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Die Universum Employer Branding Conference und Awardverleihung 2014 in Stuttgart

Alle Jahre wieder … ist nicht nur Weihnachten, sondern auch Zeit für Arbeitgeberrankings. Wie der Mitbewerber Trendence, so lädt auch Universum Global die HR-Szene zur offiziellen Urteils-, äh Ergebnisverkündung sowie der Verleihung der Arbeitgebersiegel und Urkunden zu einem Thementag ein. So auch am gestrigen Donnerstag, den 24.04.2014.

In diesem Beitrag berichte ich von den Inhalten der Personalerkonferenz sowie der anschließenden Abendveranstaltung mit Gala-Dinner und gebe Einblick in die Topplatzierungen im Arbeitgeberranking Student Survey 2014 von Universum.

Arbeitgeberranking Preisverleihung

Ich gebe es zu: Nach über 25 Jahren wiederholt negativen Erfahrungen mit der Deutschen Bahn (als Verkehrsmittel, nicht als Arbeitgeber), habe ich kürzlich doch Sympathie für diese Art des Reisens entwickelt, weil bei zwei Zugfahrten in Folge mal keine Verspätung, unangekündigte Umkehr der Wagenreihung, Signalfehler oder sonstige Störungen des Betriebsablaufs das Reiseerlebnis geschmälert haben.

Und man kann im Zug sitzend prima bloggen, dank iPad sogar sehr platzsparend.

Auf dem Weg zum Veranstaltungsort in Stuttgart Fellbach musste ich gleich zu Beginn feststellen, dass Stuttgart als Reiseziel von Nürnberg aus wohl kaum Bedeutung hat. Nur ein uralter IC erwartete mich am Gleis. Trotzdem (oder gerade deswegen?) kam ich nach etwas über zwei Stunden pünktlich zur Veranstaltung im Goldbergwerk Fellbach an.

Eventlocation Goldbergwerk Stuttgart Fellbach
Eventlocation Goldbergwerk Stuttgart Fellbach

Die Veranstaltung

Den Auftakt mit der Begrüßung der ca. 70 Teilnehmer übernahm Stefan Lake, Country Manager Deutschland, Universum (bisher hatte ich immer geglaubt, unser Country wird durch die Bundesregierung gemanaged und das Universum vielleicht durch Gott (m/w), aber ich scheine mich geirrt zu haben).

Employer Branding Conference Universum 2014 Agenda

KPMG Talentrelationsship Management

Gleich im Anschluss berichtete Roman Dykta von KPMG unter dem Motto „Vom Erstkontakt bis zum ersten Arbeitstag. Candidate Experience bei KPMG“ und gewährte Einblicke in das seit knapp zwei Jahren eingesetzte Talentmanagementsystem von Intraworlds. Bei einer Hochschulabsolventenquote von ca. 85% managen zwei Mitarbeiterinnen circa 7.000 Kandidaten im Pool und versorgen diese unter anderem mit hochwertigem Content.

Das System bietet zwar Ansätze einer 1-Klick-Bewerbung, indem die im System vorhandenen Lebenslaufdaten für die Recruiter mit dem Bewerbungswunsch sichtbar werden. Ein durchgängiger Workflow wird jedoch mangels vorhandener Anbindung an das Bewerbermanagementsystem verhindert. Es scheint doch überall ähnliche Probleme zu geben, dass einerseits moderne Ideen umgesetzt werden, aber die Technik an den Schnittstellen die gewollte Performance wieder in die Schranken weist.

Besonders spannend fand ich die Antwort von Roman Dykta auf die Frage, ob es auch eine soziale Vernetzungsmöglichkeit der Bewerber untereinander im System gäbe. Diese sei nicht gewollt, da sich aktuell jeder selbstständig anmelden könne und verhindert werden soll, dass sich Mitbewerber oder Headhunter im System „verselbstständigen“.

Praktikanten-Talentpool der SCHOTT AG

Claudia Müller von der SCHOTT AG zeigte die Talentstrategie ihres Unternehmens bezogen auf den Praktikantenpool auf. Annähernd 2.000 Bewerbungen auf Praktikantenstellen werden zu 230-300 Einstellungen verdichtet, was zu einem Talentpool von etwa 160 ehemaligen Praktikanten führt. Die Nominierung erfolgt durch die Fachbereiche und wird durch HR anhand der notwendigen Freitext-Angaben zur Nominierung geprüft. Das System verzichtet auf ein Web-Frontend mit eigenem Content, ist dafür aber an das Bewerbermanagement angebunden und enthält Bewertungsformulare, die an einen Zeugnisgenerator angeschlossen sind, was den Workflow gut unterstützt.

Laut Claudia Müller liege der Vorteil einer Bewerbung eines Talents aus dem Talentpools darin begründet, dass es einen Bewerbungs-Fasttrack gebe, direkt in ein Assessmentcenter ohne die klassischen Erstgespräche.

Inspirierende Thesen zu Jobtours und Talent-Hubs

In gewohnt professioneller Weise referierte Robindro Ullah, Head of Employer Branding and HR Communication bei Voith zwar nicht direkt zum angekündigten Thema „Talentpools – Recruitinginstrument Nr. 1“, brachte dafür aber höchst spannende Thesen zum Challengen mit. Im Kern dabei stand das veränderte Kräfteverhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die nunmehr bzw. zukünftig eine sogenannte Arbeitsallianz bilden. Dem Mehrwert, den der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer für die Anstellung erwartet, steht die Erwartung auf eine Steigerung des Marktwertes des Arbeitnehmers gegenüber, neudeutsch „Employability“.

Angeregt durch einen Beitrag in einem ausländischen Fachmagazin geht Robin weiter davon aus, dass sich zukünftig ein Trend in Richtung befristeter Arbeitsverhältnisse zeigt, befeuert durch eine erhöhte Wechselwilligkeit junger Generationen. Es komme zu soganannten Jobtours, also der Aneinanderreihung von Arbeitsverhältnissen in unterschiedlichen Untenehmen.

Spätestens mit der These, dass Arbeitgeber davon profitieren würden, Talente bewusst für eine Zeit auch an andere Arbeitgeber abzugeben bzw. einen Wechsel aktiv zu fördern, um sie hinterher mit vergrößertem Erfahrungshorizont erneut zu beschäftigen, waren alle hellwach und diskussionsfreudig.

Kein Wunder, dass die folgende Debatte durchaus emotional war. Ein wunderbares Thema übrigens für ein Blind HR Battle

Wann sehen wir DICH auf einem der Fotos?
Wann sehen wir DICH auf einem der Fotos?

Gleiches gilt für die mehr als spannende Frage, ob der Recruiter zukünftig als Talent-Hub eine stärkere Bedeutung erhält, oder umgekehrt durch verbesserte Matching-Algoritmen (weiter?) an Bedeutung und Ansehen verliert.

Die DB auf dem Weg zum Top-Arbeitgeber

Anschließend stellte Frau Dr. Carola Hennemann von der Deutschen Bahn den neuen Ansatz für ganzheitliches Employer Branding und Recruiting auf dem Weg zum Top-Arbeitgeber dar. Bei einem Durchschnittsalter von über 50 Jahren bei 45% der Bahn-Mitarbeiter sowie einem daraus errechneten Bedarf von etwa 7.000 Mitarbeitereinstellungen jährlich, ist das für das ehemalige Staatsunternehmen eine gewaltige Herausforderung.

Die von der DB für sich erkannten Trends, nämlich War for Talents, Digitales Leben, Lebensraum Stadt und Vielfältige Lebensmuster, sollen mittels vier Erfolgsfaktoren zukunftssicher gestaltet werden: Ganzheitlichkeit, Bewerberorientierung, Innovation, strategische Verzahnung. Auch die Markenwerte der Deutschen Bahn wurden weiter geschärft in Richtung „sicher“, „partnerschaftlich“, mit der Kernhaltung des „Zukunftsgestalters“.

Dabei frage ich mich zwischenzeitlich, ob es trennscharfe Arbeitgebermarken in der Praxis tatsächlich geben kann. Mehr dazu in einem Beitrag, den ich für die übernächste Woche geplant habe.

Das FOM-Forschungsprojekt Efficient Recruiting

Auch wenn die Luft in den stark beengten Raumverhältnissen zwischenzeitlich so gut wie aufgebraucht war, konnte Prof. Dr. Ricardo Büttner die Teilnehmer dennoch mit seinem höchst spannenden Forschungsprojekt zum „Efficient Recruiting“ (Twitter-Hashtag #effrec) am Diskutieren halten.

Im Kern beschäftigen sich die Forschungen an der FOM damit, die drei Kategorien Person-Culture-Fit, soziale Rolle im Team sowie Passung der fachlichen Fähigkeiten zur konkreten Stelle via Big Data Analysen zu lösen. Dieser e-Recruiting-Ansatz nutzt dazu die im Web verfügbaren Informationen aus sozialen Netzwerken.

Die von Prof. Büttner aufgezeigten Möglichkeitem, die er anschaulich mit zahlreichen bereits erfolgten internationalen Studien untermalte, sind im Kern faszinierend. Und gleichzeitig erschreckend. Aufgrund der hohen Anforderungen an den Datenschutz in der EU bzw. Deutschland, werden wir in meinen Augen davon so schnell nicht umfassend profitieren können. Und selbst dann stellt sich die Frage, ob Unternehmen das Verlagern all dieser Prozesse an einen Softwarealgoritmus tatsächlich möchten.

Employer Branding Fachtagung Universum 2014

Networking-Time

Nach einer kurzen Networking-Möglichkeit beim Sektempfang, ging es direkt weiter ins straff durchgeplante Abendprogramm. Wie auch bei der Preisverleihung zum Focus XING Award Top nationaler Arbeitgeber im Januar in Berlin, sparte man auch beim Universum Gala Diner an einer menschlichen live Anmoderation und setzte stattdessen auf imposante Klänge wie aus dem Herr der Ringe Film bei epischen Schlachten. Dazu eine eingesprochene Frauenstimme, die mich an den Film „Die Insel“ erinnert hat.

Die Platzierungen im aktuellen Universum Arbeitgeberranking

Zum leckeren Dreigängemenü gab es jetzt die Bekanntgabe der Platzierungen im aktuellen Universum Arbeitgeberranking 2014. Tim Kaltenborn moderierte sympathisch durch den Abend und überreichte die Urkunden und Awards an die Vertreter der Preisträger.

Hier in Kürze die jeweiligen Top 3 der einzelnen Kategorien:

Wirtschaftswissenschaft:

  1. Audi
  2. BMW
  3. Porsche

Informatik/IT

  1. Google
  2. Microsoft
  3. Apple

Ingenieurwissenschaften:

  1. Audi
  2. BMW
  3. Porsche

Naturwissenschaften:

  1. Max-Planck-Gesellschaft
  2. Bayer
  3. Fraunhofer

Juristen:

  1. Auswärtiges Amt
  2. Vereinte Nationen
  3. Bundesnachrichtendienst

Für den Universum Student Survey 2014 wurden insgesamt circa 30.000 Studenten an 130 Hochschulen und Universitäten befragt.

Ausführliche Ergebnisse dazu gibt es in der neuen Ausgabe der Wirtschaftswoche am 28.04. sowie auf der Website von Universum.

Die Preisträger beim Universum Award 2014

Das Universum Hochschulranking

Dazu gab es erstmals ein Ranking unter den Hochschulen. Hier die drei Top-Platzierten in den Kategorien:

Universitäten:

  1. Uni Mannheim
  2. TU München
  3. TU Berlin

Hochschulen:

  1. HS Reutlingen (ESB Business School)
  2. HTW Berlin
  3. TH Ingolstadt

Private Hochschulen:

  1. WHU Otto Beisheim School of Management
  2. EBS Oestrich Winkel
  3. HHL Leipzig
Die Preisträger des Universum Awards 2014 im Bereich Top Universität
Die Preisträger des Universum Awards 2014 im Bereich Top Universität

Mein herzliches Danke geht an das Team von Universum, denen es gelungen ist, einen fachlich anregenden Tag zu gestalten. Die Location Goldbergwerk ist ebenfalls sehr zu empfehlen für alle, die nach einer Eventstätte im Raum Stuttgart suchen.

Soweit mein persönlicher Bericht.

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