Überwindung des Fachkräftemangels geht es schlussendlich nicht darum, alles zu automatisieren und menschliche Arbeitskräfte entbehrlich zu machen.

Ganz im Gegenteil: Es geht darum, Menschen, wertschaffendere Aufgaben zuzuweisen, um mehr Innovationen möglich zu machen. Vor allem aber geht es darum, in die Mitarbeitenden zu investieren, um langfristig bessere Ergebnisse zu erzielen.

Fertigungsunternehmen müssen in digitale Fähigkeiten investieren

Es besteht kein Zweifel daran, dass Fertigungsunternehmen in ihre digitalen Fähigkeiten investieren müssen. Alle Abteilungsleiter:innen zu ermutigen, sich von Legacy-Systemen zu verabschieden und sie durch neue, zukunftssichere Technologien zu ersetzen, ist der erste Schritt auf dem Weg zu einem wirklich digitalen Unternehmen. Wenn diese neuen Systeme implementiert wurden und von den Führungskräften mitgetragen werden, können Unternehmens so ihre Kernprozesse und Schulungen verbessern.

Fest steht: Da die Digitalisierung von Kernprozessen ohnehin eine lohnende Investition ist, sollte sie auch dafür genutzt werden, den Skills Gap zu schließen. So bleibt Unternehmen die Innovationskraft erhalten, es können neue Produkte entwickelt und Kund:innen besser betreut werden. Am Ende profitieren Fertigungsunternehmen, Mitarbeitende und Kund:innen gleichermaßen.

Mascha Tamarinof

Mascha Tamarinof von Valtech

 

Mascha Tamarinof ist Global vertical lead B2B bei Valtech. Sie hat einen Schwerpunkt auf Transformationsprozesse im B2B-Bereich mit all ihren Komplexitäten und begleitet Herausforderungen im gesamten B2B-Spektrum.

Sie unterstützt das Wachstum des B2B-Geschäfts bei Valtech durch Thought Leadership und ist Gastgeberin des Lets‘ Talk B2B-Netzwerks für die Fertigungsindustrie und Händler. 

>> LinkedIn-Profil von Mascha Tamarinof

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