Artikel: millionways Startup will Menschen vernetzen und Orientierung bieten - auch bei der Berufswahl

millionways: Persönlichkeitsanalysen, Beziehungsaufbau und Jobmatching

millionways will über Persönlichkeitsanalyse anonyme Beziehungen zwischen Menschen aufbauen, um ihnen Orientierung zu geben im Beruf sowie dem Leben allgemein. Eine künstliche Intelligenz soll nach Aussage von Gründer Martin Cordsmeier dafür sorgen, dass alle zukünftig genau das tun können, was sie wirklich wollen. Sich selbst als „praktizierender Utopist“ bezeichnend, geht es ihm nun um ein schnelles globales Wachstum der Plattform, um am Ende die gesamte Welt besser und glücklicher zu machen. Wie das funktionieren soll und welche Rolle HR dabei hat, verrät er im Gespräch mit mir.

Was das HR-Startup millionways anbietet

Hallo Martin, würdest Du Dich und millionways bitte kurz selbst vorstellen?

Meine Lebensgeschichte ist im Grunde identisch mit der von millionways, denn ich habe nie etwas anderes gemacht. Bewusst geplant war das aber nicht. Mit Anfang 20 habe ich angefangen, mich für Lebensgeschichten zu interessieren und für die Frage, welche davon glücklich sind und welche nicht und warum das so ist. Dann habe ich schnell gemerkt, dass die meisten gar nicht so leben, wie sie eigentlich wollen. Und das wollte ich ändern.

Wie die Idee zu millionways entstand

Der Ansatz einer Vermittlung sozialer Verbindungen oder Connections wie Ihr sie nennt, gefällt mir. Aber warum bedarf es dazu einer eigenen Software?

Ich habe selbst nach einer Plattform gesucht, die auf Authentizität basiert, also auf dem was wir wirklich denken, fühlen und wünschen. Es gibt natürlich welche. Aber immer nur innerhalb bestimmter Bereiche und Grenzen.

Die ganzen großen Netzwerke wie Facebook, Instagram, LinkedIn basieren größtenteils auf Selbstdarstellerei. Das ist gar nicht schlimm, es macht ja Spaß. Aber wo können wir genau so sein, wie wir wirklich sind? Zum Beispiel wenn wir kurz nach dem Aufwachen ganz kurz komplett ehrlich zu uns sind und merken, dass wir eigentlich etwas ganz anderes suchen als das, was wir bisher machen.

Es geht also um komplett individuelle Bedürfnisse von Menschen, die teilweise auch noch unbewusst sind. Während unserer Forschungsphase haben wir die mit Empathie und Intuition in manuellen Gesprächen herausgefunden. Und um das zu automatisieren brauchten wir eine Software. Sonst müssten wir ja mit 7 Milliarden Menschen sprechen, das zieht sich etwas *lacht*

Was Nutzer von millionways erwarten können

Welches Problem genau löst Ihr mit Eurer Plattform? Warum sollten sich Menschen genau bei Euch anmelden?

Zwei Hauptpunkte: Selbstreflexion beziehungsweise Selbsterkenntnis und Sinn-basierte Connections gibt es so nirgendwo anders. Ich kann nicht bei LinkedIn nach jemandem suchen, der menschlich so ist wie ich, den ich also mag. Und dessen Talente mich trotzdem ideal ergänzen, um zum Beispiel etwas zu gründen. Das geht nur, wenn man ganz authentisch über die echten Wünsche und Ziele kommt. Die sind dann jedoch oft so persönlich, dass man sie nicht auf TikTok veröffentlichen möchte.

Matching auf Basis von KI – wo bleibt der Mensch?

Ihr nutzt Machine Learning Methoden und wollt eine ausgereifte künstliche Intelligenz aufbauen. Wie passt das zusammen, wenn es doch eigentlich um menschliche Verbindungen gehen soll?

Wir haben vier Jahre lang in unserer Forschungsphase 7.000 einstündige Interviews von Mensch zu Mensch geführt. Danach haben wir jeweils eine weitere Stunde, ebenfalls manuell, nach passenden Connections für die Person gesucht. Genau auf diesen Daten und diesen auf menschlicher Empathie und Intuition basierenden Connections basiert unsere künstliche Intelligenz (KI).

Sie soll also lernen, das zu tun, was sonst nur Menschen machen können: Zwischen den Zeilen lesen, ehrliches Feedback geben, bewusst machen von vorher Unbewusstem.

Ich persönlich hätte, ganz ehrlich, auch lieber alle Menschen der Welt selbst interviewt, aber das ist natürlich nur Theorie. Mein Hauptziel war es immer, Menschen zu helfen, das Leben zu leben, was sie wirklich wollen. Und das geht eben nur, wenn Millionen Menschen in unserer Datenbank sind. Ansonsten können wir ja auch für die wenigen, die wir manuell interviewen können, nicht die jeweils „perfekten Connections“ finden.

Persönlichkeitsanalyse per Interview mit der KI

Die von Euch angebotenen Persönlichkeitsanalysen werden auf Basis eines „Gesprächs“ mit der künstlichen Intelligenz erstellt. Das erinnert erstmal stark an die wissenschaftlich stark angezweifelten Tools von Precire und Co. Was macht Ihr anders?

Unsere Technologie basiert auf jahrzehntelang validierter Forschung aus der Persönlichkeitswissenschaft. Wir haben von Anfang an sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir eben nicht alles von Grund auf neu entwickeln, sondern mit renommierten Wissenschaftlern arbeiten. Außerdem flossen dann ja die Daten aus unserer eigenen manuellen Phase mit ein, die sonst in dieser Form wohl niemand auf der Welt hat.

Das Entscheidende bei millionways ist außerdem die Verknüpfung von 1. Persönlichkeitsanalyse und 2. Connections. Denn auch durch Coachings, aus Büchern oder auf Vorträgen kann man ja etwas über sich lernen. Aber oft weiß man am nächsten Tag immer noch nicht, wie man es nun real umsetzen soll. Und dann geht man wieder zur Arbeit und alles bleibt wie es ist.

millionways als digitaler Zuhörer und Coach

Auf Eurer Website versprecht Ihr „Jetzt diktierst du deinem Leben, was du wirklich willst“. Aber ist es nicht eigentlich das Ziel der Plattform, dass die KI durch Zuhören herausfinden und beraten soll, also umgekehrt Einfluss darauf nimmt, was die Nutzer tun sollen?

Das ist ein wirklich interessanter Gedanke. In der Tat ist es eher ein Dialog. Der Nutzer hat ja den Wunsch, sich selbst besser kennenzulernen oder längerfristig sein Leben oder auch nur seinen Job zu ändern, sprich zu verbessern. Der Impuls kommt also vom Nutzer. Die implizite Frage an unsere K.I. ist also: „Wie komm ich dorthin?“.

Und unsere App antwortet dann, mit Reflektionen oder Connections. Zum Beispiel kann sie dem Nutzer sagen, dass sie oder er in den letzten Wochen sachlicher geworden ist als üblich. Und können die Nutzer natürlich selbst entscheiden, wie sie damit umgehen wollen. Oder dass es ihnen immer donnerstags besonders gut geht. Oder dass sie mit einer besonderen Passion über Aquaristik geredet haben und selbst vielleicht dachten „Ach, das ist ja nur so ein Hobby“.

Auch noch sehr wichtig: Alle Connections sind anonym und umgehen damit alle, auch unbewussten, Vorurteile. Denn man sieht nicht, ob die Connection ein Mann oder eine Frau ist. Man sieht nicht das Alter, die Nationalität, eventuelle körperliche Einschränkungen und erstrecht keine Schönheit oder Reichtum. Man wird nur mit einem Menschen verbunden, mit dem man ein Thema teilt. Selbstverständlich wird einem auch gesagt, warum man verbunden wurde. Das ist besonders spannend auch bei unternehmensinternen Team-Matchings.

Zeit für menschliche und soziale Utopien?

Auf Deiner eigenen Website bezeichnest Du Dich als „praktizierender Utopist“. Was genau meinst Du damit? Wie wirkt sich das auf millionways aus?

Ich habe halt vor allem in den ersten Jahren immer wieder gehört, dass ich „unrealistische Vorstellungen“ hätte. So wird Utopist ja oft definiert. Für mich bedeutet es eigentlich etwas anderes. Ich glaube wirklich, dass wir in den letzten 10-20 Jahren ganz besonders stark sehen, wie sehr die Leute nach Orientierung suchen.

Man kann es gut oder schlecht finden, aber „früher“ war das Leben einfacher und geordneter. Alle wussten ungefähr, was sie zu erwarten hatten. Bezogen auf Schule, Ausbildung, Studium, Arbeit, oft sogar für Jahrzehnte. Partnerschaften waren auch viel „einfacher“. Ich sage nicht, dass es besser war, sicher nicht. Aber geordneter.

Heute fehlen solche Utopien. Niemand weiß mehr, was als nächstes passiert. Und so bekommen Dystopien immer mehr Platz, siehe Trump oder auch Verschwörungstheorien. Ich finde es immer schade, wenn das so dargestellt wird, als sei ein großer Teil der Menschheit plötzlich bekloppt geworden. So einfach ist es ja nicht!

Gleichzeitig nehmen psychische Krankheiten immer mehr zu. Man liest: Das ist eben so. Aber warum denn?? Das ist ja nicht einfach nur Leistungsdruck. Das ist auch Orientierungslosigkeit! Wenn wir nicht wissen, wer wir wirklich sind und was wir wirklich wollen. Weil wir zwischen all dem Lärm keine Zeit mehr dazu haben, das wirklich herauszufinden – dann kann man doch nur krank werden!

Das ist jetzt auch alles sehr verkürzt dargestellt, aber ich glaube wir brauchen eine neue positive Utopie. Das Grundeinkommen geht ein wenig in die Richtung, aber auch hier: Wir alle wollen doch jetzt was ändern und umsetzen und nicht darauf warten, ob in 10 oder 20 Jahren dann mal irgendein Land soweit ist. Daher „praktizierend“. Ich versuche es zumindest. Ob es klappt, ist eine andere Frage.

Datenerhebung lebt vom Vertrauen

Gerade bei sehr persönlichen Datenerhebungen im Dunstkreis von Persönlichkeit ist sehr viel Vertrauen nötig, dass Anbieter damit sensibel umgehen. Warum soll(t)en die Nutzer Euch entsprechend intime Daten anbieten?

Das ist – und das ist keine Phrase – das allerwichtigste Thema für uns. Auch weil es uns von anderen Plattformen unterscheidet. Unser Geschäftsmodell ist eben nicht, Daten zu verkaufen. Und der Grund, millionways zu gründen, war es – das kann ich mit allem was ich bin sagen – Menschen zu helfen. Das können Leute nun glauben oder nicht, aber ich weiß, dass es so ist.

Daher war es für mich elementar wichtig, alles so anonym und sicher wie möglich zu machen. Am liebsten wüssten wir nicht einmal den Namen, des- oder derjenigen die sich bei uns anmelden und uns ihr Inneres anvertrauen. Das müssen wir allerdings leider aus juristischen Gründen, zum Beispiel wenn jemand mit Kreditkarte zahlt. Aber wenn man sich mit einer anonymen Mailadresse anmeldet und beispielsweise mit Apple Pay zahlt, wissen wir gar nicht, wer es ist.

Das Geschäftsmodell der Plattform millionways

Wie funktioniert dann Euer Geschäftsmodell, wie verdient Ihr Geld?

Da wir niemals Daten verkaufen wollen, machen wir ein Subscription Modell. Im B2C-Umfeld lautet das: Natürlich ist die Anmeldung kostenlos, auch erste Ergebnisse und Connections bekommen die Nutzer kostenfrei. Wenn jemand dann mehr will, fallen zwischen 5 und 25 Euro im Monat an, je nach Bedarf.

Im B2B-Kontext: Hier machen wir derzeit noch komplett individuelle Preise, die sich je nach Mitarbeiterzahl staffeln. Man kann unsere Technik im Recruiting oder im Teambuilding nutzen. Oder auch als Gratifikation für Mitarbeiter, quasi als „Job Companion“.

Wie sich millionways weiter entwickeln soll

Wie sehen Eure weiteren Pläne für millionways aus?

Nachdem wir nun unsere App online haben, geht es nur noch um Wachstum. Wir wollen so schnell wie möglich so groß wie möglich werden. Und das auch international, denn gerade globale Connections können extrem spannend für die Menschen werden. Durch Corona hat sich dieses Bedürfnis natürlich noch verstärkt, wir wollen also schnell sein.

Ambition ist in Deutschland ja immer so ein bisschen „verpönt“. Aber für mich muss millionways eine der großen globalen Plattformen werden. Auch, weil es aus meiner Sicht sonst gar nicht funktionieren würde. Den „perfekten nächsten Schritt für jeden“ können wir ja nur connecten, wenn wir die ganze Welt in unserer Datenbank haben…

Vielen Dank für diese spannenden und vermutlich für viele sogar sehr polarisierend wirkenden Antworten, Martin. Ich bin gespannt, wie sich Euer Startup millionways weiterentwickelt und eröffne gerne die Diskussion zum Thema in den Kommentaren unten.

Über den Interviewten

Martin Cordsmeier von millionways

 

Martin Cordsmeier ist „praktizierender Utopist“ sowie Vortragsredner, Moderator, Berater und Buchautor. Er beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Menschen das Leben führen können, das sie wirklich wollen, und wie eine Gesellschaft gestaltet sein muss, damit die Menschen ihrem inneren Antrieb und ihren Talenten folgen können.

Zugleich hilft er mit millionways seit sieben Jahren Tausenden Menschen erfolgreich dabei, einen zugeschnittenen Lebens- und Berufs zu finden und zu verfolgen.

>> zur Website von millionways

 

Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger betreibe ich diesen Blog und das gleichnamige HR-Portal für Praktiker. Als HR-Manager in einem IT-Unternehmen und Szene-Influencer, danke ich Ihnen für das Lesen meiner Beiträge und hören meines Podcasts.

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