kununu übergibt Arbeitgeberbewertungen an XING

Mit einer großangelegten Medienkampagne verkündete das Karrierenetzwerk XING am 08.01. die Übernahme des Arbeitgeberbewertungsportals kununu. Die Szene horchte auf und bewertete die strategischen Überlegungen von XING zum Ausbau seiner Marktposition. Auch in den sozialen Medien vernahm man ein geteiltes Echo. So attestierten zahlreiche Nutzer auf der Facebookseite von KarriereSPIEGEL dem Zusammenschluss wenige Erfolgsaussichten, da sich kununu trotz guter Platzierung im Markt nur langsam entwickele und viele große Firmen nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Bewertungen vorweisen können. In teilweise recht emotionalen Diskussionen wurden derweil auf Facebook allerlei Vermutung und Behauptungen aufgestellt, die von Bewertenden als “frustrierte Giftzwerge mit viel Tagesfreizeit” sprechen, oder dass man (bzw. in diesem Fall “Frau”) konkrete Beweise für gefälschte positive Arbeitgeberbewertungen habe.

Auch die Firma DATEV ist bei kununu aktiv vertreten. Über die in Summe betrachtet sehr gute Bewertung der DATEV hinausgehend, pflegen die Verantwortlichen auch ein kostenpflichtiges Arbeitgeberprofil.

Warum tun ein Unternehmen wie DATEV das?

Das soziale Web zeichnet sich dadurch aus, dass heutzutage jeder als Autor im Internet fachliche Inhalte und persönliche Meinungen veröffentlichen kann. Umgekehrt können über Funktionen wie “Gefällt mir”, “Teilen” oder “Kommentieren” diese Meinungen beliebig weiterverteilt bzw. abgeschwächt oder verstärkt werden.

Eine große Firma wie DATEV, bei der über 7.000 Menschen zusammenarbeiten, erzeugt täglich nach außen wie innen Reaktionen. Bei jedem Mitarbeiter, der z.B. seine Führungskraft in einer Weise erlebt, die ihm entweder besonders gut oder überhaupt nicht gefällt, entstehen Emotionen und es formt sich bei Wiederholung ein zunehmend gefestigter Eindruck. Das ist die Keimzelle des Arbeitgeberimages.

Insbesondere bei Nichterfüllung der Versprechen, die im Rahmen der Personalmarketing-Aktivitäten gegenüber zukünftigen Mitarbeitern abgegeben wurden, drängt es Mitarbeiter dazu, ihre Meinung zu äußern. Gleiches gilt bei überraschender Begeisterung. Ein Arbeitgeberbewertungsportal kann hier ein geordneter Kanal sein, um sich entsprechend Gehör zu verschaffen (negativ wie positiv).

Chance auf systematisches Feedback

Für die Arbeitgebermarkenverantwortlichen ist die Bündelung solcher Feedbacks eine Chance, diese systematisch wahrzunehmen und als Gradmesser für Entwicklungen im Unternehmen herzunehmen. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass weit über 1.000 Benachrichtigungs-E-Mails bei jeder neuen Bewertung der DATEV auf kununu versandt werden, dann ist diese Meinungsäußerung zudem sehr aufmerksamkeitsstark.

Und mal ehrlich: Negative Bewertungen sind ja nicht per se unwahr oder stets reine Trotzreaktionen. Zumindest lief in diesem Einzelfall arbeitgebermarkenkonformes Verhalten nicht konform mit den Erwartungen des Mitarbeiters oder Bewerbers. Eine willkommene Möglichkeit, sich das Thema selbstkritisch anzuschauen.

Können Bewertungen gekauft werden?

Beim Thema “selbstkritisch”: Viele Bewertungsportale kämpfen zwischenzeitlich um ihren Ruf, weil es spezialisierte Dienstleister gibt, bei denen positive Bewertungen gekauft werden können. Meiner Meinung nach schaden sich Firmen selbst, die auf diese Weise versuchen Missstände zu vertuschen: Wenn ein Bewerber aufgrund falscher Versprechen einen Job antritt, dann wird er diesen Arbeitgeber sehr schnell wieder verlassen und das Unternehmen steht am Anfang und sucht wieder neue Mitarbeiter. Ein wirtschaftlich höchst fragwürdiger Effekt.

Fazit

Ein Unternehmen wie DATEV ist nicht nur “werbend” auf kununu vertreten, sondern bittet auch jeden, der in der Rolle Bewerber, Mitarbeiter oder Azubi mit uns Kontakt hat, eine ehrliche und differenzierte Bewertung vorzunehmen.


Stefan Scheller

Abbinder: Persoblogger Stefan Scheller

Mein Name ist Stefan Scheller. In meiner Rolle als Persoblogger betreibe ich diesen Blog und das gleichnamige HR-Portal für Praktiker. Als HR-Manager in einem IT-Unternehmen und Szene-Influencer, danke ich Ihnen für das Lesen meiner Beiträge und hören meines Podcasts.

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