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Weihnachtsinterview: Persoblogger.de im Interview mit Stefan Scheller

Stefan, Dein Blog ist jetzt seit April 2013 online. Was ist Dein bisheriges Fazit?

Am 17.04. ging der Blog online, bestückt mit vier Start-Beiträgen. Seither hat sich Persoblogger.de rasant entwickelt. Mittlerweile gab es knapp 14.000 Aufrufe der 41 Beiträge innerhalb der ersten acht Monate. Highlight zuletzt die Serie über die Zukunft von HR, mit 745 Aufrufen an einem Tag sowie 2.000 in einer Woche. Der Erfolg freut mich riesig und beflügelt mich.

Warum braucht es Persoblogger.de? Gibt es so wenige HR-Blogs?

Es gibt sogar eine ganze Menge richtig guter Blogs. Diese sind eine stetige Informations- und Inspirationsquelle für mich. Besonders dann, wenn ich zum dort Gelesenen eine abweichende persönliche Meinung habe.

Klingt eher so, also ob Du damit zum Feind der Szene werden könntest, wenn Du alle kritisierst.

So schlimm bin ich auch wieder nicht. Die HR-Blogger-Szene hat mich sehr offenherzig empfangen und schätzt meine kritische Sicht auf die Praxis. Das hat mich zugegebenermaßen etwas überrascht, dafür aber umso mehr gefreut.

Aber ist es dann nicht umso peinlicher, sich selbst auf seinem eigenen Blog zu interviewen? Hast Du keinen befreundeten Blogger gefunden, der das übernehmen kann?

Warum wusste ich nur, dass diese Frage kommt? Ganz ehrlich? Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht. Dann aber wollte ich mal ein anderes Format ausprobieren. Und außerdem halte ich es für fragwürdig, eine Interviewanfrage zu stellen und die Antworten bzw. Fragen gleich mitzuliefern. So etwas wirkt auf mich nicht sonderlich authentisch.

Image credit: coramax / 123RF Stock Foto
Im Interview: Persoblogger Stefan Scheller

Bei Thema „authentisch“: Wie vereinbarst Du Deine Tätigkeit bei DATEV mit dem Bloggen auf dem Persoblogger?

Zeitlich ist das oft eine Herausforderung, selbst wenn ich die Blogs in der Freizeit am Wochenende schreibe…

… ich meinte das eigentlich anders: Wie kannst Du einerseits privat über Dienstleister berichten, mit denen Du andererseits auch beruflich zu tun hast?

Ah, ich verstehe, worauf Du hinaus willst. Du spielst auf das Thema Compliance an.

Schlaues Kerlchen!

Dazu ist zu sagen, dass ich diese beiden Tätigkeitsbereiche streng trenne. Zwar ergeben sich Kontaktpunkte tatsächlich oft dienstlich. Das Bloggen (insbesondere was Gastbeiträge angeht) erfolgt dann aber in separaten privaten Vereinbarungen und meist via Kommunikation über meine Blogger-E-Mail-Adresse. Da ich meinen Blog komplett nichtkommerziell betreibe und auch keine Werbung schalte, bleibe ich unabhängig.

Trotzdem berichtest Du ab und zu direkt aus Deinen persönlichen Erfahrungen in der Personalarbeit bei DATEV. Was sagen denn Deine Vorgesetzten oder das HR-Management dazu?

Ja, stimmt. Allerdings basiert nicht alles, was ich schreibe, auf Vorgängen oder Umständen bei meinem derzeitigen Arbeitgeber. Ich bin viel online in der Personalerszene unterwegs und kenne viele Leute. Da schnappe ich eine Menge auf, über das ich mir Gedanken mache.

In wie weit mein Engagement dem Management im Detail bekannt ist, kann ich nicht genau abschätzen. Allerdings hat meine Chefin mir kürzlich ein Kompliment dafür gemacht, dass ich so viel Herzblut ins Thema HR und den Blog fließen lasse.

Woher kommt dieses Herzblut? Was genau treibt Dich zum Bloggen an?

Da kommt sicher auch eine gewisse Charaktereigenschaft von mir durch…

… Du meinst, dass Du gerne Dein Wissen teilst, auch wenn es keiner hören will?

(lacht) Nenne es wie Du willst. Aber ich habe tatsächlich oft das Gefühl, meinen Senf dazugeben zu müssen. Zu zahlreichen Personaler-Themen habe ich eine Meinung bzw. eine Vorstellung, wie die HR-Welt sein sollte. Auch mache ich mir häufig Gedanken über die strategische Ausrichtung der Personaler in der Zukunft. Gerade am Wochenende geistert mir dazu viel im Kopf herum.

Was unterscheidet Persoblogger.de von anderen Blogs?

Ich lese seit geraumer Zeit die Beiträge der HR-Szene und war auch auf der einen oder anderen Veranstaltung. Dabei hatte ich den Eindruck, dass man sich in der Szene gerne gegenseitig auf die Schulter klopft und kritiklos berichtet bzw. voneinander abschreibt, nur um irgendwas zu posten. Was mir gefehlt hatte, war der kritische Blick auf grundlegende Praxisthemen. Nicht allen helfen Informationen über technische News und Trends, vor allem wenn ein Großteil der Personaler in der Praxis ganz wo anders steht und mit anderen Themen täglich kämpft.

Daher stelle ich gerne diese Themen in meinen Beiträgen in den Fokus. Als Ergänzung zu bestehenden HR-Blogs, die oftmals von Dienstleistern betrieben werden, die damit gleichzeitig ihr Portfolio bewerben und somit ganz anderen Zwängen unterliegen. Ich hingegen verkaufe nichts und kann daher komplett frei und kritisch agieren.

„Kritischer Blog“ klingt irgendwie nicht sonderlich sympathisch…

Ob „sympathisch“ oder nicht, das dürfen gerne andere bewerten. Persoblogger basiert auf meiner persönlichen Meinung und ist selbstredend höchst subjektiv. Ob die Themen den Nerv der Leser getroffen haben, spüre ich insbesondere dann, wenn sich in den Kommentaren eine rege Diskussion entwickelt.

Image credit: Quelle: aKINDofART | Fotografie Stefan Scheller
Quelle: aKINDofART | Fotografie Stefan Scheller

Dann stört es Dich also nicht, wenn andere eine abweichende Meinung vertreten?

Nein. Gerade auf Blogs ist das ja eines der wesentlichen Merkmale, dass man dort diskutieren kann. Lieber kritisches Feedback als kein Feedback.

Ach komm, jetzt behaupte nicht, dass Du Dich noch nie über einen Kommentar auf Deinem Blog geärgert hast?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Feedback ist mir tatsächlich wichtig. Aber ja, ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass harsche negative Kritik und insbesondere persönliche Angriffe völlig an mir vorbei gehen würden. Ist das nicht normal?

Schreibst Du vielleicht auch deswegen Deinen Blog, um diese gewisse Anerkennung von außen zu erhalten?

Diese Frage war aber nicht abgesprochen und erscheint mir doch sehr persönlich zu sein.

Sorry, aber Du hast eben selbst behauptet, dass Du einen besonders kritischen Blog betreibst. Also musst Du Dich erstrecht an Deinen eigenen Maßstäben messen lassen!

OK, ok.

Natürlich finde ich es toll, wenn die Zugriffs-Statistiken auf meinem Blog zeigen, dass den Lesern meine Inhalte gefallen und die Möglichkeit des Sharings via Facebook und Twitter umfangreich genutzt wird. Aber es geht mir tatsächlich um die Inhalte, die etwas bewegen sollen.

Das bringt mich gleich auf eine weitere Frage: Optimierst Du Deine Texte für Suchmaschinen?

Das hatte ich mir anfangs tatsächlich überlegt, bin dann jedoch sofort davon abgekommen.

Wieso das?

Weil es meinen natürlichen Schreibfluss stört. Ich schreibe so, wie ich rede. Daher auch bisweilen mal in etwas verdrehten Sätzen. Außerdem muss ich nicht unbedingt über Google und Co gefunden werden. Ich richte mich in erster Linie ja an Personaler. Und die Zielgruppe ist verhältnismäßig übersichtlich.

Was ich allerdings nutze, ist die Rückmeldung meiner Frau bzw. meines Kollegen Alexander Trappe, die meine Beiträge vor der Veröffentlichung unter die Lupe nehmen. Feedback wie zum Beispiel „Was genau willst Du eigentlich sagen?“ hat schon mehrfach dazu geführt, dass ich nochmal nachtune. Insofern danke ich meinen beiden Kritikern sehr herzlich für ihre stets direkten und offenen Worte.

Klingt fast ein wenig wie bei einer Rede zur Oscarverleihung. Fehlt nur noch der Dank an Deine Eltern.

Stimmt. Der fehlt tatsächlich. In den beiden habe ich große Fans und regelmäßige Leser gefunden, auch wenn ich anfangs überhaupt nicht erwartet hätte, dass sie diese Themen tatsächlich interessieren.

Bevor es jetzt zu schwülstig wird, beenden wir das Interview am besten hier. Dann hast Du endlich mal einen Beitrag, der die 1.300-Worte-Grenze nicht reißt.

Gut erkannt. Meine Beiträge sind verglichen mit anderen Blogs meist sehr lang. Das ist aber mittlerweile eine Art Markenzeichen geworden. Allerdings sind die Themen auch meist komplexer bzw. grundlegender Natur. Da brauche ich ab und an etwas mehr Worte.

Dann bitte jetzt Deine abschließenden Worte!

Image credit: dolgachov / 123RF Stock Foto
Weihnachtsgrüße vom Persoblogger

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs erholsame weihnachtliche Tage sowie einen prickelnden Start ins neue Jahr. In 2014 werde ich wieder frischen und lesenswerten Content auf Persoblogger.de bereitstellen. Insbesondere den angekündigten Teil 4 der Serie über die Zukunft von HR. Versprochen.

Vielen Dank, für die offenen und ehrlichen Antworten.

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Comments 0

  1. Viola Glückler
    Dez 16, 2013 Reply

    witzige Idee, sich selbst zu interviewen-charmant und mit Amusementfaktor umgesetzt! Ich freue mich auf spannende Beiträge in 2014 🙂

    Beste Grüße

    Viola Glückler

    • persobloggerstefanscheller
      Dez 16, 2013 Reply

      Vielen Dank. Freut mich, wenn die Idee gut ankommt und der beabsichtigte Humor-Faktor erkannt wird.

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