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Karrierekiller Homeoffice

Karrierekiller Homeoffice – Karriereknick statt Erfolg?

Die Pandemie hat dem Konzept Homeoffice sowie mobilem Arbeiten einen deutlichen Schub verpasst. Auf dem Weg ins sogenannte „New Normal“ stehen Unternehmen jetzt vor der Wahl, wie viel dieser Distanzarbeit sie zukünftig beibehalten. Für Beschäftigte, die weiterhin außerhalb des Unternehmens arbeiten, stellt sich die Frage, ob Homeoffice zum Karrierekiller werden kann. Oder droht zumindest ein Karriereknick, auch wenn sie eigentlich erfolgreich sind? Eine kritische Betrachtung.

Homeoffice weiterhin sehr beliebt

Die Arbeit im Homeoffice sowie Remote Work zeigte den Beschäftigten in der Krise zwei unterschiedliche Gesichter. Auf der einen Seite genossen sie Vorteile wie selbstorganisiertes Arbeiten nach dem eigenen Biorhythmus, den Wegfall von Pendelzeiten sowie mehr Zeit und Nähe zur eigenen Familie. Auf der anderen Seite entstand eine starke Vermischung von Arbeit und Privatleben, ein verdichteter Zeitplan durch ständige Videokonferenzen sowie spürbare Mehrarbeit.

Trotzdem wollen knapp 50% der Befragten laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) weiterhin im Homeoffice arbeiten.

Infografik WSI / Statista: Jeder Zweite will gerne im Homeoffice bleiben
Quelle: WSI via Statista

So weit so gut. Aber wieso sollte Arbeit im Homeoffice schlecht für die Karriere sein, ja gar ein Karrierekiller? Zur Beantwortung dieser Frage hilft es, ein wenig tiefer in die Unternehmenspraxis einzutauchen.

Präsenzkultur bis hin zum Präsenzfetisch

In Deutschland ist die sogenannte Präsenzkultur noch immer stark ausgeprägt. Vor der Pandemie waren Homeoffice und mobile Arbeit für viele Angestellte fast eine Art „Benefit“. Wer zuhause arbeiten wollte, wurde teilweise neidvoll von anderen Teammitgliedern angeschaut. Remote-Willige mussten aufwändig begründen, warum das Homeoffice „nötig sei“.

Zugleich hatte man den Eindruck, dass unterschwellig aber auch eine Haltung mitschwang, die Arbeit im Homeoffice als weniger produktiv oder zumindest deutlich weniger wertvoll als Präsenzarbeit im Unternehmen betrachtete.

Ich würde sogar so weit gehen, dass viele Unternehmen einen wahren Präsenzfetisch gepflegt hatten, der nur teilweise durch die Pandemie grundlegend beeinflusst wurde.

Um es aber gleich an dieser Stelle klar und deutlich zu formulieren:

Homeoffice per se ist weder gut noch schlecht. Es ist entweder gut oder wenig gut passend für die jeweilige Arbeitssituation!

#Homeoffice per se ist weder gut noch schlecht. Es ist entweder gut oder wenig gut passend für die jeweilige #Arbeitssituation! Klick um zu Tweeten

Vorurteile zu Arbeit im Homeoffice sitzen tief

Mit dieser Historie erscheint es nicht überraschend, dass auch heute in den Köpfen vieler Führungskräfte Mitarbeitende, die körperlich anwesend sind, häufig produktiver, engagierter und härter arbeitend als Kollegen wirken, als solche, die nicht im Unternehmen vor Ort arbeiten. Die Assoziation virtueller Arbeit aus den heimischen vier Wänden heraus, mit Begriffen wie „Bequemlichkeit“ und „Unproduktivität“, lebt noch immer.

Solange alle Beschäftigten und Führungskräfte pandemiebedingt gleichermaßen remote Arbeiten mussten, dürften sich die Auswirkungen auf das Thema Karriere in Grenzen gehalten haben. Mit der Rückkehr ins Office und der Abkehr von 100% Remote Work, dürfte sich die Situation jedoch deutlich zuspitzen.

Die Zukunft der Arbeit ist hybrid – Karriere auch

Der Begriff „hybrid“ hat sich in Personalerkreisen schon stark in Richtung Buzzword entwickelt. Aber letztlich wird die zukünftige Arbeitswelt geprägt sein von einem Wechsel beziehungsweise miteinander von Vor-Ort-Arbeit und mobiler Arbeit. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Befragung des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) unter dem Titel „Arbeiten in der Corona-Pandemie“.

Was das allerdings konkret bedeutet, haben meiner Meinung nach die Wenigsten bereits vollständig durchdacht. Denn der Fall, dass es für alle reine Präsenztage und -möglicherweise zum Wochenende hin- ebenfalls für alle Homeoffice-Tage gibt, dürfte die Ausnahme sein. Bei zukünftigen Meetings werden vielmehr ein Teil der Teammitglieder nur remote zugeschaltet sein, während sich andere live zusammen in einem Raum versammeln.

Was bedeutet das mit Blick auf Karriere? Wird damit Homeoffice automatisch zu einer Art Karrierekiller?

Wissenschaftliche Untersuchungen zu Homeoffice und Karriere

Bereits seit fast einem Jahrzehnt gibt es weltweit wissenschaftliche Untersuchungen zum Einfluss von mobiler Arbeit auf die eigene Karriere.

Schon im April 2013 veröffentlichte das internationale Personalberatungsunternehmen Korn Ferry eine Studie dazu. In diesem Rahmen wurden über 300 Führungskräfte weltweit zu ihren Erfahrungen mit Homeoffice befragt. Dabei äußerten erstaunliche 60% die Ansicht, dass Homeoffice tatsächlich ein Karrierekiller sei. Denn Heimarbeit führe zu einer stärkeren Unsichtbarkeit, die sich auf Karrierechancen auswirke.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam der amerikanische Forscher Nicholas Bloom von der Stanford-Universität. Im Jahre 2014 führte er eine Studie auf Basis einer längerfristigen Beobachtung durch. Er begleitete neun Monate lang Beschäftigte eines chinesischen Call-Centers. Dabei arbeitete ein Teil im Büro, der andere Teil im Homeoffice. Dabei fiel auf, dass die Beschäftigten im Homeoffice zwar mehr leisteten und weniger krank waren. Trotzdem wurden sie seltener befördert.

Weitere Studien von Wissenschaftlern der University of California Santa Barbara oder die Studie des britischen Organisationsforschers Dan Cable von der London Business School kommen zu ähnlichen Ergebnissen und stellen fest: „Angestellte, die woanders arbeiten, bekommen schlechtere Leistungsbeurteilungen, geringere Gehaltserhöhungen und werden seltener befördert, als die Kollegen im Büro – auch wenn sie genauso hart und genauso lange arbeiten.“

Ist das Homeoffice auch in Deutschland ein Karrierehindernis?

Bei weltweiten Studien oder auch Untersuchungen mit Schwerpunkten im anglo-amerikanischen Raum ist aus meiner Sicht trotzdem erst einmal Vorsicht geboten, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Arbeitswelt in Deutschland angeht.

Glücklicherweise führt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ebenfalls regelmäßige Umfragen zum Thema Homeoffice durch. Die Frage, ob sich Remote Work auf die eigene Karriere negativ auswirken würde, antworteten dabei jedoch erstaunlicherweise weniger als zehn Prozent mit „ja“. Allerdings handelt es sich hierbei um eine rein subjektive Wahrnehmung. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass diejenigen, die sich bewusst für Homeoffice entscheiden, gar keine starken Karriere-Ambitionen besitzen.

Karrieren von Frauen im Homeoffice deutlich stärker gefährdet

Eine Untersuchung in der schweizerischen Bankenbranche hat allerdings einen klaren Zusammenhang gezeigt zwischen den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Heimarbeit von Frauen und deren Karriereentwicklung. So konstatiert Gudrun Sander, Direktorin des Competence Centre for Diversity and Inclusion an der Universität St. Gallen in der Schweiz:

„Das Homeoffice erweist sich als eigentlicher Karrierekiller für Frauen. Insbesondere bei geschlossenen Schulen und Kitas wird der Job für die Frau im Homeoffice zur Doppelbelastung. Für die Arbeitgeberseite wird es gleichzeitig deutlich schwerer, ihre Diversity-Förderprogramme fortzusetzen.“

Praxisleitfaden Homeoffice und mobiles Arbeiten

Gründe für einen negativen Einfluss des Homeoffice auf Karrieren

Blicken wir nun noch einmal intensiver auf den Alltag in deutschen Unternehmen abseits von wissenschaftlichen Befragungen und Untersuchungen. Und fragen, warum genau sich die Arbeit im Homeoffice negativ auf die Karriereentwicklung auswirken kann. Ergänzt um die Frage: Was können Einzelne tun, um diesem Effekt entgegenzuwirken?

Ausgangspunkt soll die Frage sein, wie heute über Karrieren entschieden wird. Dabei meine ich den Begriff Karriere eher klassisch als einen hierarchischen Aufstieg im Unternehmen, beispielsweise durch die Übernahme einer besser dotierten Führungsrolle mit mehr Verantwortung und größerem Einfluss.

Karrierefaktor Ehrgeiz und Leistung

Auch wenn es noch immer Unternehmen geben mag, bei denen Karriere eine reine Frage der Betriebszugehörigkeit ist und Beförderungen somit insbesondere ein Zeit- und Treue-Faktor sind, dürfte die Praxis in den meisten Organisationen mittlerweile eine andere sein. In der Regel wird eine starke Performance-Orientierung bei der Bewertung von Karrierechancen ausschlaggebend sein. Tendenziell würden somit Personen, deren Leistungen als Top-Performer eingestuft wird, zur Beförderung vorgeschlagen. Oder auf die Teilnahmeliste zu Auswahlverfahren wie Assessment Center rücken.

Das Problem bei der Arbeit im Homeoffice ist dabei das „unter dem Radar Fliegen“ oder aus „Aus den Augen, aus dem Sinn“ Phänomen. Denn selbst wenn Sie objektiv betrachtet eine herausragend gute Leistung erbringen, heißt das noch lange nicht, dass diese auch bei den entscheidenden Personen ankommt, mithin gesehen und gewürdigt wird.

Sichtbarkeit bei den für die Karriere wesentlichen Personen

In der Praxis führt dieser Umstand häufig dazu, was ich als „Eintritt in die Schautanz-Truppe“ bezeichne. Beschäftigte müssen neben dem eigentlichen Arbeiten und Vollbringen von Leistungen, selbige zusätzlich auch bei den für die Karriere wesentlichen Personen in die Sichtbarkeit bringen und regelrecht vermarkten. Wo in einigen Unternehmen ausschließlich die unmittelbaren Führungskräfte über die Aufnahme auf die Potential-Liste für eine mögliche Karriere von Beschäftigten entscheidet, setzen andere Organisationen auf einen kollektiven Ansatz.

Was auf den ersten Blick wie die Vermeidung von Willkür und Nasenfaktor anmutet, bringt aber einen anderen Effekt mit sich. Nunmehr müssen Personen zum Vorantreiben ihrer Karriere sogar eine Mehrzahl an Personen von sich und ihrer Eignung überzeugen. Dies führt dazu, dass eine Vielzahl von Maßnahmen gestartet werden, einzig um eben jene Sichtbarkeit zu erlangen. Was dann ein wenig absurd wird, wenn die betreffenden Personen im Alltag kaum fachliche Überschneidungen besitzen, nun aber aufgrund Ihrer Bedeutung im Potential-Vorauswahl-Prozess wichtig werden. Der unternehmerisch höchst fragwürdige „Schautanz“ nimmt seinen Lauf.

Karrierefaktor offline Networking und Feierabendaktivitäten

Ein nicht zu unterschätzender Faktor mit Einfluss auf die eigene Karriere ist die Vernetzung im Unternehmen. Dabei geht es darum, die richtigen (einflussreichen) Personen in seinem Beziehungsnetzwerk und über Kommunikationsmaßnahmen aktiv im Kontakt zu halten.

Dort wo im Unternehmen arbeitende Personen alleine durch Zufall oder zumindest ohne großen Aufwand ein Treffen mit Führungskräften oder dem Management arrangieren können, müssen Homeoffice Worker dazu eigens Termine vereinbaren. In einer hybriden Welt, in der Führungskräfte und Manager vor Ort im Unternehmen ihre Mittagspause verbringen, geraten lediglich digital ans Unternehmen angebundene Beschäftigte deutlich ins Hintertreffen.

Gesteigert wird diese Problematik noch bei zusätzlichen Aktivitäten zwischen Führungskräften und Teams nach Feierabend. Remote Arbeitende werden nur sehr unwahrscheinlich an diesen Treffen teilnehmen können, was sich insbesondere negativ auf den „sozialen Kitt“ auswirkt. Oder zumindest fehlt ihnen die verbindende Wirkung eines gemeinsamen Erlebens beim ausgelassenen Feierabendbier. Dies gilt übrigens ebenso für vor Ort arbeitende Beschäftigte, die beispielsweise aus familiären Gründen frühzeitig zuhause sein müssen, insbesondere Teilzeitbeschäftigte.

Die Macht des Zufalls: zur rechten Zeit am richtigen Ort

Ein weiterer Faktor, der häufig unterschätzt wird und in der Managementliteratur aus meiner Sicht deutlich zu kurz kommt, ist der schlichte Zufall. Auch wenn es Viele nicht hören wollen: die eigene Karriere hängt bis zu einem gewissen Grad trotz allem vom Zufall ab.

Auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen: #Karriere ist oft stark vom #Zufall abhängig. #Homeoffice ist dabei nicht unbedingt hilfreich. Klick um zu Tweeten

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit den richtigen KollegInnen zu sein. Auch dieser Zufall ist im Homeoffice deutlich schwieriger zu stimulieren.

Wie Karriere trotz Homeoffice möglich ist

Auch wenn dieser Artikel bis hierhin den Eindruck erweckt hat, dass Homeoffice tatsächlich und in jedem Fall zum Karrierekiller wird oder zumindest einen Karriereknick bedeuten kann: Das muss nicht so sein. Die Ausgangsvoraussetzungen sind möglicherweise schwieriger. Aber trotzdem ist Karriere auch remote möglich.

Im Grund gilt es, die oben genannten Karriere-Faktoren nicht in vollem Umfang wirksam werden zu lassen. Das bedeutet, über ein gesteigertes Maß an Eigeninitiative den Leistungswillen und die eigene Leistungsfähigkeit aktiv unter Beweis zu stellen. Dabei hilft es, wenn beispielsweise Themen proaktiv übernommen werden, anstatt zu warten, bis Führungskräfte einen Auftrag erteilen.

Wichtig: Die Grenze zum „Überengagement“ beachten!

Insbesondere im Homeoffice unterliegen Beschäftigte schneller der Gefahr einer Übertaktung. Organisieren Sie sich selbst gut und zeigen Sie dies, ohne deswegen jeden einzelnen Auftrag an sich zu ziehen. Hierfür braucht es möglicherweise etwas Fingerspitzen-Gefühl. Oder schlicht Routine und Erfahrung.

Vereinbaren Sie regelmäßige Termine, in denen Sie über Ihre Arbeit und die Erfolge berichten. Schalten Sie die Kamera in Gruppenmeetings an und beteiligen Sie sich aktiv mit wertvollen (!) Wortbeiträgen. Bleiben Sie darüber hinaus im persönlichen Kontakt und pflegen Sie diesen, beispielsweise durch regelmäßige nicht-fachliche Telefonate.

Und vermutlich werden Sie nicht umhinkommen, ab und an doch einmal vor Ort im Unternehmen sichtbar zu werden und in Persona zu wirken.

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Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und HR-Szene Influencer betreibe ich diesen Blog und das gleichnamige HR-Portal für Praktiker. Vielen Dank für das Lesen meiner Beiträge und Hören meines Podcasts!

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