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2. Nürnberger Personal- entscheider Netzwerktreffen

Aufgrund meines Aufgabengebiets im Bereich Personalmarketing erhalte ich täglich Anrufe von Anbietern irgendwelcher Online-Plattformen, Verlagen, Personalberatern oder sonstigen Dienstleistern im HR-Umfeld. Das gehört zum Job dazu. Dabei sind manche Anrufe angenehmer als andere.

Einer der besten in den letzten Wochen kam kürzlich von meinem Ansprechpartner von meinestadt.de. Sein erster Satz: „Hallo Herr Scheller, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg mit dem Persoblogger-Blog!“. Ah, cleverer Einstieg! Sein zweiter Satz: „Ich will Ihnen heute mal nichts verkaufen.“ – Wow, wird ja immer besser! Und dann der dritte Satz: „Heute würde ich Sie gerne einladen.“ – Solche Gespräche liebe ich!

Als ich dann erfahren habe, dass es um eine Einladung zu Vorträgen beim 2. Nürnberger Personalentscheider Netzwerktreffen (wer denkt sich eigentlich so lange Veranstaltungsnamen aus?) geht und die Veranstaltung auch noch in dem von mir mehr als geschätzten Schindlerhof in Nürnberg-Boxdorf stattfinden würde, hatte ich mich bereits zu einer Teilnahme entschieden.

Am 18.07. fand diese Veranstaltung nunmehr statt. – Hier ein kurzer Bericht:

Das neue Schreckgespenst: Überstunden!

Nach dem Auftakt mit zwei kleinen Werbeblocks der Veranstalter und Sponsoren, ging es auch direkt in den ersten Vortrag der sympathischen Rechtsanwältin Stephanie Ziegler aus der Kanzlei Stulle, Wagner und Kollegen. Diese firmiert unter der imposanten Internetadresse mehr-gerechtigkeit.de. Klingt ein wenig nach Robin Hood der Gesetzbücher, ist aber wahrscheinlich beabsichtigt.

Der Vortrag „Überstunden – ein leidiges Thema?!“ traf den Nerv der ca. 60 anwesenden Personaler bzw. Geschäftsführer kleinerer bzw. mittelständischer Unternehmen der Region. Die aktuell über ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts eingeläutete faktische Beweislastumkehr zugunsten der Arbeitnehmer, stellt viele Unternehmen vor neue Probleme, was die Nachweisbarkeit geleisteter Arbeitszeit bzw. Pausenzeiten angeht. Insofern war es nicht verwunderlich, dass es zahlreiche Fragen der Teilnehmer gab, zum Beispiel zu erlaubten und nicht erlaubten Vertragsgestaltungen, hinsichtlich der zu leistenden Arbeitszeit oder der Definition von Überstunden. Die Betroffenheit der Anwesenden schien sehr hoch zu sein. Frau Ziegler ist es dabei gut gelungen, die juristisch komplexen Sachverhalte für die Zuhörer verständlich aufzubereiten. (Klingt irgendwie fast nach einer Formulierung in einem Arbeitszeugnis)

plenum Der Social Media Schocker

Im Anschluss fegte ein aufgeweckter Josef Buschbacher über die Bühne, seines Zeichens Berater und Trainer. Sein Thema „„Social Media live erleben! Impulse für einen wirkungsvollen Arbeitgeberauftritt im Web 2.0“. Dabei konfrontierte er die versammelte Mannschaft mit Einblicken in die schöne (und manchmal auch nicht schöne) Welt der Social Media.

Auf dem Flipchart entstanden sehr schnell ansprechende bunte Grafiken und Übersichten zur Nutzung von Unternehmenswebsites, XING und Facebook sowie deren Zusammenspiel. Auch wenn sich von ihm verwendete Informationen, z.B. hinsichtlich der Altersverteilung unter Facebook-Nutzern im Netz nach aktuellen Live-Berechnungen so nicht nachvollziehen lassen, bzw. sich etwas anders darstellen, so waren doch die dahinterliegenden Thesen auf der Tonspur, warum welche Altersgruppe Facebook nutzt, relevant und plausibel.

Im Tempo eines Hochgeschwindigkeitszugs stürzte der Referent von einer Enthüllung darüber, was heute im Social Web abgeht, weiter zum nächsten Schocker. Dabei standen zum Beispiel Plattformen im Fokus, wie bizzwatch.de, die sich als bösartige (und damit sehr schlechte) Kopie von kununu.de zu platzieren versuchen. Dort werden die Nutzer animiert, ihren Chef zu bewerten (oder schlicht: ihm eines rein zu würgen). Dazu kam ein Forum namens Chefduzen.de. Dort erzählen Blaumach-Profis aus der Hartz IV-Szene, wie man unterschiedliche Krankheiten vortäuscht, was dem Arbeitgeber jeweils zu erzählen ist und wie man den Arzt bei der Diagnose täuschen kann. Ausführlich, transparent und wahrscheinlich sogar sehr wirksam. – Der Saal zeigte blankes Entsetzen!

Ja, so sind Social Media! Da kann jeder sagen was er will. Und wenn sich darüber jemand ech.., äh, esch.., also aufregt, dann muss er es erst einmal schaffen, mit der juristischen Keule zielgenau zu treffen.

Ein wenig schade fand ich es, dass die von Vertretern kleinerer Unternehmen eingeworfenen kritischen Fragen, warum ein Facebook-Nutzer die Facebook-Unternehmensseite eines kleinen Unternehmens eigentlich liken sollte, vom Referenten nicht wirklich beantwortet wurden. Das lag aber hoffentlich nicht daran, dass selbst die eigene Facebook-Seite des Referenten nach einem Jahr online nur 12 Likes aufweist und keinerlei Postings… (zwischenzeitlich scheint dem Referenten dieser Zustand zu peinlich gewesen zu sein und er hat kurzerhand seine Seite aus Facebook genommen)

Jetzt isser aber wieder gemein, der Scheller. Da wird er zu einem Event eingeladen und dann hat er nur zu lästern! Nein, im Ernst. Mit diesem Blog möchte ich bewusst meinen manchmal etwas kritischeren Blickwinkel auf die Welt leben. Gefallen hat mir der Vortrag von Herrn Buschbacher trotzdem. Weil er aufgezeigt hat, dass sich heute kein Unternehmen mehr verstecken kann in den Weiten des Internets. Irgendwo wird darüber gesprochen. Entweder auf offiziell vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Seiten, oder eben im Untergrund.

Die Diversity-gerechte Glücksfee (m/w)

Im Zeitalter der Emanzipation und der Gegenbewegung (nennt sich diese dann eigentlich „Efrauzipation?“) wurde ich gegen Ende des offiziellen Parts noch auf die Bühne gerufen, um als männliche Glücksfee die Verlosung von Sachpreisen vorzunehmen. Das kommt davon, wenn man unbedingt strebermäßig in der zweiten Reihe hinter den VIPs sitzen muss…

gluecksfee Im Anschluss an die beiden Vorträge begann der Networking-Part. Hier konnte ich zahlreiche sympathische HR-Kollegen bzw. Führungskräfte kleinerer Unternehmen kennen lernen. Der Austausch ist immer besonders wertvoll, um den eigenen Horizont stetig zu erweitern und sich bewusst zu machen, dass in kleinen und mittelständischen Unternehmen HR-Themen teilweise völlig anders behandelt werden (müssen), als in einer größeren Firma wie der DATEV. Dazu gab es ein leckeres Flying Buffet.

Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung – ich bin schon gespannt auf das nächste Mal.

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