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2. Jahreskonferenz der Allianz pro Fachkräfte der Metropolregion Nürnberg

Bei Unternehmen heißt es Employer Branding und meint den Aufbau einer wiedererkennbaren, abgrenzbaren und vor allem attraktiven Arbeitgebermarke. Mit dem Ziel, passende Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu binden. Aber im War for Talents spielt auch eine von Unternehmen oft nur bedingt beeinflussbare Größe zunehmend eine Rolle: der Unternehmensstandort.

Um die Standort-Attraktivität zu erhöhen, schließen sich in Deutschland immer mehr Städte und Landkreise zu Europäischen Metropolregionen zusammen. Eine der für mich attraktivsten ist dabei die Metropolregion Nürnberg.

Allianz pro Fachkräfte Metropolregion Nürnberg

Am 08.10. fand nun die 2. Jahreskonferenz der Allianz pro Fachkräfte im idyllischen Bamberg statt. Hier meine persönlichen Eindrücke der Veranstaltung:

Eine muntere Begrüßung

Zu Beginn der Veranstaltung um 9:30 Uhr begrüßte der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke die anwesenden knapp 300 Teilnehmer aus Unternehmen, Behörden sowie weiteren Institutionen und Organisationen. Ein gut gelaunter Präsident der IHK Oberfranken Bayreuth Heribert Trunk tat es ihm nach. Dabei konnte er seine Begeisterung für das „geile Gebilde Metropolregion“ nur schwer verhehlen.

Sehr stichhaltig war die Argumentation zum demografischen Wandel, dass wer nicht geboren wurde ja auch nicht zeugen könne. Getoppt wurde das eigentlich nur noch durch die Frage, wohin man gehen sollte, wenn morgen die Welt untergehe. Die Antwort: Natürlich nach Bamberg. Dort dauere alles 10 Jahre länger. – Fränkischer Humor wie er mir gefällt, insbesondere weil sich nicht jeder an das Spiel mit der Selbstironie herantraut.

Die Befragung zur Willkommenskultur in der Metropolregion

Durch die frische Einführung bereits positiv aufgeladen, standen als fachlicher Impuls nun die Ergebnisse einer Befragung von knapp 600 in die Metropolregion zugezogenen Fachkräften im Fokus. Dabei sei die darin untersuchte „Willkommenskultur“ begrifflich gar wissenschaftlich präzise definiert, so Prof. Dr. Friedrich Heckmann von der Universität Bamberg und Leiter des Europäischen Forums für Migrationsstudien. Es gäbe allerdings eine durchaus produktive Unschärfe. Will heißen: Nix Genaues weiß man nicht, aber es klingt gut und lässt genügend Spielraum für das Unterbringen von Themenkomplexen wie der grundsätzlichen Einstellung dazu Fremde aufzunehmen, über die Öffnung der Unternehmen für ausländische Fachkräfte bis hin zu speziellen Serviceleistungen für Migranten.

Befragung Willkommenskultur Metropolregion Nürnberg

Aus den Befragungsergebnissen möchte ich an dieser Stelle nur wenige Punkte herausstellen:

Dass wir Franken so eine ganz spezielle Menschengattung sind, war mir ja vorher schon klar. Allerdings dass unsere tiefgründige Herzlichkeit unter einem manchmal spröden Mantel „vorsichtig ausgedrückt als zurückhaltendes Sozialverhalten ohne soziale Techniken“ bezeichnet wurde, war dann doch eine härtere Nummer. Allerdings kann ich die Neuankömmlinge, insbesondere aus dem nicht Deutsch sprechenden Ausland gut verstehen, wenn sie Probleme im Alltagsumgang mit Fanken haben bzw. insbesondere im Umgang mit fränkischen Behörden. Da treffen sie dann auf zwei kumulierte Herausforderungen: Deutsche Behörden und fränkische Mentalität.

Aber mal im Ernst. Ich denke, dass es unabhängig von uns Franken für jeden, der in der Fremde eine Bleibe sucht, erst einmal schwierig ist Fuß zu fassen, wenn er nicht von Anfang an systematisch unterstützt wird. Insbesondere hinsichtlich der aus den Befragungsergebnissen hervorgehenden größten Herausforderung: Dem Finden einer geeigneten Wohnung.

In Summe sagen allerdings 85%, dass sie die Metropolregion Nürnberg als Ort zum Leben weiterempfehlen würden, 35% davon sogar mit einer Bleibeabsicht länger als 10 Jahre. Die 9,5% der Befragten, die so schnell wie möglich wieder wegziehen möchten, gibt es meiner Meinung nach überall. Wer weiß, in welches Eckchen der Metropolregion es sie verschlagen hat bzw. was sie tatsächlich wegtreibt.

Das World Café

Unter der Moderation von Jeffrey Beeson, Mitglied des Executive Boards Germany World Café Europe e.V., startete der dreistündige Workshop zur Frage “Wie wollen wir Willkommenskultur leben, um Heimat für Kreative zu sein?”. Dabei meint „Kreative“ jedoch nicht nur die klassische Kreativ-Branche, wie Werbeagenturen usw. Es geht um Menschen, die sich aktiv und innovativ ins Berufsleben einbringen – wir bei DATEV nennen diese Menschen übrigens „Zukunftsgestalter“.

Nach der World Café Methode wechselten die Teilnehmer sechs Mal die Vierergruppe, die jeweils an einem Tisch eine vorgegebene Fragestellung bearbeitete. Dabei stand der Austausch der persönlichen Erfahrungen im Mittelpunkt. So angeregt wurde die jeweiligen Ergebnisse auf die Papiertischdecke geschrieben und dienten so für die neue Tischbesetzung als zusätzliche Inspiration.

Dabei durfte am Tisch nur derjenige sprechen, der den bereitgestellten Bierkrug auf dem Tisch in Händen hielt. Dass dieser entgegen der Hoffnungen mancher Oktoberfest-Liebhaber natürlich komplett leer war, grenzte angesichts des für seine weltberühmten Biere bekannten Veranstaltungsorts eigentlich schon fast an Ketzerei. Da sorgte dann die kreative Ausrede mancher Frauen, warum sie trotz der Vorgabe „Ende des Durchgangs=Handheben=Sprechpause“ auch mit erhobener Hand noch munter weiterdiskutieren für Gelächter – „Wir sind doch multitaskingfähig!“. Das stimmt zwar nachgewiesenermaßen nicht, hat aber zumindest die Arbeitsatmosphäre aufgelockert.

Programm Jahrestagung

Am Ende der dreistündigen pausenlosen World Café Runden ging es direkt in die Mittagspause, die ebenfalls erfüllt war von Networking-Gesprächen. Mein eh schon stark beanspruchtes Namensgedächtnis kam dabei weiter an seine Kapazitätsgrenzen.

Schlecht, wenn man just in diesem Moment angefragt wird, ein persönliches Videostatement abzugeben. Aber wenn meine persönliche Meinung gefragt ist, wer wäre ich abzulehnen…

Expertenvorträge am Nachmittag

Am Nachmittag starteten dann die Vorträge. Ich selbst hatte mir das Panel 1 mit vier der insgesamt 16 Fachvorträge ausgesucht. Insofern kann ich nur meine Eindrücke aus diesen Vorträgen schildern.

Gesundheit am Arbeitsplatz

Unter der Überschrift „Gesundheit am Arbeitsplatz“ bewies Dr. Christian van de Weyer, der gleich zu Beginn anmerkte, dass er kein Holländer sei, dass es keiner Highend-Folien bedarf, um einen tollen Vortrag zu halten. In einer angenehm unaufgeregten und klaren Art und Weise erfuhren wir Zuhörer Wissenschaftliches über die Entwicklung der Leistungsfähigkeit im Alter und wurden vertraut gemacht mit verschiedenen Indices, zum Beispiel dem Arbeitsbewältigungsindex ABI. Ideenanregend waren dabei für mich zwei Gedanken: 1. Wie stark ist es in der Praxis schon verbreitet, dass mit steigendem Alter die Anforderungen an die Mitarbeiter sinken? 2. Wie sehr können bei der heutigen Entwicklung hin in Richtung Online-Assessment die menschlichen Aspekte Werte, Einstellungen und Motivation, als Teil des von Prof. Dr. Juhani Ilmarinen erstellten Konzepts „Haus der Arbeitsfähigkeit“, tatsächlich menschengerecht überprüft werden?

http://www.weiterbildungsblogger.de/wp-content/uploads/Haus-der-Arbeitsf%C3%A4higkeit.jpg
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Guter Stoff für weitere Blogs auf Persoblogger.de, soviel ist klar.

Gelebte Work-Life-Balance – ein lohnenswerter Weg

Unter dem Motto „Work-Life-Balance bei MEKRA Lang“ begeisterte anschließend Geschäftsführerin Susanne Lang mit ihren leidenschaftlich vorgetragenen Inhalten. Ich habe bereits eine Menge Vorträge gehört von sogenannten „Vorzeigeunternehmen“ zu irgendeinem Thema. Selten waren die Ausführungen derart glaubhaft und authentisch wirkend wie hier.

Work-Life-Balance erfordere das Verständnis für jeden einzelnen Lebensentwurf, so eine Kernaussage Langs. Für mich ein zentraler Satz mit einer Betonung auf „jeden einzelnen“. Damit das Verständnis für alle Mitarbeiter des Unternehmens stets aufrechterhalten wird, arbeiten bei MEKRA Lang auch das Management und die Geschäftsleitung regelmäßig aktiv in der Montagehalle mit.

Ebenso bemerkenswert erscheint der ausgesprochene Gedanke, dass Work-Life-Balance im Familienumfeld nur dann funktioniere, wenn auch der Mann in einem Unternehmen arbeite, in dem Work-Life-Balance groß geschrieben wird.

Starke Aussagen einer starken Frau und zweifachen Mutter, die weiß worüber sie redet.

Führung heute und morgen

Unter dem Motto „Gute Führung – Kräfte bündeln, Zusammenarbeit stärken!“ stellte Bengt Krauß von der ILTIS GmbH erste Ergebnisse einer noch nicht vollständig abgeschlossenen qualitativen Untersuchung mit 300 Führungskräften vor. Nachdem ich meine Verwunderung überwunden hatte, wie eine Beratungsgesellschaft sich ausgerechnet nach einem stark nach Analsekret riechenden Tier benennen kann, riss Krauß die Teilnehmer im Eiltempo mit in die Welt der Führung heute und morgen.

Besonders bemerkenswert war die Erkenntnis aus den Untersuchungen, dass die Zufriedenheit mit Führung einen wesentlich stärkeren Einfluss auf die Gesamtzufriedenheit eines Mitarbeiters hat, als beispielsweise die Arbeitsbelastung. Bei „guter Führung“ sei der Einfluss der Arbeitsbelastung sogar wissenschaftlich verschwindend gering. Ein Grund mehr, sich in den Unternehmen weiter intensiv mit dem Thema Führung zu beschäftigen.

Wer sich für die noch andauernden erweiterten Studien interessiert und sich vielleicht sogar als Interviewpartner beteiligen möchte, der besucht www.forum-gute-fuehrung.de.

Demografieorientierte Arbeitsplatzgestaltung

Martin Schirmer von Scharfkopf verdeutlichte sehr plakativ wie der seit Jahren diskutierte demografische Wandel konkreten Einfluss auf die Arbeitsplatzgestaltung (Stichwort: Ergonomie) sowie die betrieblichen Abläufe nimmt.

Aussagekräftig ist eine Grafik aus dem DAK-Gesundheitsreport 2011, die aufzeigt, dass jüngere Arbeitnehmer häufiger Fehltage aufweisen (darunter vermutlich auch der eine oder andere „blaue Montag“), sich allerdings die Dauer des Ausfalls mit steigendem Alter vervielfacht.

http://www.presse.dak.de/ps.nsf/Show/E6F3246A8B9E2276C12578240047C8B7/$File/DAK_Gesundheitsreport_2011_I.pdf
http://www.presse.dak.de/ps.nsf/Show/E6F3246A8B9E2276C12578240047C8B7/$File/DAK_Gesundheitsreport_2011_I.pdf

Kein Wunder also, dass die Forschung mit Hightech seit Jahren daran arbeitet, Arbeitsabläufe noch altersgerechter zu gestalten. Der zum Test von Arbeitsabläufen eingesetzte Alterssimulationsanzug GERT kann dabei faszinierender Weise sehr gut Alterserscheinungen, wie zum Beispiel Eintrübungen der Augen, Gelenkversteifungen, Muskelkraftverluste, Gelenkschmerzen und ähnlich simulieren.

Ergebnispräsentation und Projektsteckbriefe

Um 17:00 Uhr fand das abschließende Plenum statt, in dem die zu Arbeitspaketen zusammengefassten Ergebnisse des World Cafés vom Vormittag präsentiert wurden. Grafisch aufbereitet wurden diese durch hochwertige Live-Skizzen einer Künstlerin, die am Vormittag die diskutierenden Teilnehmer portraitierte.

Ergebniszusammenfassung

Ab dem 23.10. stehen die wichtigsten erarbeiteten Projekte unter dem Stichwort „Willkommenskultur stärken“ in einem Online-Voting bereit. Ein schönes Beispiel für heutige Interaktions- und Partizipationsprozesse. Mitmachen ist angesagt!

Ausgestattet mit allerlei Infobroschüren der Metropolregion, des ddn (Das Demographie Netzwerk) sowie verschiedener Behörden und Ministerien ging es dann zurück nach Nürnberg. Es bleiben zahlreiche Impulse für die tägliche Arbeit, zusätzliche persönliche Netzwerk-Kontakte und eine Menge spannender Eindrücke, von denen ich hoffentlich einige an meine Blog-Leser mit diesem Beitrag weitergeben konnte.

davon fliegen in die Zukunft

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