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Fachkräfte-Nachfrage trübt ein – Hays Index Q3/2022

Dass es um die Stimmung in der deutschen Wirtschaft aktuell nicht zum Besten steht, lässt sich auch am aktuellen Hays-Fachkräfte-Index für das dritte Quartal 2022 ablesen. Der bereits im Vorquartal sichtbare Nachfragerückgang bei den Stellenausschreibungen für Fach- und Führungskräfte hat sich im aktuellen Quartal nochmals bestätigt.

Fachkräfte Index von Hays für Q2 2022

Demnach sinkt der Wert im dritten Quartal 2022 erneut um 15 Prozentpunkte (von +147 auf 132%) verglichen mit dem zweiten Quartal. Zwar befindet sich die Nachfragesituation insgesamt auf einem sehr hohen Niveau, dennoch dürfte die aktuelle Flaute ein Indikator für die verhaltene Rekrutierung aufgrund von Preissteigerungen, Inflation sowie der drohenden Rezession sein. Unternehmen schauen verstärkt auf Einsparpotenziale und den Return on Investment anstatt in weitere personelle Kapazitäten zu investieren. 

Suche nach Finance-/ Life Science-Fachkräften trotzt Abwärtstrend

Ein Lichtblick: Die Nachfrage nach Finanz- und Life Science-Spezialisten scheint ungebrochen, auch wenn der Anstieg in Summe nur einen Prozentpunkt ausmacht. Gute Jobaussichten bieten sich vor allem für Finanzanalysten (+4 PP), Finanzbuchhalter (+ 12 PP) sowie Risikomanager (+ 8 PP). Denn in der jetzigen Situation geht es den meisten Unternehmen darum, verstärkt Risikobewertungen vorzunehmen und Einsparpotenziale zu identifizieren. Auch die Nachfrage nach Life Science-Spezialisten ist dank Corona nach wie vor im Aufwind. Nachdem sie im Vorquartal deutlich zurückgegangen war (- 53 PP auf 238), gab es in diesem Quartal einen zaghaften Zuwachs von einem Prozentpunkt auf 239%. Den deutlichsten Zuwachs verzeichnen Data Scientists (+ 16 PP) und Medical Advisors (+ 24 PP). Die Corona-Pandemie hat der gesamten Branche einen deutlichen Nachfrageschub verschafft.

HR-Fachkräfte werden weniger nachgefragt

Den deutlichsten Rückgang verzeichnet der Index bei den Personalern. Um insgesamt 47 Prozentpunkte (Vorquartalswerte) ebbt ebenfalls die Nachfrage nach den vormals noch stark gesuchten Personal-Fachkräften ab. Erwartungsgemäß sind vor allem Stellengesuche von Recruitern (-110 Prozentpunkte/Vorquartal) zurückgegangen. Denn wo weniger Fachkräfte eingestellt werden, braucht man folglich auch weniger Recruiter. Auch die im Vorquartal vielgefragte Berufsgruppe der Employer Branding Manager verzeichnet erstmals seit der Corona-Krise eine sinkende Nachfrage (- 27 PP auf 384).

Suche nach IT-Fachkräften flaut ab

Nachdem die Nachfrage nach IT-Spezialisten seit Ersterhebung des Index im Jahr 2015 kontinuierlich stieg, weist er seit Beginn des Jahres erstmals weniger IT-Stellengesuche aus. Für das dritte Quartal brach die Gesamtnachfrage um 12% ein, wobei absolut gesehen immer noch über 100.000 IT-Jobs pro Monat ausgeschrieben werden. Der Blick auf die Positionen ergibt ein gemischtes Bild: Während IT-Administratoren und -Projektmanager sowie Entwickler für Embedded Systems nach dem Rückgang im Vorquartal wieder etwas stärker gesucht werden, ist die Nachfrage nach IT-Security Spezialisten (- 28 PP) und IT-Architekten (- 12 PP) gesunken. Aktuell wird unternehmensintern insofern auf die Kostenbremse gedrückt, als dass der Return on Investment laufender Projekte stärker hinterfragt wird. Bau, IT und Handel suchen weniger Fachkräfte

Betrachtet man die Entwicklung der verschiedenen Branchen weist der Index für Q3 in nahezu allen Bereichen weniger Stellengesuche aus. Lediglich die Öffentliche Verwaltung und die Personaldienstleister verzeichnen leichte Zuwächse. Mit einem Rückgang um 37 Prozentpunkte auf 208% erfährt die IT-Branche den stärksten Rückgang, gefolgt vom Handel (- 27 PP auf 141) und dem Baugewerbe (- 25 PP auf 195). Letztere Entwicklungen dürften in direktem Zusammenhang mit der abnehmenden Kaufkraft und gestiegenen Bauzinsen stehen.

Die Unternehmen leiden derzeit unter einer extrem herausfordernden wirtschaftlichen Situation, was auch die Zurückhaltung bei der Fachkräfte-Suche teils begründen dürfte. Aber trotz angespannter politischer und ökonomischer Lage sollten die starken Auswirkungen der demographischen Veränderungen nicht aus dem Auge gelassen werden. Denn die Planung und Steuerung personeller Ressourcen ist gerade vor dem Hintergrund der Knappheit ein wichtiger Hebel.

Alle Angaben in „Prozent“ beziehen sich auf den Referenzwert 0 im Jahr 2015. „Prozentpunkte“ beziehen sich auf die Veränderung zu einem anderen Erhebungsquartal, siehe unten auch „Hinweis zum Verständnis der Prozentangaben“.

Quelle: Pressemeldung Hays

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Stefan Scheller

Autor und Speaker Persoblogger Stefan Scheller

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