Wie „sozial“ ist Social Recruiting tatsächlich?

Der Markt für Recruiting-Dienstleistungen ist zunehmend ein Markt für Experten. Klein- und Kleinstunternehmen können die unzähligen Angebote der verschiedenen Dienstleister überhaupt nicht mehr überblicken. Selbst mir, der ich beruflich den ganzen Tag mit Anbietern und deren vielfältigen Produkten zu tun habe, fällt es nicht leicht, den Überblick zu erhalten. Täglich gehen neue Portale an den Start, oftmals sogar mit neuen Ideen. Auch Social Recruiting Plattformen sind dabei.

Der Begriff Social Recruiting

Dass Social Recruiting irgendwann als Begriff und Trend auftauchen würde, war mit dem Siegeszug von Social Media klar. Dabei verbirgt sich dahinter in erster Linie ein guter alter Bekannter: Das klassische Empfehlungsmarketing. Nur dass ich heute nicht mehr warten muss, bis mir mein Kumpel, dem ich einen Job empfehlen möchte, mal wieder zufällig über den Weg läuft. Im Zeitalter des always-online geht das bequem per Smartphone. Infos über offene Jobs, die ich interessant finde, kann ich beliebig weiterverteilen via E-Mail, Facebook, Twitter, google+, oder über Onlineplattformen, wie zum Beispiel Jobleads oder neu Jobcrowd.

Aber nur „social“ darf das Recruiting auf diesen Plattformen dann auch wieder nicht sein. Von „social“ alleine wird man schließlich nicht satt. Da wird dem sozialen Gedanken, einem Freund einen für ihn passenden Job zu vermitteln, ein wenig auf die Sprünge geholfen mit einer finanziellen Prämie. Damit der Job auch wirklich vermittelt wird.

Vermitteln von Jobs gegen Prämie

Andererseits könnte man einwenden, dass das soziale Element in diesem Fall darin begründet liegt, dass dem Vermittler (finanziell) etwas Gutes getan wird. Bei bis zu mehreren tausend Euro für eine einzige Jobvermittlung kann das durchaus, insbesondere für einen studentischen Vermittler, eine lukrative Zusatzeinnahmequelle sein. Ach, nie war es schöner, sozial zu sein.

Wahrscheinlich denkt sich das auch das Finanzamt, wenn es feststellt, dass der ein oder andere gerade sowas von sozial unterwegs ist, dass man ihm gar eine gewerbliche Absicht unterstellen könnte. Wie würde man eine solche Person eigentlich dann nennen? Gewerblicher Sozialist? Ein Schelm wer Böses dabei denkt…

Aber schauen wir uns doch mal zwei dieser Social Recruiting Plattformen an:

Empfehlungsportale: Jobleads vs. Jobcrowd

Screenshot: http://www.jobleads.de
Screenshot: http://www.jobleads.de

Beide Anbieter werben um Registrierungen sowohl seitens Unternehmen zum Aufbau eines so genannten Unternehmensprofils, als auch seitens möglicher Jobvermittler.

Beim Schalten von Stellenanzeigen unterscheiden sich die Anbieter. Während Jobleads eine Gebühr ab 399 Euro/Monat für das Einstellen eines Jobangebots verlangt, nennt Jobcrowd die Einstellung kostenfrei, unabhängig von der Länge der Anzeigenschaltung. Dafür ist eine Vermittlungsprämie von mindestens 1.000 Euro bzw. mindestens 200 Euro bei Praktikanten- oder Werkstudentenstellen fällig, sobald eine Vermittlung erfolgreich war.

Dabei gehen 50% der Vermittlungsprämie an Jobcrowd, die anderen 50% sind der Vermittlungsanreiz für das Social Recruiting. Bei Jobleads hingegen wird seitens des Anbieters mit der Gebühr für die Anzeigenschaltung eine 500 Euro Prämie ausgelobt. Das inserierende Unternehmen kann diese Prämie aber mit eigenen Budgetmitteln beliebig aufstocken.

Screenshot: www.jobcrowd.de - Social Recruiting
Screenshot: www.jobcrowd.de

Fazit zum Plattform-Vergleich

Vom Ansatz her sind beide Plattformen daher grundsätzlich vergleichbar, wenngleich auch im weiteren Bewerbungsprozess Unterschiede zu erkennen sind: Während bei Jobcrowd jegliche Empfehlung zur Bewerbung möglich ist, also auch die direkte Bewerbung beim inserierenden Unternehmen, erfolgt bei Jobleads eine Bewerbung nur über die Jobleads-Plattform.

Ein Unterschied, der vor allem für Datenschützer interessant sein könnte, wenn es darum geht, wem die Bewerberdaten „gehören“ bzw. wer sie vor unberechtigten Zugriffen zu schützen hat.

Die Zukunft wird es zeigen

Jobleads als Unternehmen ist seit 2007 am Start und bezeichnet sich als „Deutschlands führendes Premium Online-Recruiting-Portal für Jobs ab einem Jahresgehalt von 50.000 Euro.“, Jobcrowd geht gerade neu an den Start.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Idee, „Social Recruiting“ mittels Prämienauslobung anzuschieben, weiter entwickelt. Insbesondere interessiert mich dabei, ob das Aufkommen solcher Portale den Niedergang des intrinsisch motivierten Sharing-Gedankens einläutet. Hin zu einer „Was kriege ich dafür?“-Einstellung.

Oder zeigen die Geschäftsmodelle der beiden aufgezeigten Portale am Ende nur, dass sich im umkämpften Bewerbermarkt manch ein Unternehmen eben stärker anstrengen muss, um einen Job zu vermitteln, als andere. Die Höhe der Prämie könnte dabei ein Indiz für die Schwere der Vermittelbarkeit sein.

Was meint Ihr?


Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

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