Jobs auf Facebook ist live gegangen in Deutschland

Jobs auf Facebook – Praxistest: Was kann die neue Social Media Stellenanzeige?

Jetzt auch in Deutschland live gegangen: Jobs auf Facebook. Zahlreiche Unternehmen nutzen bereits die Möglichkeiten mit kostenfreien Stellenanzeigen über Social Media zu rekrutieren. Mein Praxistest zeigt in zahlreichen Screenshots, wie sich Recruiting mit Facebook für Unternehmen und Jobsuchende anfühlt.

Jobs auf Facebook jetzt auch in Deutschland verfügbar!

Eine Nachricht, auf die die HR-Szene lange gewartet hat: Jetzt ist also die neue Facebook-Funktion „Jobs auf Facebook“ auch in Deutschland gestartet. Damit steigt ein weiterer US-Riese in den lukrativen Markt mit Stellenanzeigen ein. In meinem Praxistest möchte ich herausfinden, wie gut die Personalbeschaffung über den neuen Kanal bereits funktioniert und ob Unternehmen bedenkenlos loslegen können.

Der Praxistest von Jobs auf Facebook

Kürzlich hatte ich bereits einen ersten Beitrag über Jobanzeigen auf Facebook geschrieben. Und jetzt starte ich einen ersten Live-Praxistest. Dazu verwende ich meine beiden Facebook-Profile sowie die Unternehmensseite meines (2019: jetzt ehemaligen) Fotografie-Gewerbes.

Damit ist es mir möglich, den kompletten Recruitingprozess auf beiden Seiten (als Unternehmen und Bewerber) zu durchlaufen und zu testen. Also starten wir in einen sehr bilderreichen Praxistest.

Neuer Menüpunkt „Jobs“

Unter dem Hauptmenüpunkt „Entdecken“, unter dem sich auch Gruppen, Veranstaltungen und Seiten finden, steht nunmehr der Untermenüpunkt „Jobs“. Diese kleine Wort führt mich als Unternehmen in die neue Welt von Jobs auf Facebook. Sofern Sie nicht der Bewegung #deletefacebook gefolgt sind und Ihr Unternehmensprofil auf der Plattform gelöscht haben.

Facebook bewirbt die neue Funktion deutlich mit einem bunten Banner.

Über den Button „Jobanzeige posten“ lege ich gleich los.

Jobanzeige auf Facebook veröffentlichen

Die Eingabemaske für meine neue Stellenanzeige ist sehr übersichtlich. Facebook bietet mir unter anderem an, das Titelbild meiner Unternehmensseite ebenfalls als Titelbild für die Stellenanzeige zu verwenden. Da das Format nicht wirklich passt, entscheide ich mich für mein Pressefoto. Immerhin möchte ich eine Stelle als Fotograf ausschreiben – da sollte der zukünftige Chef schon mal Gesicht zeigen.

Eingabefelder für Jobs auf Facebook

Die Berufsbezeichnung, der Standort sowie die Art des Jobs (in diesem Fall Teilzeit), sind schnell eingetragen. Etwas mehr Mühe geben sollten Sie sich aber beim Text, der bis zu 5.000 Zeichen lang sein kann. Ich habe hier quick und dirty gerade mal den in der Vorschau des Postings sichtbaren Bereich mit Worten gefüllt. Apropos Vorschau: Sie haben im rechten Fensterbereich die Möglichkeit, in einer Live-Vorschau Ihre Stellenanzeige jederzeit zu betrachten. Sehr praktisch!

Gehälter in Stellenanzeigen auf Facebook

Entgegen meiner Erwartungen, hat Facebook die Eingabe eines Gehalts lediglich als optionale Angabe definiert. Möglicherweise ändert sich dies noch, falls die Plattform versucht, eine Gehaltsdatenbank voranzutreiben. Vorstellbar wäre es. Auch mit Blick auf das aktuelle Trendthema „Gehaltstransparenz“ (dazu demnächst mehr auf diesem Blog).

Zusätzliche Frage für den Personalauswahlprozess

Die Eingabemöglichkeit für eine zusätzliche Frage nutze ich prompt: Ich möchte wissen, wie es um die Vorerfahrungen der Bewerber (m/w/d) bestellt ist. Da es sich um Freitexteingaben handelt, ist kein automatisiertes Matching möglich. Wobei es so wahrscheinlich erstmal besser und einfacher ist.

Posten der Jobanzeige im Profil des Unternehmens

Dann klicke ich auf „Jobanzeige veröffentlichen“. Den Beitrag wie angeboten auch gleich noch zu bewerben, lasse ich mal aus. Die Eingabemaske hinter dem Punkt kennen Sie wahrscheinlich eh bereits durch das Schalten von Werbeanzeigen via Facebook.

Jobanzeige auf Facebook läuft 30 Tage

Nach dem Veröffentlichen erhalte ich eine Benachrichtigung, dass meine Anzeige nunmehr 30 Tage lang aktiv ist und ich vor dem Ablauf nochmals benachrichtigt werde.

Perspektivwechsel Jobsuchender

Jetzt wechsele ich in mein Persoblogger-Facebook-Profil und nehme die Rolle des Jobsuchenden ein. Über den Menüpunkt „Jobs“ wechsele ich in die Suchmaske. Hier werden mir angeblich bereits alle Jobs in der Nähe angeboten. Das sind nicht besonders viele, was allerdings aufgrund der kurzen Zeitstrecke, die Jobs auf Facebook live ist, wenig verwundert.

Sehr seltsam finde ich allerdings, dass meine Suche nach dem im Titel meiner Stellenanzeige enthaltenen „Fotograf“ nur zu einem einzigen Treffer führt, der allerdings eine Anzeige eines anderen Unternehmens zeigt. Ich fürchte, dass die Jobsuchfunktion -wie leider bei vielen Stellenbörsen und Social Media Plattformen- bei Facebook ebenfalls noch deutlich optimierungsfähig ist.

Abhalten kann mich das natürlich nicht. Ich steige also über die akindofart-Unternehmensseite ein und finde die neue Stellenanzeige im Profil ganz oben als letztes Posting.

Da ich den Inhalt ja kenne, klicke ich sofort auf „Jetzt bewerben“.

Bewerbung via Jobs auf Facebook

Nun finde ich bereits vorausgefüllt meine zukünftige Bewerbung auf Basis meiner Profildaten. Da ich diese nicht wirklich pflege (dafür nutze ich XING und LinkedIn), sind die Angaben extrem dürftig. Vermutlich dürfte das auch bei anderen Nutzern eher die Regel sein. Bislang bestand ja wenig Grund, seine Businessdaten in das eher private Social Media Netzwerk einzutragen.

Meine Vermutung: Zukünftig wird Facebook das Ausfüllen von Profil-Informationen mit Blickrichtung Jobsuche deutlich pushen. Derzeit kann ich meine Minimal-Bewerbung tatsächlich so abschicken. Ein Hinweis informiert mich darüber, dass meine Bewerbung nur auf der Unternehmensseite eingeht und nicht geteilt wird. Na das wäre auch noch schöner!

Ein Screen zeigt mir an, dass ich mich jetzt beworben habe. Ich kann die Bewerbung nochmals ansehen oder nach weiteren Jobs suchen.

Beim Klick auf die erste Option, zeigt mir Facebook die Bewerbung erneut:

Bewerbungseingang über den Facebook-Messenger

In meinem Unternehmensprofil geht derweil meine Bewerbung via Facebook-Messenger als Anhang ein.

Hätte ich nicht sofort selbst nachgesehen, hätte ich eine Mitteilung in der Statusleiste dazu erhalten.

Bearbeitung von Bewerbungen via Facebook Messenger

Beim Klick auf die Bewerbungsdatei sehe ich meine vorhin abgesendeten Daten.

Personalauswahl und Bewerbermanagement via Facebook

So, jetzt der spannende Teil: Das Handling der eingegangenen Bewerbung. Dabei stehen mir verschiedene Optionen zur Verfügung:

  • Kontaktaufnahme mit dem Bewerber
  • Status im Bewerbungsprozess festlegen
  • Gespräch vereinbaren

Bewerbungsgespräch via Facebook vereinbaren

Da ich mir diesen Persoblogger Stefan Scheller gerne mal persönlich ansehen möchte, klicke ich auf den Button zum Vereinbaren eines Bewerbungsgesprächs. Jetzt kann ich für das Vorstellungsgespräch einen mir passenden Termin erstellen.

Anschließend stelle ich den Status auf „Gespräch vereinbart“. Auf der Bewerberseite geht im Messenger nun eine Nachricht mit einem Termin ein. Seltsamerweise ist hier die Vorbelegung bereits „Termin Bestätigt“, bevor ich mich als Bewerber dazu überhaupt äußern konnte.  Auch habe ich nur die Möglichkeit, den Termin zum Kalender hinzuzufügen oder Details anzuzeigen. Diese „Friss oder stirb“-Mentalität ist mir dann doch ein wenig fremd und eher nicht bewerberfreundlich. Hier sollte Facebook nachlegen, zumal in Deutschland „Termin bestätigt“ meint, dass der Bewerber den Terminvorschlag des Unternehmens bestätigt.

Immerhin könnte ich als Bewerber den Termin über die Detail-Ansicht per Schaltfläche ganz unten auf dem Smartphone absagen.

Lieber wäre mir jedoch die Möglichkeit, eigene Vorschläge zu unterbreiten.

Alternative Bewerberkommunikation via E-Mail

Nachdem ich beschlossen habe, meinem Bewerber doch keine Chance auf ein Gespräch zu geben, habe ich den Status auf abgelehnt gesetzt. Fairerweise hätte ich natürlich im Echtfall jetzt eine Nachricht an den Bewerber gesendet.

Dies ist übrigens auch via E-Mail möglich. Für alle, die bei einer Abwicklung über den Facebook-Messenger dann doch Datenschutzbedenken haben. Wobei eine unverschlüsselte E-Mail, die eventuell auch irgendwie von Facebook getrackt wird, mir nicht sonderlich besser erscheint.

Kein Ersatz für ein Bewerbermanagementsystem

An dieser Stelle zeigt sich, dass die Möglichkeiten der Bewerberverwaltung via Jobs auf Facebook kein klassisches Bewerbermanagementsystem ersetzen. Denn während ich auf Facebook als Unternehmen den Status der Bewerbung bereits auf Absage gestellt habe, poppt bei mir als Bewerber noch immer die Termininfo im Kalender auf. Mal ganz abgesehen davon, dass es keinerlei Historie gibt oder automatische Verknüpfungen zwischen Status und Kontaktaufnahme mit dem Bewerber. Bearbeitungsverlauf oder Revisionssicherheit ebenfalls Fehlanzeige.

Stellenbesetzung via Facebook abgeschlossen

Also beende ich meinen Praxistest damit, dass ich die Stellenausschreibung abschließe. Immerhin fragt mich die Plattform jetzt, ob ich meine Stelle über Facebook besetzen konnte. Dies verneine ich. Auch will ich die Jobanzeige erstmal nicht erneuern.

Erstaunlicherweise haben trotz Top-Wetter am Pfingstmontag innerhalb von 10 Minuten bereits 7 Personen die Anzeige, die keine echte war, gesehen. Wenn man mal keine Reichweite haben will, dann das …

Fazit zum Praxistest von Jobs auf Facebook

Ein Anfang ist getan. Facebook nimmt sich der Jobsuche an. Dabei geht die Plattform analog ihrem Vorgehen bei Werbeanzeigen den Weg über strukturierte Daten und kann damit weitere wertvolle Informationen über ihre Nutzer generieren.

Die tatsächlichen Möglichkeiten sind allerdings noch extrem begrenzt. Insbesondere werden größere Unternehmen mit einem prozessual integrierten Bewerbermanagementsystem vermutlich nicht in größerem Umfang Stellenanzeigen zusätzlich auf Facebook schalten. Zumal das Datenschutz-Thema noch zu klären wäre. Allerdings bleibt zumindest alternativ die E-Mail-Kommunikation.

Kleinere oder Kleinstunternehmen, die weder über große Budgets, noch über ausgereifte Recruiting-Prozesse und Tools verfügen, können jedoch möglicherweise vom neuen Jobs auf Facebook profitieren. Vorausgesetzt, die Suche nach Jobs funktioniert korrekt und erwartet nicht, dass Unternehmen ihrer Stellenanzeige von vorn herein mit einer finanziellen Zuwendung den nötigen Push in Richtung Sichtbarkeit geben. Möglich wäre es allerdings, dass nur bezahlte Anzeigen tatsächlich in der allgemeinen Suche erscheinen und unbezahlte lediglich über die Unternehmensseite zugänglich sind.

Alles in allem dürfte Facebook mit den ersten Funktionen seinen Fuß in die Tür des Recruiting-Business gesetzt haben. Den richtig großen Wurf, der die Szene komplett umgräbt und den Prozess der Personalbeschaffung disruptiv verändert, sehe ich allerdings noch nicht. Und ob die Nutzer Facebook tatsächlich den Status als Business-Netzwerk zugestehen, wird sich ebenfalls zeigen.

Bis dahin: Werfen Sie gerne einen Blick auf die neuen Möglichkeiten von Jobs auf Facebook und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

P.S.: Mein Fotografie-Gewerbe betreibe ich nicht mehr. Jetzt besteht mein Leben aus Vollzeit HR – PERSOBLOGGER.DE ist seit 2020 ein HR-Portal.


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Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

 

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger und HR-Szene Influencer betreibe ich diesen Blog und das gleichnamige HR-Portal für Praktiker. Vielen Dank für das Lesen meiner Beiträge und Hören meines Podcasts!

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DANKE.

2 Antworten

  1. Hallo Stefan, du hast das Thema Datenschutz in deinem sehr gelungenen Artikel angesprochen. Wie bewertest du den Bewerbungseingang über den Facebook-Messenger? Da man ja nicht weiß, was FB am Ende des Tages mit den gespeicherten Daten macht.

    1. Hallo Anke,
      Facebook hat noch immer ein generelles Datenschutz-Problem. So lange Unternehmensseiten nicht DSGVO-konform möglich sind, kann auch ein Aufsetzen von Business-Prozessen auf dieser Basis kaum Datenschutz-konform sein.
      ABER: Bei vielen Unternehmen ist die Not extrem hoch (Stichwort: Fachkräftemangel). Daher nehmen einige davon (wissentlich oder oft gar unwissentlich) das Risiko eines Verstoßes in Kauf. Es gilt natürlich auch hier: „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Allerdings könnte ich die Nutzung keinesfalls guten Gewissens empfehlen. Was umgekehrt nicht heißt, dass ich auch davor warnen müsste.
      Viele Grüße
      Stefan

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