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Mentale Gesundheit: Wenig Aufklärung und Schutz trotz gestiegener Belastung

Das Thema der mentalen und psychischen Gesundheit rückt immer stärker in den gesellschaftlichen Fokus. Dafür sorgten nicht nur die Auswirkungen der Corona-Pandemie, sondern auch Personen wie Unternehmer Carsten Maschmeyer oder US-Spitzensportlerin Simone Biles, die jüngst öffentlich über ihre Erkrankungen sprachen. Die beiden eint dabei, dass sie mit einer hohen Erwartungshaltung im Arbeitsleben konfrontiert waren sowie ein jahrelanges Schweigen über ihre Probleme. Ergebnisse einer Befragung von Indeed und YouGov.

Befragung Indeed und YouGov

Die Jobseite Indeed hat aus diesem Grund und anlässlich des anstehenden World Mental Health Days der WHO am 10. Oktober mithilfe des Meinungsforschungsinstitut YouGov Berufstätige zum Thema mentale Gesundheit am Arbeitsplatz befragt. In 23 Fragen gaben die 2.039 befragten Personen Auskunft über ihre derzeitige psychische Verfassung sowie den Kenntnisstand zu psychischen Erkrankungen. Zudem wurden die Akzeptanz auf derartige Krankheiten sowie Maßnahmen zur Verbesserung am Arbeitsplatz ermittelt. Die Umfrage entwickelte Indeed zusammen mit den Arbeitspsychologen und Experten Prof. Dr. Hannes Zacher sowie René Träder.

Wenige Angebote für Erhalt mentaler Gesundheit treffen auf viele Betroffene

Hinsichtlich psychischer Erkrankungen zeichnet die Befragung demnach ein klares Bild: Mit insgesamt 584 Personen geben über ein Viertel der Berufstätigen (29%) in Deutschland an, derzeit oder in der Vergangenheit von einer psychischen Erkrankung betroffen gewesen zu sein.

Die Arbeitgeber scheinen jedoch nur in wenigen Fällen darauf eine Antwort in Form von Angeboten zur Unterstützung oder Sensibilisierung zur Thematik zu haben: So geben mehr als die Hälfte der Befragten (63%) an, dass es bei ihrer Arbeit keine konkreten Angebote für den Erhalt der psychischen Gesundheit gibt. 23% bejahten diese Frage indes und können von Seminaren zur Aufklärung, Entspannung oder Resilienz sowie Abbau von Überstunden berichten. Bei sechs Prozent aller Befragten (130 Personen) wird konkretes Informationsmaterial zum Erhalt mentaler Gesundheit oder eine persönliche, psychologische Betreuung angeboten. Das wirkt sich auch entsprechend auf den Wissensstand bei den Arbeitnehmer*innen zu dieser Thematik aus: Nur 18% fühlen sich (sehr) gut informiert.

Insgesamt gehen die Berufstätigen allerdings mehrheitlich davon aus, dass sich die Arbeitgeber um das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeitenden kümmern: 57% gaben an, dass dies auf ihre Arbeit zutrifft. 32% stimmten dieser Aussage hingegen nicht zu. Bei Personen, die aktuell unter einer psychischen Störung leiden, liegt dieser Anteil sogar bei 50%.

Wenig(er) Unterstützung trotz steigender Belastung seit Corona-Pandemie

Auf die Frage, ob der Arbeitgeber seit der Pandemie mehr Maßnahmen ergriffen hat, um das mentale Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu gewährleisten, antworten 18%, dass es Verbesserungen während der Pandemie gegeben haben. Bei 15% gab es hingegen Verschlechterungen. Bei 58% hat sich nichts verändert.

Diese Entwicklung steht allerdings im Kontrast zur veränderten Belastung seit dem Ausbruch des Corona-Virus: So fühlen sich mehr als ein Drittel der Berufstätigen (35%) durch die Pandemie stärker auf Arbeit belastet. Bei den Befragten, die aktuell unter einer psychischen Erkrankung leiden, sind es sogar knapp die Hälfte (49%). Bei denjenigen, die in der Vergangenheit unter einer psychischen Erkrankung gelitten haben, sind es 41%. Von allen Teilnehmenden sind nur 10% weniger auf Arbeit belastet.

Nicht betroffene Mitarbeitende sehen Akzeptanz auf Arbeit deutlich positiver

Neben den konkreten Maßnahmen und Angeboten fragte Indeed die Berufstätigen auch, wie sie die Akzeptanz einer solchen Thematik bei sich auf Arbeit einschätzen. Insgesamt gaben dabei 49% der Befragten an, dass auf Arbeit offen über mentale Gesundheit und psychische Störungen gesprochen werden kann. Bei Personen, die noch keine Erfahrung mit einer solchen Erkrankung gemacht haben, beträgt der Anteil sogar 52%. Deutlich negativer nehmen dies hingegen die betroffenen Personen wahr, die aktuell unter einer Störung leiden: Hier gaben nur 36% an, dass sie auf Arbeit offen darüber sprechen können. Deutliche 59% dieser Gruppe sind hingegen der Meinung, dass dies bei ihnen nicht ginge. Die nicht betroffenen Personen verneinten dies zu 33%.

Bei der Frage, an wen sich die befragten Berufstätigen im Falle einer Erkrankung wenden würden, geben 34% eine persönliche Vertrauensperson auf Arbeit an. Dahinter folgen die oder der Vorgesetzte mit 24%, direkte Mitarbeitende mit 13% sowie die Geschäftsführung mit acht Prozent.

Arbeitnehmende präferieren mehr Freizeit vor psychologischen Maßnahmen und Angeboten

Um die psychische Gesundheit von Berufstätigen zu verbessern, wünschen sich die Befragten primär mehr Freizeit. Der Abbau von Überstunden in Urlaub und Gehalt ist mit 42% die präferierte Maßnahme, dicht gefolgt von der 4-Tage-Woche (39%) sowie mehr zusätzlichen freien Tagen analog zum Urlaubsanspruch (37%). 35% sprechen sich für einen offeneren Austausch unter Kollegen und Kolleginnen aus. Psychologische Betreuung am Arbeitsplatz sowie Seminare oder Schulungen wünschen sich 21%. Bei den Personen, die aktuell unter einer psychischen Erkrankung leiden, ist die 4-Tage-Woche mit 54% die favorisierte Maßnahme. Psychologische Betreuung wünschen sich knapp ein Drittel (31%).

Quelle: Indeed und YouGov

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Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

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