Jobanzeigen auf Facebook - Titel

Jobanzeigen auf Facebook: Stößt die Jobbörse die Tür zum Recruiting-Business-Netzwerk auf?

Facebook wird zur Jobbörse. Stellenausschreibungen auf Facebook-Unternehmensseiten werden schon bald zum Standard gehören. Nach dem gerade erfolgten Rollout in weiteren 40 Ländern, steht in Kürze Deutschland auf dem Plan. Wird Jobanzeigen auf Facebook oder Jobs on Facebook, wie es in den USA bezeichnet wird, zum Türöffner für das soziale Netzwerk in Richtung Business-Netzwerk? Ist Facebook zukünftig für ein erfolgreiches Recruiting unverzichtbar?

Ein Blick auf die Fakten sowie eine Einschätzung der Auswirkungen auf die Praxis.

Facebook bisher rein privates soziales Netzwerk

Aktuell gilt Facebook sowohl in der Eigendarstellung sowie in der rechtlichen Beurteilung als privates soziales Netzwerk. Das heißt, dass das Sammeln von privaten Daten von Bewerbern auf deren Facebook-Profilen kein legitimes Mittel im deutschen Recruiting-Prozess darstellt. Die Privatsphäre der Nutzer wird hier im Zweifelsfall stärker geschützt als auf XING oder LinkedIn. Letztere gelten als sogenannte Business Netzwerke. Insofern ist das Geschäftsmodell Jobsuche, Stellenanzeigen und Jobvermittlung hier naheliegender und gehört seit längerem zum Kerngeschäft.

Facebook wird zur Stellenbörse

Der Recruitingmarkt ist ein Multi-Milliarden Markt. Daher rüsten sich derzeit alle großen Anbieter für ganz eigene Geschäftsmodelle. Neben Google for Jobs, das ebenfalls kurz vor der Veröffentlichung in Deutschland steht, steigt auch LinkedIn durch die Integration in das Office-Produkt Microsoft Word noch aktiver ins Rennen ein. Auch Facebook experimentiert in den USA schon einige Zeit mit Jobs. Bereits seit 2016 gibt es ein eigenes Beitragsformat Jobs, mit dem einfache Stellenanzeigen in den Newsfeed der Follower gebracht werden können.

#Facebook wird zur #Stellenbörse und damit zur #Konkurrenz von @LinkedInDACH und @XING_de Klick um zu Tweeten

Veröffentlichung von Jobanzeigen auf Unternehmensseiten

Im Juli 2017 folgte das neue Feature, das eine Bewerbung direkt über Facebook ermöglicht. Stellen können jetzt im neuen Job-Bereich direkt auf der Unternehmensseite in einem eigenen Menüpunkt veröffentlicht und verwaltet werden. Zum einen sind diese damit auf der Unternehmensseite beziehungsweise Facebook-Karriereseite übersichtlich zusammengefasst. Zum anderen übernimmt Facebook die Anzeigen zusätzlich in eine eigene Jobbörse.

So veröffentlichen Sie Jobanzeigen auf Facebook

Im Grunde ist die Stellenausschreibung via Facebook ganz einfach. Über einen eigenen Button, der im englischen die Beschriftung „Create Job“ trägt, wird ein Assistent gestartet, der Sie durch sieben Schritte führt. Beginnend mit einer Einleitung, die direkt unterhalb des Namens der Unternehmensseite veröffentlicht wird, bevor Sie dann ein Foto für Ihre Stellenanzeige auf Facebook auswählen können.

Als nächstes folgt der Jobtitel sowie der Ort, an dem der Job ausgeschrieben ist. Zusätzlich müssen Sie eine Gehaltsangabe machen mit Auswahlmöglichkeiten beim Zeitintervall (Stundenlohn, Tageslohn, Wochenlohn, Monatslohn).

https://www.facebook.com/marketing/videos/10155176843661337/

Quelle: www.facebook.com/business/news/take-the-work-out-of-hiring

Schließlich stellen Sie die Art der Beschäftigung ein, z.B. ob es sich um einen Job in Vollzeit oder Teilzeit handelt.

Am Ende folgt der wichtigste Teil der Stellenausschreibung: Der eigentliche Text mit den Aufgaben, Anforderungen und weiteren für potentielle Bewerber wichtigen Informationen. Facebook bleibt trotz der neuen Möglichkeiten ein soziales Netzwerk, dessen Inhalte vermehrt mobil konsumiert werden. Daher sollten Sie bei der Erstellung Ihrer Jobanzeige diesem Umstand Rechnung tragen und die 5.000 Zeichen-Grenze beachten. Facebook selbst gibt hier recht rührige Tipps für die Erstellung effektiver Jobanzeigen:

Jobanzeigen auf Facebook
Quelle: Facebook

Neben Werbeanzeigen jetzt auch Stellenanzeigen auf Facebook

Wer schon einmal eine Werbeanzeige auf Facebook erstellt hat, wird sich beim Prozess der Stellenausschreibung auf Facebook recht wohl fühlen. Besonders gut gefällt mir die direkte Vorschau der erstellten Stellenanzeige mit der Option, zwischen der Ansicht im Desktop Newsfeed und dem Mobile Newsfeed der Nutzer zu wechseln.

Job-Bereich auf Facebook konkurriert mit Stellenbörsen

Die Jobanzeigen werden einerseits über den Newsfeed potenzieller Bewerber sichtbar gemacht, andererseits baut Facebook einen eigenen Job-Bereich auf. Damit tritt das soziale Netzwerk endgültig in Konkurrenz zu den klassischen Stellenbörsen.

Aufgrund der zahlreichen vorhandenen Daten in den Profilen der Nutzer, liegt eine durchaus beachtliche Matching-Grundlage vor. Diese mag aufgrund des bislang eher privaten Charakters von Facebook zwar (noch?) deutlich hinter LinkedIn oder XING zurückliegen. Allerdings bieten die meisten Stellenbörsen Jobs ja sogar nur auf Basis von in Suchmasken eingegebenen Einzelbegriffen an. Über den Nutzer wissen sie wenig bis nichts. Daher könnte Facebook zumindest in dieser Hinsicht mutmaßlich relevantere Ergebnisse anzeigen.

Auch dürften die Filter-Möglichkeiten auf Facebook am Anfang noch hinter den zahlreichen Optionen auf professionellen Jobbörsen zurückstehen. Was allerdings noch zu beweisen wäre.

Bewerben mit dem Facebook-Profil

Die Bewerbung auf eine Stellenanzeige ist für den Jobsuchenden ebenfalls vergleichsweise einfach. Den englischen „Apply now“-Button wird es in einem deutschsprachigen Pendant „Jetzt bewerben“ sicher auch geben.

Facebook übernimmt nach dem Klick alle bereits für das Ausfüllen des folgenden Bewerbungsformulars im Profil des Nutzers vorhanden Informationen und belegt die entsprechende Datenfelder vor. Eine sehr praktische und zeitsparende Funktion. Der Nutzer kann vor dem Absenden des Formulars jedoch beliebige Änderungen vornehmen und ist nicht an die Vorbelegung gebunden.

Aber warum viel erklären, schauen Sie sich das Video von Facebook einfach selbst an.

https://www.facebook.com/marketing/videos/10155179772626337/

Quelle: www.facebook.com/business/news/take-the-work-out-of-hiring

Profil-Updates für Lebenslauf-Informationen?

Die große Frage, die ich mir stelle: Wer hat sein Facebook-Profil derzeit mit jobrelevanten Informationen im Stile von XING und LinkedIn ausgestattet? Werden Nutzer mit Blick auf Facebooks Jobanzeigen-Board zukünftig fleißig Daten nachpflegen? Ich habe so meine Zweifel. Vielmehr könnte es dazu kommen, dass Bewerber mit extrem rudimentären Daten bei Unternehmen aufschlagen. Die One-Click-Bewerbung ist ja bereits heute nicht unbedingt Recruiters Liebling.

Facebook glaubt jedenfalls an seinen neuen Service für Jobsuchende und daran, dass die Nutzer dafür sensibel mit ihren Privatsphäre-Einstellungen umgehen werden. Wobei mit einer Bewerbung via Facebook, anders als per klassischer Social Media Bewerbung, keine Zugriffsrechte auf das Nutzerprofil des Bewerbers verbunden sind. Die Bewerbungsdaten werden nämlich unabhängig vom Profil übermittelt.

Bewerberkommunikation via Facebook Messenger

Die Bewerbungsdaten selbst werden über den Facebook Messenger als Nachricht an das Unternehmen gesendet. Damit ist bereits ein wesentlicher Grundstein gelegt, mit dem Bewerber in 1:1-Kontakt zu treten und ihn oder sie sofort und überall zu erreichen. Das Problem mit Nachrichten aus dem Bewerbungsprozess, die ungewollt im Spam-Ordner des Bewerbers landen, haben Sie so nicht mehr.

Dafür stellen sich natürlich eine Reihe anderen Fragen, sowohl prozessual als auch mit Blick auf die europäischen und deutschen Datenschutzgesetze. Zum Thema Bewerber-Kommunikation via Whatsapp (gehört zu Facebook) habe ich ja bereits einen Blogbeitrag geschrieben.

Social Recruiting via Facebook wird noch einfacher

Im Grunde wird Social Recruiting durch Jobanzeigen auf Facebook noch einfacher. Allerdings sollten Sie spätestens jetzt Ihre Recruiterinnen und Recruiter fit für Social Media Kommunikation machen. Oder Ihren Social Media Manager in den Recruitingprozess integrieren. Bestenfalls sogar beides. Denn für Social Recruiting gelten ganz eigene Regeln. Schnelle, zielgruppenspezifische und medienkonforme Kommunikation sind das A und O.

Jobanzeigen auf Facebook für den Mittelstand

Insbesondere Mittelständler, die bisher kaum die finanziellen Mittel aufbringen konnten, um exklusive Stellenanzeigen auf den großen Jobbörsen zu schalten, dürften sich über die neuen Möglichkeiten freuen. Allerdings hilft eine noch so ansprechend gestaltete Stellenanzeige auf Facebook genauso wenig wie ein Unternehmensprofil, wenn beide niemand findet.

Facebook wird Unternehmen mit den neuen Features daher nicht auf einmal Reichweite oder neue Bewerber schenken. Die klassischen Regeln für eine Sichtbarkeit auf Facebook gelten weiterhin. Und die lauten auf den Punkt gebracht: Relevanten Content liefern und die passenden Zielgruppen systematisch aufbauen!

Cat-content Inhalte von Facebook-Newsfeeds werden von Katzen dominiert
Cat content ist nur auf Katzenseiten relevanter Content!

Kostenlose Jobanzeigen für 30 Tage auf Facebook

Die reguläre Laufzeit von Stellenanzeigen auf Facebook beträgt 30 Tage. Anschließend werden die Anzeigen inaktiv. Jobanzeigen auf Facebook sind kostenfrei. Selbstverständlich erfolgt eine erhöhte Sichtbarkeit oder besondere Ausspielung an die gewünschten Zielgruppen nur gegen Entgelt.

Jobanzeigen auf Facebook und der Datenschutz

Zahlreiche Unternehmen haben sehr strenge Regeln, was die Nutzung von Social Media für die Bewerberkommunikation angeht. In den Social Media Guidelines finden sich deutliche Hinweise darauf, dass vertrauliche und streng vertrauliche Daten wie Bewerberinformationen, nicht über Social Media versendet oder entgegengenommen werden dürfen. Hier wird sich zeigen, in wie weit ein Umdenken im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten stattfinden kann. So lange das Schutzobjekt oder besser Schutzsubjekt des Datenschutzes der einzelne Bewerber ist, müsste die Einhaltung gewisser Regeln von diesem explizit für verzichtbar erklärt werden können.

Ob die ab Mitte Mai geltende europäische Datenschutzgrundverordnung DSGVO die Nutzung nicht europäischer Social Media Plattformen und Server zur Bewerberkommunikation in der Praxis tatsächlich ausschließen kann, wird sich zeigen. Meiner Meinung nach werden die großen Plattformen wie Facebook Lösungen und damit den Zugang zu den Abermillionen Jobsuchenden auch in der EU finden.

Wahrscheinlich sind die recht strengen Datenschutzregeln in Europa einer der Gründe, warum Facebook seine Jobanzeigen-Features bislang in Deutschland noch nicht live geschaltet hat.

Jobanzeigen sind in Google for Jobs sichtbar

Einen großen Unterschied gibt es zwischen Google und Facebook: Während der Suchmaschinengigant auf Offenheit der Systeme setzt und Stellen aus allen möglichen Quellen im Internet Zugang zu seinem Service gewähren will, setzt Facebook auf die Kraft des eigenen Ökosystems. Aber: Entgegen erster Vermutungen, werden Jobanzeigen via Facebook nun doch von außen zugänglich sein. Wer am System teilhaben möchte, muss sich nicht erst anmelden und den Facebooks Regeln unterwerfen. Google for Jobs wird den Anzeigen gar eine prima Reichweite beschweren.

Fazit zu Jobanzeigen auf Facebook

Facebook wird mit seinem Jobanzeigen-Engagement den Nerv der Zeit treffen, die Jobsuche möglichst unterschwellig zu unterstützen und den Bewerbungsprozess nach Kräften zu vereinfachen. Vielleicht sind Jobanzeigen auf Facebook tatsächlich mehr als nur eine weitere Werbemöglichkeit.

Klar ist: Unternehmen müssen ihre teilweise sehr dürftig gepflegten Unternehmensseiten aktualisieren und regelmäßig updaten. Spätestens wenn die Nutzung von Jobanzeigen auf Facebook zum Renner wird. Natürlich erhofft sich Facebook, das teilweise rückläufige Engagement von Unternehmen auf der Plattform wieder anzukurbeln und die zahlende Kundschaft zu halten und auszuweiten.

Gelungen ist es Facebook jedenfalls, standardisierte Stellenanzeigen im Markt einzuführen, die einer Auswertung via Big Data Analysen aufgrund der Einheitlichkeit sehr zugänglich sind. In wieweit das gleichzeitig zu einer Förderung der immer noch in der Kritik stehenden Gehaltstransparenz (dazu auf diesem Blog in Kürze mehr) führt, ist jedoch ebenfalls offen. Genau wie der Starttermin von Jobanzeigen auf Facebook.

Mein Tipp

So oder so gilt es für Sie als Personaler, die Augen offen zu halten. Facebook selbst hat die entsprechenden Landingpages bereits übersetzt und zeigt eine Grafik mit der Aussage „In Kürze verfügbar“. Der Deutsche Markt steht in Lauerstellung.

Jobanzeigen auf Facebook kommen bald auch in Deutschland
Quelle: https://www.facebook.com/jobs_coming_soon/

Die aufgeführten Informationen habe ich sorgfältig aus unterschiedlichen Quellen (siehe Kennzeichnung) recherchiert. Änderungen zum Zeitpunkt der offiziellen Verfügbarkeit von Jobanzeigen auf Facebook sind natürlich möglich.

Als Persoblogger.de-Leser sind Sie jedenfalls weiterhin am Puls der Zeit.


Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger betreibe ich diesen Blog und das gleichnamige HR-Portal für Praktiker. Als HR-Manager in einem IT-Unternehmen und Szene-Influencer, danke ich Ihnen für das Lesen meiner Beiträge und hören meines Podcasts.

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DANKE.

2 Antworten

  1. Ich persönlich, finde es eine gute Idee, dass man Stellen auf Facebook aufschalten kann, da dies nebst Personen die auf Stellensuche sind auch diejenigen anspricht die gerade nicht aktiv suchen, jedoch dennoch interessiert daran sein könnten.
    Wichtig ist dabei zu schauen, dass man die richtige Zielgruppe anspricht. Inwiefern spezifische Personengruppen wie beispielsweise Fachärzte hiermit angesprochen werden können, bleibt offen. Hier könnten sich etablierte Kanäle wie Personaldienstleister (Beispiel Clickjob) und spezifisch auf den Zweck aufgerichtete Plattformen (Beispiel LinkedIn) weiterhin bewähren.

    1. Liebe Tara,
      vielen Dank für den Kommentar zu meinem Beitrag Jobanzeigen auf Facebook.
      Die große Herausforderung für Recruiter und Personalmarketing-Verantwortliche liegt darin, die immer mehr werdenden Portale und Plattformen hinsichtlich der damit erreichbaren Zielgruppen zu analysieren und effektiv zu nutzen. Gerade für kleinere Unternehmen mit HR-Generalisten, ist das alles andere als leicht zu bewältigen. Ich werde auf Persoblogger.de daher weiter zu den lohnenswerten Themen berichten.
      Viele Grüße in die Schweiz
      Stefan

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