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Die Qualen der Generation Y

Die Qualen der Generation Y

Es ist schon verrückt – da haben wir HR-Blogger alle bereits irgendwann über die Generation Y geschrieben. Was sie im Job will. Was sie nicht will. Worauf sie wert legt. Was sie antreibt. Und irgendwie hatten wir das Gefühl, dass diese Generation es endlich geschafft hat. Sie hat die besten Möglichkeiten frei Haus: Mit verhältnismäßig wohlhabenden Eltern im Hintergrund, nahezu unbeschränkten Reisemöglichkeiten und einem Lernangebot (sowohl was Inhalte als auch Methoden angeht), das es so vorher noch nie gab. Und trotzdem ist das Thema Berufsorientierung für viele GenY-ler eine große Herausforderung, oft sogar eine echte Qual.

Blog-Parade zum „Jahr der Berufsorientierung“

Da ist es nur folgerichtig, dass Jo Diercks das Jahr 2014 für die HR-Blogger zum „Jahr der Berufsorientierung“ ausgerufen hat. Eine Vielzahl von Beiträgen ist im Rahmen dieser Blogparade entstanden. Es wurde viel geschrieben zu Hintergründen und Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. In meiner Funktion als Verantwortlicher für das Thema Personalmarketing und Arbeitgebermarke interessiert mich natürlich brennend, was die Generation Y bewegt, wie sie ihren Beruf auswählt und was für sie die wichtigsten Orientierungspunkte sind.

Meine Wahrnehmung des Problems der Berufsorientierung der GenY

Nach unzähligen Gesprächen mit der Generation Y stelle ich hier meine Wahrnehmung des Problems Berufsorientierung dar und zeige Lösungsansätze auf.

Meine Recruiting-Kollegen bei DATEV und ich organisieren über das Jahr verteilt eine Menge Veranstaltungen und Seminare, um mit Studierenden in einen intensiven Austausch zu treten. In den letzten Wochen hatte ich dazu mit einem Personalentwickler zusammen einen Tages-Workshop unter dem Motto „Von der Person zur Persönlichkeit“ entwickelt. Nach mehreren Durchführungen haben sich intensive Einblicke in die Erfahrungs- und Erlebniswelten der Studierenden aufgetan.

Kurz gesagt: Orientierung und Entschlusskraft sieht anders aus!

Ein Workshop gibt Einblicke

Ohne zu viel über das Konzept erzählen zu wollen: Es gibt relativ zu Beginn einen Impuls, bei dem die Teilnehmer sich Gedanken über sich machen nach dem Motto: „Wenn ich an meine berufliche Zukunft denke, dann

  • geht mir durch den Kopf …
  • mache ich mit links …
  • liegt mir am Herzen …
  • gibt mir Bodenhaftung …

Auf Flipcharts entstehen schöne Einblicke in die Gedanken, Gefühle sowie weitere Rahmen- und Ausgangsbedingungen der Teilnehmer. Im Anschluss an diese Einzelarbeit, stellen die Teilnehmer ihre Ergebnisse vor und erhalten von den Anderen Feedback mit dem Tenor „Wie wirkt das Gehörte auf mich?“

Ein höchst faszinierender Vorgang. Die Studierenden selbst haben im Rahmen ihres Feedbacks ein sehr gutes Gespür dafür, wo der jeweilige Teilnehmer in seiner beruflichen Orientierung steht und womit er sich noch schwer tut. Auch erleben die Teilnehmer so etwas wie eine umgekehrte Bewerbungssituation, bei denen sie selbst unbewusst in der Rolle eines Recruiters ein Feedback abgeben.

Widersprüchlichkeit wird entlarvt, Unsicherheit erkannt

Sehr schnell erkennen sie Widersprüche in den Aussagen. Wenn einerseits von „Ich will im Ausland arbeiten“ die Rede ist und gleichzeitig die Bindung zur Familie, zu Freunden und dem örtlichen Sportverein als wesentliche Bodenhaftung genannt wird und bei letzterem die Augen leuchten.

Oder wenn der Präsentierende angeblich gut selbstständig und strategisch arbeiten kann – selbstverständlich aber gleichzeitig mindestens ein genauso toller Teamplayer ist.

Kein Profil erkennbar

Ein typisches Phänomen, das mir auch in zahlreichen Bewerbungsgesprächen immer wieder begegnet: Der Bewerber möchte unbedingt die Stelle und präsentiert sich als Tausend-, ach was, als Multi-Sassa, der vermeintlich alles kann und sogar noch gleich gerne mag. Er (oder natürlich sie) ist gerne innovativ, kann aber auch super mit Routinetätigkeiten umgehen. Er liebt Zahlen – ist gleichzeitig auch ein Kommunikationsprofi. Er möchte Abwechslung im Job, hofft jedoch auf absolute Jobsicherheit und Beständigkeit.

Das was Recruitern so wichtig ist: Eine klare und damit unterscheidbare Positionierung des Bewerbers im Gespräch, kommt gefühlt immer seltener vor. Stattdessen allgemeine Weichmacher bei der Wortwahl, eine gewisse Beliebigkeit im Anspruch und eine Interessensbreite, die es mit der Datendichte eines Internetknotenpunkts aufnehmen könnte.

Die tollen Möglichkeiten der aktuellen Berufseinsteiger haben eben auch eine Kehrseite: Verunsicherung, mangelnde Orientierung oder gar Desorientierung bis hin zu echter Zukunftsangst.

In Stellenanzeigen werden Superhelden gesucht

Auch Unternehmen tragen ihren Teil zur Misere bei. Immer wieder äußern sich Studierende zu den immensen Anforderungen, die Firmen bei der Besetzung von Stellen aus ihrer Sicht stellen. Ohne Top-Noten vom Abi bis zum Studienende, 5 Praktika, 2 Jahren Ausland, ehrenamtliches Engagement im sozialen Bereich sowie sportliche Erfolge scheint gar nichts zu gehen. Ach ja, und am besten sollte der Bewerber auch noch unter 23, höchst belastbar und flexibel sein.

Unternehmen erzeugen damit das Bild eines „perfekten“ Bewerbers im Kopf der Jobsuchenden. Und nähern uns damit den Ansprüchen an Superhelden an.

Kein Wunder also, dass die Bewerber anschließend versuchen werden, superheldengleich alle vermeintlichen Anforderungen abzudecken. Notfalls spielen sie uns das vor, was wir sehen wollen. Positionierung? Fehlanzeige.

Aus dem Irrsinn aussteigen!

Was ist also zu tun?

Zum einen müssen wir bei den Studierenden das Selbst-Bewusstsein stärken. Allerdings nicht im Sinne von „Auf-dicke-Hose-Machen“, sondern die Fähigkeit, sich selbst einschätzen zu können. Und sich dann entsprechend mutig zu positionieren. Das bezieht sich auf das systematische Einschätzen lernen der eigenen Fähigkeiten, insbesondere der absoluten Stärken.

Aber am Wichtigsten erscheint mir, dass die Berufseinsteiger herausfinden müssen, was ihnen Spaß (ich wiederhole: S-P-A-S-S!) macht und was sie daher gerne machen. Und das unabhängig von einem vermeintlichen Idealbild, das alle gleich weichspült.

Wer versucht, mittels Superhelden-Masche einen Job zu bekommen, von dem er GLAUBT, dass er ihn haben will, der ihm aber keinen Spaß macht, zieht schon seine Platzkarte in der Schlange der Millionen Arbeitenden, die innerlich bereits gekündigt haben und die trotzdem in ihrem Job ausharren.

Hilfreich bei Herausfinden der eigenen Arbeitspräferenzen kann zum Beispiel das Team-Management-System (TMS) sein.

Stärken sind entscheidend – Schwächen stärken diese Positionierung

Wenn also einer ehrlich von sich behaupten kann „Ich liebe die schriftliche und mündliche Kommunikation sowie das Networken mit Menschen, hasse aber Zahlen!“, dann nenne ich das eine gute Positionierung, mit der ich als Personaler etwas anfangen kann. Ein so positionierter Bewerber will dann sicher auch kein Controller oder ähnlich werden, wo er mit Zahlen quasi intim ist.

Mehr Direkt-Einblicke in Jobs

Die suchenden Unternehmen sind gefordert, weitere authentische (!) Einblicke in den Arbeitsalltag sowie die spezifische Unternehmenskultur zu ermöglichen. Das bedeutet konkret: Weniger Hochglanz und auch mal negative Botschaften, also was z.B. unschön ist am jeweiligen Job.

Und das meint natürlich auch die Chance über Praktika, Werkstudenten-Tätigkeiten oder Abschlussarbeiten mit Firmen in Kontakt zu kommen. Ein guter Personaler weiß dann schon, wo er ein so kennengelerntes Talent einsetzen kann.

Desorientierung vermeiden

Damit meine ich vor allem das extreme Überangebot an Pseudotipps, die viele Plattformen im Internet anbieten. Viele Studis fühlen sich von 99 Tipps für die 1. Seite der Bewerbung, 100 Tipps für das Anschreiben, 101 Tipps für die 3. Seite, 102 Tipps für die Vorbereitung des Bewerbungsgesprächs, 103 Tipps für den ersten Kontakt beim Bewerbungsgespräch, 104 … usw. nicht nur genervt, sondern völlig verunsichert.

Wer an 103 Tipps denken soll beim Zusammentreffen mit dem Personaler, der wird alles sein. Außer authentisch. Vor allem aber überfordert. Da kann ich die Reaktionen der Studis gut verstehen.

Die Moral von der Geschicht: Superhelden gibt es nicht!

Eigentlich ist es sogar eine dreifache Moral:

1.       Liebe Bewerber, erkennt und positioniert Euch!
2.       Liebe Unternehmen, gewährt authentische Einblicke!
3.       Liebe selbsternannte Berater, manchmal ist weniger mehr!

Lesen Sie hier gleich weiter: Mit dem Ikigai-Modell zum perfekten Job!

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Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

 

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0 Antworten

  1. Guten Tag Herr Scheller,

    vielen Dank für den Einblick in Ihre Erfahrungen! Sie formulieren aus meiner Sicht für die Bewerber/-innen ganz richtig: Schlüssel ist es, sich im ersten Schritt zu erkennen und im zweiten Schritt zu positionieren – dies gilt auch, aber nicht nur für Generation Y.

    Allem voran geht sicherlich die Erfahrung, dass es Superhelden/-innen gibt! Insofern, als dass kein Mensch auf der Welt besser „Ich“ sein kann als ich selbst. Bleibt die Frage: Wie erkenne ich dieses „Ich“?

    Ein einfach erscheinender, aber durchaus wirksamer Tipp und intensive Übung ist es, in Gedanken einen idealen Tag zu durchleben. Also im doppelten Sinn Tagträumen!

    Im Nachhinein festhalten: Wie ist hat der Tag begonnen, welche Menschen habe ich getroffen, was habe ich gemacht, was habe ich gehört, wie ging es mir, wie sah meine Umgebung aus, wie habe ich den Tag beendet…?

    Meist lösen sich die in Ihrem Artikel benannten Widersprüche auf, da lediglich die wirklich wichtigen, persönlichen Werte in diesem „Tagtraum“ direkt erlebt werden.

    Beste Grüße sendet
    Christine Paulus

    1. Liebe Frau Paulus,
      die Methode hat in der Tat was. In Bewerbungsgesprächen nutzen wir diese sogar häufig und fragen die Bewerber genau in diesem Sinne nach ihrem idealen Tag. Manche sind etwas irritiert, aber wer sich darauf einlässt und ehrlich ist, erleichtert allen das Finden des richtigen Jobs innerhalb der Firma. Insofern herzlichen Dank für Ihre wertvolle Ergänzung!

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