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onlyfy by XING: neue Marke im HR Recruiting-Markt

onlyfy by XING: Recruiting und Active Sourcing auf Knopfdruck?

onlyfy ist eine neue Marke von XING. Sie will die Produktwelten von XING E-Recruiting und Prescreen auf einer Plattform vereinen und einen durchgängigen modernen Recruiting-Prozess anbieten.

Was heißt das konkret und wie ist dieser Schritt aus HR-Sicht zu bewerten? Meine durchaus kritische Meinung dazu.

onlyfy zur Zukunft Personal Europe 2022

Pünktlich zur HR-Leitmesse Zukunft Personal Europe in Köln vom 13.-15.09.22 will die New Work SE einen strategisch wichtigen Schritt verkünden.

Es geht um nichts weniger als den Launch einer komplett neuen Business-Marke namens „onlyfy by XING“. Die Marke onlyfy wird positioniert als Inbegriff für das „perfekte Match im Recruiting“.

Schon im Vorfeld durften ausgewählte Zielgruppen aus Presse, Influencern und HR-Szene Insidern Infos über das Vorhaben erhalten.

Grund genug für mich – wie in einigen Jahren zuvor – eine erste kritische Einschätzung dazu abzugeben.

Inhalt des Artikels

Anzeige:

Was ist onlyfy by XING genau?

onlyfy by XING ist eine neue Marke der New Work SE. Sie verstärkt das Markenportfolio neben XING und kununu und vereint die Produktwelten von XING E-Recruiting, Prescreen sowie weiteren Services wie Social Media Kampagnen via Talentbait.

Das Ziel der auch technisch neuen SaaS-Lösung ist die Schaffung einer einheitlichen und durchgängigen Plattform für Stellenausschreibungen (passives Recruiting), Active Sourcing, Multiposting, Social Media Marketing und Bewerbermanagement – inklusive Kommunikation über Messenger wie WhatsApp.

Das Produkt onlyfy one ist damit der strategische Schritt, eine komplette und umfassende Recruiting-Suite anzubieten.

Was bedeutet der Name onlyfy?

Markenseitig haben sich die Verantwortlichen bei der New Work SE einiges einfallen lassen, um den Begriff „onlyfy“ mit Bedeutung aufzuladen.

  • Es geht um die Suche des „perfect match“ („winning the one and only“)
  • Der Prozess soll dabei möglichst einfach sein („simplyfy“)
  • Gleichzeitig geht es um eine Online-Lösung („on“)
  • Und die Nutzer:innen sollen durch hohe Usability profitieren („fy“ = „for you“)

Das klingt nach einer durchdachten Markenbildung. Wenngleich ich zugeben muss, dass ich beim ersten Hören zuerst an einen neuen Mobilfunk-Tarif beziehungsweise eine Prepaid-Handymarke denken musste.

Nutzung der XING-Datenbank für Active Sourcing Vorschläge

Der Unterschied zu anderen am Markt verfügbaren Lösungen dürfte vor allem die starke Integration der über 21 Millionen Profile der Social Media Plattform XING sein. So sollen beispielsweise automatisiert Vorschläge zur Ansprache von Mitglieder:innen aus der großen XING-Datenbank auf Basis der Stellenanzeigen generiert werden. Ähnlich wie heute beim XING TalentManager werden Listen von möglichen Kandidat:innen erzeugt, deren Passung zu Job und Unternehmen vermeintlich hoch ist. Und deren Job-Wechselbereitschaft vom Algorithmus als hoch eingestuft wird. Dazu gibt es einen sogenannten „Matching-Score“.

Laut der Produktverantwortlichen wurde jedoch der Matchingalgorithmus deutlich angepasst und verbessert. Gleiches gilt für die Oberfläche und Darstellung im onlyfy Dashboard.

Den Nutzenden des Produkts onlyfy one soll es damit möglichst einfach gemacht werden, sofort auf vermeintlich passende Profile zuzugreifen. Es solle sich anfühlen wie Active Sourcing auf Knopfdruck.

Dass genau dieser Punkt möglicherweise nicht ganz unkritisch ist, erläutere ich weiter unten bei meiner persönlichen Bewertung.

Durchgängiger Recruiting-Prozess

onlyfy will einen durchgängigen Recruiting-Prozess in einem einheitlichen Look & Feel schaffen, unter anderem mit:

  • Aufsetzen der Stellenanzeige inkl. Formulierungsunterstützung
  • Veröffentlichung und Verbreitung der Anzeige
  • Konfigurieren und Steuerung einer Social Media Kampagne für einen Job
  • Empfehlungsliste für das Active Sourcing
  • Klassisches Bewerbermanagement via ATS
  • Direktanbindung von kununu beim Feedback der Bewerbenden
  • Zusatzfeatures wie WhatsApp-Integration und „apply with XING”

Soweit so gut.

Screenshots des Produkts onlyfy one

Klicken Sie zur Ansicht der Screenshots von onlyfy one auf die jeweilige Grafik! – Quelle: New Work SE

Meine Bewertung von onlyfy by XING

Wie ist nun der Launch von onlyfy by XING aus Sicht der HR-Praxis zu bewerten? Natürlich spreche ich hier über meine ganz persönliche Meinung und freue mich auch über eine entsprechende Diskussion darüber.

Strategie generell konsequent und richtig

Generell begrüße ich das Vorhaben von onlyfy. Die Zusammenführung von einzelnen Produkten und Unternehmenszukäufen der letzten Jahre auf einer technischen Plattform ist strategisch richtig und eigentlich sogar überfällig. Die New Work SE verbessert damit ihre Marktchancen.

Da die Integration vergleichsweise lange auf sich hat warten lassen, ist die Etablierung einer komplett neuen Marke nachvollziehbar. Denn seit einigen Jahren sind die Lösungen von XING E-Recruiting sowie Prescreen schon am Markt. Eine markentechnische Zusammenführung kann unter einem neuen Label deutlich besser vonstatten gehen. Um dennoch die starke Markenkraft von „XING“ weiter zu nutzen zu können, ist der Nachsatz „by XING“ sinnvoll. Über die Zeit wird dieser vermutlich entfallen. Bei den neuen Produktnamen (siehe unten) ist das schon der Fall.

Übersichtlichkeit der Lösungen in schwieriger Übergangsphase

Was es aus meiner persönlichen Sicht nicht ganz einfach macht, ist der Überblick über die unter dem Dach der New Work SE vereinten Unternehmen sowie das Produkt-Portfolio. Die Umbenennung der XING AG in New Work SE hatte die Möglichkeit eröffnet, XING als Social Media Plattform neben die Software Sparte XING E-Recruiting zu stellen. Ergänzend kam kürzlich der XING TalentService als Outsourcing Lösung hinzu.

Mit hohem Marketing-Aufwand wurden dann XING E-Recruiting Produktbündel im sogenannten 360°-Paket vermarktet. Nunmehr sortiert sich die Markenwelt wieder neu unter onlyfy.

Dabei soll es folgende Einzelprodukte geben:

  • onlyfy TalentManager
  • onlyfy TalentpoolManager (nur im Produkt onlyfy TalentManager Pro)
  • onlyfy Stellenanzeigen
  • onlyfy TalentService
  • onlyfy Employer Branding Profil und
  • onlyfy 360Grad (nunmehr “Grad” ausgeschrieben)

Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass in der ursprünglichen 360°-Lösung ebenfalls ein Großteil der in der Liste darüber stehenden neuen onlyfy-Produkte in der damaligen Form enthalten war, empfinde ich das Portfolio in der Übergangszeit für noch deutlich erklärungsbedürftiger.

Hier wird eine Menge Kundenkommunikation notwendig sein, bis auf die neuen Produktwelten umgestellt und überführt wurde.

Automatisiertes Active Sourcing als Chance und Risiko

Die neue onlyfy Talent Aquisition Platfrom möchte Active Sourcing Mechanismen nunmehr komplett in den Recruitingprozess für alle Unternehmen einführen. Dies bringt einerseits große Chancen gerade für kleinere Unternehmen, die bisher vielleicht noch keine adäquate Software zur Prozessunterstützung bei der Aktivansprache genutzt haben.

Gleichzeitig bedeutet es für die Menschen mit bereits heute schon häufig gesuchten und nachgefragten Profilen auf XING, dass die Ansprache-Intensität weiter zunehmen dürfte. Und noch mehr: Je standardisierter, formaler und automatischer eine solche Ansprache erfolgt, um so schwieriger die Situation.

Eine mögliche Folge könnte sein, dass Mitglieder:innen mit Jobprofilen im Bereich Softwareentwicklung, Datenhandling, KI usw. noch stärker genervt sind über den weiteren Kontakt- und Anfrage-Zuwachs. Eine verstärkte Plattform-Flucht wäre sowohl mittelfristig für die Nutzer:innen von onlyfy schlecht, weil sie diese Profile über die Datenbank nicht mehr erfolgreich gewinnen könnten. Und fatal für die New Work SE, da vor allem die XING-Profildatenbank eines -wenn nicht sogar DAS- Alleinstellungsmerkmal der Lösung ist.

Allerdings: Schon heute gibt es zahlreiche Lösungen auf dem Markt, um Menschen via XING oder auf anderen Plattformen prozessual vereinfacht anzusprechen. Und letztlich liegt die Verantwortung für eine möglichst passgenaue, individuelle und sehr persönliche Ansprache in erster Linie bei den Active Sourcing betreibenden HR-Menschen.

Was wird eigentlich aus XING als Social Media Plattform?

Direkt daran schließt sich die eigentlich zentrale Frage an: Wenn die neue Plattform ganz zentral auf die XING-Profile als Erfolgsfaktor setzt, was tut dann die New Work SE für den weiteren Ausbau dort?

Die Social Media Plattform XING steht schon seit einiger Zeit in der Kritik. Trotz steigender Profilzahlen beschweren sich immer wieder Mitglieder:innen lautstark über die mangelhaften funktionalen Möglichkeiten, verglichen zum Beispiel mit LinkedIn, sowie schwache Interaktionsraten und geringe Reichweiten.

XING hat daher kürzlich seine App modernisiert und neu gelauncht, worüber ich ausführlich berichtet hatte. Trotzdem ist die Kritik nicht abgerissen. Ja, sie hat sogar noch einen deutlichen Schub erhalten, als XING im August 2022 die Abkündigung der XING-Gruppen und des XING Eventmarkts zum 11.01.2023 angekündigt hat. Dies dürfte erneut zu einer Abwanderung in Richtung LinkedIn geführt haben. Zumindest wenn man den lautstarken Ankündigungen einiger Nutzer:innen Glauben schenken darf.

Wobei angeblich viele erst einmal ihre Premium-Mitgliedschaft gekündigt, sich aber noch nicht abgemeldet haben.

Neuausrichtung auch der XING Plattform-Strategie

XING will seinen Fokus zukünftig stärker auf Angebote der beruflichen Orientierung legen und u.a. ein umfassendes E-Learning-Angebot schaffen. Der Charakter als Social Media Plattform würde damit weiter verloren gehen. Weniger User-generated-Content, mehr zentrale Publikationen einzelner Influencer („XING Insider“) und mehr von XING direkt produziert und vermarkteter Content verändern das Wesen von XING.com weiter.

Ich persönlich bedauere das sehr, kann aber die dahinterstehenden geschäftlichen Erwägungen gut verstehen. Der funktionale Wettlauf mit LinkedIn (das seinerseits aufgrund einer zunehmenden „Facebookisierung“ in der Kritik steht) ist aus meiner Sicht verloren. Mit Blick auf lukrative Geschäftsmodelle ist eine Fokussierung und Neujustierung der Plattform daher nachvollziehbar.

Wie lange hält die Aktualität des XING-Datenpools?

Das größte Risiko, was sich mit der Marke onlyfy nochmals erhöhen wird, ist die „Stabilität und Haltbarkeit“ des Datenpools auf der XING-Plattform. Wenn der Mehrwert für die Nutzer:innen weiter sinkt, gerät das letzte Alleinstellungsmerkmal, die Größe des Datenpools ins Wanken. Und noch bedeutender: dessen Aktualität.

Das aus meiner Sicht von Anfang an gefloppte Produkt XING Pro Jobs (es gab nahezu immer 70-80% Rabatt-Aktionen), war meines Erachtens ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Menschen die Plattform noch nicht ins Zentrum ihrer Jobsuche stellen. Wenn der gefühlte Mehrwert einer Mitgliedschaft sowie die aktive Pflege der Daten und die bewusst auf XING mit Blick auf Jobsuche verbrachte Zeit sinkt, ist das kontraproduktiv.

Selbst ich als Intensiv-Kommunikator habe meine Aktivitäten auf XING bereits auf ein Minimalmaß gesenkt. So gibt nur noch ein RSS-Feed neue Beiträge auf meinem HR-Portal an mein XING-Profil weiter und löst automatisiert ein Posting dazu aus. Ansonsten spielt die Plattform -bei all meiner emotionalen Verbundenheit zur Marke und deren Mitarbeitenden bei der New Work SE- für mich eine immer untergeordnetere Rolle.

Insofern wünsche ich mir, dass die New Work SE Verantwortlichen hier mit Blick auf die zukünftigen B2C-Zielgruppen für XING das richtige Händchen haben, um tatsächlich zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten.

Mit Blick auf onlyfy bieten sie zumindest für die B2B-Zielgruppen Stand heute eine marktadäquate Lösung mit Potential an.

Es bleibt wie immer spannend … und ich am Thema dran!

Podcast-Folge Klartext HR #58 zu onlyfy

In der Podcast-Folge #58 von Klartext HR spreche ich mit Uwe Habicher, Director Brand bei der New Work SE, über das Thema “New Hiring: Warum XING mit onlyfy eine neue Matchmaking-Plattform startet“.

>> weitere Infos zu onlyfy (externer Link zum Anbieter)

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Stefan Scheller

Autor und Speaker Persoblogger Stefan Scheller

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und Top HR-Influencer (Personalmagazin 05/22) betreibe ich diese Website und das gleichnamige HR Praxisportal. Vielen Dank für das Lesen meiner Beiträge und Hören meines Podcasts Klartext HR!

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DANKE!

Eine Antwort

  1. Servus Stefan, ich bin noch ein alter OpenBC-Abonennent und bin mir sehr sicher, dass mit einem solch dusseligen Namen wie „onlyfy by XING“ der Abgesang auf die Plattform nicht mehr aufzuhalten sein wird. Warum? Und warum hat man nicht einfach auf die Kunden gehört, die sich seit Monaten in den offenen XING-Feedback-Foren beschweren?

    Nun, die alten Abonennten sind die finanzielle und „technische-organisatorische“ Kundenbasis, die Wurzeln von XING und hier mangelt es schon an einer funktionalen Smartphone-App von XING. Wenn man sich nun allen Ernstes mit Microsoft als Inhaber von LinkedIn und Big Data Champion anlegen möchte, so wünsche ich einmal viel Glück und gutes Gelingen! Aber ohne die enormen Budgets der US-Amerikaner und dem Heer an SW-Entwicklern bzw. Cloud-Infrastrukturzugängen wird das wohl kaum etwas werden.

    Mir fehlt der klare Fokus auf den Menschen und etwas wirklich Uniques bei XING. Das Kopieren von Geschäftsmodellen (KI-/AI-/…-Recruiting-Tools) wird hier auch mit der noch so tollsten Marke oder einem Re-Branding nicht mehr helfen.

    Meiner einer und viele andere User hätten vermutlich „spielend“ bei einer Neuausrichtung helfen können. Wenn man allerdings seinen zahlenden Kunden nicht zuhören mag (Kundenbedarfsanalyse) oder den Anforderungen des DACH-Marktes mit überwiegendem, dauerndem Zwang aus der GF-Ebene (Renditeerwartungen) ausgeliefert sein möchte, darf man sich hinterher nicht wundern, wenn man seinen Fokus verloren hat.

    Ich bleibe jetzt gemütlich am Rand stehen und werde als PreLean-Berater ein weiteres deutsches Softwareunternehmen bzw. Social-Business-Netzwerk als Negativbeispiel erwähnen müssen. Mich würde brennend interessieren, wieviele eigene XING-Mitarbeitende wirklich von diesem Produkt und dieser Neuausrichtung begeistert sind oder davon zu begeistern sind? Wer weiß, vielleicht wird dann die Gehaltszahlung auch wieder zur Schmerzensgeldzahlung, wie dies aktuell in vielen Unternehmen in Europa und Deutschland zu beobachten ist. Wir brauchen allerdings mehr Mut und mehr echte, authentische und visionäre Führungskräfte in den oberen Etagen.

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