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Der recruitingrebels e.V. will mit Eignungsdiagnostik die Personalauswahl professionalisieren

recruitingrebels e.V.: Wie der Verein mit Eignungsdiagnostik die Personalauswahl professionalisieren will

Heute stelle ich Ihnen den gemeinnützigen Verein recruitingrebels e.V. vor. Er will das Personalwesen in Punkto Personalauswahl deutlich professioneller aufstellen. Und die Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis schlagen. Im Interview spreche ich mit drei Vorstandsmitgliedern: Korbinian Riepl, Thimo Fries und Professorin Dr. Anja Lüthy.

Personalauswahl erfolgt in der Praxis oft recht unprofessionell

Anja, Du bist ja als Expertin hier ganz in Deinem Element. Wie siehst Du das Thema professionelle Personalauswahl aus Deiner Sicht als Professorin?

Anja: Ich sehe, dass da noch sehr viel zu tun ist, denn Personalauswahl geschieht heute immer noch in den seltensten Fällen mit wissenschaftlich fundierten und validierten Methoden.

IQ-Tests, die valide, reliabel und objektiv sind, sind leider verpönt und werden viel zu wenig eingesetzt. Außerdem müssen sie von Psychologen durchgeführt werden, die in Unternehmen nicht verfügbar sind. Die meisten Persönlichkeitstests, die auch in die Hände von Psychologen gehören, genügen in der Regel auch nicht Gütekriterien, die Tests erfüllen müssen, um gute Vorhersagen für die jeweilige Eignung im Job vorherzusagen.

Ein zur besetzenden Stelle passendes Assessment Center (AC), das ja eine hohe prognostische Validität hat, zu entwickeln ist Unternehmen oft zu aufwändig. Gleiches gilt für die Kosten, um dieses fortlaufend zu finanzieren. Außerdem fehlt oftmals die Einsicht, dass sich Investitionen in die Personalauswahl dann amortisieren, wenn das mit wissenschaftlich fundierten Methoden ausgewählte Personal auf lange Sicht gute Leistung zeigt und lange im Unternehmen bleibt.

Unternehmen fehlt die Einsicht, dass sich Investitionen in professionelle #Personalauswahl amortisieren, wenn tatsächlich die richtigen #Bewerber eingestellt werden. Klick um zu Tweeten

In Zeiten des demografischen Wandels wird leider oft viel zu schnell jemand eingestellt, ohne überhaupt Eignungsdiagnostik in Erwägung zu ziehen. Die Kündigungsraten in der Probezeit sind entsprechend hoch.

Das Ziel des recruitingrebels e.V.

Was genau ist das erklärte Ziel des e.V.?

Korbinian: Es gibt unglaublich viel anwendungsorientierte, wissenschaftliche Forschung in der Psychologie darüber, wie gute Personalauswahl gestaltet sein muss, um möglichst valide Vorhersagen über den künftigen Berufserfolg von Bewerbern machen zu können. Dabei geht es oft um ganz einfache Dinge, wie zum Beispiel einen strukturierten Interviewleitfaden zu verwenden. Dennoch wird dieses Wissen in Unternehmen kaum angewandt. Unser Hauptziel ist es deshalb, dieses Wissen in die Praxis zu transferieren.

Dabei wollen wir auch Hemmschwellen gegenüber der Nutzung valider Eignungsdiagnostik gezielt angehen, auf den monetären Nutzen valider Personalauswahl aufmerksam machen und Schnittstellen zu anderen Bereichen aus dem HR, wie beispielsweise der Personalentwicklung, aufzeigen.

Thimo: Es geht also darum, zu sehen und zu lernen, was gute, wissenschaftlich fundierte Personalauswahl ist und auch was alles dazu gehört. Es geht darum, das praktisch gut umsetzbar zu vermitteln. Und es geht darum, der Wissenschaft zurück zu spiegeln, was die Organisation mit ihr anfangen kann und was eher Elfenbeinturm ist.

All das von ehrenamtlicher Arbeit getragen und ohne Kosten für die Nutzer.

Prof. Anja Lüthy, Korbinian RIepl und Thimo Fries Gründungsmitglieder und Vorstände im recruitingrebels e.V.
Prof. Dr. Anja Lüthy, Korbinian Riepl und Thimo Fries: Der recruitingrebels e.V. wird die Personalauswahl professionalisieren!

Die Idee zu einem gemeinnützigen Verein zum Thema Personalauswahl

Wie kamt Ihr auf die Idee, die recruitingrebels zu gründen?

Korbinian: Die Idee kam von Thimo Fries. Er war unzufrieden mit dem Status Quo, dass in den meisten Firmen keine qualitativ hochwertige Personalauswahl betrieben wird.

Thimo: Ich habe gelitten. Es war mir unerträglich geworden zu sehen, welche Schäden schlechte Personalauswahl bei Menschen und Organisationen anrichtet. Wie Vorurteile blühen und Talente verdorren.

Das sind ganz schön harte Worte. Aber ich weiß, was Du meinst.

Ja, und dann habe ich, vor allem auf Twitter, gesehen, wie viel Kompetenz und Gestaltungswille es in der Recruiting-Szene gibt und wie sehr wir in Unternehmen hinter dem Stand der Wissenschaft hinterherhinken. Da kam die Idee die Kräfte organisatorisch zu bündeln. „Gemeinsam sind wir stark“ statt „Der Starke ist am mächtigsten allein“. Daher ein eingetragener Verein. Unsere Gemeinnützigkeit war nie in der Diskussion, weil es um die Sache geht und man nur so die richtigen Mitglieder bekommt.

Korbinian: Thimo kam dann auf mich zu und fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, als Diagnostik-Vorstand für den Verein zu fungieren. Nach kurzer Überlegung habe ich direkt ja gesagt.

Know-how Gap zwischen Wissenschaft und Praxis

Wieso unterscheiden sich die eigentlich vorhandenen Möglichkeiten für eine wissenschaftlich valide Personalauswahl so derart von der tatsächlichen Nutzung in der Praxis?

Anja: In der Praxis sind Personalleiter BWLer. Sie haben folglich in der Regel wenig Ahnung von Eignungsdiagnostik, was in das Fachgebiet der Psychologie gehört. Eignungsdiagnostik ist ganz klar ein Feld für studierte Psychologen, die schon in ihrem Psychologiestudium gelernt haben, wie man bei einer Entscheidung zur Besetzung einer Stelle vorgeht und welchen Test man heranziehen bzw. durchführen sollte. Personaler, die BWL studiert haben, kennen in der Regel nur das klassische Interview und Probearbeitstage. Sie meinen außerdem immer noch, der Lebenslauf, also die berufliche und persönliche Vergangenheit eines Bewerbers erlaubt, dessen berufliche Zukunft vorherzusagen. Wir wissen, dass das so nicht stimmt.

Wir wissen, dass der vergangenheitsbezogene #Lebenslauf keine validen Rückschlüsse auf die Leistung im zukünftigen #Job ermöglicht. #recruitingrebels Klick um zu Tweeten

Wie wollen die recruitingrebels vorgehen, um ihre Ziele zu erreichen?

Wie wollt Ihr dieses in Summe doch recht hohe Ziel konkret erreichen?

Thimo: Durch Tun und Reden. Mit Storytelling. Mit guten Beispielen, die den Nutzen wissenschaftlich fundierter Personalauswahl aufzeigen. Und mit Bad Practices, die Schaden und die daraus folgenden Handlungsnotwendigkeiten demonstrieren. Durch Aktionen, die Aufmerksamkeit erregen. Allgemein durch Marketing für unser Thema. Dadurch, dass wir unsere Kraft in den sozialen Medien nutzen.

Weiterhin vertiefen wir den Austausch mit der Wissenschaft, besonders der Psychologie und der Soziologie.

Beispiele der Fragen, die den Verein recruitingrebels beschäftigen lauten daher:

  • Was heißt gute Personalauswahl überhaupt?
  • Welche Anforderungen stellen wir an Recruiter?
  • Was kann KI/AI bei der Personalauswahl leisten?
  • Welche Informationen braucht man von Bewerbern und welche nicht?
  • Wie komme ich an einen guten Auswahltest und einen dazugehörigen Prozess?
  • Sourcing und Eignungsdiagnostik: wie geht das zusammen?

Korbinian: Dazu sind wir sind auf Social Media-Kanälen wie Twitter und LinkedIn aktiv. Gerade kreieren wir ein Logo, bauen eine Internet-Präsenz auf und werden auch eigene Veranstaltungen durchführen.

Die Positionierung der recruitingrebels in der HR-Welt

Da habt Ihr Euch wahrlich viel vorgenommen. Es gibt ja schon heute eine Vielzahl unterschiedlicher Player auf dem Markt. Wie positioniert sich der recruitingrebels e.V. genau in der HR-Welt?

Korbinian: Wir sind ein Verein, der sich auf das Recruiting spezialisiert hat. Unsere Mitglieder verfügen in diesem Bereich über großes Fachwissen. Das schließt mit ein, dass wir uns damit beschäftigen, welchen monetären Nutzen gute Personalauswahl hat. Außerdem kümmern wir uns um die Schnittstellen zu angrenzenden Bereichen, wie der Personalentwicklung. Man wird aber bei uns keine Informationen darüber bekommen, wie man gute Trainings gestalten kann.

Thimo: Man könnte auch sagen, wir sind Lobbyist guter Personalauswahl in der HR-Welt. Wir sind ein Spezialist, der unser Thema in Organisationen jeder Art und besonders bei anderen Lobbyisten treibt. So wie Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften oder HR-Verbände.

Der gemeinnützige #recruitingrebels e.V. versteht sich als #Lobbyist guter #Personalauswahl in der #HR-Welt. Klick um zu Tweeten

Als eines der Gründungsmitglieder des Vereins habt Ihr natürlich meinen vollen Support und gerne die Reichweite meines PERSOBLOGGER-Portals.

Die Gründungsmitglieder des recruitingrebels e.V.

Hier eine Aufstellung der Gründungsmitglieder des recruitingrebels e.V. zur Stunde null:

Vorstand des recruitingrebels e.V.

  • Jessica Lingenfelder (1. Vorsitzende)
  • Korbinian Riepl (2. Vorsitzender)
  • Thimo Fries (Vorstand Finanzen)
  • Prof. Dr. Anja Lüthy
  • Tatiana Dikta
  • Rebekka Mischke (Tezel)
  • Philip Winter

Weitere Gründungsmitglieder

Gründung des recruitingrebels e.V. - als Gast Prof. Dr. Uwe P. Kanning
Gründung des recruitingrebels e.V. am 23.10.2019 in Stuttgart. Zu Gast: Prof. Dr. Uwe P. Kanning (Mitte)

Mitglied im recruitingrebels e.V. werden

Welche Möglichkeiten bestehen denn, ebenfalls Mitglied zu werden?

Thimo: Das ist einfach: Solange wir noch keine eigene recruitingrebels Adresse haben, schreibt mir eure Kontaktdaten über Twitter, LinkedIn, XING oder eine E-Mail an thimo.fries@bosch.com  – ich melde mich dann. Der Mitgliedsbeitrag beträgt übrigens derzeit 49 Euro im Jahr.

Vorteile einer Mitgliedschaft im recruitingrebels e.V.

Welche Vorteile haben Mitglieder des Vereins im Rahmen ihrer Mitgliedschaft?

Korbinian: Man wird Teil eines Netzwerks an Personen, die an guter Personalauswahl interessiert sind. Durch diese kann man enorm profitieren. Darüber hinaus haben Mitglieder die Möglichkeit, den Verein aktiv mitzugestalten. Hier ist ja noch viel Aufbauarbeit zu leisten und wir freuen uns über jede kompetente Mithilfe.

Thimo: Wir sind definitiv ein Verein, bei dem man mitmachen und mitgestalten kann. Wir wollen nicht predigen. Wir wollen, statt Besserwisser zu sein, gemeinsam Bessermacher werden. Unsere Mitglieder haben Zugang zum Lern-Netzwerk Gleichgesinnter und einem Berg an Expertise in der Personalauswahl.

Wir arbeiten an Mitgliedervorteilen und kostenfreien Informations- und Schulungsangeboten. Ein Thema wird z.B. das Berufsbild der RecruiterIn sein.

Die Ziele der recruitingrebels im Alltag unterstützen

Wie kann denn jeder einzelne Personaler auch außerhalb der Mitgliedschaft schon einen Beitrag zum erklärten Ziel der recruitingrebels leisten?

Thimo: Mit uns Reden und Texten. Sowie gerne auch kritische Fragen stellen. Teilt uns Euer Wissen und Eure Erfahrungen in der Personalauswahl mit! Folgt unserem Hashtag #recruitingrebels auf Twitter und LinkedIn.

Zudem kann jeder bei der LinkedIn-Gruppe recruitingrebels Mitglied werden – unverbindlich und kostenlos.

Da die Zielsetzung meines Formats in die gleiche Richtung geht, HR-Arbeit zu professionalisieren und verstehbar zu erklären, ergänzt sich das tatsächlich gut.

Thimo: Und sich selbst und die eigene Menschenkenntnis nicht so wichtig nehmen. Nicht nur aus dem Bauch heraus entscheiden, sondern evidenzbasiert. Best Practices teilen. Einen Eignungsdiagnostiker über den Auswahlprozess schauen lassen.

Korbinian: Ich denke, jeder, der Personalauswahl macht oder Personalentscheidungen trifft, sollte sich bewusst sein, dass man oft mit relativ einfachen Mittel deutlich besser sein kann, als mit reinem Bauchgefühl. Dies hat nicht nur einen hohen monetären Nutzen für das Unternehmen, sondern erhöht auf die Fairness gegenüber den Bewerbern.

Ich denke, wenn diese Message ankommt, haben wir schon viel gewonnen.

Entscheidungen der #Personalauswahl evidenzbasiert treffen, statt mit #Bauchgefühl, bringt monetären Nutzen und erhöht die Fairness gegenüber #Bewerber Klick um zu Tweeten

Mehr Wissenschaftlichkeit im Recruiting verankern

Welchen Beitrag kannst Du für die recruitingrebels in Deiner besonderen Rolle an dieser Stelle leisten?

Anja: Ich bin sowohl Diplom Psychologin als auch Diplom Kauffrau, habe also sowohl von der klassischen Personalauswahl im BWL Sinne Ahnung als auch von Eignungsdiagnostik.

Auch betreue ich an der TH Brandenburg im Studiengang BWL, unter anderem im Fach Personalmanagement, pro Jahr rund zehn empirische Bachelorarbeiten. Derzeit beschäftigen sich viele davon mit dem Thema „Professionelles Recruiting im Zeitalter der Digitalisierung und des Fachkräftemangels“. So führen wir zum Beispiel eine empirische Befragung zum Thema „Der Stellenwert und die Aussagekraft von Videobewerbungen“ bei rund 100 Recruitern durch, die aus dem ganzen Bundesgebiet stammen.

Ich denke, dass die Ergebnisse dieser Studie sicherlich auch interessant für die recruitingrebels sind. 

Nicht nur für diese. Gerne könnt Ihr für die Verbreitung auch mein HR-Studien und Infografiken Portal auf PERSOBLOGGER.de nutzen.

Weitere Infos zu den recruitingrebels und zu Eignungsdiagnostik

Wir werden sehen, wie sich die Arbeit des Vereins recruitingrebels e.V., den wir ja erst im Oktober 2019 gegründet haben, entwickeln wird. Als Verfechterin von Untersuchungen beziehungsweise Befragungen, die Tatsachen empirisch belegen, hoffe ich dazu beizutragen, dass „Recruiting aus dem Bauch heraus“ in absehbarer Zeit endlich der Vergangenheit angehören wird und sich an wissenschaftlich belegten Methoden orientieren wird.

Ich wünsche Euch, genau genommen uns, mit dem recruitingrebels e.V. ganz viel Erfolg!

Mitrebel Philip Winter hat zum Thema Einführung in die Eignungsdiagnostik aktuell einen Beitrag hier auf PERSOBLOGGER.DE.

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Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und HR-Szene Influencer betreibe ich diesen Blog und das gleichnamige HR-Portal für Praktiker. Vielen Dank für das Lesen meiner Beiträge und Hören meines Podcasts!

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