Office stackoverflow recruiting von Softwareentwicklern

Recruiting von IT-Spezialisten und Softwareentwicklern – Einsichten eines Profis

In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung braucht sie fast jedes Unternehmen: Softwareentwickler und sonstige IT-Spezialisten. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt, insbesondere was die sogenannten Top-IT-Talente oder Professionals mit entsprechender Berufserfahrung angeht. Die Recruiter in Unternehmen stehen vor der Herausforderung eine Spezies Mensch zu finden und ins Unternehmen zu holen, die so ganz anders zu ticken scheint als die Personaler. Aber es gibt Licht am Ende der Finsternis: Joel Spolsky, der Mitgründer des internationalen IT-Forums Stack Overflow gibt mit seinem Buch „Smart and gets things done“ Einblicke in seine Welt und zeigt uns, wie man heute im Recruiting Top-IT-Talente gewinnt.

Bei meinem Besuch im neuen Londoner Stack Overflow Office im kultigen Stadtteil Shoreditch vorletzte Woche tauchte ich tief ein in die Rolle eines Recruiters von IT-Talenten und versorgte mich mit entsprechenden Informationen aus erster Hand.

Befragung zum Recruiting von Softwareentwicklern

Stack Overflow befragt seine IT Community jährlich, unter anderem zu Fragen des Recruitings. Und die Community ist riesig. Immerhin konnte die Website in 2013 erstaunliche 17.000.000 unique visits monatlich aufweisen. Wenn es also Antworten auf die Frage gibt, wie Softwareentwickler heute angesprochen und rekrutiert werden wollen, dann hier.

Natürlich haben mich insbesondere die Ergebnisse für Deutschland interessiert, von denen ein kleiner Teil in nachfolgender Infografik aufbereitet wurde.

Stack Overflow Studie 2013: Befragung deutscher Softwareentwickler
Stack Overflow Studie 2013: Befragung deutscher Softwareentwickler

Fangen wir vorne an: Das erste für mich bemerkenswerte Befragungsergebnis ist die hohe Quote von Softwareentwicklern, die nie remote, also zum Beispiel via Homeoffice gearbeitet hat bzw. das nur gelegentlich tut. Da scheint es in Deutschland also noch mächtig Luft nach oben zu geben, wenn man einen Blick auf die Prognosen des BITKOM in seinem aktuellen Positionspapier wirft.

Immerhin fast ein Viertel der befragten Softwareentwickler hat innerhalb der letzten 12 Monate den Job gewechselt. Zusammen mit den 46,3%, die grundsätzlich für neue berufliche Herausforderungen offen sind, scheint der Markt sehr in Bewegung zu sein. Das erstaunt wenig, denn aktuell sind die beruflichen Chancen für IT-Experten herausragend gut. Der BITKOM identifizierte im November 2013 alleine 13.000 offene Stellen für Fachkräfte im IT-Mittelstand.

Der IT-Talent-Pool ist überfischt

Dabei werden die Toptalente der Branche von den Recruitern regelrecht gejagt. Über 7% der Befragten klagte über unfassbar viele Anfragen von Recruitern, 41,7% hatten „etwas weniger als unfassbar viele“ Anfragen erhalten (welch schöne Antwort!). Ein Phänomen, das auch auf die stärkere Verbreitung von Werkzeugen wie den XING-Talentmanager zurückzuführen ist, mit dem Recruiter die Businessplattform durchpflügen. Von einer Vielzahl von Softwareentwicklern bei DATEV habe ich gar die Antwort erhalten, dass sie ihren XING-Account kündigen oder nicht mehr aktiv nutzen, um dem spamartigen Anstieg der ungefilterten Massenansprache durch die Recruiter zu entgehen.

Ehrlich gesagt musste ich beim wohl positiv gemeinten Slogan auf der neuen XING-Startseite „70 Tsd. Recruiter warten“ genau an diese Tatsache denken.

Screenshot XING Startseite (Auszug)
Screenshot XING Startseite (Auszug)

Dabei ist das noch stark untertrieben: Ein Recruiter der wartet, ist noch immer auf dem „Post&Pray“-Trip. Hinsichtlich der Ansprache von IT-Experten sollte er sich besser etwas Cleveres einfallen lassen.

Und dazu gehören auf alle Fälle die Tipps, die eine individualisierte (!) Ansprache auf jeden Fall enthalten sollte: Eine Beschreibung

  • des Teams
  • der Unternehmenskultur
  • der Vorteile am Arbeitsplatz

Wohingegen von nicht einmal 60% Informationen über den Verdienst als notwendig genannt wurden.

Jetzt mag man meinen, dass dies eine klassische Antwort der Generation Y sein sollte, der man ja nachsagt, sie stelle das Streben nach Spaß an der Arbeit in den Vordergrund. Oder wie Kerstin Bund es mit Ihrem Buch-Titel „Glück schlägt Geld – Generation Y: Was wir wirklich wollen“ auf den Punkt bringt.

Doch scheint diese verhältnismäßig niedrige Priorisierung der Vergütung insgesamt sehr stark bei den Softwareprogrammierern vertreten zu sein, wie ein Blick in das eingangs bereits genannte Buch von Joel Spolsky verrät.

Dieses werde ich im Blogbeitrag am kommenden Mittwoch inhaltlich noch intensiver unter die Lupe nehmen hinsichtlich der Themen Ansprache und Auswahl von Softwareentwicklern und zu vermeidender Fehler von Recruitern. Wie immer lohnt sich Dabeibleiben.


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0 Antworten

  1. Nach einer Studie der RWTH Aachen ist die Beschreibung von Team & Unternehmenskultur v.a. in einer frühen Phase des Jobwechsel(wunsches) relevant, wohingegen die extrinsischen Anreize wie Benefits & Gehalt umso wichtiger werden, je näher der Jobwechsel tatsächlich rückt. Personalmarketing & (Social Media-) Recruiting sollten das berücksichtigen. Ob diese Studie repräsentativ war, mag ich bezweifeln, vielleicht aber ein Indikator fürs Recruiting. Dass Entwickler eher an Aufgaben/Technologien als am Gehalt interessiert sind, können wir auch häufig feststellen. Ich denke das Hauptproblem für Recruiter ist, diese nicht-monetären Benefits anzubieten bzw. herauszuarbeiten. Spannender Artikel, v.a. als „Fans“ von Stackoverflow! Grüße aus Stuttgart

    1. Vielen Dank für den ergänzenden Hinweis! Ja, das sehe ich ebenso als eine Herausforderung an, die nicht-monetären Benefits so herauszuarbeiten, dass diese noch vermarktbar sind und trotzdem deren Vielzahl positiv wirksam wird. Kürzlich habe ich in einem Recruiting-Praxishandbuch gelesen, dass Unternehmen ALLE Benefits ausführlich in den Stellenanzeigen aufführen sollten. Hm, dann freue ich mich bei unseren (sehr wenigen) Print-Stellenanzeigen schon jetzt auf die dreifache vertikale Ausklappmöglichkeit.

  2. Ein Softwareentwickler erzählte mir einmal, er wolle:

    Einfach nur schöne Projekte machen.

    Ich glaube mit der Aussage steht er nicht allein. Abgesehen davon – auch schon vor der GenY – war und ist Vergütung „nur“ ein Hygienefaktor und niemals motivativ, sondern bei Fehlen oder Ungerechtigkeit, z.B. geringerer als marktüblicher Bezahlung oder Intransparenz ein sehr gutes Demotivationsinstrument.

    Abgesehen davon – wer für Geld kommt, geht auch für Geld.

    Bei XING zeigt sich „When you don´t pay for the product – you are the product“ die Kommerzialisierung des Netzes schreitet voran.

  3. Vielen Dank für die Übersicht und die Grafik. Spannend fand ich die Punkte, was die Entwickler wissen wollen (Team/Arbeitsplatz etc.).

    Der Verdienst steht etwas hinten an, meiner Meinung nach auch weil die Softwareentwickler wissen was sie wert sind und darüber nicht zwingend sprechen wollen/müssen.

    1. Vielen Dank für das Statement. Beim Thema Verdienst würde ich fast sogar noch eine Stufe weitergehen, dass es nicht um das Geld alleine geht, bzw. der rein monetäre Verdienst nicht im Vordergrund steht. Wenn sonst alles passt, steht das Geld nicht an erster Stelle bzw. haben auch weitere geldwerte Vorteile Bedeutung. Diese schon im ersten Kontakt alle darzustellen, stelle ich mir schwierig vor.

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