WeShape - HR-Startup will CSR und Charity demokratisieren

HR-Startup WeShape: CSR und Charity demokratisieren

Das HR-Startup WeShape möchte Beschäftigte in Unternehmen über eine App bei der Übernahme von Corporate Social Responsibility (CSR) einbinden. Dabei können diese ein monatlich bereitgestelltes, gewandeltes Guthaben des Arbeitgebers selbst auf unterstützenswerte Projekte verteilen. Gründer und Geschäftsführer Tobias Freund möchte aber noch viel mehr Gutes in der Welt erreichen, wie schon der Name des Unternehmens WeShape.world GmbH andeutet. Mehr dazu im Interview mit mir.

Was ist WeShape.world?

 Hallo Tobias, magst Du Dich und WeShape bitte kurz selbst vorstellen? 

Gerne. Ich bin Gründer durch und durch. Mein Fokus lag bisher immer im Tech-Bereich. Das hat mir auch immer Spaß gemacht. Jedoch kam in letzter Zeit – und spätestens nach der Geburt meines Sohnes – immer häufiger die Frage in mir auf, was ich denn wirklich in der Welt bewege. Was würde passieren, wenn ich auf einmal nicht mehr da wäre? Wäre das außerhalb meines privaten Kreises überhaupt relevant?

So entstand WeShape.world. Eine wirklich schöne Idee, wie jeder Mitarbeiter (m/w/d) selbst nachhaltig relevant sein kann und dabei das soziale Engagement von Unternehmen zu einem Wirtschaftsvorteil wird.

Monatliche Spendenverteilung statt einmalige Ausschüttung

Sehr gut gefällt mir Euer Ansatz, dass Ihr für einen kontinuierlichen Spendeneingang bei den Hilfsprojekten sorgen wollt, anstatt einer einmaligen Hilfe, beispielsweise zu Weihnachten. Wie werden denn die Nutzer motiviert, jeden Monat neu innerhalb der Applikation Gelder auf Projekt zu verteilen?

Credits Vergabe in WeShape: Screenshot mobile version
Quelle: WeShape

Was ich persönlich recht clever finde, ist die Art wie die Spende zugeteilt wird. Die Mitarbeiter bekommen über WeShape.world monatlich einen gleichen Anteil an Credits, der im Verhältnis zum gesamten Spendenvolumen steht. Die Credits können spielerisch an die Projekte vergeben werden, die den Beschäftigten am meisten am Herzen liegen. Sozusagen ein sozialer Mitarbeiter-Benefit für die emotionale Gesundheit.

Einer meiner Kritikpunkte am Spenden war es immer, dass man eigentlich gar nicht sieht, wer, wo und was genau unterstützt wird. Dabei gibt es hierbei für alle Beteiligten bei WeShape ein großes Potenzial der gegenseitigen Bindung und Wertschätzung. Wir generieren dies unter anderem durch einen stets aktualisierten Feedback-Kanal, wie man ihn von Social Media kennt. Die positiv gestalteten Inhalte gemeinnütziger Projekte helfen den Mitarbeitern etwas bei der Frage nach dem „Warum” und sollen sie konstant und nicht nur einmal im Jahr motivieren.

Übernahme der vollen Logistik bei der Spendenabwicklung durch WeShape.world

Wo liegen die konkreten Vorteile gegenüber einer Abwicklung der Spenden direkt durch das Unternehmen? Denn die Kosten für die Nutzung Eurer Software kommen ja auf die Spendensumme on top, oder?

Ja, das ist eine wichtige Frage. Zum einen übernehmen wir quasi den gesamten logistischen Teil der Unternehmensspende: Projektauswahl, Feedback, Wirkungskennzahlen bis hin zu nur einer Spendenquittung. All diese Punkte können bei einem größeren Unternehmen bereits viele Arbeitstage diverser Mitarbeiter in Anspruch nehmen.

Wichtiger ist jedoch die drastische Erhöhung der Effizienz von diesem Teil der Corporate Social Responsibility. Anstatt zwei, drei Slides zur Weihnachtsfeier, gefolgt von einem wohlwollenden Applaus und dem Wissen, dass 10 Minuten später sich kaum einer mehr daran erinnert, kann WeShape eine Bindung zwischen Mitarbeiter und sozialem Engagement erstellen. Vor allem deswegen, weil wir den Spendenprozess demokratisieren. Somit stellen wir sicher, dass alle mit ihrem Arbeitgeber gemeinsam eine Herzensangelegenheit unterstützen. Diese Tatsache führt ebenfalls dazu, dass Mitarbeiter die Inhalte aus dem Feedback-Kanal in ihren eigenen Netzwerken samt Unternehmens-Branding teilen. Sprich, Unternehmen gewinnen zudem ein elegantes Marketing und Employer Branding Tool.

Auswahl von möglichen Projekten für eine Beteiligung über WeShape
Quelle: WeShape

Den Unternehmenszweck mit Purpose anreichern

Ich persönlich mag von allen Vorteilen am meisten, dass Unternehmen ihren Unternehmenszweck sehr einfach mit „Purpose” anreichern können. Folgende starke Idee kam von einem unserer Kunden: Er will ab dem kommenden Jahr seine Unternehmensziele nicht mehr mit traditionellen Wirtschaftskennzahlen den Mitarbeitern kommunizieren, sondern mit sozialen Kennzahlen aus den Projekten seines WeShape-Portfolios. Da sein Spendenvolumen anteilig des Firmenumsatzes ist, kann er anstatt 20% mehr Umsatz nun das Ziel ausrufen: 20% mehr Bäume pflanzen. 20% mehr Kinder zu Schule schicken. Oder 20% mehr sozial Benachteiligte unterstützen. Damit drückt er genau dasselbe Ziel aus wie zuvor, jedoch kann das Team sich damit deutlich mehr identifizieren, da unser Kunde genau weiß, welche Projekte in unserer Software zuvor durch die Mitarbeiter am meisten Unterstützung fanden.

Die mit Spenden zu fördernden Projekte

Wie kommen die zu fördernden Projekte in Euren Pool? Können Unternehmen oder auch Mitarbeiter eigene (insbesondere regionale oder lokale) Vorschläge machen, die Ihr dann aufnehmt?

Ja, das wollen wir definitiv unterstützen. Prinzipiell kann sich jede Organisation, die zum Empfang von Spenden berechtigt ist, bei uns registrieren. Wir prüfen danach die Qualität und Seriosität der Projekte durch ein Screening, Hierbei greifen wir aber auch auf Partner zurück, die basierend auf langer Erfahrung Spendenprojekte durchleuchten und empfehlen.

Eine Progressive Web Application als Basis

Warum denkst Du, dass Beschäftigte gerne ihr eigenes Smartphone nutzen, um eine App zu nutzen, die letztlich ihren Ursprung in der Spenden-Willigkeit ihres Arbeitgebers hat?

Screenshot App WeShape.worldWichtig vorweg: WeShape ist eine sogenannte Progressive Web Application. Sprich, man muss keine App herunterladen und ist weder an ein privates oder geschäftliches Gerät gebunden. Du sprichst es in deiner Frage zwar nicht an, jedoch haben wir uns bewusst für diese moderne Technologie entschieden, da sie bereits Datenschutzbedenken in einigen Unternehmen entgegenwirkt.

Mal abgesehen von plakativen Greenwashing-Versuchen, konnte ich bis heute niemanden finden, der die Spenden-Willigkeit eines Unternehmens prinzipiell blöd findet. Durch das angesprochene Credit-System und Gamification haben die Nutzer viel mehr die Möglichkeit der Interaktion. Dies mündet in das Gefühl, selbst aktiv an dem sozialen Engagement mitwirken zu können. Bis dato waren die Beschäftigten nur Zaungast, von dem man jetzt auch noch die große Anerkennung erwartet.

Auch die Sorge eines Arbeitgebers ist nun obsolet, ob die Beschäftigten eine Spende an ein Projekt gutheißen oder nicht. CO2 reduzieren oder Kinder in Moria unterstützen? Solche Entscheidungen waren bis dato sehr schwer zu treffen. Jetzt können die Beschäftigten tatsächlich selbst entscheiden.

Persönliche Profile können zusätzlichen Nutzen stiften

In der Applikation können Nutzer ein ausführliches persönliches Profil hinterlegen. Warum sollten Sie das aus Eurer Sicht tun?

Datenschutzrechtlich war es uns wichtig, das Profil vom Arbeitgeber zu trennen. Wir ordnen lediglich die Nutzer-ID dem Unternehmen zu, um zu wissen, wie viele Credits und welche Projekte monatlich angezeigt werden. Alle weiteren Informationen sind komplett anonymisiert und lassen keine Rückschlüsse auf einzelne Nutzer zu.

Der gesamte Account als solches liegt bei WeShape und unser Ziel ist es, nicht nur Unternehmen zu mehr sozialer Verantwortung zu bewegen, sondern auch Wissen zu aggregieren. Studien sollen helfen, Antworten auf die drängenden Fragen der Zukunft zu geben. Hierbei sind vor allem demographische Korrelationen und medienwissenschaftliche Aspekte spannend.

Mal andersherum ausgedrückt: Wäre es nicht grandios, wenn wir datenbasiert, künftige politische Entscheidungen beeinflussen könnten und somit der derzeitigen Mittelverschwendung etwas entgegenwirken könnten?

Dennoch möchte ich betonen, dass das Profil komplett frei editierbar ist. Wer uns unterstützen will, kann dies gerne machen und auch im Nachhinein wieder löschen. Wir arbeiten strikt DSGVO-konform und sind somit die deutlich sicherere Wahl, als sich auf den gängigen Plattformen im Netz zu bewegen. Außerdem ist uns unsere Verantwortung und der Faktor „Vertrauen” unserer Kunden und Nutzer bewusst und wichtig.

WeShape.world größer gedacht

Was meintest Du mit „politische Entscheidungen beeinflussen“ und „Mittelverschwendung“ konkret?

Bei „Mittel verschwenden“ sehe ich vor allem politische Entscheidungen und existierenden Geldtöpfe, die nicht zielgerichtet genug eingesetzt werden oder durch „bürokratischen Reibungsverlust“ nicht den Impact haben, der möglich wäre. Beispiele findet man immer wieder in den Entwicklungshilfsprogrammen oder auch ganz aktuell bei den Zuschüssen für Branchen, bei denen klar ist, dass diese nicht zukunftsorientiert sind. Wenn es hierzu belastbare und breit gestreute Informationen aus unserem Wissen über unsere Firmenkunden, Projekte und bis hin zur „Meinung des Einzelnen“ gäbe, fänden wir eventuell Hebel, die die Effizienz dieser Zuwendungen steigert. Ich denke hier auch an Synergien mit anderen Forschungsinstituten, die beispielsweise die Regierung beraten. Aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch Zukunftsmusik.

CSR, Nachhaltigkeit und Purpose versus Kommerz

Die Themen CSR, Nachhaltigkeit oder auch Purpose haben es mittlerweile bis in den Mainstream der Startup-Welt geschafft. Wie gehen für Dich diese Themen zusammen mit einem kommerziellen Geschäftsmodell?

Ich finde die Frage befremdlich – auch wenn ich dir jetzt keinen Unterton unterstelle *lacht*.

Aber mal im Ernst: Die Coronakrise zeigt uns diesen Widerspruch zu deutlich: Systemrelevante Berufe verdienen Mindestlohn und werden mit Beifall bezahlt, während andere Berufsgruppen zeitgleich immer mehr verdienen. Das ist für mich absurd. Wenn ich es schaffe, meinem Team mindestens ein marktübliches Gehalt zu zahlen und wir dabei auch noch die Welt verbessern, dann werde ich das ganz bestimmt tun.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir den Kapitalismus neu definieren müssen. Wir dürfen nicht nur das Finanzkapital berücksichtigen, sondern auch das Sozialkapital, das Naturkapital und das menschliche Kapital. Unternehmen, die heute erfolgreich sein wollen, müssen alle diese Komponenten in ihre Strategie einbeziehen. Vor allem, weil wir es mit einer jungen Generation zu tun haben, die sich viel stärker der negativen Folgen eines Kapitalismus und einer ungehemmten Globalisierung bewusst ist. Es muss ein Umdenken stattfinden.” 

Das sage in dem Fall nicht ich sondern Klaus Schwab. Er ist der Gründer des Weltwirtschaftsforum in Davos.

Weiterentwicklungen der Anwendung WeShape

Welche weiteren Entwicklungen siehst Du für Eure Anwendung in der Zukunft?Technisch gesehen arbeiten wir nun daran, die sozialen Kennzahlen aus den Spenden eines Unternehmens medial und suchmaschinenoptimiert aufzubereiten. Das Ziel dabei: das Engagement auch für zum Beispiel Stellenausschreibungen oder digitale Bilderrahmen im Meetingraum oder Foyer nutzbar zu machen. Auch erarbeiten wir gerade Logiken für Team-Funktionen, damit sich User innerhalb der Anwendung mit anderen zusammenschließen können.

Auf lange Sicht soll es B2C-Features geben und Integrationen für Loyalty-Programme. Wäre doch super, wenn man beim nächsten Einkauf Credits gutgeschrieben bekommt, die man dann auf seine Lieblingsprojekte verteilen kann. Dann hätte Konsum eine neue Nuance.

Mehr Sinnstiftung in den Arbeitsalltag bringen

Gibt es noch eine Botschaft, die Du meinen Leserinnen und Lesern gerne zukommen lassen möchtest?

Wir stehen noch ganz am Anfang. Aber WeShape kann etwas, das bisher noch niemand konnte: Niederschwellig und einfach etwas mehr „social” in jedes Unternehmen zu bringen. Und dabei wirklich alle zu integrieren, um etwas mehr Sinnstiftung in den Arbeitsalltag zu bringen. Ich denke, DAS ist etwas Schönes.

Egal, ob mit WeShape.world oder mit anderen Mitteln – wer es schafft, anderen Sinn zu vermitteln gewinnt auch selbst.

Vielen Dank für das spannende Gespräch und viel Erfolg für Dein Business!

Über den Interviewten:

WeShape.world Gründer und Geschäftsführer Tobias FreundTobias Freund war bis zur Gründung von WeShape über 10 Jahren Unternehmer im Bereich „Online Reputation Management“. In all seinen beruflichen Stationen motiviert es ihn, Fehler in gängigen Prozeduren zu finden und software-basierte Lösungen zu entwickeln. Inhaltlich liegen ihm am meisten die Bereiche Business & Product Development.

Der gebürtige Kölner wohnte bis 2012 in Wien und zog dann nach Berlin, wo er mit seiner Frau und seinem Sohn lebt. Neben Beruf dem Beruf macht er gerne Kampfsport und genießt den Rückzug in die Wälder und Seen des Berliner Umlandes.

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Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

 

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und HR-Szene Influencer betreibe ich diesen Blog und das gleichnamige HR-Portal für Praktiker. Vielen Dank für das Lesen meiner Beiträge und Hören meines Podcasts!

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